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	<title>Europareform | United Europe</title>
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	<title>Europareform | United Europe</title>
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		<title>Lard Friese: Altern kennt keine Grenzen</title>
		<link>https://www.united-europe.eu/de/2019/07/altern-kennt-keine-grenzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dorian Simon]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jul 2019 12:58:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Prominente Meinungen]]></category>
		<category><![CDATA[demografische Entwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Angeregt durch die Artikelreihe „Europa kann es besser“, die von April bis Mai 2019 von United Europe und dem Handelsblatt veröffentlicht wurde, hat die niederländische Zeitung „Het financieele Dagbald“ Meinungen und Visionen von acht niederländischen&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_15026" aria-describedby="caption-attachment-15026" style="width: 320px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Lard-Friese.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-thumbnail wp-image-15026" src="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Lard-Friese-320x240.jpg" alt="" width="320" height="240" srcset="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Lard-Friese-320x240.jpg 320w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Lard-Friese-300x225.jpg 300w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Lard-Friese-560x420.jpg 560w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Lard-Friese-600x450.jpg 600w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Lard-Friese-640x480.jpg 640w" sizes="(max-width: 320px) 100vw, 320px" /></a><figcaption id="caption-attachment-15026" class="wp-caption-text">Lard Friese, CEO NN Group</figcaption></figure>
<p><em><span class="s1">Angeregt durch die Artikelreihe </span></em>„<em><span class="s1"><strong>Europa kann es besser</strong></span></em>“<em><span class="s1">, die von April bis Mai 2019 von <strong>United Europe</strong> und dem <strong>Handelsblatt</strong> veröffentlicht wurde, hat die niederländische Zeitung „<strong>Het financieele Dagbald</strong>“ Meinungen und Visionen von acht niederländischen CEOs für eine gemeinsame und wettbewerbsfähige EU veröffentlicht. Nachfolgend finden Sie den Artikel von <strong>Lard Friese, CEO of NN Group:</strong></span></em></p>
<p>Die europäische Zusammenarbeit begann in den 1950er Jahren, um nach einer langen Zeit der Kriege zwischen den Nachbarländern Stabilität zu erreichen. Europäische Integration durch wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit mit dem Ziel, Frieden zu schaffen. Es ist gut, dass wir weiterhin über die Vor- und Nachteile diskutieren, darüber, was national geregelt werden kann und was gemeinsam geregelt werden kann, über die Modernisierung des Verbandes und über die Verbesserung des Governance-Modells und der Wirksamkeit.</p>
<p>Aber wir dürfen nicht aus den Augen verlieren, dass unsere Generation von der Stabilität, Sicherheit und dem Wohlstand profitiert, die diese einzigartige, multilaterale Zusammenarbeit gebracht hat. Sicherlich jetzt, in einer Zeit, in der die Welt mit großen geopolitischen Fragen in Bezug auf Handel, Sicherheit, Migration und Klima konfrontiert ist.</p>
<p><strong>Lebenserwartung<br />
</strong>Die Europäische Union spielt eine wichtige Rolle bei Herausforderungen, die für jedes Land gleich sind, trotz der vielen kulturellen Unterschiede. Dies sind wichtige Themen für gegenwärtige und zukünftige Generationen, die keine nationalen Grenzen kennen, wie beispielsweise &#8211; in der Nähe meiner eigenen täglichen Praxis &#8211; die Alterung der Bevölkerung.</p>
<p>Es spielt keine Rolle, aus welchem Land Sie kommen oder welche politische Zugehörigkeit Sie haben, die demografische Realität, die wir immer älter werden, gilt für alle Länder der Union. Und das hat Konsequenzen. Seit den 1950er Jahren ist die Lebenserwartung der Menschen gestiegen, und in Zukunft wird es mehr ältere Menschen als junge Menschen geben. Heute ist in der EU etwa ein Fünftel der Bevölkerung über 65 Jahre alt, und in 20 Jahren wird es fast ein Drittel sein. In der europäischen politischen Debatte scheint diesem Thema relativ wenig Aufmerksamkeit zu geschenkt zu werden.</p>
<p>Die europäischen Länder bereiten sich auf diese demografische Realität auf unterschiedliche Weise vor, aber die Ausgangslage ist überall unterschiedlich. Viele osteuropäische Länder befinden sich noch in der Anfangsphase des Aufbaus eines nachhaltigen Rentensystems. In einigen großen europäischen Ländern gibt es hauptsächlich eine öffentliche Rente, bei der die Frage ist, wie nachhaltig ihre Finanzierung ist. In anderen Ländern &#8211; wie den Niederlanden &#8211; wurden erhebliche Einsparungen im Alter vorgenommen. Aber auch in unserem Land können wir es nicht vermeiden, das System an die heutige Gesellschaft anzupassen, was meiner Meinung nach zu einer persönlicheren Rente führen sollte.</p>
<p><strong>Verantwortung<br />
</strong>Unabhängig davon, wie das System pro Land eingerichtet ist, tickt die demografische Uhr. Darüber hinaus ziehen sich in vielen Ländern die Regierungen teilweise aus ihrer fürsorglichen Rolle zurück, und die Menschen werden zunehmend für ihre eigenen Renten verantwortlich. Das Sparen ist aufgrund des niedrigen Zinssatzes weniger attraktiv und gleichzeitig können Finanzinstitute weniger Garantien (auf erschwingliche Weise) anbieten, teilweise aufgrund von Vorschriften. Infolgedessen verlagern sich die Risiken zunehmend auf den Menschen selbst.</p>
<p>Das bedeutet, dass die Haushalte in Europa mehr als in der Vergangenheit ihre eigenen Entscheidungen treffen und die Verantwortung für ihre (langfristige) Finanzplanung, für die Organisation ihrer Renten und für den Vermögensaufbau in einem Umfeld mit sehr niedrigen Zinssätzen übernehmen müssen. Und doch wissen wir, dass die meisten Menschen nur ein begrenztes Interesse an finanziellen Fragen haben. Als Sektor selbst müssen wir gemeinsam mit den Regierungen hart daran arbeiten, das Wissen und Bewusstsein der Verbraucher zu verbessern. Und wir müssen den Menschen helfen, fundierte finanzielle Entscheidungen zu treffen.</p>
<p>Die Organisation der Rentensysteme ist in erster Linie eine nationale Angelegenheit. Es ist jedoch gut, dass die EU sich ständig der Bedeutung einer verantwortungsvollen Pensionsrückstellung bewusst ist. Wir können auch viel mehr bei Themen wie Bewusstsein und Bildung zusammenarbeiten. Wir müssen die Vorschriften für die Kommunikation von Finanzprodukten wirksam, einfach und verständlich halten. Meiner Meinung nach sollte die Finanzausbildung ein integraler Bestandteil des Bildungsplans sein, überall, damit wir gemeinsam die Stabilität und den Wohlstand, die Europa uns gebracht hat, an die zukünftigen Generationen weitergeben können.</p>
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		<item>
		<title>Eelco Hoekstra: Die Zusammenarbeit über Grenzen hinweg ist die beste Option</title>
		<link>https://www.united-europe.eu/de/2019/06/eelco-hoekstra-die-zusammenarbeit-ueber-grenzen-hinweg-ist-die-beste-option/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dorian Simon]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Jun 2019 06:34:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Prominente Meinungen]]></category>
		<category><![CDATA[Eelco Hoekstra]]></category>
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		<category><![CDATA[Royal Vopak]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Angeregt durch die Artikelreihe „Europa kann es besser“, die von April bis Mai 2019 von United Europe und dem Handelsblatt veröffentlicht wurde, hat die niederländische Zeitung „Het financieele Dagbald“ Meinungen&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_15002" aria-describedby="caption-attachment-15002" style="width: 320px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Eelco-Hoekstra.jpg"><img decoding="async" class="size-thumbnail wp-image-15002" src="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Eelco-Hoekstra-320x240.jpg" alt="" width="320" height="240" srcset="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Eelco-Hoekstra-320x240.jpg 320w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Eelco-Hoekstra-300x225.jpg 300w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Eelco-Hoekstra-560x420.jpg 560w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Eelco-Hoekstra-600x450.jpg 600w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Eelco-Hoekstra-640x480.jpg 640w" sizes="(max-width: 320px) 100vw, 320px" /></a><figcaption id="caption-attachment-15002" class="wp-caption-text">Eelco Hoekstra, CEO Royal Vopak</figcaption></figure>
<p class="p1"><em><span class="s1">Angeregt durch die Artikelreihe </span></em>„<em><span class="s1"><strong>Europa kann es besser</strong></span></em>“<em><span class="s1">, die von April bis Mai 2019 von <strong>United Europe</strong> und dem <strong>Handelsblatt</strong> veröffentlicht wurde, hat die niederländische Zeitung „<strong>Het financieele Dagbald</strong>“ Meinungen und Visionen von acht niederländischen CEOs für eine gemeinsame und wettbewerbsfähige EU veröffentlicht. Nachfolgend finden Sie den Artikel von <strong>Eelco Hoekstra, CEO von Royal Vopak</strong>:</span></em></p>
<p class="p1"><span class="s1">Für die Niederlande ist die Europäische Union ein natürliches Projekt, das auf der uralten Erkenntnis aufbaut, dass wir durch die Zusammenarbeit stärker sind und mit einer offenen Wirtschaft besser dran sind. Ein Unternehmen wie Royal Vopak ist ein gutes Beispiel dafür. Unsere Wurzeln liegen im Hafen von Amsterdam, wo sich um 1616 eine Gruppe von Hafenarbeitern im Blauwhoedenveem zusammenschloss, um Schiffe zu entladen und Waren aus aller Welt zu den Lagerhäusern der Händler zu transportieren.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">In den letzten 400 Jahren haben sich die Welt und unser Unternehmen dramatisch verändert, aber wir existieren immer noch durch die Gnade offener Märkte und grenzüberschreitender Zusammenarbeit. Als Tanklagerunternehmen erleichtern wir den internationalen Handel mit Produkten, die für unser tägliches Leben lebenswichtig sind. Dabei handelt es sich um chemische Produkte, Ölprodukte, Gase, Speiseöle und Biokraftstoffe, möglicherweise einschließlich Wasserstoff in der Zukunft.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Dank offener Märkte können Verbraucher und Unternehmen darauf vertrauen, dass Produkte rechtzeitig und zu den niedrigsten Kosten verfügbar sind. Sie bietet uns in den Niederlanden und den Menschen in anderen Teilen der Welt Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die Europäische Union ist daher von unschätzbarem Wert für Unternehmen, niederländische Arbeitnehmer und die Gesellschaft. Als Verfechter offener Märkte, weniger Handelsbarrieren und gleicher Wettbewerbsbedingungen für große und kleine Unternehmen in der Welt hat Europa Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit gebracht &#8211; und damit eine stärkere Position in der Welt, Stabilität und Frieden. Darüber hinaus sind der Klimawandel, der Energiewandel, saubere Luft, Cybersicherheit, Einwanderung und Ernährung für eine wachsende Weltbevölkerung keine nationalen, sondern internationale Herausforderungen. Wir können sie nur durch internationale Zusammenarbeit wirksam bekämpfen. Auch hier ist die Europäische Union, deren Kurs das Europäische Parlament mitentscheidet, von entscheidender Bedeutung.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die Europäische Union steht für Offenheit und Dialog, Sicherheit und Recht. Diese sind nicht selbstverständlich. Nur durch eine enge Zusammenarbeit können die europäischen Länder auf dem Weltmarkt konkurrieren, den Protektionismus bekämpfen und unseren Wohlstand, unser Wohlergehen und unsere Sicherheit garantieren.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Deshalb sollten wir die europäische Zusammenarbeit nicht schwächen, sondern stärken. Indem wir die Errungenschaften schätzen und wo nötig an Verbesserungen arbeiten, tun wir uns und unseren Kindern einen großen Dienst. Ich hoffe, dass wir alle weiterhin darauf vertrauen, dass die grenzüberschreitende Zusammenarbeit uns letztendlich am meisten bringen wird. Im Laufe der Jahrhunderte haben wir gelernt, dass dies die beste Option ist.</span></p>The post <a href="https://www.united-europe.eu/de/2019/06/eelco-hoekstra-die-zusammenarbeit-ueber-grenzen-hinweg-ist-die-beste-option/">Eelco Hoekstra: Die Zusammenarbeit über Grenzen hinweg ist die beste Option</a> first appeared on <a href="https://www.united-europe.eu/de/">United Europe</a>.]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Johannes Teyssen: Brief an einen Europaskeptiker</title>
		<link>https://www.united-europe.eu/de/2019/05/johannes-teyssen-brief-an-einen-europaskeptiker/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dorian Simon]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 May 2019 13:58:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Prominente Meinungen]]></category>
		<category><![CDATA[EU]]></category>
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		<category><![CDATA[United Europe]]></category>
		<category><![CDATA[Weckruf für Europa]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Lieber Europaskeptiker, lassen Sie uns über Europa sprechen! Sie winken ab? Sie sind gar nicht gegen Europa, nur europa-müde? Das überrascht mich nicht. Sie bedauern, leider eine höchst reizbare Allergie&#8230;</p>
The post <a href="https://www.united-europe.eu/de/2019/05/johannes-teyssen-brief-an-einen-europaskeptiker/">Johannes Teyssen: Brief an einen Europaskeptiker</a> first appeared on <a href="https://www.united-europe.eu/de/">United Europe</a>.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_14323" aria-describedby="caption-attachment-14323" style="width: 320px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Teyssen_Website1.jpg"><img decoding="async" class="size-thumbnail wp-image-14323" src="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Teyssen_Website1-320x240.jpg" alt="" width="320" height="240" srcset="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Teyssen_Website1-320x240.jpg 320w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Teyssen_Website1-300x225.jpg 300w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Teyssen_Website1-560x420.jpg 560w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Teyssen_Website1-600x450.jpg 600w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Teyssen_Website1-640x480.jpg 640w" sizes="(max-width: 320px) 100vw, 320px" /></a><figcaption id="caption-attachment-14323" class="wp-caption-text">Dr. Johannes Teyssen, CEO von E.ON SE</figcaption></figure>
<p>Lieber Europaskeptiker,</p>
<p>lassen Sie uns über Europa sprechen! Sie winken ab? Sie sind gar nicht gegen Europa, nur europa-müde? Das überrascht mich nicht. Sie bedauern, leider eine höchst reizbare Allergie gegen pathetische Sonntagsreden und wohlfeile Belehrungen entwickelt zu haben? Das habe ich auch. Sie wollen nichts mehr hören über Quoten, Verbote und Grenzwerte? Ich kann Sie verstehen. Sie haben es aufgegeben, dem Rosenkrieg zwischen der EU und Großbritannien in jedem Winkelzug zu folgen? Wer nicht.</p>
<p>Und dennoch: Wir müssen über Europa reden! Denn, ob wir wollen oder nicht, Europa ist und bleibt unsere einzige Chance, uns in der ungemütlichen Welt des 21. Jahrhunderts zu behaupten. Bei allem verständlichen Wunsch nach der kleinen, überschaubaren und sicheren Heimat, die Wahrheit ist: Das allein trägt uns nicht in eine gute Zukunft. Wir müssen über Europa reden, denn Europas Zukunft ist unsicherer, als viele glauben. Mit Großbritannien bricht ein starker Pfeiler der Gemeinschaft weg. Das ist gemessen an der Wirtschaftskraft so, als würden die 19 wirtschaftlich kleinsten Länder in der Union alle auf einmal gehen. Ein tiefer und schmerzhafter Einschnitt.</p>
<p>Aber nicht nur im Vereinigten Königreich, auch in anderen Mitgliedsländern gewinnen Europaverächter an Boden. Es ist aber nicht das größte Problem Europas, dass es so viel Europa-Gegner gibt. Das größte Problem Europas ist vielmehr, dass es so wenig Europa-Freunde gibt, die das auch laut sagen und danach handeln. Weil sie wissen, wie sehr wir die EU heute brauchen und in Zukunft noch mehr brauchen werden, um so zu leben, wie wir es als Europäer für selbstverständlich halten – in Frieden und Wohlstand.</p>
<p>Schauen wir einmal nicht, wie so oft in letzter Zeit, nach Westen, über den Kanal, sondern nach Osten, über die alte Systemgrenze hinweg nach Osteuropa. Denn dort sehen wir, zu welchen großartigen Leistungen wir in Europa auch heute noch imstande sind. Mit den beiden Wellen der Osterweiterung der EU 2004 und 2007 sind die Länder Ost- und Mitteleuropas dort wieder angekommen, wo sie immer waren und hingehören: in der Mitte Europas. Eine Befreiung aus Diktatur und externer Abhängigkeit, mit der eine Erfolgsgeschichte begann, die das Leben der Menschen dort verbessert und auch ganz Europa bereichert hat. Die Wirtschaft wächst im Osten anhaltend stärker als im Westen. Der Aufschwung kommt zunehmend auch bei den Menschen an. Zwar sind die Löhne noch niedriger als im Westen, steigen aber überall in der Region stark. Zugleich ist die Arbeitslosigkeit deutlich gesunken. Die Arbeitslosenquoten in Tschechien, Polen oder Ungarn gehören mittlerweile zu den niedrigsten in Europa. Inzwischen macht sich Fachkräftemangel bemerkbar. Was für eine Leistung dieser Länder mitten in Europa!</p>
<p>Wir bei E.ON sind stolz darauf, Teil dieser Erfolgsgeschichte zu sein. Die Wurzeln unserer Aktivitäten in Rumänien, der Slowakei, Tschechien und Ungarn reichen bis weit in das letzte Jahrhundert. In diesen Ländern versorgen wir 7,8 Millionen Kunden mit Energie. Wir verfügen dort über Strom- und Gasnetze mit einer Länge von insgesamt 315.000 km – achtmal rund um die Erde. Mit der geplanten Übernahme von innogy werden wir unsere Aktivitäten in Osteuropa deutlich verstärken und auf weitere Länder der Region ausweiten. Den beeindruckenden Weg dieser Länder zu Demokratie, wirtschaftlichem Aufschwung und einem wiedergewonnen europäischen Selbstverständnis haben wir aus der Nähe begleitet und nach Kräften unterstützt. Aus eigenem Erleben kennen wir die Erfolge auf diesem Weg wie ebenso auch die inneren Spannungen, die dabei fast unvermeidlich auftreten. Bei mir ist aus vielen Begegnungen in Osteuropa eine große persönliche Sympathie für diese Region und ihre großzügigen, pragmatischen und auf ihre eigenen Leistungen zu Recht stolzen Menschen entstanden. Die europäische Idee lebt und sie verdient es, dass wir uns überall in Europa dafür einsetzen.</p>
<p>Im Westen Europas werden manche der osteuropäischen Mitglieder der EU als äußerst selbstbewusst oder, weniger diplomatisch gesagt, als sperrig wahrgenommen. Diskurslinien über Migration, Rechtstaatsverständnis oder über das Verhältnis zu Rußland laufen nicht selten in Ost-West-Richtung. So entsteht für manche ein Bild Osteuropas aus Verschlossenheit, Nationalismus und Illiberalität. Diese Sichtweise ignoriert nicht nur die erheblichen Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern der Region. Sondern auch die gewaltige Leistung der Menschen dort. Sie haben allen Grund, stolz zu sein auf die demokratischen Gemeinwesen, die sie nach langer Unterdrückung aufgebaut haben. Und alles Recht, auf dem Boden der europäischen Wertegemeinschaft ihren eigenen Weg zu gehen. Wer will den Menschen in Osteuropa angesichts ihrer geschichtlichen Erfahrungen ernsthaft verdenken, dass sie auf Bevormundungsversuche sensibel reagieren. Man muss nicht jede politische Entwicklung in Osteuropa verteidigen, um einen respektvollen Umgang mit dieser Kernregion Europas zu erwarten. Der alte Westen Europas täte gut daran, sich tatsächlich Mühe zu geben, die östlichen Nachbarn und ihre spezifische, historisch geprägte Situation besser verstehen und respektieren zu lernen.</p>
<p>Und schließlich: Was die Europäer im Osten beschäftigt, bewegt auch die Europäer im Westen. Viele fragen sich: Wie können wir ein weltoffenes Europa sein und zugleich die vielfältigen Eigenheiten unserer Länder erhalten? Wenn dabei aus patriotischer Heimatliebe rigider Nationalismus wird, so ist das keine Spezialität einiger osteuropäischer Länder. Der bulgarische Politikwissenschaftler Ivan Krastev schreibt: „Die Spaltung zwischen dem Westen und dem Osten Europas in den Einstellungen zu Diversität und Migration hat große Ähnlichkeit mit der Spaltung zwischen den kosmopolitischen Großstädten und ländlichen Gegenden innerhalb der westlichen Gesellschaften.“ (Europadämmerung 2017). Ein hochmütiger Blick von West nach Ost verbietet sich also. Die Gelbwesten marschieren nicht in Prag oder Bukarest. Der Brexit findet nicht in Polen oder Ungarn statt. In ganz Europa hat sich ein Gefühl der Entwurzelung und Verunsicherung ausgebreitet, das die Gemeinschaft spaltet, ja: sie zu zerreissen droht. Europa als Elitenprojekt funktioniert nicht!</p>
<p>Was ich in den osteuropäischen Ländern, bei Begegnungen mit den Menschen dort, immer wieder erlebe, ist ein lebendig gebliebenes Gefühl für die Vielfalt kulturellen Herkommens. Für die Rolle und die Chancen von Diversität. Dass man manches, aber nicht alles vereinheitlichen muss. Das ist ein ureuropäischer Gedanke. Vielfalt ist eine Stärke Europas – gerade heute. Denn die Welt ist wieder in eine Phase eingetreten, in der Technologie die künftige globale Verteilung von Prosperität und die relative Wettbewerbsfähigkeit der Weltregionen entscheidend bestimmt. Ähnlich dem Industrialisierungswettlauf im 19. Jahrhundert. Aber diesmal hängt Europa zurück. Wir müssen aufholen. Dabei wäre es naiv zu glauben, Silicon Valley könne einfach kopiert werden – es ist zu einer bestimmten Zeit unter ganz spezifischen Bedingungen entstanden, die nicht reproduziert werden können. Die Grundbedingungen für eine entfesselte Innovationsdynamik kann aber nicht nur Silicon Valley bieten: Innovationen entstehen dort, wo sich Menschen mit den unterschiedlichsten persönlichen, kulturellen und professionellen Hintergründen frei und offen austauschen können. Das können wir in Europa – und vielleicht sogar besser als andere. Produktive Diversität ist eine traditionelle Stärke Europas, die allerdings etwas aus dem Blick geraten ist.</p>
<p>Natürlich gibt es wichtige Bereiche, wo wir in Europa einheitliche Rahmenbedingungen brauchen, in der Energie etwa, im Klimaschutz oder der Telekommunikation. Natürlich sind der Europäische Binnenmarkt und eine gemeinsame Währung große Vorteile für Bürger und Unternehmen. Darin allein kann aber eine gute Zukunft Europas nicht liegen. Große Teile der Bürger wollen eine Einigung Europas allein aus ökonomischen Gründen oder Sachzwängen ohnehin nicht mitgehen. Nötig ist deshalb eine Rückbesinnung auf die Vielfalt Europas. Wenn wir nicht wie die USA und schon gar nicht wie China werden können und es schon gar nicht wollen, dann sollten wir wieder europäischer werden. Und das heißt: Vielfalt zulassen und deren Produktivität nutzen. Auf dem Boden seiner gemeinsamen Werte braucht Europa mehr Subsidiarität in den Entscheidungsprozessen, mehr Raum für die Vielfalt regionaler und kultureller Identitäten, mehr attraktive Lebenschancen gerade in ländlichen Gebieten. Europa muss wieder Schutzraum – nicht Bedrohung – für das Recht seiner Bürger sein, so zu leben, wie sie es wollen.</p>
<p>Lieber Europaskeptiker,</p>
