Am 2. August ist in der Tageszeitung DIE WELT ein Meinungsbeitrag von unserem Gründer und Schatzmeister Dr. Jürgen Großmann erschienen. Darin ruft er europäische Unternehmer, Vorstände und Führungskräfte auf, sich mehr für Europa zu engagieren und mutiger in der Unterstützung für die europäische Idee zu sein:

Wir müssen unser Europa gleichberechtigt neben die Supermächte stellen

Unkenrufe, Europa sei am Ende, sind falsch. Der Abgesang auf die Europäische Union basiert auf Fehlinterpretation aktueller politischer Ereignisse, gepaart mit Hysterie, Aufbauscherei von Handlungs- zu Problemfeldern und dem irrationalen Verhalten einzelner sehr kurzfristig denkender Politiker.

Dennoch: Einige Gefahren und Probleme sind nicht von der Hand zu weisen: So ist der Aufstieg populistischer Parteien in zahlreichen Ländern Europas die Antwort der Bürger auf das jahrelange Zaudern und Herumlavieren etablierter Volksvertreter und ihrer Weigerung, die Sorgen der eigenen Bevölkerung ernst zu nehmen.

Politik in Europa wird nur handeln, wenn wir Bürger sagen, wo uns der Schuh drückt! Statt sich jahrelang mit Irrsinnigkeiten wie der 52-seitigen Schnullerkettenverordnung oder der Krümmung von Gurken zu befassen, sollte die Brüsseler Bürokratie sich fragen, wie man Formalien und Rechtsunsicherheiten abbaut, um den europäischen Handel zu stärken, um Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und damit die europäische Wertschöpfungskette voranzubringen. Ein „Made in Europe“ für unsere Produkte ist überfällig. Brüssel muss sich von einer rein kontrollierenden und Verordnungen produzierenden Instanz für Teile des Kontinents zu einer den globalen Erfordernissen angepassten Institution entwickeln. In deren Fokus gehört – neben gemeinsamer Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik – Fortschritt, Integration und Subsidiarität – ohne weiter aufgeblähte EU-Administrationen.

René Obermann und Joe Kaeser verdienen Unterstützung
Um solches durchzusetzen, sind besonders wir, europäische Unternehmer, Vorstände und Führungskräfte, gefordert. Setzen wir uns viel stärker für die EU ein, formulieren wir, wie leistungsfähig die EU bereits ist, was wir von ihr erwarten und wie notwendig die europäische Einigung bleibt: „Denn ein anderes Europa haben wir nicht“, so schrieb bereits letztes Jahr René Obermann in der ZEIT. Darin hat er europäische Unternehmer aufgerufen, mit der Politik einen „New Deal“ zu vereinbaren, sich intensiver für die Stärkung der EU, sowohl im wirtschaftlichen als auch im geistigen Wettbewerb, einzusetzen. Aber der große Ruck in den Führungsetagen der führenden Unternehmen ist – bis auf wenige Ausnahmen – ausgeblieben.
Jetzt ist dankenswerterweise wieder einer aufgestanden, Siemens-Chef Joe Kaeser versucht die Dax-Unternehmen für seinen Kampf gegen Rechtsruck, Nationalismus und Protektionismus zu gewinnen. Doch bisher ist kaum jemand gefolgt. Aus Angst, Kunden zu verlieren? Das wäre nicht nur beschämend, sondern auch kurzsichtig. In einem Europa, in dem Abschottungspolitik herrscht, wird freier Handel eingeschränkt – vielleicht sogar unmöglich. Sich jetzt wegzuducken, ist auf lange Sicht weit gefährlicher, als Flagge zu zeigen – Flagge gegen Populismus, Rassismus, Nationalismus und Protektionismus –
für ein freies, wettbewerbsfähiges, diverses, subsidiäres und dabei trotzdem vereintes Europa.

Nur zu sagen, was wir nicht wollen, hilft uns nicht weiter.
Denn wir haben viel zu verlieren: Die Erfolge der Europäischen Union als Garant für Frieden und Wohlstand sind unbestritten und werden von der großen Mehrheit der Europäer anerkannt. Deshalb brauchen wir die EU, um heutigen globalen Herausforderungen adäquat zu begegnen. Nur gemeinsam entwickeln wir Lösungen für Zukunftsfragen, setzen globale Standards. Und wir brauchen Freizügigkeit, die unseren Wohlstand sichert. Wenn die EU scheitert, kann vieles, was wir gelebt haben, worauf unser Wohlstand, unser Selbst-Bewusstsein und unsere Identität beruhen, zu Staub zerfallen. Dass Europa nicht perfekt ist, in die europäische Architektur einige „checks and balances“ eingezogen gehören und gelegentlich der Geist von Etatismus und Zentrismus geortet wird – geschenkt! Definieren wir, wie wir uns das subsidiäre, transparente und schlanke Europa vorstellen, machen wir alle zusammen uns Gedanken, was jeder einzelne dazu beitragen kann, rufen wir unsere Grundwerte und die echte europäische Idee laut hinaus und verteidigen wir dieses Ideal!

Pluralität in Europa heißt nicht identitätsloses Multi-Kulti-Mischmasch, Solidarität nicht Transferunion, das muss sauber herausgearbeitet sein. Das hehre Ziel: Unser Europa gleichberechtigt neben den sich immer irrationaler gebärdenden Supermächten zu stellen.

Dafür müssen auch wir unternehmerisch Verantwortliche uns einigen, mutiger sein in unserer Unterstützung für die europäische Idee – selbst wenn solche Investitionen in Europa zu Lasten kurzfristiger Gewinne gehen sollten. Der Preis für den Zerfall der EU wäre weitaus größer.

Jürgen Großmann ist Unternehmer und Gründer der proeuropäischen Initiative United Europe e.V.

 

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