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Die Nicht-Euro-Staaten in der EU nach dem Brexit

  • Januar 8, 2019
© 123RF

Zwischen Angst vor politischem Einflussverlust und Euro-Beitritt.
Obwohl das Vereinigte Königreich den Euro nicht eingefĂŒhrt hat, wird der bevorste­hende Brexit neben den Folgen fĂŒr die gesamte EuropĂ€ische Union auch Konsequen­zen fĂŒr die WĂ€hrungsintegration haben, schreiben PaweƂ Tokarski und Serafina Funk* in einem Essay fĂŒr die Stiftung Wissenschaft und Politik. Der Austritt Großbritanniens aus der EU wird bei den »Euro-outs«, also den acht Mitgliedstaaten, die den Euro nicht eingefĂŒhrt haben, die BefĂŒrchtung verstĂ€rken, dass sich ihr Einfluss auf den Willensbildungsprozess in der Union in Zukunft verringert. Diese Sorge hat zur Bildung einer neuen Koalition von Staaten gefĂŒhrt, die die Interessen der nördlichen Euro-Mitglieder und einiger LĂ€nder außerhalb der Eurozone vereint. Zwar ist die Debatte ĂŒber eine Erwei­terung der Eurozone gegenwĂ€rtig abgeflaut. Der »Brexit-Moment« könnte jedoch Aus­löser einer neuen Dynamik und Treiber sein fĂŒr eine Ausdehnung der Eurozone oder eine StĂ€rkung der Verbindung einiger Nicht-Euro-Staaten mit der Bankenunion.

Die acht Euro-outs (Bulgarien, DĂ€nemark, Kroatien, Polen, RumĂ€nien, Schweden, Tschechien, Ungarn) sind eine heterogene Gruppe von Staaten, die sehr unterschied­lichen Wirtschaftsmodellen folgen und auf verschiedenen Stufen der ökonomischen Entwicklung stehen. So ist beispielsweise das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf in DĂ€nemark sieben Mal höher als das in Bulgarien. Eine erhebliche DisparitĂ€t ist auch in puncto WettbewerbsfĂ€higkeit der Nicht-Euro-Staaten zu beobachten. Dem Global Competitiveness Report 2018 zufolge ge­hören Schweden und DĂ€nemark, beide Euro-outs, zu den weltweit wettbewerbs­fĂ€higsten Staaten. Sie belegen den 9. und 10. Platz im Ranking. Die anderen Nicht-Euro-Staaten, die von politischer InstabilitĂ€t und institutioneller SchwĂ€che gekennzeich­net sind, stĂŒtzen ihre WettbewerbsfĂ€higkeit immer noch auf niedrige Löhne. Auch bei der GrĂ¶ĂŸe und Bedeutung des Finanzsektors fĂŒr die Wirtschaft tun sich innerhalb der Gruppe große Unterschiede auf. Der Anteil der Vermögenswerte des Bankensektors am BIP ist in DĂ€nemark drei Mal höher als in Polen. WĂ€hrend der globalen Finanzkrise standen die mittel- und osteuropĂ€ischen LĂ€nder vor immensen Herausforderungen, da sich ihr Bankensektor zu großen Teilen im Besitz auslĂ€ndischer Bankengruppen befindet. Dies bedeutete fĂŒr die nationalen Bankenaufsichtsbehörden, dass sie ihren Kontrollaufgaben nur in begrenztem Um­fang nachkommen konnten. All diese un­gleichen Voraussetzungen fĂŒhren dazu, dass die Nicht-Euro-Staaten im Hinblick auf die europĂ€ische finanzpolitische Gesetz­gebung ganz individuelle PrioritĂ€ten setzen.

Der Umstand, dass die Euro-outs in unter­schiedlichen Stadien der ökonomischen Entwicklung stecken, wirkt sich auf die Dynamik des Wirtschaftswachstums dieser LĂ€nder aus. Die weniger entwickelten unter ihnen erzielen aufgrund des Aufholeffekts hĂ€ufig höhere Wachstumsraten. Abgesehen von Schweden und DĂ€nemark, deren Wirt­schaftswachstum 2017 leicht unter dem Durchschnitt des Euroraums (2,4%) lag, wuchsen deshalb die Volkswirtschaften jener EU-Mitglieder außerhalb des Euro-WĂ€hrungsgebiets, die wirtschaftlich weni­ger entwickelt sind, erheblich schneller.

Ihr VerhĂ€ltnis zum Euro und zur Eurozone gestalten die Euro-outs ebenfalls unterschiedlich. Die meisten von ihnen verfolgen eine unabhĂ€ngige Geldpolitik. DĂ€nemark ist seit 1999 Mitglied des Wech­sel­kursmechanismus 2 (Exchange Rate Mechanism 2, ERM 2). Die dĂ€nische Krone ist dadurch an den Euro gekoppelt. Schon zuvor war sie, ab 1982, an die D-Mark ge­bun­den. Nach dem Brexit wird DĂ€nemark der einzige Staat sein, der eine Opt-out-Klausel fĂŒr die WĂ€hrungsintegration hat. Alle anderen EU-LĂ€nder sind vertraglich verpflichtet, den Euro einzufĂŒhren, sobald sie die Konvergenzkriterien erfĂŒllen. Im Fall DĂ€nemarks wurde die Ausstiegsklausel vereinbart, nachdem dort die Volksabstim­mung ĂŒber den Vertrag von Maastricht im Jahr 1992 gescheitert und in einem weite­ren Referendum im Jahr 2000 auch die Ein­fĂŒhrung des Euro abgelehnt worden war.

Der bulgarische Lew ist im Rahmen einer Currency-Board-Regelung mit einem festen Kurs an den Euro gekoppelt. RumĂ€nien und Kroatien unterhalten Wechselkursregime mit einem kontrollierten variablen Wechsel­kurs gegenĂŒber dem Euro. Sehr speziell ist vor allem Kroatiens VerhĂ€ltnis zur Gemein­schaftswĂ€hrung. Die Wirtschaft des Landes ist weitgehend »euroisiert«. So laufen etwa 75 Prozent der Anlagen und 67 Prozent der Verbindlichkeiten auf Euro.

Alle LĂ€nder der Gruppe sind offene Volks­wirtschaften, die Interesse an der Vertiefung des Binnenmarkts haben. Außerdem for­dern diese Staaten, dass der Euroraum neuen Mitgliedern offenstehen solle. Zugleich ist ihnen an der IntegritĂ€t des Euro-WĂ€hrungs­gebiets gelegen, auch wenn sie die dafĂŒr notwendigen Stabilisierungskosten nicht tragen wollen. Die ungleichen ökonomi­schen Bedingungen in den Nicht-Euro-Staa­ten und ihre unterschiedlichen Bezie­hun­gen zum Euro und zur Eurozone machen es den Euro-outs schwer, innerhalb der EU politisch miteinander zu kooperieren. FĂŒr diese Unionsmitglieder erhöht sich damit das Risiko, nach einem Brexit an Einfluss inner­halb der Gemeinschaft einzubĂŒĂŸen.n

Den gesamten Text finden Sie hier.

* Dr. PaweƂ Tokarski ist Wissenschaftler in der Forschungsgruppe EU/Europa. Serafina Funk arbeitete als Praktikantin in der Forschungsgruppe EU/Europa. Derzeit ist sie Stipendiatin bei der französischen Nationalversammlung.

© Stiftung Wissenschaft und Politik, 2018

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