<p>lassen Sie uns also über Europa sprechen! Über das Europa, das Sie, den Skeptiker, braucht: Ihre kritisch-konstruktive Haltung, Ihr Engagement und Ihre Stimme bei der Europawahl! Gerade in einer Zeit, in der &#8211; mit Bertrand Russell gesagt &#8211; „die Narren so selbstsicher sind und die Gescheiten so voller Zweifel.“</p>
<p>Ihr Johannes Teyssen</p>
<p><em>Der Text ist Teil der Artikelserie „<strong>Europa kann es besser. Wie unser Kontinent zu neuer Stärke findet. Ein Weckruf der Wirtschaft</strong>“, die vom <strong>Handelsblatt</strong> und <strong>United</strong> Europe initiiert wurde. Die Serie erscheint bis zur <strong>Europawahl</strong> im <strong>Handelsblatt</strong> auf Deutsch und in Deutsch und Englisch auf <strong>Handelsblatt Online</strong> und der Website von <strong>United Europe</strong>. Die Texte sind auch in einem <strong>Buch</strong> zusammengefasst, das am 15. April 2019 im <strong>Herder-Verlag</strong> erschienen ist. Weitere Informationen über das Buch finden Sie <a href="https://www.herder.de/geschichte-politik-shop/europa-kann-es-besser-gebundene-ausgabe/c-34/p-15322/">hier</a>.</em></p>
<p><strong><br />
Über Dr. Johannes Teyssen:</strong><br />
Johannes Teyssen, geboren am 9. Oktober 1959 in Hildesheim, studierte in Freiburg, Göttingen und Boston Rechts- und Volkswirtschaftslehre. Nach dem Studium war er einige Jahre an der Universität Göttingen tätig und promovierte als Jurist.<br />
Seine Laufbahn bei E.ON begann 1989 beim Vorgängerunternehmen VEBA in der Stromerzeugung in Hannover mit verschiedenen Führungsaufgaben zuerst im Rechtsbereich und später im Großkundenvertrieb. Von 1998 bis 2001 führte er ein Beteiligungsunternehmen des Konzerns im Bereich der Distribution und des Vertriebs von Strom und Erdgas mit rund einer Million Kunden in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Von 2001 bis 2006 war er dann in der Leitung der zentralen Managementgesellschaft des E.ON-Konzerns in München für alle stromwirtschaftlichen Aktivitäten von der Großerzeugung über Transportnetze bis hin zum Downstreamgeschäft in Deutschland und Zentral- und Osteuropa zuständig; zuerst als Finanzvorstand und dann als Vorstandsvorsitzender.<br />
2004 trat Johannes Teyssen zusätzlich in den Vorstand der E.ON SE in Düsseldorf ein und verantwortete die Steuerung aller kunden- und marktbezogenen Themen. Von 2008 bis 2010 war er dann als stellvertretender Vorsitzender des Vorstands für das Management aller laufenden operativen Geschäfte des Gesamtkonzerns verantwortlich.<br />
Seit 2010 ist Johannes Teyssen Vorstandsvorsitzender der E.ON SE. In dieser Funktion verantwortet er die Bereiche Strategie &amp; Unternehmensentwicklung, Personal, Kommunikation &amp; Öffentlichkeitsarbeit, Recht &amp; Compliance, Revision sowie die Beteiligungsaktivitäten in der Türkei.<br />
Johannes Teyssen hat in den letzten Jahren führende Aufgaben in diversen Verbänden wahrgenommen – unter anderem als Präsident des europäischen Spitzenverbandes der Stromwirtschaft Eurelectric (von 2013 bis 2015) sowie als für Europa verantwortlicher Vice Chair des World Energy Councils (von 2006 bis 2012) – und ist Mitglied des Präsidiums des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (seit 2010). Er ist seit Juni 2017 Mitglied im Aktionärsausschuss der Nord Stream AG.</p>The post <a href="https://www.united-europe.eu/de/2019/05/johannes-teyssen-brief-an-einen-europaskeptiker/">Johannes Teyssen: Brief an einen Europaskeptiker</a> first appeared on <a href="https://www.united-europe.eu/de/">United Europe</a>.]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Jörg Rocholl: It’s all about scaling, stupid!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dorian Simon]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 May 2019 06:24:22 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>„Um einen vollständig integrierten Binnenmarkt zu schaffen, der weitere Vorteile aus der Finanzintegration zieht, muss nun der Schwerpunkt daraufgelegt werden, die verbleibenden Hindernisse zu beseitigen“, schreibt Prof. Jörg Rocholl, Präsident&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>„Um einen vollständig integrierten Binnenmarkt zu schaffen, der weitere Vorteile aus der Finanzintegration zieht, muss nun der Schwerpunkt daraufgelegt werden, die verbleibenden Hindernisse zu beseitigen“, schreibt <strong>Prof. Jörg Rocholl</strong>, Präsident der <strong>ESMT Berlin</strong> in unserer Artikelserie „<strong>Europa kann es besser. Wie unser Kontinent zu neuer Stärke findet. Ein Weckruf der Wirtschaft</strong>“, die vom <strong>Handelsblatt</strong> und <strong>United Europe</strong> initiiert wurde. In seinem Text erläutert er, worin diese Hindernisse bestehen und wie sie überwunden werden können.</em></p>
<p>Europäische Unternehmen verlieren den Anschluss an amerikanische und chinesische Wettbewerber. Zu diesem Schluss gelangt man, wenn man sich die am höchsten bewerteten börsennotierten Unternehmen der Welt anschaut. Unter den Top 10 befinden sich laut einem aktuellen PwC-Ranking acht amerikanische und zwei chinesische Unternehmen, aber kein europäisches. Deutsche Unternehmen folgen sogar erst ab Rang 60 – nur vier von ihnen schaffen es unter die Top 100 weltweit. Nun kann man zwei Punkte einwenden: Zum einen ändern Börsenkurse sich ständig, so dass das Bild morgen schon wieder anders aussehen kann als heute. Zum anderen profitiert besonders die deutsche Wirtschaft von ihrem starken Mittelstand und den vielen Hidden Champions. Börsenkurse sind also nicht das Maß aller Dinge.</p>
<p>Die Tendenz aber ist klar: Kapitalmärkte sehen die Zukunft eher bei amerikanischen und chinesischen Unternehmen als bei europäischen. Diese Entwicklung wird umso bemerkenswerter, wenn man folgende Aspekte bedenkt: Die wertvollsten Unternehmen weltweit wie Apple, Google und Amazon in den USA oder Tencent und Alibaba in China sind erst über die letzten Jahre in ihre jetzige Position gekommen. Ihr Aufstieg symbolisiert die rasante Entwicklung bei daten- und plattformgetriebenen Geschäftsmodellen. Diese Unternehmen greifen mit ihren Modellen und ihrer enormen Finanzkraft Wettbewerber in anderen Industrien und anderen Ländern an, die händeringend nach strategischen Antworten auf die neuen Herausforderungen suchen. Europäische Unternehmen stehen hier eher in einer Verteidigungsposition. Sie sind in diesen dynamischen Wachstumsmärkten nicht umfassend genug vertreten, um selbst signifikanten Einfluss nehmen zu können. Vielmehr werden europäische Start-ups häufig nach erfolgreichem Start kurz vor dem richtigen Durchstarten von den internationalen Giganten aufgekauft.</p>
<p>Warum erleben wir diese Entwicklung trotz des enormen Erfolgs des Europäischen Binnenmarkts? Auf den ersten Blick bietet dieser alle Voraussetzungen, um europäischen Unternehmen jeglichen Alters und jeglicher Größe eine Entwicklung über Ländergrenzen hinweg zu ermöglichen. Die Freizügigkeit von Gütern, Dienstleistungen, Kapital und Personen ist die zentrale Basis für die Integration der europäischen Volkswirtschaften und damit für wirtschaftliches Wachstum in Europa. Forscher messen der Schaffung des Binnenmarktes in dieser Hinsicht sogar größere Bedeutung bei als der Einführung der gemeinsamen Währung im Jahr 1999. Mehr als 500 Millionen Menschen leben und arbeiten in diesem Raum – mit einer Wirtschaftskraft, die es mit jedem anderen Wirtschaftsraum weltweit aufnehmen kann. Niemand kann also ernsthaft den enormen Erfolg des europäischen Binnenmarktes und seinen entscheidenden Beitrag zum Wirtschaftswachstum in der Europäischen Union über die vergangenen 25 Jahre nach seiner Einführung bestreiten. Kann er diesen auch über die kommenden 25 Jahre gewährleisten?</p>
<p>Hier empfiehlt sich ein zweiter Blick. Der wirtschaftliche Erfolg bei daten- und plattformgetriebenen Geschäftsmodellen hängt besonders von ihrer schnellen und umfassenden Skalierung ab. Denn jeder neue Nutzer einer Plattform erhöht den Wert dieser Plattform für alle anderen Nutzer. Möchte man sich zum Beispiel mit Freunden online austauschen, muss man dort sein, wo bereits viele Freunde sind. Ab einer bestimmten kritischen Grenze wächst die Anzahl der Nutzer umso stärker, denn niemand kommt mehr an dieser Plattform vorbei. Das Zauberwort heißt Skalierung – man könnte auch sagen Wachstum um jeden Preis bei vorläufiger Missachtung von Margen. Diese folgen automatisch, wenn man erst den Status als Marktführer eingenommen hat. Und dann ist eine solche Plattform nicht nur für die Nutzer von Interesse, sondern für weitere Akteure wie die Anbieter von Gütern und Dienstleistungen, Kapitalmärkte und Finanzinstitutionen. Die zentrale Frage lautet also, ob der Europäische Binnenmarkt die Skalierung neuer Geschäftsmodelle ermöglichen kann. Die Antwort lautet: Ja, aber.</p>
<p>Denn es gibt nach wie vor einige erhebliche Hürden, die eine vollständige Marktintegration in Europa behindern. Die zentrale wirtschaftliche und politische Herausforderung besteht darin, diese Hürden zu identifizieren und möglichst schnell zu beseitigen. Der konkrete wirtschaftspolitische Vorschlag ist also eine Inventur aller praktischen Hürden im Europäischen Binnenmarkt, um das ungenutzte Potenzial einer vollständigen Marktintegration ausschöpfen zu können. Die ESMT Berlin und die Bertelsmann-Stiftung haben mit dieser Aufgabe im Bereich der Kapitalmärkte und Finanzdienstleistungen begonnen und damit die Einladung an andere Akteure verbunden, diese Inventarliste zu vergrößern und für andere Märkte zu erweitern.</p>
<p>Bei Kapitalmärkten und Finanzdienstleistungen kann eine stärkere Integration ehemals getrennte Märkte zusammenbringen, wodurch der Austausch von Informationen, grenzüberschreitende Kapitalflüsse und Investitionen, der Handel mit Finanzprodukten sowie die Anziehung ausländischer Finanzmittel ermöglicht werden. Der Weg zu einem vollwertigen EU-Finanzmarkt begann 1957 mit dem Vertrag von Rom. Im Vertrag von Maastricht wurde dann im Jahr 1993 das Ziel formuliert, den Europäischen Binnenmarkt vollständig zu verwirklichen. Weitere Schritte wie der Financial Services Action Plan und die Schaffung der Europäischen Währungsunion haben seitdem zu immer stärker integrierten Märkten geführt. Als Reaktion auf die Finanzkrise wurde zudem ein einheitlicher regulatorischer Rahmen mit gemeinsamen Regeln für den Finanzsektor geschaffen, um gleiche Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten und ein robusteres Finanzsystem zu entwickeln. Viele der tiefer hängenden Früchte wurden im Zuge dieses langen Prozesses bereits geerntet. Um einen vollständig integrierten Binnenmarkt zu schaffen, der weitere Vorteile aus der Finanzintegration zieht, muss nun der Schwerpunkt daraufgelegt werden, die verbleibenden Hindernisse zu beseitigen. Im Folgenden soll erläutert werden, worin diese bestehen und wie sie überwunden werden können. Dabei wird zwischen solchen Hürden unterschieden, die Banken, Unternehmen sowie Investoren betreffen.</p>
<p><strong>Banken</strong><br />
<em>Abschirmung der Zahlungsflüsse zwischen Banken und deren Tochtergesellschaften durch nationale Regulierungsbehörden</em><br />
Konzerninterne Kredite für Banktöchter mit Muttergesellschaften in anderen europäischen Ländern können von nationalen Aufsichtsbehörden stark eingeschränkt werden. Weitere Regulierungsbefugnisse sollten daher auf die europäische Ebene übertragen werden.</p>
<p><em>Inkonsistente Anwendung von Abwicklungsregeln</em><br />
Bailout-Regeln, die in der Bank Recovery and Resolution Directive (BRRD) festgeschrieben sind, wurden bisher lediglich bei der spanischen Bank Banco Popular angewendet. Die Europäische Kommission muss sicherstellen, dass das Beihilferecht so reformiert wird, dass es mit den Anforderungen der Bankenunion im Einklang steht.</p>
<p><em>Probleme bei der Verbriefung von Bankkrediten</em><br />
Banken sind häufig mit hohen Abschlägen bei der Verbriefung von Krediten konfrontiert. Es könnte helfen, wenn ein unabhängiges und vertrauenswürdiges Institut, etwa die Europäische Investitionsbank, diese Kreditpakete zertifiziert und bewertet und so die Verbriefung erleichtert.</p>
<p><strong>Unternehmen</strong><br />
<em>Bürokratie und Rechtsunsicherheit durch Vorschriften für IPO-Prospekte</em><br />
Derzeit ist die Europäische Kommission dabei, die Regeln für Börsengang-Prospekte zu reformieren. Dieser Schritt ist zu begrüßen. Es besteht jedoch die Gefahr, dass die aktuellen Reformvorschläge die Bürokratie eher erhöhen. Die Prospekte sollten nützliche Informationen für potenzielle Investoren enthalten, nicht aber eine umfassende Auflistung sämtlicher Faktoren, die die Geschäftsaussichten unter allen denkbaren Umständen beeinflussen könnten.</p>
<p><em>Unternehmensbesteuerung verzerrt Finanzierung und schadet grenzüberschreitender Risikoteilung</em><br />
In den meisten Unternehmenssteuersystemen der EU-Mitgliedstaaten können Zinszahlungen von der Körperschaftssteuer abgezogen werden – für die Finanzierung über Eigenkapital gibt es jedoch keine entsprechende Regelung. Dies verzerrt die Finanzierungsentscheidungen der Unternehmen in Richtung der Fremdkapitalfinanzierung. Die Beseitigung des Schulden-Bias könnte daher wesentlich zur Entwicklung der Aktienmärkte in Europa beitragen.</p>
<p><em>Unterschiedliche Insolvenzregeln schaffen Unsicherheit und behindern grenzüberschreitende Kreditvergabe</em><br />
Die Insolvenzverfahren unterscheiden sich stark von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat, was eine Reihe von negativen Folgen hat. Während eine vollständige Harmonisierung des nationalen Insolvenzrechts auch mittelfristig eher unrealistisch ist, sollte es möglich sein, ein europäisches Insolvenzrecht einzuführen, auf das sich die Unternehmen in Absprache mit ihren Gläubigern freiwillig einlassen können.</p>
<p><strong>Investoren</strong><br />
<em>Geringe Beteiligung am Aktienmarkt</em><br />
Im Vergleich zu Bürgern anderer entwickelter Staaten investieren Europäer eher wenig in Aktien. Aktien bieten über einen längeren Anlagehorizont jedoch deutlich höhere Renditen als die meisten anderen Anlageklassen. Ein möglicher Grund für die mangelnde Akzeptanz von Aktien ist die Regulierung von Aktienkäufen und die damit verbundene Bürokratie bei der Beratung von Privatanlegern. Es könnte sich lohnen, eine Opt-out-Regel einzuführen, mit Hilfe derer informierte Anleger ohne wiederholten bürokratischen Aufwand in eine große Klasse von Finanzprodukten investieren können.</p>
<p><em>Informationsasymmetrien durch Unterschiede in der Anwendung von Rechnungslegungsvorschriften</em><br />
Die Bilanzen sowie Gewinn- und Verlustrechnungen von Unternehmen gehören zu den wichtigsten Informationsquellen für Investoren. Versuche, die Rechnungslegungsstandards in der EU komplett zu vereinheitlichen, waren bisher nicht von Erfolg gekrönt. Investoren müssen sich die nötigen Informationen meist auf kostspielige Weise beschaffen. Um die dadurch entstehenden Informationsasymmetrien zu verringern, sollte eine zentrale Regulierungsbehörde die einheitliche Anwendung der Vorschriften in der gesamten EU durchsetzen.</p>
<p><em>(Dieser Beitrag basiert auf dem White Paper „Financial market integration in the EU: A practical inventory of benefits and hurdles in the Single Market“ von Katharina Gnath, Benjamin Grosse-Rüschkamp, Christian Kastrop, Dominic Ponattu, Jörg Rocholl und Marcus Wortmann.)</em></p>
<p><em>Die Artikelreihe „<strong>Europa kann es besser</strong>“ erscheint bis zur <strong>Europawahl</strong> im <strong>Handelsblatt</strong> auf Deutsch und in Deutsch und Englisch auf <strong>Handelsblatt Online</strong> und der Website von <strong>United Europe</strong>. Die Texte sind auch in einem <strong>Buch</strong> zusammengefasst, das am 15. April 2019 im Herder-Verlag erschienen ist. Weitere Informationen über das Buch finden Sie <a href="https://www.herder.de/geschichte-politik-shop/europa-kann-es-besser-gebundene-ausgabe/c-34/p-15322/">hier</a>.</em></p>
<p><strong>Über Jörg Rocholl:</strong><br />
Prof. Jörg Rocholl, Ph.D., ist Präsident der ESMT Berlin. Er ist darüber hinaus stellvertretender Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Bundesfinanzministeriums sowie stellvertretender Vorsitzender des Vereins für Socialpolitik.<br />
Professor Rocholl hat an der Universität Witten/Herdecke studiert und dort im Fach Wirtschaftswissenschaften mit Auszeichnung abgeschlossen. Nach seiner Promotion an der Columbia University in New York wurde er zum Assistant Professor an die University of North Carolina in Chapel Hill berufen. Rocholl forscht und lehrt seit 2007 an der ESMT und wurde 2011 zum Präsidenten der ESMT ernannt. Seit 2010 ist er Inhaber des EY Chair in Governance und Compliance.<br />
Professor Rocholls Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Corporate Finance, Corporate Governance, Financial Intermediation, Zentralbanken und Finanzregulierung. Seine Forschung wurde in führenden wissenschaftlichen Fachmagazinen wie dem Journal of Finance, dem Journal of Financial Economics und Review of Financial Studies veröffentlicht.<br />
Professor Rocholl ist Research Fellow am Centre for Economic Policy Research (CEPR), Forschungsmitglied des European Corporate Governance Institute (ECGI), Forschungsprofessor am ifo Institut, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Forschungsdaten- und Servicezentrums (FDSZ) der Deutschen Bundesbank, stellvertretender Vorsitzender des Wirtschaftsbeirats der Deutschen Welle und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des DIW Berlin. Er war sowohl Lamfalussy als auch Duisenberg Fellow der Europäischen Zentralbank (EZB).</p>The post <a href="https://www.united-europe.eu/de/2019/05/joerg-rocholl-its-all-about-scaling-stupid/">Jörg Rocholl: It’s all about scaling, stupid!</a> first appeared on <a href="https://www.united-europe.eu/de/">United Europe</a>.]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Andreas Treichl: Warum wir eine Reform der europäischen Kapitalmärkte brauchen</title>
		<link>https://www.united-europe.eu/de/2019/05/warum-wir-eine-reform-der-europaeischen-kapitalmaerkte-brauchen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dorian Simon]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 May 2019 06:58:02 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>„Um den natürlichen Zusammenhalt in Europa zu stärken, muss sich die EU wieder stärker wirtschaftlichen Fragen widmen, deren Nutzen sich dem Bürger unmittelbar erschließt“, schreibt Andreas Treichl, Vorstandsvorsitzender der Erste&#8230;</p>
The post <a href="https://www.united-europe.eu/de/2019/05/warum-wir-eine-reform-der-europaeischen-kapitalmaerkte-brauchen/">Andreas Treichl: Warum wir eine Reform der europäischen Kapitalmärkte brauchen</a> first appeared on <a href="https://www.united-europe.eu/de/">United Europe</a>.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_14492" aria-describedby="caption-attachment-14492" style="width: 320px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Treichl.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-thumbnail wp-image-14492" src="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Treichl-320x240.jpg" alt="" width="320" height="240" srcset="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Treichl-320x240.jpg 320w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Treichl-300x225.jpg 300w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Treichl-560x420.jpg 560w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Treichl-600x450.jpg 600w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Treichl-640x480.jpg 640w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Treichl-1120x840.jpg 1120w" sizes="auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px" /></a><figcaption id="caption-attachment-14492" class="wp-caption-text">Andreas Treichl, Vorstandsvorsitzender der Erste Group Bank AG</figcaption></figure>
<p><em>„Um den natürlichen Zusammenhalt in Europa zu stärken, muss sich die EU wieder stärker wirtschaftlichen Fragen widmen, deren Nutzen sich dem Bürger unmittelbar erschließt“, schreibt <strong>Andreas Treichl</strong>, Vorstandsvorsitzender der <strong>Erste Group Bank AG</strong>, in seinem Essay zu unserer Artikelserie „<strong>Europa kann es besser. Wie unser Kontinent zu neuer Stärke findet. Ein Weckruf der Wirtschaft</strong>“, die vom <strong>Handelsblatt</strong> und <strong>United Europe</strong> initiiert wurde: „Die Entwicklung funktionierender Kapitalmärkte ist dabei das wichtigste Projekt.“</em></p>
<p>Im Europawahljahr 2019 sind die Fronten klar abgesteckt: Hier die pro-Europäer – gerne auch mit dem Attribut „glühend“ – dort das Gegenlager, die Skeptiker, die Populisten. Macron gegen Salvini, Merkel gegen Orban. Im täglichen Kampf um die Sympathien der Bürger haben beide Seiten schweres Geschütz aufgefahren. Doch die Anhänger der Gegenseite zu überzeugen, wird nicht einmal mehr versucht – es genügt, den Nerv des eigenen Lagers zu treffen, die Sympathisanten zu mobilisieren.</p>
<p>Die Frage ist daher, was uns Europäer eigentlich noch verbindet. Womit kann man der zunehmenden Spaltung entgegenwirken? Auch wenn viele dies nicht gerne hören: In Zeiten von „America First“ fragen auch diesseits des Atlantiks viele zunächst einmal: „Was habe ich davon? Was sind meine wirtschaftlichen Vorteile?“ Und genau hier sollte die Europäische Union ansetzen, wenn es um die Wiederherstellung des natürlichen Zusammenhalts geht. Nur sie verfügt über die notwendigen Hebel, unser größtes Potenzial zu heben: Die Verwirklichung eines tatsächlichen Binnenmarktes. Als Kernelement muss dabei die Entwicklung eines gemeinsamen Kapitalmarktes betrachtet werden.</p>
<p>Obwohl seit der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl über 60 Jahre vergangen sind, ist die EU noch immer kein richtiger Binnenmarkt. Woran merkt man das? Obwohl wir ein Markt mit mehr als 500 Millionen relativ wohlhabenden Verbrauchern sind, obwohl uns jedes erdenkliche Knowhow zur Verfügung steht, obwohl wir weltoffen und marktwirtschaftlich orientiert sind, gibt es – von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen &#8211; schon seit den 1970er Jahren keine nennenswerten Neugründungen mehr, die es in die Liga der globalen Großunternehmen geschafft haben. In den homogenen Binnenmärkten USA und China scheinen diese Unternehmen dagegen wie Pilze aus dem Boden zu schießen.</p>
<p>Es drängt sich daher die Frage auf, was unsere Unternehmenswelt von der anderer großer Binnenmärkte unterscheidet. Es ist jedenfalls nicht der reine Mangel an modernen Großunternehmen. Wir haben viele davon, auf die wir stolz sein können und die wesentliche Stützen unserer Wirtschaft sind. Und auch die europäische Wirtschaft als Ganzes ist global hervorragend aufgestellt. Was uns fehlt sind nachrückende Wachstumssterne und -sternchen. Also Unternehmen, die das Potenzial haben globale Zugkraft zu entwickeln. Unternehmen mit transformativem Charakter. Wir sollten uns daher fragen, was notwendig ist, damit wieder mehr europäische Unternehmen in diese Liga aufsteigen.</p>
<p>Solche Unternehmen wachsen im digitalen Zeitalter, anders als früher, in extrem hohem Tempo zu globalen Playern heran. Das gelingt dort, wo sie ihr Geschäft am einfachsten skalieren können – wo also der Markt eine kritische Größe hat. Im 20. Jahrhundert wurde das Tempo durch natürliche Faktoren, etwa den Ausbau von Logistik- und Produktionskapazitäten, bestimmt. Diese Hindernisse fallen heute meist weg, wodurch die Nachteile zu kleiner Märkte erst richtig sichtbar werden. Der europäische Binnenmarkt hat zwar keine Zölle, dafür aber einen Wust an gemeinsamen Richtlinien, die einen unkomplizierten gesamteuropäischen Markteintritt erschweren. Jedes Land hat seine eigenen Behörden, Sondervorschriften, Steuern und Sprachen. Brüssel hat notwendige, zusätzliche Bürokratie aufgebaut, aber keine lokale abgeschafft. Kein Wunder also, dass europäischen Newcomern die Motivation, ihr Geschäft zu skalieren, recht schnell verloren geht.</p>
<p>Der europäische Markt ist ein Binnenmarkt-light verglichen mit richtigen Binnenmärkten. Weil Unternehmen nur in letzteren richtige Wachstumsphantasien entwickeln, hat sich auch nur in diesen Ländern eine echte Wachstumsinfrastruktur etabliert. Diese ist so erfolgreich, dass selbst unsere eigenen Wachstumsunternehmen in diese Länder gehen. Und weil das alles so gut funktioniert, sind auch die Investoren bereit, mitzumachen. Während in Übersee und in Fernost die Ersparnisse am Kapitalmarkt landen um die erfolgreichen Wachstumsunternehmen zu finanzieren, landen sie bei uns auf Sparkonten, um in Form von Krediten ausschließlich an möglichst sichere Kunden vergeben zu werden. Denn Risiko ist im Bankgeschäft unerwünscht geworden.</p>
<p>Was folgt, ist eine wachstumshemmende Spirale aus mangelndem Angebot und mangelnder Nachfrage am Kapitalmarkt. Ohne unsere eigenen Apples &amp; Co. fehlen uns die Erfolgsgeschichten, um Investoren an den Markt zu bringen. Dies führt zu einer ausgeprägten Risikoaversion bei privaten Investoren, die nur noch von Politikern übertroffen wird, die diese Haltung dann z.B. im Rahmen der Altersvorsorge für ihre eigenen Zwecke instrumentalisieren: „Kauft lieber keine Risikoanlagen“ heißt in Wahrheit: „Finanziert bitte den Staat und nicht unsere Wirtschaft.“ Entsprechend fließt auch über die klassische Finanzierungsquelle des Kapitalmarktes, den institutionellen Lebens- und Pensionsversicherungen, nur wenig Geld in die Wachstumsfinanzierung. Auf der anderen Seite scheuen viele potenzielle Finanzierungskandidaten die fragmentierten europäischen Kapitalmärkte, weil sie ihnen zu klein, zu teuer, zu illiquide und daher unnötig erscheinen. Lieber konzentrieren sie sich &#8211; mangels Wachstumsmotivation &#8211; auf das günstigere bankenfinanzierbare Standardgeschäft.</p>
<p>Diese Schwächen sind den maßgeblichen Institutionen auf europäischer Ebene – allen voran der Europäischen Kommission und der Europäischen Zentralbank natürlich bewusst. Die 2015 berufene Kommission unter Jean-Claude Juncker setzte sich denn auch sofort daran, die Missstände zu beheben, indem sie 2015 unter der Federführung des Briten Jonathan Hill für eine Europäische Kapitalmarktunion sorgen wollte. Die anfängliche Euphorie erlitt schon bald die ersten Risse. Mit dem Brexit-Votum seiner Landsleute sah der britische Kommissar keinen Sinn mehr in seiner Tätigkeit. Und somit wird das einzige EU-Land mit einer tatsächlichen Kapitalmarktkultur die Union verlassen. Die Schweiz, als weiteres Land in Europa mit einem Verständnis für die Wichtigkeit des Kapitalmarktes für Wohlstand, wird der Union nie beitreten. In der Folge passierte das, was man als gelernter Europäer schon oft beobachten musste: Die großen Ideen wurden zusehends weichgespült, bis nur mehr kleine, leicht verdauliche Bauklötzchen übrig waren, die man nun, kurz vor dem Ende der Amtszeit, als „mission accomplished“ präsentiert.</p>
<p>Aber vollendet wurde gar nichts, weil bei dem entscheidenden Thema, dem Ausbau eines dynamischen Kapitalmarktes – auch zulasten der übertriebenen Abhängigkeit von Bankfinanzierungen – keinerlei Veränderung zu verzeichnen ist. Die Stolpersteine sind die gleichen wie bei allen Integrationsbemühungen auf europäischer Ebene. Wenn nicht unbedingt nötig, möchte niemand in Fragen der nationalen Souveränität nachgeben, geschweige denn auf Rechte verzichten. Die Entwicklung der Börsen wird immer nur mitgetragen, so lange das eigene Land profitiert. Große Lösungen hingegen werden auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben. Eine große Lösung ist aber nötig, damit ein gesamteuropäischer Kapitalmarkt entsteht, der für alle Unternehmenstypen zu einer realen Finanzierungsoption wird. Denn der Kapitalmarkt muss auch den für unsere Wirtschaft so wichtigen kleinen und mittleren Unternehmen zur Verfügung stehen. Gerade für sie können zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten einen enormen Unterschied machen. Um einen globalen Stern zu produzieren, braucht es ein Universum an innovativen, lokalen Sternchen.</p>
<p>Es wird daher ein Kraftakt nötig sein, um der nach den europäischen Wahlen neu bestellten Kommission die Bedeutung des Themas klar zu machen und sie zu überzeugen, die Messlatte beim Thema Kapitalmarktunion höher zu legen. Was eigentlich nicht allzu schwer sein sollte, geht es doch um den Wohlstand der EU-Bürger und damit verbunden um einen für alle spürbaren Wert dieser Gemeinschaft.</p>
<p>An drei wesentlichen Hebeln wird man dabei nicht vorbeikommen:<br />
Ein zentraler Aspekt, bei dem viele Verantwortliche in Europa reflexartig zucken, ist die Frage der Steuersouveränität. Sozusagen die Versinnbildlichung der Souveränitätsfrage in Europa. Machen wir uns nichts vor: Am Kapitalmarkt sind Finanzprofis und private Investoren am Werk. Für diesen Kreis sind Steuern ein zentraler Faktor. Ohne eine gewisse Einheitlichkeit in der Europäischen Union oder zumindest mittelfristiger Konvergenz wird es kein großes Ganzes, sondern nur ein gegeneinander geben.</p>
<p>Das zweite wichtige Thema ist ebenfalls wirtschaftlicher Natur. Mehr Aktivität am Kapitalmarkt muss sich für die Wirtschaftsakteure rechnen. Der Kapitalmarkt ist kein Wohltätigkeitsverein, sondern ist grundsätzlich nutzenorientiert. Es darf keine Incentivierung von Stagnationsfinanzierung auf Kosten von Wachstumsfinanzierung geben. Incentiviert werden sollte die höhere Transparenz der am Kapitalmarkt aktiven Unternehmen. Auch muss die Ungleichbehandlung von Eigen- und Fremdkapital endlich beendet werden. Die Verantwortlichen müssen dabei ein gesundes Augenmaß bewahren, damit es in Europa nicht zu gesellschaftsschädlichen Risikoauswüchsen kommt; man denke an das Schattenbankwesen in China.</p>
<p>Der dritte und vielleicht wichtigste Aspekt betrifft das Risiko in Verbindung mit unserer europäischen Risikoaversion. Wir sollten uns fragen, ob es in Zeiten drohender Altersarmut der heute Aktiven noch vertretbar ist, die gesamtwirtschaftlichen Ersparnisse möglichst ohne Risiko anzulegen. Wir sollten uns fragen, ob wir nicht bereits jetzt an einem Punkt sind, wo ein gesundes Maß an Risikobeteiligung an der Wirtschaft nicht nur vertretbar, sondern moralisch angebracht ist. Viele Wirtschaftstreibende wären bereit, mehr Risiko zu übernehmen. Banken und Versicherungen würden gerne stärker zur Wachstumsfinanzierung beitragen. Dies wird aber derzeit regulatorisch sogar bestraft.</p>
<p>Es bleibt zu hoffen, dass es nicht wieder erst eine große Wirtschaftskrise braucht, um den Handlungsbedarf zu erkennen und die nötigen Fortschritte zu erzielen.</p>
<p><em>Die Artikelreihe „<strong>Europa kann es besser</strong>“ erscheint bis zur <strong>Europawahl</strong> im <strong>Handelsblatt</strong> auf Deutsch und in Deutsch und Englisch auf <strong>Handelsblatt Online</strong> und der Website von <strong>United Europe</strong>. Die Texte sind auch in einem <strong>Buch</strong> zusammengefasst, das am 15. April 2019 im Herder-Verlag erschienen ist. Weitere Informationen über das Buch finden Sie <a href="https://www.herder.de/geschichte-politik-shop/europa-kann-es-besser-gebundene-ausgabe/c-34/p-15322/">hier</a>.</em></p>
<p><strong>Über Andreas Treichl:</strong><br />
Andreas Treichl ist Vorstandsvorsitzender der Erste Group Bank AG. Von 1971 bis 1975 studierte er Volkswirtschaft an der Universität Wien. Zwischen 1976 und 1977 absolvierte er Traineeprogamme bei Citibank, Morgan Stanley und Brown Brothers Harriman in New York. Seine Bankkarriere startete er im Jahr 1977 als Kreditanalyst in der Chase Manhattan Bank in New York. Bis 1994 war er in verschiedenen Managementpositionen der Chase Manhattan Bank in Brüssel, Athen und Wien tätig. Im Jahr 1994 wurde er Vorstandsmitglied der Erste Österreichische Spar-Casse und am 1. Juli 1997 dessen Vorstandsvorsitzender. Er führte das Institut nach der Fusion mit der GiroCredit an die Börse.<br />
Unter seiner Führung gelang die Expansion der bis dahin rein lokal agierenden Sparkasse zu einem der führenden Finanzdienstleister in Zentral- und Osteuropa, dessen Geschäftsschwerpunkt bei Privatkunden sowie Klein- und Mittelunternehmen liegt. Er führte den Österreichischen Sparkassensektor zusammen, erreichte einen Abbau der innersektoralen Konkurrenz und stärkte die Kooperation mit dem Ziel einer vereinten, starken Sparkassengruppe. Aus einer lokalen Sparkasse mit 600.000 Kunden vorwiegend in Wien wurde schließlich ein führender Finanzdienstleister in Zentral- und Osteuropa mit über 16 Millionen Kunden in 7 Ländern.<br />
Im Jahr 2003 initiierte Andreas Treichl die Gründung der Erste Stiftung, die zahlreiche Projekte in sozialer Nachhaltigkeit und Entwicklung in Zentral- und Osteuropa unterstützt. Andreas Treichl war von 2003 bis 2012 Vorsitzender der Erste Stiftung und ist seit 2013 Mitglied des Kuratoriums. Andreas Treichl ist der Gründer von good.bee, die sich auf Social Banking zur Durchbrechung der Barrieren finanzieller Ausgrenzung in Rumänien spezialisiert hat. Er ist ebenfalls Gründer der Zweiten Sparkasse, die benachteiligten Gruppen den Zugang zu Finanzdienstleistungen ermöglicht.<br />
Mit seinem Ausscheiden aus dem Vorstand der Erste Group zum Jahreswechsel 2019/2020 wird er als Vorsitzender des Aufsichtsrats in die Erste Stiftung wechseln.</p>
<p>&nbsp;</p>The post <a href="https://www.united-europe.eu/de/2019/05/warum-wir-eine-reform-der-europaeischen-kapitalmaerkte-brauchen/">Andreas Treichl: Warum wir eine Reform der europäischen Kapitalmärkte brauchen</a> first appeared on <a href="https://www.united-europe.eu/de/">United Europe</a>.]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Richard Lutz: Die Schiene kann Europas starkes Rückgrat sein</title>
		<link>https://www.united-europe.eu/de/2019/05/richard-lutz-die-schiene-kann-europas-starkes-rueckgrat-sein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dorian Simon]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 May 2019 15:59:25 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Weckruf der Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eisenbahnen sind ein gutes Vorbild für die Idee der EU, sagt Deutsche-Bahn-Chef Dr. Richard Lutz. Und nennt acht Punkte, auf die es dabei ankommt. Tausende junger Menschen machen sich dieser&#8230;</p>
The post <a href="https://www.united-europe.eu/de/2019/05/richard-lutz-die-schiene-kann-europas-starkes-rueckgrat-sein/">Richard Lutz: Die Schiene kann Europas starkes Rückgrat sein</a> first appeared on <a href="https://www.united-europe.eu/de/">United Europe</a>.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_14280" aria-describedby="caption-attachment-14280" style="width: 320px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Lutz2_Prominent-Opinions.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-thumbnail wp-image-14280" src="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Lutz2_Prominent-Opinions-320x240.jpg" alt="" width="320" height="240" srcset="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Lutz2_Prominent-Opinions-320x240.jpg 320w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Lutz2_Prominent-Opinions-300x225.jpg 300w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Lutz2_Prominent-Opinions-560x420.jpg 560w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Lutz2_Prominent-Opinions-600x448.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px" /></a><figcaption id="caption-attachment-14280" class="wp-caption-text">Dr. Richard Lutz, CEO Deutsche Bahn AG</figcaption></figure>
<p><em>Eisenbahnen sind ein gutes Vorbild für die Idee der EU, sagt Deutsche-Bahn-Chef <strong>Dr. Richard Lutz</strong>. Und nennt acht Punkte, auf die es dabei ankommt.</em></p>
<p>Tausende junger Menschen machen sich dieser Tage auf, um mit dem Zug Europa zu entdecken. Die EU stellt knapp 15.000 18-Jährigen ein Interrail-Ticket zur Verfügung, mit dem sie 30 Tage lang kreuz und quer über den Kontinent reisen können. Kaum eine Initiative zeigt aus meiner Sicht besser auf, wie die Schiene Europa verbindet. Mobilität und Logistik sind die Lebensadern unserer Gesellschaft. Sie sind wesentliche Voraussetzungen für die Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger am gesellschaftlichen Leben, für umweltfreundlichen Verkehr in Zeiten des Klimawandels und für nationales und globales Wirtschaftswachstum. Deutschland ist das Herzstück der Transeuropäischen Verkehrsnetze. Sechs europäische Schienenverkehrskorridore verlaufen durch die Republik.</p>
<p>Wer im Jahr 2001 geboren ist, kennt es nicht anders: Offene Grenzen und gut ausgebaute Verkehrsverbindungen ermöglichen freies Reisen sowie den beständigen Austausch von Waren und Dienstleistungen. Dass dies nicht selbstverständlich ist, zeigen uns der Brexit und zunehmende nationalistische Tendenzen in einzelnen Mitgliedsländern.</p>
<p>Gerade in Zeiten, in denen Protektionismus, Abschottung und Angst vor dem Fremden propagiert wird, braucht es dringender denn je den Blick auf das Verbindende. Deshalb ist es mir eine Herzensangelegenheit zu sagen, was uns als Deutsche Bahn ausmacht. Wir stehen für ein Europa ohne Grenzen. Wir stehen für Vielfalt. Wir stehen für Toleranz. Wir stehen für internationale Arbeitsteilung und einen grenzüberschreitenden Warenaustausch. Allein in Deutschland arbeiten Kolleginnen und Kollegen aus über 100 Ländern für unser Unternehmen. Weltweit sind über 330.000 Menschen in mehr als 130 Ländern für die Deutsche Bahn tätig. Auch unsere Kunden kommen aus allen Teilen der Welt. Wir als Deutsche Bahn verbinden Menschen. Kurzum, engstirniger Nationalismus oder gar Fremdenfeindlichkeit sind das Gegenteil unserer Werte.</p>
<p>Wir sind ein Unternehmen mit starker europäischer Ausrichtung. Von Deutschland aus sind rund 150 Städte in Europa direkt mit dem Fernverkehr erreichbar. Täglich nutzen mehr als 40.000 Fahrgäste die rund 240 Verbindungen, von denen 50 Prozent mit dem ICE und weiteren Hochgeschwindigkeitszügen befahren werden. Im Schienengüterverkehr betreiben wir ein internationales Netzwerk und sind in 17 europäischen Ländern aktiv. Über 60 Prozent unseres Schienengüterverkehrs geht über mindestens eine Landesgrenze und reicht zum Teil weit über Europa hinaus.</p>
<p>Die Schiene ist damit ein starkes Rückgrat für Europa, die europäischen Eisenbahnen ein gutes Vorbild für die dahinterstehende Idee: nicht nur gute nachbarschaftliche Beziehungen, sondern gemeinsames Agieren auf europäische Ebene, um das Zusammenwachsen von Menschen und Wirtschaft zu unterstützen. Anhand von acht konkreten Punkten möchte ich darlegen, welche europäischen Rahmenbedingungen wir für eine erfolgreiche Zukunft als unerlässlich erachten.</p>
<p><strong>1. Binnenmarkt:<br />
</strong>Als Mobilitätsdienstleiter erfüllen wir die Grundidee des Binnenmarkts täglich mit praktischem Leben. Wir haben ein vitales Interesse daran, dass der Binnenmarkt – auf der Säule der vier Grundfreiheiten – reibungslos funktioniert.</p>
<p>Eine Kernaufgabe der EU ist es dabei, fairen Marktzugang mit gleichen Spielregeln für alle in allen Mitgliedstaaten sicherzustellen und noch bestehende bürokratische oder technische Marktzugangsbarrieren zu beseitigen. Von früheren nationalen Eisenbahnsystemen sind immer noch zu viele uneinheitliche Standards geblieben, von der Signaltechnik bis hin zur Betriebssprache auf Grenzstrecken, die im Sinne eines europäischen Eisenbahnraums harmonisiert werden sollten.</p>
<p><strong>2. Faire Wettbewerbsbedingungen zwischen den Verkehrsträgern:</strong><br />
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen für Investitionen und Wachstum sollten positiv gestaltet werden. Dies bedeutet, den europäischen Unternehmen in ihrem jeweiligen Markt die gleichen Chancen zu bieten.</p>
<p>Die Schiene steckt jedoch nach wie vor in einer paradoxen Situation: Im Schienenverkehr steigen die Kosten bei sinkenden Preisen und Margen, während die Straße insgesamt günstiger unterwegs ist. Hier ist schnelles Handeln gefragt, denn der motorisierte Individualverkehr stößt an seine Grenzen. Daher brauchen wir faire Wettbewerbsbedingungen, um die umweltfreundliche Schiene zu stärken.</p>
<p><strong>3. EU-Infrastrukturfinanzierung:</strong><br />
Der Ausbau der Transeuropäischen Netze ist eine Kernaufgabe der EU, bei der die Anstrengungen von Bund, Ländern, EU und Eisenbahninfrastrukturbetreibern nahtlos ineinandergreifen. Eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur ist das Rückgrat der Wettbewerbsfähigkeit Europas, ohne die das zukünftige Verkehrswachstum nicht zu bewältigen ist.</p>
<p>Aktuell wird in Brüssel der neue Vorschlag der Kommission zur Finanzierung der Infrastruktur diskutiert. Darin ist ein Volumen von 42 Mrd. € für den Ausbau der Transeuropäischen Netze in den Bereichen Verkehr, Energie und Digitales vorgesehen. Dies sind gute Neuigkeiten für die europäische Verkehrswelt, denn jeder Euro, der in grenzüberschreitende Infrastruktur investiert wird, lässt Europa und seine Menschen enger zusammenwachsen, und trägt zu Wachstum und Beschäftigung bei.</p>
<p><strong>4. Digitalisierung:</strong><br />
Die Schiene muss die Chancen der Digitalisierung mit ganzer Kraft nutzen, um den Kunden ein zeitgemäßes Verkehrsangebot machen zu können. Europäische Initiativen sind dabei in verschiedenen Bereichen enorm wichtig. So hat die EU mit dem digitalen Zugleit- und Sicherungssystem ETCS (European Train Control System) einen entscheidenden Baustein für ein einheitliches europäisches Eisenbahnnetz geschaffen. Sie sollte sich weiter für einen zeitnahen und harmonisierten Ausbau in allen Mitgliedstaaten einsetzen.</p>
<p>Deutschland verfolgt mit dem Programm „Digitale Schiene Deutschland“ einen konsequenten technologischen Modernisierungskurs. Durch den Einsatz von ETCS und die Digitalisierung des gesamten Systems werden wir die Kapazität auf dem Netz um bis zum 20 Prozent erhöhen. So werden zukünftig mehr Züge fahren, gleichzeitig wird die Zuverlässigkeit des Verkehrs steigen und das Netz wird europäischer.</p>
<p><strong>5. Klimaschutz:</strong><br />
Die EU hat sich durch das Pariser Klimaschutzabkommen ehrgeizige Ziele zur Reduktion der CO2-Emissionen gesetzt. Dabei stellt insbesondere der Verkehrsbereich eine Herausforderung dar. Wir sind überzeugt, dass eine nachhaltige Verbesserung der Emissionen nur über eine Stärkung der grünen Schiene möglich ist, denn Bahnfahren ist Klimaschutz.</p>
<p>Schon heute leistet die Deutsche Bahn durch ihre eigenen Anstrengungen einen ganz unmittelbaren Beitrag zu den Klimaschutzzielen der EU. Bis zum Jahr 2030 wollen wir unsere spezifischen CO2-Emissionen über alle weltweiten Verkehre im Vergleich zu 2006 halbieren. Bis 2050 wollen wir klimaneutral aufgestellt sein. Dafür setzen wir konsequent auf den Einsatz erneuerbarer Energien, auf Energieeffizienz sowie auf Modernisierung, beispielsweise mit der Hybridisierung der Diesel-Flotte, der genannten Ausrüstung von Netz und Fahrzeugen mit ETCS oder mit der Entwicklung und Implementierung alternativer Antriebe.</p>
<p><strong>6. Soziale Säule:</strong><br />
Die EU hat mit der Europäischen Säule sozialer Rechte wichtige Standards gesetzt. Die Deutsche Bahn trägt als einer der größten Arbeitgeber Deutschlands eine hohe soziale Verantwortung für die Beschäftigten. Dies betrifft neben den Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen wichtige andere Bereiche wie Ausbildung, Mitarbeiterzufriedenheit, Arbeitgeberattraktivität und digitale Kompetenzen. Auch in diesem Themenbereich bestehen große inhaltliche Überschneidungen mit den Zielen der EU.</p>
<p><strong>7. Sicherheit:</strong><br />
Die Sicherheit der Bürger ist eines der Kernelemente der EU-Politik, da in unserer international verflochtenen Welt kein Land alleine wirksamen Schutz gewährleisten kann. Hier gilt es, die Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden weiter zu stärken und einheitliche Standards zu schaffen, auch wenn die Rahmenbedingungen von Land zu Land unterschiedlich sein mögen. Die offenen Grenzen und das offene System Schiene sind wesentlich, um die Menschen zu verbinden und sollten so wenig wie möglich eingeschränkt werden.</p>
<p><strong>8. Globale Stellung der EU:</strong><br />
Die EU sollte ihre Interessen im globalen Maßstab aktiv vertreten, in Punkten wie Marktzugang, faire Handelsbeziehungen oder Investitionsschutz und Rechtssicherheit in Drittstaaten. Denn die Schienenverbindungen reichen weit über Europa hinaus. Auch die Deutsche Bahn ist außerhalb Europas in zahlreichen Ländern und in unterschiedlichen Märkten aktiv.</p>
<p>Fazit: Die genannten europäischen Rahmenbedingungen und Initiativen sind von zentraler Bedeutung für den Verkehrsträger Schiene. Sie ermöglichen es, dass die Eisenbahn ihrer wichtigen Rolle für die Menschen und die Wirtschaft in Europa auch in Zukunft gerecht werden kann.</p>
<p>Die angesprochenen Punkte zeigen am Beispiel der Schiene auf, dass wir in Europa gerade heute in vielen Bereichen die Bereitschaft zu mehr Integration benötigen. Auf der anderen Seite müssen wir aber auch den Mut haben, nationale und regionale Lösungen dort zuzulassen, wo sie vor Ort besser gefunden werden können. Ein Europa, das sich kontinuierlich weiterentwickelt, sich aber auch hinterfragt, wird aus den Herausforderungen der heutigen Zeit gestärkt hervorgehen.</p>
<p><em>Der Artikel ist Teil der Artikelserie „<strong>Europa kann es besser. Wie unser Kontinent zu neuer Stärke findet. Ein Weckruf der Wirtschaft</strong>“. Sie erscheint bis zur <strong>Europawahl</strong> im <strong>Handelsblatt</strong> auf Deutsch und in Deutsch und Englisch auf <strong>Handelsblatt Online</strong> und der Website von <strong>United Europe</strong>. Die Texte sind auch in einem <strong>Buch</strong> zusammengefasst, das am 15. April 2019 im <strong>Herder-Verlag</strong> erschienen ist. Weitere Informationen über das Buch finden Sie <a href="https://www.herder.de/geschichte-politik-shop/europa-kann-es-besser-gebundene-ausgabe/c-34/p-15322/">hier</a>.</em></p>
<p><strong>Über Dr. Richard Lutz:</strong><br />
Richard Lutz wurde am 6. Mai 1964 als Sohn einer Eisenbahnerfamilie geboren. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre arbeitete er zunächst als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Kaiserslautern, wo er 1998 promovierte.<br />
Seit 1994 ist Richard Lutz bei der Deutschen Bahn AG tätig. In den folgenden Jahren übte er verschiedene führende Positionen sowie strategische Projektleitungen im Vorstandsressort Finanzen / Controlling aus.<br />
2003 folgte die Leitung des Bereichs Konzerncontrolling. Im April 2010 wurde Richard Lutz zum Vorstand Finanzen und Controlling berufen. Diese Position verantwortete er bis Ende 2018.<br />
Richard Lutz ist seit März 2017 Vorsitzender des Vorstands der DB AG. Sein besonderes Augenmerk liegt auf der Transformation der DB, die er gemeinsam mit seinem Vorstandsteam konzernweit vorantreibt. Das Ziel ist ebenso klar wie ehrgeizig: Die Deutsche Bahn in all ihren Facetten und mit all ihren Vorzügen und Chancen erfolgreich in die Zukunft zu führen.<br />
Lutz ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.</p>
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		<title>Kasper Rorsted: Europa braucht einen klaren Fahrplan für einen wettbewerbsfähigen digitalen Binnenmarkt</title>
		<link>https://www.united-europe.eu/de/2019/05/kasper-rorsted-europa-braucht-einen-klaren-fahrplan-fuer-einen-wettbewerbsfaehigen-digitalen-binnenmarkt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dorian Simon]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 May 2019 20:29:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Prominente Meinungen]]></category>
		<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Europareform]]></category>
		<category><![CDATA[Europawahlen]]></category>
		<category><![CDATA[Europe]]></category>
		<category><![CDATA[Kasper Rorsted]]></category>
		<category><![CDATA[United Europe]]></category>
		<category><![CDATA[Weckruf für Europa]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Statt die EU weiter zu schwächen, sollten wir sie stärken und Ideen und Maßnahmen anstoßen, die Europa fit für die Zukunft machen“, schreibt Kasper Rorsted, CEO Adidas, in seinem Essay&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_13791" aria-describedby="caption-attachment-13791" style="width: 320px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/kasper_rorsted_adidas_group_kl.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-13791 size-thumbnail" src="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/kasper_rorsted_adidas_group_kl-320x240.jpg" alt="" width="320" height="240" srcset="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/kasper_rorsted_adidas_group_kl-320x240.jpg 320w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/kasper_rorsted_adidas_group_kl-560x420.jpg 560w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/kasper_rorsted_adidas_group_kl-640x480.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px" /></a><figcaption id="caption-attachment-13791" class="wp-caption-text">Kasper Rorsted, CEO Adidas ©adidas Group/Hannah Hlavacek</figcaption></figure>
<p><em>„Statt die EU weiter zu schwächen, sollten wir sie stärken und Ideen und Maßnahmen anstoßen, die Europa fit für die Zukunft machen“, schreibt <strong>Kasper Rorsted</strong>, CEO <strong>Adidas</strong>, in seinem Essay zu unserer Artikelserie „<strong>Europa kann es besser. Wie unser Kontinent zu neuer Stärke findet. Ein Weckruf der Wirtschaft</strong>“, die vom <strong>Handelsblatt</strong> und <strong>United Europe</strong> initiiert wurde. „Es ist an der Zeit, den europäischen Binnenmarkt in das digitale Zeitalter zu übertragen. Die Digitalisierung ist eine große Chance für Europa. Als einer der Megatrends unserer Zeit fördert sie den grenzüberschreitenden Austausch unserer Länder und Bürger und bringt uns alle europaweit näher zusammen.“</em></p>
<p>Europa und adidas haben Eines gemeinsam: die Vielfalt. Wer einmal durch unsere Zentrale in Herzogenaurach läuft, wird eine Vielzahl an Sprachen hören. Für mich ist das eine tolle Errungenschaft. Der Austausch von unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und Perspektiven bereichert uns. Das Gleiche gilt für die Europäische Union: Viel zu selten halten wir Europäer uns vor Augen, wie besonders es ist, auf einem so vielfältigen und gleichzeitig friedlichen Kontinent zu leben.</p>
<p>Der Austausch untereinander birgt großes Potential, das durch die digitale Vernetzung noch weiter gehoben wird. Wir ergänzen uns und lernen voneinander. Das ist unsere Stärke. In Zeiten, in denen der Protektionismus die bisherigen Grundlagen der Weltordnung in Frage stellt, müssen wir als Europäer dem etwas entgegensetzen – gemeinsam. Dabei sollte es unser aller Ziel sein, dass Europa auch in Zukunft eine Union eigenständiger Staaten bleibt, die ihre Kräfte bündeln und sich aufgrund ihrer Erfahrung und Leistung gemeinsam in der Welt behaupten. Europa steht für klare Werte und bietet Menschen Frieden, Freiheit, Wohlstand und Teilhabe – für alle.</p>
<p>Der europäische Binnenmarkt ist für mich neben dem friedlichen Miteinander eine der größten Errungenschaften der EU. Er wurde geschaffen, damit wir in der EU günstigen Zugang zu einer unglaublichen Auswahl an Produkten und Dienstleistungen haben. Als größter Binnenmarkt der Welt ist die EU für ein Drittel des Welthandels verantwortlich. Darauf können wir stolz sein und darauf sollten wir bauen. Der Brexit ist für mich daher die schlechteste wirtschaftliche Entscheidung, die in den vergangenen 30 Jahren getroffen wurde. Es besteht kein Zweifel daran, dass sowohl Wirtschaft und Verbraucher, als auch die Unternehmen in Großbritannien und in der EU darunter leiden werden.</p>
<p>Dennoch müssen wir jetzt nach vorne schauen. Statt die EU weiter zu schwächen, sollten wir sie stärken und Ideen und Maßnahmen anstoßen, die Europa fit für die Zukunft machen. Es ist an der Zeit, den europäischen Binnenmarkt in das digitale Zeitalter zu übertragen. Die Digitalisierung ist eine große Chance für Europa. Als einer der Megatrends unserer Zeit fördert sie den grenzüberschreitenden Austausch unserer Länder und Bürger und bringt uns alle europaweit näher zusammen. Gleichzeitig ist sie der Hebel, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Schaffung eines digitalen europäischen Binnenmarktes ist die Grundvoraussetzung dafür, dass Europa in der ersten Liga spielt.</p>
<p>Zweifellos stellt uns die digitale Transformation vor Herausforderungen. Nicht nur die einzelnen Unternehmen, sondern jedes Land, und auch Europa als Ganzes. Insgesamt schreitet die Digitalisierung in der EU zwar voran – es reicht aber nach wie vor nicht aus, um den Anschluss an die Weltspitze zu finden. Doch was braucht es für diesen digitalen Binnenmarkt? Um den Herausforderungen zu begegnen, benötigen wir eine europaweite digitale Infrastruktur. Sie ist das Fundament für Innovationen und Wettbewerbsfähigkeit. Dazu zählt sowohl der zügige Ausbau des europaweiten Breitbandnetzes als auch die Bereitstellung weiterer Frequenzen und Glasfasernetze für die 5G-Einführung. Hierbei spielt das Tempo aus meiner Sicht eine besondere Rolle. Erst im Jahr 2025 zu schnellerem Internet zu kommen, das kann nicht unser Maßstab sein. Wir müssen viel zügiger vorankommen.<br />
Schauen wir uns das Beispiel Deutschland an: Obwohl Digitalisierung bereits seit 2005 ganz oben auf der Agenda steht, werden Prozesse nur zaghaft digitalisiert. Ja, man kann noch nicht einmal von München nach Nürnberg fahren und dabei ohne Funkloch-Unterbrechung telefonieren. Potenziale sehe ich zudem insbesondere bei der Digitalisierung von kleinen und mittelständischen Unternehmen, sowie in der Verwaltung. Wir müssen bürokratische Hürden abbauen, Kompetenzzentren schaffen und allem voran Weiterbildungen anbieten.</p>
<p>Stichwort Bildung: Wir müssen das System hinterfragen. Setzen wir bei Investitionen in unsere Zukunft die richtigen Prioritäten? In einer Welt, in der Wissen jederzeit abrufbar ist, wird anders gelernt als noch vor 50 Jahren. Der technische Fortschritt erfordert von uns neue Fähigkeiten. Wie kann man da überhaupt noch diskutieren, ob wir unsere Schulen digital besser ausstatten sollen? Es ist eine absolute Notwendigkeit, wenn wir unsere Kinder auf die Herausforderungen von morgen vorbereiten wollen. Warum zieht es viele unserer besten Leute ins Silicon Valley? Weil es dort eine besser entwickelte Innovationskultur gibt. Eine Kultur die Kooperationen als Erfolgsfaktor ansieht, anstatt Wettbewerb in den Fokus zu stellen. Von dieser Einstellung können wir uns in Europa etwas abgucken.</p>
<p>Wir haben in Europa sehr gute Forschungseinrichtungen. Trotzdem erreicht kein einziges europäisches Unternehmen die Börsenwerte amerikanischer Unternehmen wie Apple und Amazon. Die Realität ist, dass wir in Europa zwar herausragende Forscher ausbilden, aber bisher noch nicht in der Lage sind, die Forschung für den Markt zu gewinnen und die Ergebnisse entsprechend umzusetzen. Aufgrund einer uneinheitlichen Infrastruktur können wir die gewaltigen Mengen an Daten, die bei der Forschung entstehen, nur unzureichend nutzen. Das ist ein Nachteil. Europäische Cloud-Initiativen könnten dazu beitragen, „Big Data“ europaweit besser zu nutzen.<br />
Die Digitalisierung verändert alle Industrien. Sie ist nicht nur eine Branche, sondern ein Phänomen, das die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft durchzieht. Diese Entwicklung wird die gesamte Wertschöpfungskette verändern – von der Produktion bis hin zum Vertrieb.</p>
<p>Das birgt für Unternehmen enorme Möglichkeiten – auch für adidas. Wir treiben die digitale Transformation in der gesamten Organisation voran – als Team. Unsere Produkte werden zunehmend digital entworfen und verkauft. Mit Konsumenten kommunizieren wir heute vorwiegend online. In unseren SPEEDFACTORIES implementieren wir Datenanalyse- und digitale Produktionsprozesse, um in kürzester Zeit Schuhe herzustellen. In wenigen Jahren werden wir Sportlern perfekt angepasste Schuhe in unseren Läden drucken können. Wir investieren daher ständig in unsere digitale Infrastruktur und suchen auf der ganzen Welt nach Talenten mit dieser Expertise. Nur so sind wir in der Lage, die Zukunft des Sports gemeinsam zu gestalten.</p>
<p>Das Gleiche gilt auch für Europa: Wir brauchen Initiativen und Innovationen, die die Digitalisierung vorantreiben, wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch. Klar: Innovationen bringen immer auch Unsicherheit. Sie sind anspruchsvoll und brechen den Status quo. Aber wenn wir nicht über unsere eigenen Grenzen hinausgehen, werden wir den Anschluss verlieren. Deshalb sage ich: Europa ist und bleibt ein Erfolgsmodell. Wir müssen nur mutiger sein. Dann können wir gemeinsam als europäische Einheit die beste Lösung finden – für Forschung und Wirtschaft, aber auch für unser tägliches Miteinander.</p>
<p><em>Die Artikelreihe „<strong>Europa kann es besser</strong>“ erscheint bis zur <strong>Europawahl</strong> im <strong>Handelsblatt</strong> auf Deutsch und in Deutsch und Englisch auf <strong>Handelsblatt Online</strong> und der Website von <strong>United Europe</strong>. Die Texte sind auch in einem <strong>Buch</strong> zusammengefasst, das am 15. April 2019 im <strong>Herder-Verlag</strong> erschienen ist. Weitere Informationen über das Buch finden Sie <a href="https://www.herder.de/geschichte-politik-shop/europa-kann-es-besser-gebundene-ausgabe/c-34/p-15322/">hier</a>.</em></p>
<p><strong>Über Kasper Rorsted:</strong><br />
Kasper Rorsted ist seit 2016 CEO der adidas AG. Der gebürtige Däne hat Wirtschaft in Kopenhagen studiert und nach seinem Studium seine berufliche Karriere bei amerikanischen IT-Konzernen wie Oracle, Compaq und Hewlett-Packard begonnen. 2005 wechselte Kasper Rorsted zu Henkel, wo er von 2008 bis 2016 Vorstandsvorsitzender war. Kasper Rorsted ist ein begeisterter Sportler und leidenschaftlicher Fan des FC Bayern München. Er ist verheiratet und hat vier Kinder.</p>
<p>&nbsp;</p>The post <a href="https://www.united-europe.eu/de/2019/05/kasper-rorsted-europa-braucht-einen-klaren-fahrplan-fuer-einen-wettbewerbsfaehigen-digitalen-binnenmarkt/">Kasper Rorsted: Europa braucht einen klaren Fahrplan für einen wettbewerbsfähigen digitalen Binnenmarkt</a> first appeared on <a href="https://www.united-europe.eu/de/">United Europe</a>.]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>René Obermann: Die Selbstbehauptung Europas</title>
		<link>https://www.united-europe.eu/de/2019/05/rene-obermann-die-selbstbehauptung-europas/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dorian Simon]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 May 2019 18:00:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Prominente Meinungen]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Europareform]]></category>
		<category><![CDATA[Europawahlen]]></category>
		<category><![CDATA[René Obermann]]></category>
		<category><![CDATA[Technologisierung]]></category>
		<category><![CDATA[United Europe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Wir dürfen nicht wehrlos zwischen den Machtblöcken bleiben, die sich im Cyber und Militärkomplex ein Wettrüsten leisten“, schreibt René Obermann, Partner bei Warburg Pincus sowie Geschäftsführer der Warburg Pincus Deutschland&#8230;</p>
The post <a href="https://www.united-europe.eu/de/2019/05/rene-obermann-die-selbstbehauptung-europas/">René Obermann: Die Selbstbehauptung Europas</a> first appeared on <a href="https://www.united-europe.eu/de/">United Europe</a>.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_13767" aria-describedby="caption-attachment-13767" style="width: 320px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Obermann_Website.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-13767 size-thumbnail" src="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Obermann_Website-320x240.jpg" alt="" width="320" height="240" srcset="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Obermann_Website-320x240.jpg 320w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Obermann_Website-560x420.jpg 560w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Obermann_Website-640x480.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px" /></a><figcaption id="caption-attachment-13767" class="wp-caption-text">René Obermann, Partner Warburg Pincus, Geschäftsführer Warburg Pincus Deutschland GmbH</figcaption></figure>
<p><em>„Wir dürfen nicht wehrlos zwischen den Machtblöcken bleiben, die sich im Cyber und Militärkomplex ein Wettrüsten leisten“, schreibt <strong>René Obermann</strong>, Partner bei Warburg Pincus sowie Geschäftsführer der Warburg Pincus Deutschland GmbH in seinem Essay zu unserer Artikelserie „<strong>Europa kann es besser. Wie unser Kontinent zu neuer Stärke findet. Ein Weckruf der Wirtschaft</strong>“, die vom <strong>Handelsblatt</strong> und <strong>United Europe</strong> initiiert wurde: „Nur glaubwürdige Abschreckung schreckt wirklich ab. Der Zustand unserer Streitkräfte tut es jedenfalls nicht.“</em></p>
<p>Es könnte uns Europäern viel schlechter gehen. Demokratie und Rechtsstaat, eine zunehmend integrierte Gemeinschaft, gesunkene Arbeitslosigkeit, offene Grenzen, selbst unsere gemeinsame Währung, alles hielt den Zerreißproben der letzten Jahre stand. Wir sind an Gewaltenteilung gewohnt, an kritische, angstfreie Medien, an Social-Media-Shitstorms, endlose Debatten und subsidiäres “Entschleunigen” wichtiger Initiativen.</p>
<p>Zur DNA unserer westeuropäischen Wohlstands-Gesellschaft gehört die Sorge, mindestens aber die Skepsis vor Technologie, beispielsweise vor Antennenstrahlung und vor Daten in der Cloud, vor Künstlicher Intelligenz oder Gentechnologie. Wir leisten uns ausgiebige Diskurse zu ziemlich allem, bevor wir unter globalem Wettbewerbsdruck dann doch in die Gänge kommen, sei es auch nur halbherzig. Eigentlich richtig, nicht alles Neue sofort durchzuwinken, sondern zunächst die Folgen zu wägen, aber bitte nicht ewig. Es wird für Europa schwerste Konsequenzen haben, wenn wir wichtige Technologiefragen nicht schneller entscheiden und umsetzen.</p>
<p>„<em>Der Spiegel“ </em>bringt es auf den Punkt: „Was sich in autokratisch oder streng präsidial geführten Ländern wie China und den USA regeln lässt, wird im kakofonen Europa zur Herkulesaufgabe.<em>“  </em>Jeder fordert das lückenlose 5G Netz, allerdings möglichst ohne Elektrosmog und Antennen. Oder Stromtrassen für die Netzstabilität, aber nicht durch unsere Natur gebaut.<br />
Am deutlichsten wird unsere politische Paralyse beim folgenlosen Bejammern der Digitalisierungsdefizite. Zerfaserte Zuständigkeiten, allseits tätige Beratergremien und Innovationsrunden, Digitalpakt, Länder-Blockaden – indes, zigtausend Schulen sind immer noch nicht vernünftig digital ausgestattet.</p>
<p>Das Gegenmodell zu uns ist das autokratische China. Nicht nur wegen der staatlichen Machtüberformung der Wirtschaft, sondern auch wegen seiner Haltung zu Technologie. Ein Beispiel:<br />
90% der Macher in der Wirtschaft in China glauben laut einer Accenture-Studie an die positiven Effekte von KI. In den USA ist es ähnlich, bei uns seien es nur ca. die Hälfte.<br />
Und an was die Menschen glauben, danach leben und handeln sie meistens auch.</p>
<p>Miriam Meckel schreibt zum globalen Technologie Wettlauf u.a.: <em>„</em>Hier geht es um mehr als ein paar technische Anpassungen. Es geht um die Frage, wer die Blaupause für die digitale Wirtschaftsordnung der Zukunft liefert. Die USA mit dem Marktmodell eines digitalen Libertärkapitalismus, made in Silicon Valley? Oder China mit einem rigiden staatskapitalistischen Modell, in dem manches allein deshalb viel schneller geht, weil man den Einspruch skeptischer Bürger nicht fürchten muss.”</p>
<p>Wir dürfen als Europäer jedenfalls nicht in ewigen Diskussionen steckenbleiben. Ich stimme Meckel zu, die sagt:<br />
<em>„</em>&#8230; wenn wir unsere EU verteidigen wollen, müssen wir möglichst schnell aus dem Lager der Zauderer in das der Zukunftsoptimisten wechseln – und mehr ausprobieren.”</p>
<p>Müssen wir wirklich erstmal vor allem Angst haben? Zum Beispiel vor der digitalen Vernetzung im Gesundheitswesen, vor der Gentechnologie? Oder vor Mustererkennung, Künstlicher Intelligenz und Robotik? Ich frage das nicht, weil ich gegen hohe ethische Standards bin, ich will nur, dass unsere europäische Wirtschaft nicht von US oder chinesischen Tech-Giganten überrollt wird, die viele unserer gesellschaftlichen und regulatorischen Restriktionen nicht haben. Denn ohne eine starke EU-Wirtschaft gibt es auch keine erfolgreiche, sozial ausgewogene Politik.</p>
<p>China liegt bei Investitionen in Künstliche Intelligenz mittlerweile vor den USA. Und sie setzen diese Technologie überall, auch im militärischen Bereich ein. Alle zivilen Unternehmen müssten, so berichtete vor einiger Zeit die Financial Times, ihre Technologie dem Militär verfügbar machen.<br />
Der Einsatz chinesischer Komponenten in europäischen und amerikanischen Telekommunikationsnetzen ist hoch umstritten, weil der Westen Sorge vor Cyber-Sicherheitslücken und damit vor Spionage oder sogenannter Cyber-Warfare, frei übersetzt kriegerischen Angriffen über das Internet, hat.<br />
Chinas digitale Bürgerüberwachung, die Turbo-Entwicklung der Gentechnologie und der Cyber-Aufrüstung (die wohl wirkmächtigste Waffe der Zukunft) sind nur drei Aspekte, wie China versucht, die mächtigste Nation der Erde zu werden.</p>
<p>Digitale Technologien entscheiden über den Wettbewerb der Wirtschaftsregionen, leider auch im militärischen Komplex. Bei allen Waffengattungen und nun auch im Weltraum sind Künstliche Intelligenz, Robotik, Drohnen und vernetztes Agieren schon jetzt Realität. Dreistellige Milliardenbeträge fließen in die Weiterentwicklung dieser Systeme in den USA, China und Russland.</p>
<p><strong>Und wo steht Europa?</strong><br />
Leider hat der gute Hegemon als unser langjähriger Schutzpatron seine Unbedingtheit in Frage gestellt. Er spielt derzeit „divide et impera”. „DIE ZEIT” schrieb: „Donald Trump wird weiter die Verachtung für Freunde und den Flirt mit den Autoritären auskosten&#8230; Er weiß, dass EU nicht ohne Amerikas Markt und Schutzschirm auskommt. Das ist das Elend von uns Europäern &#8230;”</p>
<p>Wir dürfen nicht wehrlos zwischen den Machtblöcken bleiben, die sich im Cyber und Militärkomplex ein Wettrüsten leisten. Nur glaubwürdige Abschreckung schreckt wirklich ab. Der Zustand unserer Streitkräfte tut es jedenfalls nicht.</p>
<p>Ähnlich wie in der Verteidigung sollten wir auch bei Zukunftstechnologien nicht in der Sandwich-Position bleiben. US-Unternehmen beherrschen die digitale westliche (!) Wirtschaftswelt. China hat seine eigenen digitalen Giganten wie Alibaba und Tencent. Wir lernen bekanntlich aus den Daten, die buchstäblich überall entstehen, ob in Social Media, beim Sport, Schlafen, Essen oder Autofahren, im Betrieb von Industrieanlagen, Turbinen, in der Landwirtschaft oder der Medizin. Genauer gesagt, nicht wir allein, sondern diejenigen lernen, die unsere Daten analysieren. Im Bereich solcher “Analytics” nutzen selbst große europäische Konzerne amerikanische Plattformen wie von Microsoft, Google oder Palantir. Es gibt eben derzeit keine starken Alternativen aus Europa. Was das auf Dauer bedeutet, ist klar. Große Teile der Wertschöpfung wandern dorthin, wo die Erkenntnisse aus diesen Daten genutzt werden können.</p>
<p>USA und China dominieren die Künstliche Intelligenz. Und sie dürften leider auch bei 5G schneller vorankommen als wir, die aktuelle Klagewelle gegen das Frequenz- Vergabeverfahren ist ein Indiz dafür.<br />
Genauso wird es im Quantencomputing oder bei Cloudtechnologien bzw. -Infrastrukturen laufen. Versuchen Sie in Europa mal, einen guten Standort für ein sogenanntes “Hyperscale”-Rechenzentrum mit günstigen Energiekosten zu bekommen. Dabei liegt es doch auf der Hand, dass wir solche Standorte dringend brauchen.</p>
<p><strong>Eine Revolution im Denken: Mehr Technologieausbildung</strong><br />
Und was wir bei all diesen großen Aufgaben am allerwenigsten vergessen dürfen, sind unsere Kinder, also die technologischen, kreativen und ethischen Kompetenzen künftiger Generationen. Über Bildung wird ständig geredet. Jeder fordert mehr Geld, vielleicht zu Recht. Aber was genau muss wo unterrichtet werden, was müssen die Lehrer konkret beherrschen, wie müssen Schulen, Betriebe, Berufsschulen und Familien ausgestattet, unterstützt werden? Hier versagt der Bildungsföderalismus! Aber auch private Initiativen werden noch nicht ausreichend gefördert.<br />
Verena Pausder zum Beispiel macht mit ihren „Digitalwerkstätten” Eltern und Kindern ein sinnvolles Lern-Angebot……fand aber nur bei Facebook und Airbus prominente Unterstützung sowie in der Landesregierung von NRW.</p>
<p>Es gibt bis heute keine verpflichtenden Digital-Seminare für die Lehrer, geschweige denn flächendeckend gute IT-Ausstattungen und Fachleute an den Schulen. Oft fehlen sogar schnelle Netzanschlüsse.<br />
Das darf nicht so bleiben, in einem Land, das hier eine technologische Transformation sondergleichen vor sich hat und dem schon deshalb nichts wichtiger sein müsste, als eine gut ausgebildete Jugend. Und das überall! Denn eine urbane Digital-Elite in einigen Großstädten mit hohem Einkommen und top Jobs ist nicht ausreichend.</p>
<p>Und was für Deutschland gilt, gilt für ganz Europa! Vielleicht könnte die gemeinsame Arbeit daran ein wichtiger Baustein für den Zusammenhalt unseres Kontinentes werden: Jungen Menschen aus allen sozialen Schichten ein echtes digitales Bildungsangebot zu machen. So bekämpft man Ängste und gestaltet Zukunft! Dafür müssen Unternehmen und Politik einen neuen Pakt schließen, zur Finanzierung und zur Methodik. Einen Pakt, der für künftige Regierungen verbindlich ist, denn er wird über viele Jahre umzusetzen sein.</p>
<p>Ich bin überzeugt, dass wir Millionen engagierter Fürsprecher für die europäische Sache brauchen. Und wenn Wirtschaftsführer politisch Flagge zeigen, so wie es einige in der letzten Zeit schon getan haben, dann ist das immerhin ein guter Anfang.</p>
<p><em>Die Artikelreihe „<strong>Europa kann es besser</strong>“ erscheint bis zur <strong>Europawahl</strong> im <strong>Handelsblatt</strong> auf Deutsch und in Deutsch und Englisch auf <strong>Handelsblatt Online</strong> und der Website von <strong>United Europe</strong>. Die Texte sind auch in einem <strong>Buch</strong> zusammengefasst, das am 15. April 2019 im Herder-Verlag erschienen ist. Weitere Informationen über das Buch finden Sie <a href="https://www.herder.de/geschichte-politik-shop/europa-kann-es-besser-gebundene-ausgabe/c-34/p-15322/">hier</a>.</em></p>
<p><strong>Über René Obermann</strong><br />
René Obermann ist seit Februar 2015 Partner bei Warburg Pincus, einem führenden US-basierten Private Equity Unternehmen, sowie Geschäftsführer der Warburg Pincus Deutschland GmbH in Berlin. Er ist Aufsichtsratsvorsitzender der 1&amp;1 Internet Holding SE sowie Aufsichtsratmitglied der Inexio KGaA. Desweiteren ist René Obermann Aufsichtsratmitglied der Airbus SE, Allianz Deutschland AG und Telenor ASA sowie Mitglied des Herausgeberrates „DIE ZEIT“.<br />
Seine berufliche Laufbahn begann René Obermann mit einer kaufmännischen Ausbildung bei der BMW AG in München. Danach gründete er 1986 parallel zum Studium ein eigenes Unternehmen in Münster: ABC Telekom. Nach der mehrheitlichen Uebernahme von ABC Telekom durch Hutchison Whampoa in 1991, wurde er geschäftsführender Gesellschafter der daraus resultierenden Firma Hutchison Mobilfunk GmbH. Von 1993 bis 1998 war er dort Vorsitzender der Geschäftsführung.<br />
Von 1998 bis 2013 war René Obermann bei der Deutschen Telekom tätig. Zunächst für das deutsche und dann auch internationale Mobilfunkgeschaeft (T-Mobile International AG) verantwortlich, wurde er im November 2006 zum CEO der Deutschen Telekom AG ernannt. Diese Position hatte er bis Dezember 2013 inne. Ab Januar 2014 arbeitete René Obermann als CEO von Ziggo BV in den Niederlanden bis zur Fusion mit Liberty Global’s UPC im November.<br />
Von 2007-2013 war René Obermann auch Vizepräsident des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM).</p>
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		<title>Timotheus Höttges: Eine Cloud für Europa</title>
		<link>https://www.united-europe.eu/de/2019/05/timotheus-hoettges-eine-cloud-fuer-europa/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dorian Simon]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 May 2019 18:07:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Prominente Meinungen]]></category>
		<category><![CDATA[Europa kann es besser]]></category>
		<category><![CDATA[Europareform]]></category>
		<category><![CDATA[Europawahlen]]></category>
		<category><![CDATA[Timotheus Höttges]]></category>
		<category><![CDATA[United Europe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Europa ist nicht nur Ort. Es ist Stand-Ort. Es ist Wirtschafts-Standort. Und es ist Stand-Punkt. Und zwar ein politischer“, schreibt Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom AG, in seinem Essay&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_13707" aria-describedby="caption-attachment-13707" style="width: 320px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Hoettges_Website.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-thumbnail wp-image-13707" src="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Hoettges_Website-320x240.jpg" alt="" width="320" height="240" srcset="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Hoettges_Website-320x240.jpg 320w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Hoettges_Website-560x420.jpg 560w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Hoettges_Website-640x480.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px" /></a><figcaption id="caption-attachment-13707" class="wp-caption-text">Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender Deutsche Telekom AG</figcaption></figure>
<p><em>„Europa ist nicht nur Ort. Es ist Stand-Ort. Es ist Wirtschafts-Standort. Und es ist Stand-Punkt. Und zwar ein politischer“, schreibt <strong>Timotheus Höttges</strong>, Vorstandsvorsitzender der <strong>Deutschen Telekom AG</strong>, in seinem Essay zu unserer Artikelserie „<strong>Europa kann es besser. Wie unser Kontinent neue Kraft findet. Ein Weckruf der Wirtschaft</strong>“, initiiert von <strong>Handelsblatt</strong> und <strong>United Europe</strong>. „Nationales Denken taugt weder für Finanz-, noch für Flüchtlingskrisen. Noch taugt es für internationalen Wettbewerb insbesondere mit Nord-Amerika und Asien.“</em></p>
<p>„Was stellen Sie sich vor, wenn Sie an Europa denken? Wo liegt Ihr Europa? Welchen Ort hat Ihr Europa?“ Diese Fragen hat vor einigen Jahren die „Süddeutsche Zeitung“ gestellt. Und angesichts der aktuellen Situation habe auch ich mir zuletzt überlegt: „Ja, welchen Ort hat Europa?“ Was steht symbolisch für dieses Konstrukt, das mehr ist als Geografie: Wertegemeinschaft. Rechtsgemeinschaft. Wirtschaftsgemeinschaft. Lebensgemeinschaft.</p>
<p>Eingefallen ist mir das „Parlamentarium“ in Brüssel; das Ausstellungs- und Besucherzentrum des EU-Parlaments. Dort kommen zwei Dinge zusammen. Erstens steht das „Parlamentarium“ exemplarisch dafür, wie sehr uns die Digitalisierung bereichert. Sein Ausstellungsführer ist ein modernes Smartphone, das den Besuchern über Near Field Communication Informationen zu den verschiedenen Ausstellungsstationen liefert. Es gibt Audiofiles und Videos, in denen Menschen darüber berichten, wie sie ihre Unternehmen gegründet haben und zu Weltmarktführern geworden sind. An die Parlamentarier können Sie als Besucher über ein Terminal Wünsche richten, die über das Internet verbreitet werden und in Sekunden auf einem großen Monitor sichtbar sind.</p>
<p>Zweitens zeigt diese Ausstellung aber nicht nur, wohin wir mit der Digitalisierung gehen. Sie zeigt auch, woher wir mit Europa kommen. Europa ist ein Friedensprojekt. Es beruht auf dem Gedanken, dass Frieden am ehesten durch Vernetzung gelingt. Nicht durch Abschottung, sondern durch ein In-Beziehung-Treten von Menschen, die wirtschaften.</p>
<p>Nimmt man diese beiden Punkte zusammen, Wirtschaftsgemeinschaft und Friedensgemeinschaft, zeigt sich schnell, dass das Denken in nationalstaatlichen Kategorien hoch problematisch ist. Europa ist nicht nur Ort. Es ist Stand-Ort. Es ist Wirtschafts-Standort. Und es ist Stand-Punkt. Und zwar ein politischer. Nationales Denken taugt weder für Finanz-, noch für Flüchtlingskrisen. Noch taugt es für internationalen Wettbewerb insbesondere mit Nord-Amerika und Asien. Mein Ort für Europa, das „Parlamentarium“, steht also zugleich für meine Vision von Europa. Nämlich eine digitale, wettbewerbsfähige Werte- und Wirtschaftsgemeinschaft.</p>
<p>Auf beiden Feldern kann Europa auf große Erfolge zurückblicken. Aber beides wird herausgefordert. Unsere Wirtschaft. Und mit ihr unsere Werte. Sicher, der globale Wettbewerb ist nicht neu. Keine Volkswirtschaft der Erde ist zum Beispiel so vernetzt wie die deutsche. Noch vor Hong Kong, den USA und Singapur. Europa hat starke Wirtschaftscluster. Sie basieren vor allem auf hoher Handwerkskunst und exzellenter industrieller Fertigung, aber auch herausragender Grundlagenforschung.</p>
<p>Diese industrielle Basis Begehrlichkeiten. Schaut man sich zum Beispiel diverse Unternehmen des Valleys an – insbesondere Google oder Facebook -, stellen wir fest: Bislang entstehen deren Gewinne vor allem durch Werbeeinnahmen. Doch der Werbekuchen, aus dem die Internetkonzerne sich speisen, ist ziemlich endlich. Er macht gerade rund ein Prozent unseres Bruttoinlandsproduktes aus. Kein Wunder also, dass die Unternehmen weltweit immer stärker mit ihren Datenmodellen in die industrielle Wertschöpfung eindringen. Sei es der Bereich Smart Home, sei es die Medizin oder sei es das selbstfahrende Auto. Hier liegt die eigentliche Bedrohung, der wir begegnen müssen.</p>
<p><strong>Wie kann das gelingen? Nur einige Überlegungen:</strong><br />
Erstens bin ich überzeugt, dass die Wertschöpfungsketten der Zukunft immer weniger vertikal verlaufen, also innerhalb einzelner Branchen. Sondern zunehmend auch horizontal, branchenübergreifend. Wir brauchen also mehr Kooperationen oder – neudeutsch – Coopetition. Dafür ist es aber notwendig, Anreize und Erleichterungen für solche Kooperationen zu schaffen. Dazu zählt auch, dass Entstehen globaler Champions innerhalb Europas eher zu fördern als zu verhindern.</p>
<p>Zweitens bauchen wie eine europäische Cloud. Es ist beinahe schon ein Allgemeinplatz, dass Daten der Rohstoff der Digitalisierung sind. Wir wissen aber auch, dass die eigentliche Wertschöpfung immer dort stattfindet, wo die Rohstoffe veredelt werden. Beim Thema Daten geschieht dies heute fast ausschließlich außerhalb Europas. Europäische Unternehmen können bei der Nutzung öffentlicher Cloud-Dienste zwischen einigen wenigen amerikanischen (Amazon, Microsoft &amp; Google) und ein bis zwei chinesischen (Alibaba, Tencent) auswählen. Für einen Großteil der Anwendungen aus der öffentlichen Cloud – etwa normale Bürokommunikation – mag das weniger problematisch sein. Wie aber sieht es im Bereich weiterer sensibler Daten aus? Hat Europa nicht einen strategischen Nachteil, wenn Unternehmens- und Kundendaten jenseits Europas liegen? Und was können wir dagegen tun? Entweder zwingen wir die außereuropäischen Anbieter dazu, dass sie ihre Dienste nur bei uns anbieten dürfen, wenn ein europäischer Anbieter komplett für die Lieferung der Software und vor allem die rechtliche sowie technische Kontrolle der Daten verantwortlich ist. China tut das.</p>
<p>Der nächste Schritt wäre aber eine komplette europäische Cloud-Infrastruktur mit Rechenzentren in verschiedenen europäischen Ländern und vor allem der dazu gehörenden Entwicklung europäischer Software. Hierfür braucht es eine Politik, die eine solche Infrastruktur fördert. Unter anderem, indem staatliche Behörden und Institutionen Kunden einer solchen Infrastruktur werden und damit erst den Markt dafür schaffen.</p>
<p>Keine Alternative ist es jedenfalls, die Nutzung von Daten generell zu verbieten oder massiv zu erschweren. Denn auf Daten basiert auch neuer Wohlstand. Rückblickend werden wir die vergangenen 50 Jahre vielleicht als die goldenen Jahre individueller Freiheit betrachten. Davor waren wir zivilisatorisch zu rückständig. Seither sind wir technologisch zu fortschrittlich. Aber: Wir haben alle Chancen diesen Fortschritt positiv zu gestalten. Und einen eigenen Weg zu finden zwischen der Massenüberwachung aus dem angelsächsischem Raum und einer IT-Diktatur wie in China mit einem Sozialpunkte-Konto, das das komplette Verhalten überwacht, bestraft und belohnt. Dieser Weg kann bedeuten, dass die Europäerinnen und Europäer die Grenzen dessen, was sie heute als „das Individuelle“ betrachten, verschieben. In Richtung höherer Transparenz. Die junge Generation tut dies schon heute. Und es muss nicht nur schlecht sein. Es könnte zum Beispiel mehr Sicherheit bedeuten und den Menschen damit auch ein Stück Freiheit zurückgeben.</p>
<p>Drittens braucht es weitere Initiativen, die Technologien von morgen zu bestimmen. Vorbild dafür könnte das in den USA außerordentlich erfolgreiche Programm der DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency ) sein. Denn was als Militärforschung gedacht ist, findet seinen Weg in den zivilen Bereich, wo die Technologien dann – hoffentlich – auch zivilisatorisch genutzt werden. Beispiele sind das Internet, die Laser-Technologie, die Vorläufer von Google Maps sowie die Sprachassistenten Alexa und Siri. Dem hat Europa noch nicht viel entgegenzusetzen. Dabei könnte sogar die viel diskutierte Erhöhung der europäischen Militärausgaben als Vehikel für Technologieführerschaft genutzt werden.</p>
<p>Viertens haben natürlich auch Breitbandnetze eine strategische Bedeutung. Die Telekom kennt hier ihre Verantwortung. Wir investieren pro Jahr 12 Milliarden Euro, davon fünf Milliarden allein in Deutschland. Nicht nur in Metropolen, sondern gerade auch dort, wo andere sich nicht engagieren. Aber ein Kontinent, der Investitionen braucht, braucht auch Investitionsanreize.</p>
<p>Lange lag der Fokus der europäischen Regulierung aber vor allem auf Wettbewerb auf den (alten) Netzen statt auf Wettbewerb in die (neuen) Netze. Das hatte Folgen. Der Gewinn sämtlicher europäischer Telekommunikationsunternehmen hat sich seit 2006 halbiert. Dadurch wurde aber gerade die Investitionsfähigkeit der Unternehmen geschwächt, die eigene, neue Infrastruktur aufbauen und immer wieder an gestiegene Ansprüche anpassen. Und: Allein die deutsche Telekommunikationsindustrie hat seit dem Jahr 2000 rund 60 Milliarden Euro für Mobilfunkfrequenzen ausgegeben. Geld, dass auch in Antennen und Masten hätte fließen können. Während zum Beispiel in China (1,3 Mrd. Einwohner) darüber nachgedacht wird, die Zahl der Mobilfunk-Anbieter von drei auf zwei zu verringern, galt in Europa lange die Regel, dass es pro Land vier Anbieter geben soll. Von einem digitalen Binnenmarkt kann daher keine Rede sein. Und infolge dessen fehlt auch ein europäischer Champion, der international mit Anbietern wie AT&amp;T (Marktkapitalisierung: 192 Mrd. Euro), Verizon (198 Mrd. Euro) oder China Mobile (190 Mrd. Euro) mitspielt. Entsprechend geringer ist dann aber auch der Einfluss, wenn es zum Beispiel um die Definition von Standards der Industrie geht.</p>
<p>Damit komme ich zu meinem fünften Punkt: Wie organisiert sich Europa neu? Hierzu gibt es längst eine Reihe von Ratschlägen, die auf dem Tisch liegen. Und mir ist bewusst: Dies ist nicht nur ein weites, sondern vor allem ein komplexes Feld. Mir ist das als Vorstandsvorsitzender eines europäischen Konzerns nicht fremd. Wir sind in Ländern wie Polen, Ungarn, Griechenland, den Niederlanden, Tschechien oder Österreich tätig. Landesgesellschaften und Unternehmen mit eigener Geschichte. Unternehmen mit eigener Kultur. Und Unternehmen mit eigenen Interessen, die nicht immer deckungsgleich sind mit den Interessen des Konzerns. Ich kann also in vielerlei Hinsicht sagen: Die Telekom ist Europa.</p>
<p>Wie gehen wir als Unternehmen mit dieser Vielfalt um? Wichtig ist: Auch in einem Konzern muss das Ergebnis immer mehr sein als die Summe der einzelnen Teile. Kurz gesagt: Überall dort, wo Größenvorteile besonders relevant sind, ist auch ein einheitliches Vorgehen besonders wichtig. Gleichzeitig akzeptieren wir aber verschiedene Geschwindigkeiten. Dem liegt die Erkenntnis zugrunde, dass jede Landesgesellschaft immer auch Herausforderungen hat, die sehr viel akuter sein können, als die großen Linien. Dann zu unterstützen und zentrale Vorgaben notfalls zurückzustellen, ist richtig. Das bedeutet aber nicht, dass jedes Land nur das tut, was ihm gerade gelegen kommt. Verbindlichkeit ist eine der Grundvoraussetzungen für das Gelingen von Projekten innerhalb großer Organisationen.</p>
<p>Vielfalt ist dennoch von Vorteil. Fast für jedes Thema gibt es irgendwo im Konzern eine so genannte „Best Practice“, die wir adaptieren und auch in anderen Ländern testen können. Gerade kleinere Märkte sind hier besonders hilfreich, da wir dort sehr viel schneller und agiler reagieren und testen können.<br />
Insofern überzeugen mich persönlich beim Thema EU-Reformen vor allem die Vorschläge, die auf eine Ausdifferenzierung setzen. Auf ein Europa also, in dem einige Länder und Regionen vorangehen und es darum eine unterschiedliche Integrationstiefe geben kann. Ein Europa aber auch, das in Feldern, in denen es auf Größenvorteile ankommt, Einigkeit herstellt und konsequent handelt. Gerade bei der Wirtschafts- und Industriepolitik ist dies wichtig: Künstliche Intelligenz, Cloud, Elektromobilität, Energiewende sind nur einige Beispiele.</p>
<p>Unterm Strich: Europa ist stark. Und es lohnt sich, für Europa zu kämpfen. Was hat dieser Kontinent nicht alles gemeinsam erreicht: Arbeitnehmerfreizügigkeit. Eine Sozialcharta. Eine Datenschutzgrundverordnung die, bei allen Problemen im Detail, die Privatsphäre der Menschen achtet. Es gibt wohl keine andere Region der Erde, in der Frieden, Demokratie, soziale Sicherheit, Freiheit, Achtung der Bürgerrechte, Humanisierung der Arbeit und vieles mehr eine so starke Einheit bilden. Und auch wenn die Wohlstandsschere auch bei uns auseinandergeht: Europa ist insgesamt reich. Umso wichtiger ist es, dass wir nun auch den Wohlstand der kommenden Generation sicherstellen und vor allem die Teilhabe daran organisieren.</p>
<p>Damit komme ich noch einmal zu meinem Ausgangspunkt zurück: Welchen Ort hat Europa? Vielleicht zeichnet Europa gerade aus, dass es eben nicht den einen Ort hat. Nicht allein das Parlamentarium. Nicht Brüssel oder Straßburg. Nicht allein auch die Cafés, von denen Emmanuel Macron in seiner Rede an der Sorbon gesprochen hat. Sondern Europa ist dann erfolgreich, wenn es überall gut aufgehoben und zuhause ist.</p>
<p>Ich bin als junger Mann mehrfach per Interrail durch ganz Europa gefahren. Eine Zeit, die mich geprägt und bereichert hat. Nicht nur, weil ich neue Freunde gefunden habe. Sondern auch, weil ich mir dadurch neue, andere Kulturen erschließen konnte. Und ich habe es als positiv empfunden, mich mit einer Idee identifizieren zu können, die mein Heimatland umfasst, aber darüber hinaus reicht. Eine Idee, die größer ist als ein einzelner Staat und die darum als Klammer unsere einmalige Vielfalt zusammenhält. Eine Idee, die zeitlos ist. Eine Idee, die Heimat ist jenseits der Geografie. Dieses europäische Bewusstsein ist es, das unseren Kontinent trägt. Und darum ist es unsere Aufgabe als Unternehmen, als Politik, als Bürger, Nachbarn, Freunde, Väter und Mütter, dieses Bewusstsein wach zu halten.</p>
<p>Kämpfen wir also dafür, dass die Vielfalt Europas auch weiterhin durch reale und virtuelle Netzwerke in Beziehungen treten kann. Dass dadurch Verständigung möglich wird, die Verständnis schafft. Und dass so Wohlstand und Frieden wachsen.</p>
<p><em>Die Artikelreihe „<strong>Europa kann es besser</strong>“ erscheint bis zur <strong>Europawahl</strong> im <strong>Handelsblatt</strong> auf Deutsch und in Deutsch und Englisch auf <strong>Handelsblatt Online</strong> und der Website von <strong>United Europe</strong>. Die Texte sind auch in einem Buch zusammengefasst, das am 15. April 2019 im <strong>Herder-Verlag</strong> erschienen ist. Weitere Informationen über das Buch finden Sie hier.</em></p>
<p><strong>Über Timotheus Höttges:</strong><br />
Timotheus Höttges, geboren 1962 in Solingen, ist seit Januar 2014 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom AG. Er lebt in Bonn, ist verheiratet und hat zwei Söhne. Seine Begeisterung fürs Unternehmertum entdeckte er schon als Schüler bei seiner Arbeit auf dem Markt von Solingen. Seine Leidenschaft für Europa wurde als Jugendlicher geweckt, als er den Kontinent per Interrail erkundete.<br />
Von 2009 bis zu seiner Berufung zum Vorstandsvorsitzenden leitete er im Telekom-Vorstand das Ressort Finanzen und Controlling. Von Dezember 2006 bis 2009 war er für den Bereich T-Home zuständig, zu dem das Festnetz- und Breitbandgeschäft gehörte. Von 2005 bis zu seiner Berufung in den Konzernvorstand war Höttges im Vorstand der T-Mobile International für das Europageschäft zuständig. Von 2000 bis Ende 2004 war er Geschäftsführer Finanzen und Controlling und später Vorsitzender der Geschäftsführung T-Mobile Deutschland.<br />
Höttges arbeitete nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu Köln drei Jahre in einer Unternehmensberatung, zuletzt als Projektleiter. Ende 1992 wechselte er zum VIAG Konzern in München, wo er seit 1997 als Bereichsleiter, später als Generalbevollmächtigter für Controlling, Unternehmensplanung sowie Merger und Acquisitions verantwortlich war.<br />
Höttges ist Vorsitzender des Kuratoriums der Telekom Stiftung, die sich im Bereich der natur- und ingenieurswissenschaftlichen Bildung engagiert. Zudem ist er Mitgründer der Bürgerstiftung Rheinviertel, die sich sozialen und karitativen Aufgaben im Bonner Rheinviertel widmet.</p>
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		<item>
		<title>Buchpräsentation von &#8222;Europa kann es besser&#8220; am Montag in Berlin</title>
		<link>https://www.united-europe.eu/de/2019/05/buchpraesentation-von-europa-kann-es-besser-am-montag-in-berlin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dorian Simon]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 May 2019 16:32:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Lectures]]></category>
		<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wir freuen uns auf die offizielle Präsentation des Buches &#8222;Europa kann es besser&#8222;, das vom Handelsblatt und von United Europe initiiert wurde. Das Buch wird am Montag, dem 6. Mai&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wir freuen uns auf die <strong>offizielle Präsentation</strong> des Buches &#8222;<strong>Europa kann es besser</strong>&#8222;, das vom <strong>Handelsblatt</strong> und von <strong>United Europe</strong> initiiert wurde.</p>
<p>Das Buch wird am Montag, dem 6. Mai von der CDU-Vorsitzenden <strong>Annegret Kramp-Karrenbauer</strong> in der <strong>ESMT Berlin</strong> vorgestellt.<br />
Nach der Präsentation folgt eine Podiumsdiskussion mit vier Autoren des Buches: <strong>Jürgen Großmann</strong> (United Europe), <strong>Ingrid Hengster</strong> (KfW Entwiklungsbank), <strong>Richard Lutz</strong> (Deutsche Bahn) und <strong>Simone Menne</strong> (Managerin und Multi-Aufsichtsrätin). Moderator ist <strong>Sven Afhüppe</strong>, Chefredakteur des Handelsblatts und gemeinsam mit <strong>Thomas Sigmund</strong>, Leiter des Hauptstadtbüros des Handelsblatts Herausgeber des Buches.</p>
<p>In diesem Buch machen sich erstmals <strong>30 Vorstandschefs, Mittelständler und Startup-Unternehmer</strong> aus Deutschland, Finnland, Österreich und Spanien Gedanken über die Zukunft des Kontinents.<br />
Zu den weiteren Autoren gehören <strong>Hannes Ametsreiter</strong> (Vodafone Germany), <strong>Werner Baumann</strong> (Bayer), <strong>Martin Brudermüller</strong> (BASF), <strong>Marcus Braun</strong> (Wirecard), <strong>Wolfgang Eder</strong> (voestalpine), <strong>Tom Enders</strong> (Airbus), <strong>Ignacio S. Galán</strong> (Iberdrola), <strong>Angelika Gifford</strong> (TUI, ProSiebenSat.1), <strong>Matthias Hartmann</strong> (IBM Germany), <strong> Antti Herlin</strong> (Kone), <strong>Timotheus Höttges</strong> (Deutsche Telekom), <strong>Richard Lutz</strong> (Deutsche Bahn), <strong>Tina Müller</strong> (Douglas), <strong>René Obermann</strong> (Warburg Pincus International), <strong> Peter Oswald</strong> (Mondi Group), <strong>Jörg Rocholl</strong> (ESMT Berlin), <strong>Kasper Rorsted</strong> (Adidas), <strong>Rolf Schmitz</strong> (RWE), <strong>Christian Sewing</strong> (Deutsche Bank), <strong>Johannes Teyssen</strong> (E.ON), <strong>Frank Thelen</strong> (Freigeist Capital), <strong>Andreas Treichl</strong> (Erste Bank), <strong>Hans Van Bylen</strong> (Henkel), <strong>Carola Gräfin von Schmettow</strong> (HSBC Trinkaus), <strong>Ralf Wintergerst</strong> (Giesecke+Devrient), <strong>Reinhold Würth</strong> (Würth Group) und <strong>Dieter Zetsche</strong> (Daimler).</p>
<p>Das Ergebnis ist ein <strong>Reformprogramm für die angeschlagene Europa AG</strong>, das in seiner Art einzigartig ist – und zu den Vorgaben der neuen EU-Kommission gehört. <strong>Keine politischen Sonntagsreden</strong>, sondern konkrete Handlungsempfehlungen und eine Vision, mit der sich Europa den Feinden der Demokratie und des Freihandels stellen kann. Weil: „Hand aufs Herz – keine Demokratie in der Welt ist perfekt, aber die europäische Demokratie bleibt ein Leuchtfeuer in einer sich langsam verdunkelnden geopolitischen Welt“, schreibt <strong>Wolfgang Schüssel</strong>, Präsident von United Europe, im Vorwort des Buches.</p>
<p>Das Buch ist im <strong>Herder-Verlag</strong> erschienen und im Buchhandel und auf der <a href="https://www.herder.de/geschichte-politik-shop/europa-kann-es-besser-gebundene-ausgabe/c-34/p-15322/">Website des Herder-Verlages</a> erhältlich.<br />
Alle Artikel erscheinen bis zur <strong>Europawahl</strong> auch im <strong>Handelsblatt</strong> auf Deutsch und auf <strong>Handelsblatt Online</strong> und auf der Website von <strong>United Europe</strong> auf Deutsch und Englisch.</p>The post <a href="https://www.united-europe.eu/de/2019/05/buchpraesentation-von-europa-kann-es-besser-am-montag-in-berlin/">Buchpräsentation von „Europa kann es besser“ am Montag in Berlin</a> first appeared on <a href="https://www.united-europe.eu/de/">United Europe</a>.]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Hannes Ametsreiter: Wie erschaffen wir die Vereinigten Digitalstaaten von Europa?</title>
		<link>https://www.united-europe.eu/de/2019/05/hannes-ametsreiter-wie-erschaffen-wir-die-vereinigten-digitalstaaten-von-europa/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dorian Simon]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 May 2019 19:09:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Prominente Meinungen]]></category>
		<category><![CDATA[digitale Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Europa braucht endlich eine Antwort auf das digitale Modell der USA“, schreibt Dr. Hannes Ametsreiter, CEO Vodafone Deutschland, in seinem Essay zu unserer Artikelserie „Europa kann es besser. Wie unser&#8230;</p>
The post <a href="https://www.united-europe.eu/de/2019/05/hannes-ametsreiter-wie-erschaffen-wir-die-vereinigten-digitalstaaten-von-europa/">Hannes Ametsreiter: Wie erschaffen wir die Vereinigten Digitalstaaten von Europa?</a> first appeared on <a href="https://www.united-europe.eu/de/">United Europe</a>.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_13662" aria-describedby="caption-attachment-13662" style="width: 320px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/3Y9A5870-2_FO_kl.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-13662 size-thumbnail" src="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/3Y9A5870-2_FO_kl-320x240.jpg" alt="" width="320" height="240" srcset="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/3Y9A5870-2_FO_kl-320x240.jpg 320w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/3Y9A5870-2_FO_kl-560x420.jpg 560w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/3Y9A5870-2_FO_kl-640x480.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px" /></a><figcaption id="caption-attachment-13662" class="wp-caption-text">Dr. Hannes Ametsreiter, CEO Vodafone Deutschland</figcaption></figure>
<p><em>„Europa braucht endlich eine Antwort auf das digitale Modell der USA“, schreibt <strong>Dr. Hannes Ametsreiter</strong>, CEO <strong>Vodafone Deutschland</strong>, in seinem Essay zu unserer Artikelserie „<strong>Europa kann es besser. Wie unser Kontinent zu neuer Stärke findet. Ein Weckruf der Wirtschaft</strong>“, die vom <strong>Handelsblatt</strong> und <strong>United Europe</strong> initiiert wurde. „Regierungen sollten daher in die Digitalisierung und Technologien investieren.“</em></p>
<p>Europa verkörpert für mich das Gefühl der Grenzenlosigkeit. Es steht für mich für ein vernetztes, verbundenes und in einer gemeinsamen Vision verwurzeltes Bündnis. In der die populistischen und nationalistischen Strömungen der jüngsten Vergangenheit keinen Platz haben, sondern Menschenrechte, Chancengleichheit sowie soziale Verantwortung eine Selbstverständlichkeit sein sollten – genau wie der freie Zugang zu Medien und Wissen.</p>
<p>Das Internet ist nicht für die Deutschen erfunden worden, die Spanier oder die Engländer – sondern für die Menschen der Welt. Damit sie Grenzen überwinden, sich austauschen, handeln und kommunizieren – und das stärker und schneller als jemals in der Geschichte. Im Internet ist die Idee der Vereinigten Staaten von Europa quasi inhärent. Denn das Internet kennt keine Ländergrenzen. Doch wir stehen kurz davor, dass uns unsere digitale Infrastruktur Grenzen zieht.</p>
<p><strong>Digitale Infrastruktur: Die Zukunft wird mit Daten gebaut</strong><br />
Viele Jahre, sogar Jahrzehnte haben andere Handelsmächte dieser Welt neidvoll zu uns aufgeschaut – auch heute gilt Europa als eines der wohlhabendsten Kontinente. Wir haben den größten Binnenmarkt, die am zweithäufigsten genutzte Währung und sind führend in nachhaltiger Energie. Wir florieren in der klassischen Industrie, Landwirtschaft und in der Dienstleistung. Doch was nützt uns das, wenn die Zukunft des Wohlstands statt mit analogem Stahl mit digitalen Daten gebaut wird? Wir sind längst nicht mehr Klassenbester. Wir haben uns in puncto digitaler Infrastruktur abhängen lassen. Wir haben verlernt was es heißt, aktiv mitzugestalten. Wir haben uns selbst auf das analoge Wartegleis manövriert. Und können zusehen wie uns andere Länder im Breitbandausbau meilenweit überholt haben.</p>
<p>Einen richtungsweisenden Grundstein für die Gigabit Zukunft Europas hat 2016 die Europäische Kommission gelegt – lange bevor viele der EU-Staaten das Thema für sich entdeckt hatten. Die Forderung: Diejenigen Monopolisten in ihre Schranken weisen, die zwanzig Jahre Wettbewerb zurückdrehen und den Fortschritt in Europa ausbremsen wollen. Der Fokus soll klar auf echte Zukunftstechnologien wie Kabel, Glasfaser und 5G gehen. Und Brücken-Technologien wie Vectoring den Riegel vorschieben, wo Zukunftstechnologien wie Glasfaser verfügbar sind. Auch mit dem Aktionsplan für 5G in Europa hat die Kommission wichtige Weichen für eine länderübergreifende 5G Infrastruktur gestellt.</p>
<p>Doch damit Europas Traum von einer digitalen Poleposition Realität wird, brauchen wir Rahmenbedingungen, die auf die gleiche Ziellinie ausgerichtet sind. Rahmenbedingungen, die Wettbewerb genau wie Investitionen fördern. Und Fördergelder, die nicht nur Lackschäden ausbessern, sondern den Motor austauschen können. Genau wie der Staat Autobahnen bauen musste, damit es wirtschaftlich wird, Autos zu vertreiben, muss der Staat einen Rahmen für den Infrastrukturausbau legen, damit sich Infrastrukturinvestitionen in schnelle Netze auch rentieren. Dafür braucht es auch eine koordinierte Vergabe der 5G-Frequenzen bis 2020. Denn Mobilfunkwellen machen an Grenzen nicht halt.</p>
<p>Das geht nur gemeinsam, nur europäisch. Denn was nützen uns Pakte und Programme, wenn wir physische Grenzen abschaffen, die wir online wiederaufrichten? Wenn die Mitgliedsstaaten unterschiedliche Startbedingungen haben, wie sollen wir als europäische Einheit gemeinsam ins Ziel fahren? Was wäre das für ein vereintes Europa, in dem autonom fahrende Autos an Landesgrenzen wieder kehrtmachen müssten – weil sie dahinter nicht funktionieren? Wir Mitgliedsstaaten müssen eine Fahrgemeinschaft bilden und unsere Möglichkeiten gemeinsam potenzieren.</p>
<p><strong>Digitale Gründer: Holen wir Start-ups an den Tisch</strong><br />
Gleichzeitig brauchen wir Systeme, die ineinandergreifen – zwischen allen Mitgliedstaaten. Dafür braucht es neben dem analogen einen europäischen digitalen Binnenmarkt, der keinen Halt vor Landesgrenzen macht. Ich bin der Meinung, dass der freie Datenfluss die fünfte Säule der Demokratie sein sollte.</p>
<p>Dafür brauchen wir die europäische Antwort auf das amerikanische Digitalmodell. Ein Modell, mit dem wir uns gegen den Einfluss der Googles, Amazons und Facebooks dieser Welt stellen. Dabei geht es nicht darum, das Google Europas zu bauen. Sondern unseren, den europäischen Weg zu finden.</p>
<p>Wir reden noch viel zu viel davon, dass uns Start-ups durch ihre Agilität und Innovation bereichern. Zugleich schrecken wir davor zurück, wagemutig in sie zu investieren – und sie an den Tisch der Zukunft einzuladen. Sie teilhaben zu lassen am digitalen öffentlichen Diskurs.</p>
<p>Bisher bestimmen allzu oft noch Politik und Großkonzerne die Narrative der Digitalisierung. Doch wir brauchen einen mentalen Wandel hin zu einem inklusiven, europäischen Modell des digitalen Wachstums. Damit Europa nicht die verlängerte Werkbank der USA oder Chinas wird, müssen wir mehr Kapital wagen, mehr Wagniskapital zulassen.</p>
<p>Und Start-ups unter den gleichen Bedingungen den Zugang zum gesamten europäischen Gebiet verschaffen. Nur so machen wir Ideen möglich. Und nur so sorgen wir dafür, dass Ideen auch bei uns bleiben – und nicht über den Teich mit ihren Gründern abwandern. Denn Ideen gehen immer dahin, wo das Geld ist. Sie brauchen es, um umgesetzt, um Realität zu werden.</p>
<p>Und das ist viel zu oft eben nicht in Europa. Kein Wunder, wenn ganz Europa gerade einmal ein Viertel des Wagniskapitals der USA zusammenbringt. Warum also setzt der größte Binnenmarkt der Welt nicht auch einen der größten Gründerfonds der Welt auf? Das hielte ich für eine lohnende Investition in Europas Zukunft.</p>
<p><strong>Digitaler Optimismus: Es braucht eine Kultur der Zuversicht</strong><br />
Bei all dem, was wir über dem europäischen Tellerrand sehen, könnte man in Pessimismus verfallen. Aber das Gegenteil sollten wir tun: Wir brauchen einen digitalen Optimismus. Wir brauchen eine positive Vision der Zukunft dieses digitalen Europas.</p>
<p>Denn bisher beherrscht uns Skepsis statt Sympathie. Laut einer Studie des Vodafone Instituts sieht nicht einmal die Hälfte der Deutschen positiv in die Zukunft, wenn es um den Einsatz digitaler Technologien geht – wohl auch wegen der Machtkonzentration weniger globaler Digitalgiganten.</p>
<p>Es braucht einen Konsens genau wie einen Kodex, dass die Maschine dem Menschen dienen muss und nicht andersherum. Das müssen wir fest verankern und zu den Menschen tragen. Denn wenn wir keine Akzeptanz bei denjenigen erlangen, die Europa tragen werden, können wir im Wettkampf mit den anderen Weltmächten niemals aufholen.</p>
<p>Was mich hierbei besonders nachdenklich macht, ist die Tatsache, dass wir Europäer noch nicht einmal darauf vertrauen, dass uns unsere politischen Institutionen für die digitale Zukunft vorbereiten. Nur 40 Prozent der Europäer sehen einen starken Willen ihrer jeweiligen Regierungen, die Digitalisierung zu fördern.</p>
<p>Und nur ein Drittel glaubt, dass sie über die entsprechenden Fähigkeiten verfügen. Hier rauschen wir im Vergleich zu den USA und Indien völlig ab. Nichtsdestotrotz, eines kittet uns Europäer zusammen: Wir sehen in unseren Regierungen die wichtigste Instanz zur Wahrung ethischer Prinzipien.</p>
<p>Mehr als jeder Zweite sagt, dass auch im digitalen Zeitalter vor allem der Staat unethisches Verhalten sanktionieren soll – und eben nicht Technologieunternehmen. Der Staat und was er aus Europa macht, das sind wir. Ein jeder von uns. Wir haben es selbst in der Hand: Entweder wir lenken diesen Kontinent links auf die Überholspur.<br />
Oder wir schicken seine Zukunft auf den digitalen Standstreifen. Mit allen negativen Folgen für Wirtschaft, Fortschritt, Wohlstand und Souveränität.</p>
<p>In zehn Jahren sollten wir unseren Kindern nicht erklären müssen, warum wir damals Europas Zukunft verspielt haben. Wir sollten ihnen erklären können, wie wir Europa 2019 gerettet haben. Denn dieser Kontinent und seine Idee, sie brauchen uns – heute mehr als je zuvor.</p>
<p><em>Die Artikelreihe „<strong>Europa kann es besser</strong>“ erscheint bis zur <strong>Europawahl</strong> im <strong>Handelsblatt</strong> auf Deutsch und in Deutsch und Englisch auf <strong>Handelsblatt Online</strong> und der Website von <strong>United Europe</strong>. Die Texte sind auch in einem <strong>Buch</strong> zusammengefasst, das am 15. April 2019 im Herder-Verlag erschienen ist. Weitere Informationen über das Buch finden Sie <a href="https://www.herder.de/geschichte-politik-shop/europa-kann-es-besser-gebundene-ausgabe/c-34/p-15322/">hier</a>.</em></p>
<p><strong>Über Dr. Hannes Ametsreiter:</strong><br />
Dr. Hannes Ametsreiter (Jahrgang 1967) ist seit 1. Oktober 2015 CEO von Vodafone Deutschland und zugleich Mitglied des Konzernvorstandes („Executive Committee“) der weltweiten Vodafone Gruppe.<br />
Der gebürtige Salzburger ist ein renommierter Telekommunikationsmanager mit über 20-jähriger Tele-kommunikationserfahrung in konvergenten Märkten und herausragender Expertise in Marketing und Markenführung. So hat er die Positionierung von Vodafone als Gigabit-Company geprägt und das Unter-nehmen durch die weitere Integration von Mobilfunk, Festnetz, Internet und TV sowie attraktive Produkte und immer höhere Geschwindigkeiten wieder zurück auf Wachstumskurs gebracht.<br />
Vor seinem Einstieg bei Vodafone war er sechs Jahre Vorstandsvorsitzender und Group CEO der Tele-kom Austria Group (die in acht Ländern agiert) sowie CEO der A1 Telekom, die aus dem Zusammen-schluss der Mobilkom Austria AG und der Telekom Austria TA AG entstanden ist. Er verfügt zudem über langjährige Kapitalmarkterfahrung.<br />
Der Deutschlandchef von Vodafone ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern.</p>The post <a href="https://www.united-europe.eu/de/2019/05/hannes-ametsreiter-wie-erschaffen-wir-die-vereinigten-digitalstaaten-von-europa/">Hannes Ametsreiter: Wie erschaffen wir die Vereinigten Digitalstaaten von Europa?</a> first appeared on <a href="https://www.united-europe.eu/de/">United Europe</a>.]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ralf Wintergerst: Die digitale Gesellschaft braucht den europäischen Geist</title>
		<link>https://www.united-europe.eu/de/2019/05/ralf-wintergerst-die-digitale-gesellschaft-braucht-den-europaeischen-geist/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dorian Simon]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 May 2019 07:04:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Prominente Meinungen]]></category>
		<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Europareform]]></category>
		<category><![CDATA[Europawahlen]]></category>
		<category><![CDATA[Europe]]></category>
		<category><![CDATA[Giesecke+Devrient]]></category>
		<category><![CDATA[Ralf Wintergerst]]></category>
		<category><![CDATA[United Europe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Wir brauchen keinen „Weckruf für Europa“, sondern einen „Weckruf aus Europa“, schreibt Ralf Wintergerst, CEO von Giesecke+Devrient in seinem Essay zu unserer Artikelserie „Europa kann es besser. Wie unser Kontinent&#8230;</p>
The post <a href="https://www.united-europe.eu/de/2019/05/ralf-wintergerst-die-digitale-gesellschaft-braucht-den-europaeischen-geist/">Ralf Wintergerst: Die digitale Gesellschaft braucht den europäischen Geist</a> first appeared on <a href="https://www.united-europe.eu/de/">United Europe</a>.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_14470" aria-describedby="caption-attachment-14470" style="width: 320px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Wintergerst3_Website.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-thumbnail wp-image-14470" src="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Wintergerst3_Website-320x240.jpg" alt="" width="320" height="240" srcset="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Wintergerst3_Website-320x240.jpg 320w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Wintergerst3_Website-300x225.jpg 300w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Wintergerst3_Website-560x420.jpg 560w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Wintergerst3_Website-600x450.jpg 600w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Wintergerst3_Website-640x480.jpg 640w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/05/Wintergerst3_Website-1120x840.jpg 1120w" sizes="auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px" /></a><figcaption id="caption-attachment-14470" class="wp-caption-text">Ralf Wintergerst, CEO Giesecke+Devrient</figcaption></figure>
<p><em>„Wir brauchen keinen „Weckruf <strong>für</strong> Europa“, sondern einen „Weckruf <strong>aus</strong> Europa“, schreibt <strong>Ralf Wintergerst</strong>, CEO von <strong>Giesecke+Devrient</strong> in seinem Essay zu unserer Artikelserie „<strong>Europa kann es besser. Wie unser Kontinent zu neuer Stärke findet. Ein Weckruf der Wirtschaft</strong>“, die vom <strong>Handelsblatt</strong> und <strong>United Europe</strong> initiiert wurde. &#8222;Europa kann die Führungsrolle bei der Gestaltung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zukunft übernehmen. Wir müssen dazu Europa wieder als großes Ganzes denken und unsere einzigartigen Stärken auf der globalen Bühne selbstbewusst präsentieren.&#8220;</em></p>
<p>Unsere Gesellschaft steht gegenwärtig unter dem Einfluss vieler gleichzeitig stattfindender Veränderungen: Politische und wirtschaftliche Umwälzungen, Digitalisierung und schnelle technologische Weiterentwicklungen, globale finanzielle Instabilität sowie der voranschreitende Klimawandel sind einige der wichtigsten Themenfelder.<br />
Wie können Staaten und Institutionen, aber auch Unternehmen in dieser Zeit noch wirksam geführt werden? Wie kann die Komplexität unseres heutigen Lebens planbar gestaltet werden? Der in den letzten Jahren erstarkende politische Populismus liefert hier einfache – aber unrealistische – Formeln. Rückzug und nationale Orientierung sind keine Antworten auf die tiefgreifenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen, die beispielsweise durch die fortschreitende Digitalisierung und die Künstliche Intelligenz eintreten werden. Und doch ist angesichts der zunehmend komplexen globalen Zusammenhänge eine wachsende politische Verdrossenheit und eine Überforderung erkennbar.</p>
<p>Damit sind wir bei einer entscheidenden Fragestellung für Deutschland und Europa: Setzen wir uns ausreichend mit den Veränderungen und den Hintergründen in unserer Gesellschaft auseinander? Ich meine, dass dies noch nicht geschieht. Ohne ein Verständnis für die Zusammenhänge wird letztlich auch kein Bewusstsein für neue Wege und Lösungen entstehen. Diese Frage ist nicht neu. Für den berühmten deutschen Philosophen Immanuel Kant stellte es ein erhebliches Problem dar, dass Menschen sich schnell ihrem Schicksal ergeben und sich dadurch in eine Situation der Unmündigkeit und Abhängigkeit begeben. Mit diesem Gedanken möchte ich gerne auf zwei Themenstellungen fokussieren, mit denen wir in Europa Akzente für die Zukunft setzen können und sollten.<br />
Zum einen ist dies der Schutz der Werte und der Selbstbestimmung des Menschen, zum anderen die Stärkung der wirtschaftlichen Kraft im europäischen Raum. Warum sind neue Akzente wichtig, und warum müssen die europäischen Staaten diese gemeinsam und vereint setzen?</p>
<p><strong>Neue Akzente für eine veränderte Welt </strong><br />
Veränderungen haben meistens vielfältige Dimensionen. Am Augenscheinlichsten lässt sich dies anhand der rasant voranschreitenden Digitalisierung aufzeigen, die auf alle Lebensbereiche Einfluss nimmt. Das Ergebnis dieser Entwicklungen ist im positiven Sinne phänomenal: Das gesamte Wissen der Menschheit kann über Internetplattformen binnen Sekunden abgerufen werden. Die Verbindung mit anderen Menschen ist einfach, schnell und grenzenlos über leicht zu nutzende Apps möglich. Neue Geschäftsmodelle haben in kürzester Zeit neue Unternehmen entstehen lassen. Die einfache Nutzung digitaler Anwendungen lässt bestehende Produkte und Dienstleistungen mitunter verschwinden. Soziale Netzwerke haben die Kommunikation und die mediale Wahrnehmung revolutioniert. Das Internet der Dinge drängt in unsere Wohnzimmer und die Produktionshallen, und Künstliche Intelligenz ist unaufhaltsam auf dem Vormarsch, vom Übersetzungsroboter bis zum autonomen Fahrzeug. In der Medizintechnik können durch die Erkennung von Mustern und bisher nicht klar definierten Krankheitsbildern neue Möglichkeiten zur Heilung und Genesung entstehen. Zweifelsohne bringen die Digitalisierung und die Künstliche Intelligenz ungeheure Chancen und Möglichkeiten mit sich.</p>
<p>Dennoch hat der rasante technologische Fortschritt auch seine Schattenseiten: Datenansammlungen führen zu Datenmissbrauch, IT-Infrastrukturen werden durch Cyber-Angriffe manipuliert und das Darknet ist der Handelsplatz für Kriminelle. Zwei Beispiele führen die gesellschaftlichen Folgen der digitalen Welt bildhaft vor Augen.</p>
<p>Immer mehr Menschen kommunizieren und vernetzen sich über soziale Medien. In China nutzen dazu mittlerweile mehr als 800 Millionen die App „WeChat“. WeChat wird als das „Social Operating System Chinas“ bezeichnet, da über die App nicht nur kommuniziert, sondern beispielsweise auch bezahlt, ein Taxi bestellt oder Essen ausgewählt wird. Inzwischen kann der Nutzer über die App auch eine Bewertung im Sinne einer Beurteilung über andere „WeChat-Nutzer“ abgegeben. Diese Beurteilungen lassen Bewertungsskalen entstehen, die wiederum Rückschlüsse auf das Verhalten und die Lebensweise des Bewerteten erlauben und schon heute beispielsweise bei Kreditvergaben genutzt werden. Wohin wird diese soziale Kontrolle führen?</p>
<p>Als zweites Beispiel für die gesellschaftlichen Folgen möchte ich die Verwundbarkeit des Menschen in der digitalen Welt herausstellen. Die Verfügbarkeit und Verteilung von Informationen hat in den vergangenen Jahrhunderten dazu geführt, dass sich Menschen eine Meinung bilden konnten, und damit in die Position gelangt sind, sich kritisch mit Themenstellungen auseinander zu setzen. Die digitale Welt fördert zunächst die Verfügbarkeit von Informationen. Nie zuvor hatte der Mensch in kürzester Zeit Zugriff auf eine derartige Menge an Information und Wissen. Und doch ist durch die Struktur der digitalen Plattformen und die Aggregation von Daten und Informationen eine Verfälschung und Manipulation von Informationen möglich. Die Urteils- und Kritikfähigkeit des Nutzers sinken. Kontrolle und Einschränkung der informationellen Selbstbestimmung sind die Folge. Wir befinden uns also auf dem Weg von einer Phase des kritischen Zeitgeistes in eine Phase übermäßiger Kontrolle.</p>
<p>Diese Entwicklung mit den exemplarisch beschriebenen Folgen für unsere Gesellschaft steht diametral zu den Grundwerten Europas und Deutschlands. Sie ruhen auf den Grundfesten von Sicherheit durch den Staat, Eigentum, Freiheit des Handelns und der Würde und Selbstbestimmung des Einzelnen. Der Preis, diese Werte zu erlangen, war – historisch gesehen – sehr hoch. Und dies macht diese Werte umso wertvoller.</p>
<p><strong>Europa stellt die Würde seiner Bürger in den Mittelpunkt</strong><br />
In unseren Gesetzen und unserer Verfassung sind die Rechte und die Unantastbarkeit der Würde des Menschen verankert. Somit stellt sich die Frage, wie Europa und Deutschland im digitalen Zeitalter seine Vielfalt, seinen Erfindungsreichtum und seine Leistungsfähigkeit neu gestaltet – mit seinen freiheitlichen und demokratischen Grundwerten vor Augen. Hierfür gibt es mehrere konkrete Ansatzpunkte, die in Verbindung mit den europäischen Verbündeten stets eine höhere Kraft entwickeln können, als in jeweils einzelnen Ländern für sich.</p>
<p>Zum einen gilt es, den Menschen in Europa die Möglichkeit zur Bewahrung ihrer Identitäten auch im digitalen Zeitalter zuzusprechen. So muss das Bewusstsein für die informationelle Selbstbestimmung gestärkt und durch eine praktikable Implementierung verankert werden. In ihrer strengen Ausprägung konnte die Gesetz gewordene Wahrung der informationellen Selbstbestimmung inklusive der Absicherung digitaler Identitäten tatsächlich so nur auf europäischem Boden entstehen. Sie stellt ein deutliches Unterscheidungsmerkmal zum Datenschutz und dem Schutz digitaler Identitäten in den USA oder China dar. Wir avancieren sozusagen zum „land of the digital free“.</p>
<p><strong>Europa muss seine Kräfte bündeln</strong><br />
Doch mit der Bewahrung der informationellen Selbstbestimmung dürfen wir uns nicht zufrieden geben, denn die Digitalisierung macht eine weitere Herausforderung für jedes einzelne Land in Europa klar: Um leistungsfähig zu bleiben, um in der Weltliga der Wirtschaft mitzuspielen, um auf digitalen Plattformen eine Rolle zu spielen, braucht es eine Bündelung der Kräfte im gesamten europäischen Wirtschaftsraum. Dazu benötigt Europa eine klare und aktive Industriepolitik mit konkreten Ergebnissen und einer Fokussierung auf Zukunftstechnologien. Die heutige Kleinteiligkeit und Kompromissbildung in der Wirtschaftspolitik dienen kaum einer Stärkung der europäischen Wirtschaft, und verkennen die ungeheuren Potentiale, über die sie verfügt. Eine Lockerung und Anpassung des Fusions- und Kartellrechtes würde hierbei wichtige Akzente setzen können. Auch die gezielte Förderung und infolge der Einsatz von Schlüsseltechnologien aus Europa für Europa würde den europäischen Markt stärken.</p>
<p><strong>Neue Akzente aus Europa</strong><br />
Daher: Wir brauchen keinen „Weckruf <strong>für</strong> Europa“, sondern einen „Weckruf <strong>aus</strong> Europa“. Europa muss ein Bewusstsein für seine künftige Führungsrolle entwickeln und seine einzigartigen Stärken auf der globalen Bühne selbstbewusst präsentieren.</p>
<p>In diesem Sinne kann Europa die Weltregion sein, die als der Kontinent der digitalen Selbstbestimmung für jeden Bürger steht, und sich damit dem Dogma einer digitalen Massenkontrolle entgegen stellt.<br />
Dazu braucht es den Mut, die Kräfte zu bündeln, um dem starken Wettbewerb der anderen Kontinente standzuhalten. Kräfte bündeln in Europa und für Europa erhält unsere Wettbewerbsfähigkeit. Die Umsetzung kann einfach sein: Reduzierung und Vereinfachungen der teilweise unsinnigen Regulierung.</p>
<p>Letztlich steht Europa heute – trotz all seiner Probleme und Herausforderungen – für den Kontinent, in dem die Menschen selbst verantwortlich ihr Leben gestalten können. Auch wenn das nicht immer einfach ist. Im Gegenzug: Die Variante der Kontrolle wünsche ich mir für Europa in keinem Fall.</p>
<p><em>Die Artikelreihe „<strong>Europa kann es besser</strong>“ erscheint bis zur Europawahl im <strong>Handelsblatt</strong> auf Deutsch und in Deutsch und Englisch auf <strong>Handelsblatt Online</strong> und der Website von <strong>United Europe</strong>. Die Texte sind auch in einem Buch zusammengefasst, das am 15. April 2019 im Herder-Verlag erschienen ist. Weitere Informationen über das Buch finden Sie <a href="https://www.herder.de/geschichte-politik-shop/europa-kann-es-besser-gebundene-ausgabe/c-34/p-15322/">hier</a>.</em></p>
<p><strong>Über Ralf Wintergerst:</strong><br />
Ralf Wintergerst ist Vorsitzender der Geschäftsführung und CEO von Giesecke+Devrient (G+D). Er leitet damit eines der weltweit führenden Unternehmen für Sicherheitstechnologie. Seine Karriere dort begann er 1998 als Direktor der internationalen Tochtergesellschaften des damaligen Unternehmensbereichs „Cards and Services“. Zwischen 1999 und 2005 hatte er verschiedene Führungspositionen in der Division Banknotenbearbeitungssysteme inne, bis er 2006 deren Leitung übernahm. Seit 2013 ist er Mitglied der Geschäftsführung. 2016 wurde er zum Vorsitzenden der Geschäftsführung und CEO ernannt.<br />
Neben seiner Rolle bei G+D ist Wintergerst Aufsichtsratsvorsitzender der secunet Security Networks AG. Darüber hinaus übt er diverse Tätigkeiten mit Bezug zu IT-Sicherheitsfragen aus, darunter Mitglied des Beirates der Cyber Defense Instituts der Bundeswehruniversität in München und Co-Vorsitzender der Digitalgipfel Plattform „Sicherheit, Schutz und Vertrauen“ des Bundesinnenministeriums.<br />
Der gebürtige Niederrheiner hat Betriebswirtschaftslehre studiert, und hält zudem sowohl einen Masterabschluss in den Fachgebieten Management als auch in Politik, Philosophie und Wirtschaft. In Vorträgen und öffentlichen Auftritten schlägt er vielfach die Brücke zwischen technologischem Fortschritt im digitalen Zeitalter und den Auswirkungen auf die Gesellschaft und unser Sicherheitsverständnis.<br />
Bereits in jungen Jahren hat sich Ralf Wintergerst für den Kampfsport Karate begeistert und mit Talent, Disziplin und Willensstärke an seiner Karriere als Leistungssportler gearbeitet. So war er viermal deutscher Meister und holte sich 1990 in Athen den Europameistertitel. Die internationalen Wettkämpfe und viele Reisen weckten sein Interesse für andere Länder und Kulturen und die Faszination für die Vielfalt der Völker und Lebensweisen. Erlebnisse auf seinen heutigen Reisen als CEO und die Zusammenarbeit mit Kollegen aus aller Welt bleiben ihm stets Inspiration für seine Arbeit und die Offenheit für Andersartiges und Veränderungen.<br />
Ralf Wintergerst ist verheiratet, Familienvater und lebt in München.</p>The post <a href="https://www.united-europe.eu/de/2019/05/ralf-wintergerst-die-digitale-gesellschaft-braucht-den-europaeischen-geist/">Ralf Wintergerst: Die digitale Gesellschaft braucht den europäischen Geist</a> first appeared on <a href="https://www.united-europe.eu/de/">United Europe</a>.]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Peter Oswald: Ein Plädoyer für „Made in Europe“</title>
		<link>https://www.united-europe.eu/de/2019/04/peter-oswald-ein-plaedoyer-fuer-made-in-europe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dorian Simon]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Apr 2019 17:22:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Prominente Meinungen]]></category>
		<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Europareform]]></category>
		<category><![CDATA[Europawahlen]]></category>
		<category><![CDATA[Europe]]></category>
		<category><![CDATA[Mondi Group]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Oswald]]></category>
		<category><![CDATA[United Europe]]></category>
		<category><![CDATA[Weckruf für Europa]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.united-europe.eu/?p=13638</guid>

					<description><![CDATA[<p>„Länder wie China oder Indien, in denen sich Technologien, Fertigkeiten und Bildungsniveau unglaublich rasant weiterentwickeln, begnügen sich heute verständlicherweise nicht mehr mit „Billigproduktion“, schreibt Peter Oswald, CEO der Mondi Group&#8230;</p>
The post <a href="https://www.united-europe.eu/de/2019/04/peter-oswald-ein-plaedoyer-fuer-made-in-europe/">Peter Oswald: Ein Plädoyer für „Made in Europe“</a> first appeared on <a href="https://www.united-europe.eu/de/">United Europe</a>.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_13635" aria-describedby="caption-attachment-13635" style="width: 320px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/04/P-OSWALD-0135.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-thumbnail wp-image-13635" src="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/04/P-OSWALD-0135-320x240.jpg" alt="" width="320" height="240" srcset="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/04/P-OSWALD-0135-320x240.jpg 320w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/04/P-OSWALD-0135-560x420.jpg 560w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/04/P-OSWALD-0135-640x480.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px" /></a><figcaption id="caption-attachment-13635" class="wp-caption-text">Peter Oswald, CEO Mondi Group</figcaption></figure>
<p><em>„Länder wie China oder Indien, in denen sich Technologien, Fertigkeiten und Bildungsniveau unglaublich rasant weiterentwickeln, begnügen sich heute verständlicherweise nicht mehr mit „Billigproduktion“, schreibt <strong>Peter Oswald</strong>, CEO der <strong>Mondi Group</strong> in seinem Essay zu unserer Artikelserie „<strong>Europa kann besser werden. Wie unser Kontinent zu neuer Stärke findet. Ein Weckruf der Wirtschaft</strong>“, die vom <strong>Handelsblatt</strong> und <strong>United Europe</strong> initiiert wurde. „Die Regierungen dieser Länder verstehen sich als Türöffner für die verarbeitende Industrie, und für junge Menschen ist eine berufliche Laufbahn in dieser erstrebenswert. Für uns in Europa ist es an der Zeit, an der Vision „Made in Europe“ verstärkt zu arbeiten.“</em></p>
<p>Deutschland ist ein Land der Erfinder. Ob Aspirin, Airbags, Kontaktlinsen oder Playmobil: Deutsche Erfindungen sind aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Doch was nützt eine geniale Erfindung, wenn sie keiner umsetzt? Hier kommt die Fertigung ins Spiel – die Fähigkeit, Ideen aufzugreifen und mit Sorgfalt und Präzision millionenfach zu replizieren. Auch darin sind die Deutschen Meister und haben mit ihrer verarbeitenden Industrie Erfolgsgeschichte geschrieben.</p>
<p>Wer etwas herstellt, löst ein Problem. Das liegt in der Natur der Sache. Produzenten nehmen sich der Komplexität der realen Welt an und schaffen praktische Lösungen. Der am Reißbrett entstandene Entwurf wird zur Inspiration für die Herstellung nachhaltiger Produkte, die unser Leben verbessern und neue Entwicklungsrichtungen aufzeigen. Die verarbeitende Industrie in der EU zeigt ein gemischtes Bild. Nach meiner Zeit im Dienstleistungssektor in einem Verlag und bei der Deutschen Bank trat ich 1990 in die Industrie ein.</p>
<p>Seither, also in den letzten 30 Jahren, ist der Anteil der Industrie am Bruttoinlandsprodukt in den meisten entwickelten Volkswirtschaften deutlich zurückgegangen. Deutschland nimmt mit seiner Fertigungsindustrie, die gut 20 Prozent des BIP1 ausmacht, eine Ausnahmestellung ein. In vielen anderen Industrienationen wie Großbritannien und Frankreich steuert der Produktionssektor je nur rund zehn bis zwölf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei.</p>
<p>Länder wie China oder Indien, in denen sich Technologien, Fertigkeiten und Bildungsniveau unglaublich rasant weiterentwickeln, begnügen sich heute verständlicherweise nicht mehr mit „Billigproduktion“. Die Regierungen dieser Länder verstehen sich als Türöffner für die verarbeitende Industrie, und für junge Menschen ist eine berufliche Laufbahn in dieser erstrebenswert. Für uns in Europa ist es an der Zeit, an der Vision „Made in Europe“ verstärkt zu arbeiten.</p>
<p>Bei Mondi sind wir stolz auf unsere Wurzeln in der europäischen Produktionstradition. Ende der 1980er Jahre kaufte das südafrikanische Papierunternehmen Mondi die österreichische Neusiedler- und Frantschach-Gruppe und war danach noch immer nicht unter den Top 50 der globalen Verpackungs- und Papierunternehmen zu finden. Dank einer starken Expansionsstrategie, vor allem in Zentraleuropa und Russland, ist das seit 2007 in London und Johannesburg gelistete Unternehmen Mondi heute unter den Top 5 der Verpackungs- und Papierunternehmen weltweit, mit einer Börsenkapitalisierung von ca. 10 Milliarden Euro. In Deutschland ist Mondi als Anbieter von Weichverpackung, Folien, Wellpappeschachteln und Industriesäckeneines der führenden Verpackungsunternehmen mit elf Produktionsstandorten und erzielt am deutschen Markt ca. eine Milliarde Euro Umsatz. Welches Europa wünsche ich mir, und welche Bedeutung hat das für die Verpackungs- und Papierindustrie und damit auch für Mondi?</p>
<p><strong>Ein Europa der Nachhaltigkeit</strong><br />
2018 war das Jahr der Wende für die Verpackungsindustrie: Die BBC-Bilder von im Meer schwimmenden Plastikverpackungen haben uns alle betroffen gemacht; dass Fische Mikroplastik enthalten, hat uns schockiert.<br />
Was ist zu tun?<br />
Zunächst: Wir werden weiter Verpackung brauchen, weil sie wesentlich dazu beiträgt, das Verderben von Lebensmitteln zu verhindern. Weltweit verdirbt circa ein Viertel aller Lebensmittel. In einer urbanen Gesellschaft kann man eben nicht in den Garten vor dem Haus gehen und seinen Salat fürs Mittagessen ernten. Insofern erzielt Verpackung einen wesentlichen ökologischen Wert zur Verringerung von Lebensmittelabfall.</p>
<p>Wir werden auch nicht von heute auf morgen auf Kunststoffverpackungen verzichten können, weil Kunststoff Barriereeigenschaften hat, die die Haltbarkeit von Lebensmitteln in den Regalen der Supermarktketten und bei uns im Kühlschrank verlängern – und damit Verderben verringern.<br />
Aber es gibt viele Bereiche, wo Plastik durch Papier ersetzt werden kann. Papier ist nicht nur wiederverwertbar, sondern auch nachwachsend. Für Mondi als größtem weltweiten Hersteller von Kraftpapier und Industriesäcken ist dies eine gewaltige Chance. Unser Ziel ist es, Milliarden von Kunststofftragetaschen durch Papiertragetaschen zu ersetzen. Gartenmulch muss nicht im Plastiksack verpackt sein – unser Papiersack ist ebenso gut dafür geeignet und umweltverträglicher. Mondi produziert aber auch Kunststoffverpackungen, und ich werde immer wieder gefragt, ob wir das nicht aufgeben sollten.</p>
<p>Wir stehen zur Kunststoffverpackung unter zwei Prämissen:<br />
Es sollte materialsparende Weichverpackung sein: Diese reduziert den Kunststoff gegenüber formstabilen Verpackungen um ca. 70 Prozent. Wer sein Shampoo oder das Geschirrspülmittel in einem Standbodenbeutel statt einer Kunststoffflasche verwendet, spart also 70 Prozent Plastik und damit viel Müll. Die zweite Prämisse ist die Recyclingfähigkeit: Wir haben 2018 den preisgekrönten, vollständig recycelbaren Kunststoffbeutel BarrierPack Recyclable auf den Markt gebracht und bereiten derzeit die Einführung einer Reihe von nachhaltigen Produkten, unsere EcoSolutions, vor.<br />
Mondi lebt Nachhaltigkeit seit vielen Jahren: Wir haben unsere CO2-Emissionen pro Tonne Papier seit 2004 um 38 Prozent gesenkt. Zwei Drittel unseres Energieverbrauchs stammen aus erneuerbaren Energien. Was sich 2018 aber geändert hat und es zum „Jahr der Wende“ macht, ist, dass unsere Papierverpackungslösungen eine Reihe von Kunststoffverpackungen ersetzen werden und auch unsere Kunststoffverpackungen durch ihre Materialeinsparungen und Recyclingfähigkeit einen Beitrag leisten.</p>
<p><strong>Ein digitales Europa</strong><br />
Die Digitalisierung wird einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das Wirtschafts- und Sozialleben haben. Wir wissen, dass Europa hier weit hinter den USA und China hinterherhinkt, egal, ob es um Sprach- oder Gesichtserkennung, Clouds, Big Data oder Algorithmen geht: Hier sind gewaltige Anstrengungen notwendig.</p>
<p>War die Verpackungs- und Papierindustrie noch vor einigen Jahren als Lowtech angesehen, hat sich dies gewandelt: Wer zum Beispiel unser Werk in Steinfeld in Niedersachsen besucht, das größte Werk der Welt für Beutel für Trockentierfutter, wird eine Vielzahl modernster Roboter finden. Wir beschäftigen uns heute mit selbstlernenden Algorithmen für unsere Papier- und Verpackungsmaschinen und entwickeln App-Lösungen für unsere Produktionsmitarbeiter, um Stillstände und Ausschuss zu minimieren.</p>
<p>Unsere digitale Plattform MyMondi macht die Interaktion unserer Kunden mit uns einfach und serviceorientiert. Mondi sieht Digitalisierung ganz klar als einen der wichtigsten Wettbewerbsvorteile für die nächsten zehn Jahre und investiert entsprechend. Wir bauen gerade unser Digitalisierungsteam kräftig aus, und viele Bewerberinnen und Bewerber sind erstaunt, dass das in einer Branche erfolgt, wo sie es nicht erwartet hätten.</p>
<p>Weil ich Digitalisierung für so wichtig halte, war ich bereit, die Funktion des Präsidenten von fit4internet zu übernehmen, einer Initiative der österreichischen Regierung und Wirtschaft zur Förderung digitaler Kompetenzen in der Bevölkerung. Dabei wird der digitale Kompetenzrahmen der EU konkret mit Testmöglichkeiten und Schulungsangeboten umgesetzt, um die österreichische Bevölkerung digitalaffin zu machen. Wir brauchen Spitzenforscher, die die mathematischen Modelle und Algorithmen entwickeln, Unternehmer, die daraus kommerzielle Produkte erzeugen, und digital ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um all das anzuwenden und weiterzuentwickeln.</p>
<p>Digitalisierung ist für Europa und Deutschland eine Riesenchance: Zum einen werden Offshoring-Entscheidungen, also Produktionsverlagerungen von Europa/Deutschland in Niedrigkostenländer durch hohe Automatisierung und Digitalisierung zum Teil rückgängig gemacht werden oder nicht erfolgen. Ein Beispiel sind unsere Roboter in Steinfeld – ohne sie hätten wir einen Teil der Produktion verlagert. Zum anderen lässt die Digitalisierung vollkommen neue Geschäftsfelder entstehen, die viele Menschen beschäftigen werden.</p>
<p><strong>Ein Europa, wo arbeiten Spaß macht</strong><br />
Fachkräfte sind Mangelware. Wir pflegen Partnerschaften mit Universitäten, um ambitionierte Studentinnen und Studenten Jobchancen in der modernen digitalen Fertigung aufzuzeigen. Das Entscheidende aber ist, eine Unternehmenskultur aufzubauen, die Menschen motiviert. Wir wollen eine inspirierende Mondi sein, die die Generationen X, Y und Z anspricht. Eine der drei Säulen unserer Vision heißt, »Arbeitgeber der Wahl« zu sein. Wir erreichen das, indem Menschen ihre Vorstellungen und Ideen verwirklichen können und Fehler erlaubt sind. Wir sind agil (wenn auch nicht immer).</p>
<p>Je mehr sich Digitalisierung verbreitet, umso wichtiger sind die Menschen. Digitalisierung wird „Roboter“ erschaffen, die spezifische Aufgaben exzellent lösen, viel besser als Menschen. Aber solange es keinen Allgemeinlogarithmus gibt – und ich glaube fest daran, dass es ihn nie geben wird –, so lange bleibt der Mensch im Zentrum. Bei Mondi haben wir ein Motto: <em>„</em>Dank Technologie arbeiten wir effizient, dank unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter intelligent.<em>“ </em>Dieses Leitmotiv ist ein zentraler Bestandteil unseres Selbstverständnisses.</p>
<p><strong>Ein kooperatives und weltoffenes Europa</strong><br />
Die EU-Länder sind durch Kooperation und ihre Orientierung über Landesgrenzen hinweg gewachsen. Wir machen Geschäfte miteinander, transferieren Know-how und transportieren Güter ohne Einschränkungen auf dem gesamten Kontinent, arbeiten in einem rechtlichen und politischen Rahmen, der die Mobilitätsfreiheit von Menschen und Ideen möglich macht. Mit einheitlichen Vorschriften und Gesetzen konnten Handelshemmnisse zwischen den EU-Staaten abgebaut werden. Diese Offenheit erfordert aber auch eine durchdachte Zuwanderungspolitik, die das Wertesystem und die gesellschaftlichen Errungenschaften Europas schützt.</p>
<p>Wenn ich in unserem Büro in Wien mit dem Aufzug fahre, höre ich Sprachen aus aller Welt. Meine 600 Kolleginnen und Kollegen an diesem Standort kommen aus 40 verschiedenen Ländern – aber 400 sind Österreicherinnen und Österreicher. Wir bieten also hochwertige Arbeitsplätze für den Standort Wien, aber gleichzeitig haben wir die Vielfalt, die uns stark, widerstandsfähig und kreativ macht. Mondi lebt Diversität und Inklusion. Darauf bin ich wirklich stolz.</p>
<p><em>Die Artikelreihe „<strong>Europa kann es besser</strong>“ erscheint bis zur Europawahl im <strong>Handelsblatt</strong> auf Deutsch und in Deutsch und Englisch auf <strong>Handelsblatt Online</strong> und der Website von <strong>United Europe</strong>. Die Texte sind auch in einem <strong>Buch</strong> zusammengefasst, das am 15. April 2019 im Herder-Verlag erschienen ist. Weitere Informationen über das Buch finden Sie <a href="https://www.herder.de/geschichte-politik-shop/europa-kann-es-besser-gebundene-ausgabe/c-34/p-15322/">hier</a>.</em></p>
<p><strong>Über Peter Oswald:</strong><br />
Peter Oswald, geboren 1962 in Oberösterreich, studierte Betriebswirtschaftslehre und Rechtswissenschaften an der Uni Wien. Nach Stationen beim Motorradhersteller KTM und der Deutschen Bank trat er 1992 in die Mondi Gruppe ein. Im Jahr 2002 wurde er zum CEO Mondi Packaging ernannt. Nach dem Börsengang der Mondi Gruppe berief man ihn 2008 in die Mondi Group Boards (UK, Südafrika) als CEO Mondi Europe &amp; International Division, die alle Bereiche der ehemaligen Mondi Packaging und Mondi Business Papier außerhalb Afrikas umfasste. Seit Mai 2017 ist Oswald Chief Executive Officer der Mondi Gruppe. 2013 wurde er in der Papierindustrie zum European und Global CEO of the Year gewählt. 2015/16 war er Aufsichtsratsvorsitzender des österreichischen Ölunternehmens OMV. Er ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.</p>The post <a href="https://www.united-europe.eu/de/2019/04/peter-oswald-ein-plaedoyer-fuer-made-in-europe/">Peter Oswald: Ein Plädoyer für „Made in Europe“</a> first appeared on <a href="https://www.united-europe.eu/de/">United Europe</a>.]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Ingrid Hengster: Es ist alles schon in uns</title>
		<link>https://www.united-europe.eu/de/2019/04/ingrid-hengster-es-ist-alles-schon-in-uns/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dorian Simon]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Apr 2019 14:41:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Prominente Meinungen]]></category>
		<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Europa kann es besser]]></category>
		<category><![CDATA[Europareform]]></category>
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		<category><![CDATA[Europe]]></category>
		<category><![CDATA[Ingrid Hengster]]></category>
		<category><![CDATA[kfw]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Die Frage, wie wir in Europa mit den Umwälzungen unserer Zeit umgehen, ob wir Objekte oder Subjekte der Veränderung sind, entscheidet sich nicht zuletzt darin, mit welcher Haltung, aber auch&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_14301" aria-describedby="caption-attachment-14301" style="width: 320px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/04/Tast_Hengster_HighRES-5368.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-thumbnail wp-image-14301" src="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/04/Tast_Hengster_HighRES-5368-320x240.jpg" alt="" width="320" height="240" srcset="https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/04/Tast_Hengster_HighRES-5368-320x240.jpg 320w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/04/Tast_Hengster_HighRES-5368-300x225.jpg 300w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/04/Tast_Hengster_HighRES-5368-560x420.jpg 560w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/04/Tast_Hengster_HighRES-5368-600x450.jpg 600w, https://www.united-europe.eu/wp-content/uploads/2019/04/Tast_Hengster_HighRES-5368-640x480.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px" /></a><figcaption id="caption-attachment-14301" class="wp-caption-text">Dr. Ingrid Hengster, Mitglied des Vorstands KfW Bankengruppe</figcaption></figure>
<p><em>„Die Frage, wie wir in Europa mit den Umwälzungen unserer Zeit umgehen, ob wir Objekte oder Subjekte der Veränderung sind, entscheidet sich nicht zuletzt darin, mit welcher Haltung, aber auch mit welchem Rüstzeug wir in die Zukunft gehen“, schreibt <strong>Dr. Ingrid Hengster</strong>, Mitglied des Vorstandes der <strong>KfW Bankengruppe</strong>, in ihrem Essay zu unserer Artikelserie „<strong>Europa kann besser werden. Wie unser Kontinent zu neuer Stärke findet. Ein Weckruf der Wirtschaft</strong>“, die vom Handelsblatt und United Europe initiiert wurde. „Ein Kontinent, der sich seiner Stärken bewusst ist, wird auch künftig in der Lage sein, die Zukunft selbst in die Hand zu nehmen und innovative, kreative Lösungen für die bevorstehenden Herausforderungen zu finden.“</em></p>
<p>Als die Europäische Union im Oktober 2012 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, sprach das norwegische Nobelkomitee von der EU als einer „Bruderschaft zwischen den Nationen, die über sechs Jahrzehnte zur Förderung von Frieden und Versöhnung beigetragen habe.“ Was sich heute wie die Beschreibung einer wahr gewordenen Utopie liest, entsprach schon zu seiner Zeit nicht ganz der Wirklichkeit, schwelte doch damals bereits der tiefe Streit über den richtigen Weg aus der Staatsschulden- und Währungskrise, der die Union bis heute in Atem hält. Die Diskrepanz zwischen einem erstrebenswerten Idealzustand und dem permanenten, oft konfliktbeladenen Interessenausgleich zwischen 27 Nationalstaaten ist konstitutiv für die EU. Die Krise ist ihr gewissermaßen in die Wiege gelegt.</p>
<p>Die aktuelle Situation hat jedoch eine besondere Qualität. Nie zuvor stand das europäische Projekt so unter Druck. Von außen fordern autoritäre Systeme wie China und Russland das politische und wirtschaftliche Modell der liberalen Demokratie heraus. Im Inneren leidet die EU an einer Legitimitätskrise. Vielen gilt sie inzwischen als ein intransparenter Moloch mit unersättlichem Machtanspruch. Großbritannien hat sich bereits entschieden, die Union zu verlassen. Über die Bewältigung der Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise ist die Beziehung zwischen den Ländern des Nordens und des Südens zum Teil tief gestört. Unter den Mitgliedern tun sich neue politische Gräben über Fragen der Rechtstaatlichkeit und der Grundfreiheiten auf.</p>
<p>Die Herausforderungen sind also gewaltig, aber anders als viele meinen, blicken die meisten Europäer optimistisch in die Zukunft. Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz hatte also gute Gründe, als er Ende Januar 2019 in einem Interview forderte, Europa müsse wieder zu einem „Kontinent der Zuversicht“ werden. Er verwies darauf, dass die Europäische Union mit ihren mehr als 500 Millionen Bürgern ein Viertel der Weltwirtschaftsleistung erbringe und einer der größten Geldgeber bei der Entwicklungszusammenarbeit und der humanitären Hilfe sei. Wir EU-Bürger genießen wie selbstverständlich die Errungenschaften eines geeinten Europas, ohne die unser Leben komplizierter, teurer, unsicherer und uninteressanter wäre: Reise- und Zollfreiheit, Freizügigkeit bei der Wahl des Studien- oder Arbeitsplatzes oder die Sicherheit von Sozial-, Verbraucher- und Umweltstandards.</p>
<p>Der unbestreitbare Erfolg der Europäischen Union beruht auf zwei Säulen, die für die Lösung der aktuellen Probleme wichtig sind und die wir uns deshalb wieder stärker ins Bewusstsein rufen sollten: die Anerkennung ihrer Vielfalt und die Bereitschaft zur fortwährenden Erneuerung. Beides sind Stärken, auf die sich Europa jetzt besinnen muss. Der Schlüssel dazu liegt ganz besonders in der Bildung, die neben Kenntnissen und Fertigkeiten auch soziale Kompetenzen vermittelt. Die Voraussetzungen dafür sind gut.</p>
<p>Europa ist nach wie vor eine der innovativsten Regionen der Welt. Seine Universitäten und Forschungseinrichtungen genießen einen hervorragenden Ruf. Vor allem die akademische Bildung in der Breite ist hervorragend aufgestellt. Die Europäische Union verfügt mit Programmen wie Erasmus, Erasmus plus, dem Europäischen Forschungsraum oder Horizont 2020 über ein gut ausgestattetes Instrumentarium zur Förderung von Bildung und Innovation. Auch das betriebliche Ausbildungssystem vor allem in den Ländern Mitteleuropas ist von hoher Qualität und hat weltweit Vorbildcharakter.</p>
<p>Aber das Bild ist nicht ungetrübt. Allen Anstrengungen der Politik zum Trotz leidet das Bildungssystem in Europa, nicht zuletzt das deutsche, unter chronischer Unterausstattung und strukturellen Problemen. Noch immer ist es nicht gelungen, den Bildungserfolg junger Menschen von ihrer sozialen Herkunft zu entkoppeln und die wirkmächtigen Geschlechter-Stereotype zu überwinden, die viele Mädchen und Frauen daran hindern, einen technischen Beruf zu ergreifen oder ein naturwissenschaftliches Studium zu absolvieren. Forschergeist, Veränderungsbereitschaft, Kreativität und das Streben nach Bildung haben unseren Kontinent geprägt. Wenn Bildung einer der Schlüssel zur Bewältigung der vor uns liegenden Herausforderungen ist, dann ist es ein Gebot der Vernunft, dieses Erbe gemeinsam zu nutzen. Hierzu seien einige Handlungsansätze angerissen.</p>
<p><strong>1. Verstärkte Investitionen in unsere Bildungssysteme</strong><br />
Es ist an der Zeit, unser Bildungssystem so auszustatten, wie es seinem Stellenwert zukommt. Gerade in Deutschland gibt es viel zu tun. Schon seit vielen Jahren kritisiert die OECD, dass Deutschland gemessen an seiner Wirtschaftsleistung weniger in Bildung investiert als andere Länder. Mit 4,2 % seines Bruttoinlandsprodukts erreichen die Bildungsinvestitionen nicht einmal den OECD-Durchschnitt von 5,3 %. Wollte Deutschland hier also zumindest das Mittelmaß erreichen, müsste es etwa 30 Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich für Bildung aufbringen. Mit dem zwischen Bund und Ländern beschlossenen Digitalpakt ist ein wichtiger Schritt hin zu einer zeitgemäßen Ausstattung der Schulen getan.</p>
<p>Der kommunale Investitionsrückstand bei Schulen und Kinderbetreuung betrug im Jahr 2018 nach einer Untersuchung von KfW Research über 55 Milliarden Euro. Die KfW selbst leistet hier mit ihren Förderprogrammen für Kommunen einen wichtigen Beitrag. Zudem gilt es, den Mangel an qualifizierten Lehrer/innen und Erzieher/innen entschlossen zu beheben. Dazu müssen die Berufsbilder in Erziehung und Bildung deutlich aufgewertet, attraktiver ausgestattet und weiter professionalisiert werden. Auch auf europäischer Ebene kann mehr getan werden, etwa indem die Mehrsprachigkeit konsequenter gefördert wird. Die Mitgliedsländer der EU haben sich auf das Ziel geeinigt, dass jeder Europäer mindestens zwei Fremdsprachen beherrschen solle. Hiervon sind wir noch ein gutes Stück entfernt. Was spricht z. B. dagegen, regelmäßige Auslandsaufenthalte als festen Bestandteil in den weiterführenden Schulen zu etablieren? Hierfür wäre es notwendig, sie konzeptionell in die schulischen Curricula einzubinden und entlang der Lehrpläne zu gestalten.</p>
<p><strong>2. Weitere Förderung der Spitzenforschung</strong><br />
Spitzenleistungen in der Forschung sind Ausgangspunkt innovativer Lösungen für die epochalen Probleme unserer Zeit und ein zentraler Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit einer Wirtschaft. Wenn Europa auch künftig seine Position halten und nach Möglichkeit verbessern will, müssen die Rahmenbedingungen für Spitzenwissenschaftler in Europa weiter verbessert werden. Hier haben Europa und auch Deutschland schon einiges vorzuweisen, Erfolge wie die Entwicklung eines zuverlässigen und weniger belastenden Bluttests für Brustkrebs bei jüngeren Frauen an der Universitätsklinik Heidelberg im Februar 2019 sollten uns weiter anspornen.<br />
Ein höheres Maß an Exzellenz ist mit einer konsequenten Ausrichtung an klaren Leistungskriterien und einer entsprechenden finanziellen Ausstattung erreichbar. Die Exzellenz-Strategie des Bundes und der Länder ist hierfür ein wichtiger Schritt.</p>
<p><strong>3. Annäherung von Wissenschaft und Gesellschaft</strong><br />
In den vergangenen Jahren haben sich Wissenschaft und Gesellschaft zunehmend voneinander entfernt. In Teilen der Gesellschaft erodiert das Verständnis für wissenschaftliches Denken, es wächst Misstrauen gegenüber der Wissenschaft. Ohne sie sind aber die Probleme des Klimawandels, der Digitalisierung oder der Migration nicht zu bewältigen. Wissenschaft braucht gesellschaftliche Akzeptanz und Legitimität. Deshalb sollte sie sich stärker nach außen öffnen. Wissenschaftler sollten dort stärker präsent sein, wo relevante gesellschaftliche Projekte diskutiert werden; hier gibt es bereits positive Ansätze, die weiterverfolgt und ausgebaut werden sollten: So leistet die Initiative »Wissenschaft im Dialog« des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft mit ihren Veröffentlichungen und Veranstaltungen einen wertvollen Beitrag. Sie verdient breite Unterstützung. Auch die „Wissenschaftsmärkte“, bei denen Universitäten und Institute in deutschen Städten den Kontakt zu den Bürgern suchen, oder die an vielen Hochschulen angebotenen „Kinderunis“ sind ein guter Ansatz. Ein Raum für die Begegnung von Wissenschaft und Gesellschaft könnte auch der Arbeitsplatz sein: Unternehmen könnten wissenschaftliches Denken oder die Begegnung mit Wissenschaftlern verstärkt in ihre Fort- und Weiterbildungsangebote und internen Dialogformate integrieren.</p>
<p><strong>4. Mehr voneinander lernen</strong><br />
Der im Management angewendete „Best Practice“-Ansatz lässt sich durchaus auf Europa übertragen. Jedes Land hat aus seiner Geschichte heraus spezifische Methoden entwickelt, um Probleme zu lösen. Deshalb sollten wir uns unvoreingenommen an Erfolgsmodellen anderer Länder orientieren. Aus den Erfolgen skandinavischer Länder in der Bildungspolitik lassen sich auch anderswo Lehren ziehen. Und warum sollten wir uns nicht vom französischen Bildungssystem inspirieren lassen, dessen hochentwickelte und flächendeckende Écoles maternelles schon den Drei- bis Sechsjährigen Grundlagen der Sozialisation vermitteln und sie an wichtige Kulturtechniken heranführen? Umgekehrt könnten sich andere Länder an der dualen Berufsausbildung orientieren, wie sie in Deutschland und Österreich so erfolgreich praktiziert wird.<br />
Das Thema Europa sollte stärker den öffentlichen Diskurs bestimmten. Hierzu brauchen wir stärkere Impulse aus dem Kreis der Intellektuellen. Ihre Aufgabe wäre es, die Debatte über den europäischen Prozess anzuführen. Am 25. Januar 2019 haben sich z. B. 30 bedeutende Schriftsteller als »europäische Patrioten« in der französischen Zeitung „Libération“ dem Aufruf Bernard-Henri Lévys angeschlossen, die Einheit Europas gegen die Anfechtungen des nationalen Egoismus zu verteidigen. Es ist schade, dass dieser Aufruf bislang nur ein geringes Echo gefunden hat. Hier wären auch die Medien gefordert, solchen Initiativen mehr Raum zu geben.</p>
<p><strong>Europa: Kontinent der Zukunft</strong><br />
Der Glaube an die Gestaltbarkeit einer offenen, demokratischen Gesellschaft gehört zum historischen Erbe Europas. Die Frage, wie wir in Europa mit den Umwälzungen unserer Zeit umgehen, ob wir Objekte oder Subjekte der Veränderung sind, entscheidet sich nicht zuletzt daran, mit welcher Haltung, aber auch mit welchem Rüstzeug wir in die Zukunft gehen. Für beides ist eine fundierte Bildung elementar.<br />
Ein Kontinent, der sich seiner Stärken bewusst ist, wird auch künftig in der Lage sein, die Zukunft selbst in die Hand zu nehmen und innovative, kreative Lösungen für die bevorstehenden Herausforderungen zu finden. So kann Europa nicht nur zum Kontinent der Zuversicht, sondern auch zum Kontinent der Zukunft werden.</p>
<p><em>Die Artikelreihe „<strong>Europa kann es besser</strong>“ erscheint bis zur Europawahl im <strong>Handelsblatt</strong> auf Deutsch und in Deutsch und Englisch auf <strong>Handelsblatt Online</strong> und der Website von <strong>United Europe</strong>. Die Texte sind auch in einem Buch zusammengefasst, das am 15. April 2019 im Herder-Verlag erschienen ist. Weitere Informationen über das Buch finden Sie <a href="https://www.herder.de/geschichte-politik-shop/europa-kann-es-besser-gebundene-ausgabe/c-34/p-15322/">hier</a>.</em></p>
<p><strong>Über Dr. Ingrid Hengster:</strong><br />
Nach einem Studium der Rechtswissenschaft und der Promotion zum Dr. jur. an der Universität Salzburg begann Ingrid Hengster ihre Karriere bei der Commerzbank, für die sie zuletzt als stellvertretende Leiterin die Bereiche Privatisierung und Projektfinanzierung verantwortete. Über Stationen bei der UBS (Leiterin Leveraged Finance and High Yield) und bei der Credit Suisse First Boston (Geschäftsbereichsleitung des Frankfurter Investment Banking) kam sie 2005 zur ABN AMRO, für die sie als Country Executive &amp; Head of Global Clients Germany and Austria sowie als Vorstandsvorsitzende der ABN AMRO Bank (Deutschland) AG tätig war.<br />
Nach der Übernahme des internationalen Firmenkundengeschäfts und des Investment-Bankings der ABN AMRO durch die Royal Bank of Scotland betraute sie diese Anfang 2008 mit der Integration und der Leitung des Geschäfts in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Bis März 2014 war sie Country Executive Germany, Austria und Switzerland der Royal Bank of Scotland und Vorstandsvorsitzende der RBS (Deutschland) AG.<br />
Seit April 2014 ist sie Mitglied des Vorstandes der KfW Bankengruppe und für die inländischen Finanzierungen und Umwelt zuständig. Neben ihrer Vorstandstätigkeit bei der KfW hat sie Aufsichtsrats-Mandate bei der ThyssenKrupp AG, der Deutschen Bahn AG sowie der DB Mobility Logistics AG und ist Sachverständige des Verwaltungsrats der Europäischen Investitionsbank. Ingrid Hengster ist Mitglied des Vorstands der Atlantik-Brücke e.V., Mitglied des Beirats der Wirtschaftsinitiative Rhein-Main e.V. sowie des Bankenausschusses der Industrie- und Handelskammer und stellvertretender Sachverständiger des Verwaltungsrats der Europäischen Investitionsbank, Luxemburg. Ingrid Hengster hat viele Jahre Erfahrung im Investment Banking. Sie arbeitete erfolgreich an nationalen wie internationalen Transaktionen in den Bereichen Mergers &amp; Acquisitions, Debt und Equity Capital Markets in den Branchen Medien, Industrie und Telekommunikangsteropawahl</p>
<p>ion.</p>
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		<title>Hans Van Bylen: Europas Industrie muss wieder wettbewerbsfähiger werden</title>
		<link>https://www.united-europe.eu/de/2019/04/hans-van-bylen-europas-industrie-muss-wieder-wettbewerbsfaehiger-werden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dorian Simon]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Apr 2019 19:28:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Prominente Meinungen]]></category>
		<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Europareform]]></category>
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		<category><![CDATA[Europe]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Van Bylen]]></category>
		<category><![CDATA[Innovation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Europa braucht Innovationen, um im globalen Wettlauf attraktiv zu bleiben“, schreibt Hans Van Bylen, CEO der Henkel AG &#38; Co. KGaA. „Denn wirtschaftlicher Erfolg schafft Arbeitsplätze und Wohlstand.“ Sein Text&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>„Europa braucht Innovationen, um im globalen Wettlauf attraktiv zu bleiben“, schreibt <strong>Hans Van Bylen</strong>, CEO der <strong>Henkel AG &amp; Co. KGaA</strong>. „Denn wirtschaftlicher Erfolg schafft Arbeitsplätze und Wohlstand.“ Sein Text ist Teil der Artikelserie „<strong>Europa kann es besser. Wie unser Kontinent zu neuer Stärke findet. Ein Weckruf der Wirtschaft</strong>“, die vom <strong>Handelsblatt</strong> und <strong>United Europe</strong> initiiert wurde.</em></p>
<p>Wenn das Brexit-Votum in Großbritannien im Juni 2016 etwas gebracht hat, dann ist es diese Erkenntnis: Inzwischen haben mehr EU-Bürger ein besseres Verständnis dafür, wie hochgradig vernetzt und voneinander abhängig die Menschen und Unternehmen in den Mitgliedsländern der Europäischen Union sind.</p>
<p>Erst die konkrete Herausforderung, ein wichtiges Land in relativ kurzer Zeit aus einem über viele Jahrzehnte gewachsenen Geflecht von gemeinsamen Regeln und Standards herauszulösen, veranschaulicht, welche Vorteile und höhere Effizienz durch einen gemeinsamen Binnenmarkt entstanden sind.</p>
<p>Hinzu kommen die kontroversen Diskussionen über Ungleichgewichte im Handel, die Androhung von Zöllen oder anderen Maßnahmen im globalen Wirtschaftsdreieck zwischen den Vereinigten Staaten, China und der EU. Sie haben das Bewusstsein für die Bedeutung eines geeinten und handlungsfähigen Europas in breiteren Teilen der Öffentlichkeit geschärft.</p>
<p>Es ist sicherlich verkürzt, die Bedeutung eines geeinten Europas allein auf die wirtschaftspolitischen Dimensionen zu reduzieren. Daneben stehen mindestens gleichbedeutend sicherheitspolitische Fragen, die Völkerverständigung, kulturelle Aspekte und vieles mehr.</p>
<p>Aber letztlich schaffen erst der wirtschaftliche Erfolg sowie die damit verbundenen Arbeitsplätze und Einkommen die finanziellen Voraussetzungen und die breite gesellschaftliche Akzeptanz für die Zusammenarbeit in den anderen Handlungsfeldern.</p>
<p>Der wirtschaftliche Erfolg hilft auch, durch gezielte Maßnahmen Ungleichheiten zu verringern – zwischen einzelnen Volkswirtschaften wie auch zwischen gesellschaftlichen Gruppen oder Schichten eines Landes. Dieser Gedanke stand auch Pate, als die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) in den 1950er Jahren gegründet wurde.<br />
Die enge wirtschaftliche Verflechtung sollte helfen, den Wohlstand zu fördern und Konflikte zu verhindern. Der größere, gemeinsame Markt sollte das Wirtschaftswachstum beschleunigen und damit den Wohlstand der Bürger in Europa steigern.</p>
<p>Dass dies ein Erfolg war, ist unbestritten – wenngleich das in der öffentlichen Wahrnehmung häufig in den Hintergrund rückt. Heute umfasst die EU mehr als eine halbe Milliarde Einwohner. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt ist die EU der größte Wirtschaftsraum weltweit, noch vor China und den Vereinigten Staaten.<br />
Dabei ist die Industrie mit über 50 Millionen Arbeitsplätzen ein wichtiger Faktor für Wohlstand und Beschäftigung in Europa. Damit das langfristig so bleibt, haben Unternehmen und ihre Mitarbeiter ein gemeinsames Interesse am Erhalt und an der Stärkung des Binnenmarkts und der Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich.<br />
Denn trotz aller Erfolge muss sich die EU institutionell und vor allem industriepolitisch weiterentwickeln. Die EU braucht Reformen, um den Wirtschaftsraum im zunehmenden globalen Wettbewerb noch stärker und attraktiver zu machen.</p>
<p>Der technologische Wandel, die Anforderungen an nachhaltiges Wirtschaften und die angespannten internationalen Handelsbeziehungen stellen die Unternehmen und die Politik vor große Herausforderungen. Die kommende EU-Kommission sollte ihre Industriepolitik daher strategisch neu ausrichten. Kern der Strategie muss es sein, Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Unternehmen, insbesondere der Industrie, zu fördern. Dabei kommt es entscheidend auf den richtigen Mix der Instrumente an. Es geht darum, noch bessere Anreize für Innovationen zu setzen, eine sichere und bezahlbare Energieversorgung sicherzustellen und eine wettbewerbsfähige Unternehmensbesteuerung sowie eine gute Infrastruktur zu gewährleisten. Zudem müssen für die aktuellen geo- und handelspolitischen Auseinandersetzungen Antworten gefunden werden.</p>
<p><strong>Globaler Wettlauf um Innovationen</strong><br />
Dabei sollte die europäische Politik die Industrie als Partner betrachten, um die Lösungen für die Herausforderungen der Zukunft zu entwickeln. Sei es beim Klimaschutz, bei der Entwicklung moderner und nachhaltiger Verkehrssysteme, bei der Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung oder auch in der Gesundheitsversorgung. Industrieunternehmen tragen mit ihren innovativen Produkten und Werkstoffen, Technologien und Anwendungen zur Lösung dieser großen globalen Aufgaben bei. Geschwindigkeit ist dabei im globalen Wettbewerb ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Weltweit findet heute ein Wettlauf der Nationen und Regionen um die beste Position für die Zukunft statt.</p>
<p>Innovative Werkstoffe, leistungsfähige Energiespeicher, klimaverträgliche Mobilitätslösungen, Biotechnologie, Digitalisierung und zirkuläre Wirtschaft sind wichtige Elemente für eine nachhaltige Entwicklung unserer globalen Gesellschaft – und wachstumsstarke Märkte mit hoher Wertschöpfung und zukunftssicheren Arbeitsplätzen.<br />
Die EU sollte bei ihrer künftigen Mittelvergabe einen klaren Schwerpunkt auf diese Themen legen und die Forschungsausgaben dafür ausweiten. Das Tempo des globalen Wettstreits um Innovationen wird mehr und mehr aus China und den Wachstumsländern in Südostasien bestimmt.</p>
<p>In diesen Staaten unterstützen die Regierungen gezielt Wissenschaft und Forschung mit beträchtlichen finanziellen Mitteln und schaffen regulatorische Spielräume, um Innovationsprozesse zu beschleunigen. Damit aus Forschung auch marktfähige Produkte werden können, sind eine innovationsfreundliche Gesetzgebung sowie die Qualität von Rechtsvorschriften und deren Umsetzung von entscheidender Bedeutung. Hier hat die EU in den letzten Jahren bereits gute Ansätze gezeigt. Wichtig ist dabei: Neue Gesetze sollten umfassend auf ihre Auswirkungen auf die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit überprüft werden. Gerade für viele kleine und mittlere Unternehmen entsteht hier sonst viel Zusatzaufwand, der ihre Entwicklung behindert.</p>
<p><strong>Vorreiter bei Klimaschutz und zirkulärer Wirtschaft</strong><br />
Für die Industrie in Europa ist insbesondere eine zukunftsgerichtete Energie- und Klimapolitik entscheidend. Die EU-Kommission will ihre ambitionierten Klimaschutzziele mit einer Strategie begleiten.<br />
Dabei hilft auch „mehr Europa“. Der EU-Binnenmarkt für Strom und Gas sollte realisiert werden, um die Versorgungssicherheit und wettbewerbsfähige Energiepreise zu fördern. Darüber hinaus sollten Investitionen in den Klimaschutz unterstützt und alle Sektoren in die Pflicht genommen werden. Industrie und Energiewirtschaft erfüllen ihre Ziele zur CO2-Reduktion bereits über den Emissionshandel.</p>
<p>Da die energieintensive Chemie im globalen Wettbewerb steht, wäre ein weltweites System zur CO2-Bepreisung – zumindest auf Ebene der G20 – eine mögliche Perspektive. Damit ließen sich Nachteile für den Standort Europa vermeiden. Auch beim Thema zirkuläre Wirtschaft hat die Europäische Kommission ambitionierte Pläne. Sie will die EU für eine globale Vorreiterrolle positionieren.</p>
<p>Zirkuläres Wirtschaften bedeutet das Wirtschaftswachstum vom Verbrauch endlicher Ressourcen zu entkoppeln. Es ist notwendig, den gesamten Produktlebenszyklus zu betrachten und die zum jeweiligen Zeitpunkt technisch, wirtschaftlich und ökologisch optimale Lösung zu nutzen. Die hierfür erforderlichen Innovationen eröffnen ebenfalls neue Wachstumschancen.</p>
<p><strong>Für offenen Welthandel einsetzen – selbstbewusst und wertebasiert</strong><br />
Aber nicht allein Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit tragen dazu bei, dass sich international tätige Unternehmen auf den globalen Märkten behaupten können. Eine offene und regelbasierte Welthandelsordnung ist hierfür eine entscheidende Voraussetzung.</p>
<p>Die wachsenden Spannungen in den internationalen Handelsbeziehungen unterstreichen die Bedeutung der EU. Insbesondere ihrer gemeinsamen Handelspolitik ist es zu verdanken, dass Europa seine Position gegenüber den großen Volkswirtschaften China und USA vertreten kann.<br />
Die EU muss sich auch in Zukunft dafür einsetzen, dass das offene Welthandelssystem erhalten bleibt. Mit Selbstbewusstsein und auf der Basis gemeinsamer Werte. Die Europäische Kommission braucht eine neue Handelsstrategie, die Antworten auf das Vorgehen der USA und Chinas findet.</p>
<p>Zugleich muss sie darauf hinwirken, die Rolle der Welthandelsorganisation (WTO) zu stärken, und ergänzend weitere bilaterale Handelsabkommen schließen. Dafür ist es unerlässlich, dass die EU in Handelsfragen geschlossen nach außen auftritt.</p>
<p><strong>Ein starkes Europa für eine erfolgreiche Zukunft</strong><br />
Zu europäischen Lösungen in den politischen Zukunftsfragen wie Klima- und Umweltschutz, Digitalisierung und Migration gibt es schlicht keine Alternative. Nur eine politisch handlungsfähige und wirtschaftlich starke EU kann die globalen Herausforderungen im Sinne aller Bürger in Europa mitgestalten. Dafür ist es aber auch erforderlich, den Nutzen und die Vorteile aus einem geeinten Europa in der öffentlichen Debatte immer wieder klar zu benennen.</p>
<p><em>Die Artikelreihe „<strong>Europa kann es besser</strong>“ erscheint bis zur Europawahl im <strong>Handelsblatt</strong> auf Deutsch und in Deutsch und Englisch auf <strong>Handelsblatt Online</strong> und der Website von <strong>United Europe</strong>. Die Texte sind auch in einem <strong>Buch</strong> zusammengefasst, das am 15. April 2019 im Herder-Verlag erschienen ist. Weitere Informationen über das Buch finden Sie <a href="https://www.herder.de/geschichte-politik-shop/europa-kann-es-besser-gebundene-ausgabe/c-34/p-15322/">hier</a>.</em></p>
<p><strong>Über Hans Van Bylen:</strong><br />
Hans Van Bylen ist seit über 30 Jahren bei Henkel und verfügt über umfangreiche internationale Erfahrung im Konsumgüterund Industriekundengeschäft. Er begann seine Laufbahn 1984 bei Henkel in Belgien und übernahm in der Folge stetig wachsende Geschäfts- und Regionalverantwortung etwa für Benelux, Frankreich, Westeuropa, Afrika/Naher Osten, Latein- und Nordamerika sowie Asien-Pazifik. 2005 wurde er in den Vorstand von Henkel berufen und war dort über 10 Jahre für den Unternehmensbereich Beauty Care zuständig. Seit Mai 2016 ist Hans Van Bylen Vorstandsvorsitzender der Henkel AG &amp; Co KGaA, seit September 2018 Präsident des Verbands der Chemischen Industrie e.V. (VCI) und Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie e.V. (BDI). Er gehört zudem dem Board of Directors des Consumer Goods Forum (CGF) an und ist Mitglied des European Round Table of Industrialists (ERT).</p>
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