Am 8. September 2026 fand das Europa Lab 2026 von United Europe im Haus der Europäischen Union in Berlin statt. Von 12:00 Uhr bis 18:00 Uhr gingen Redner aus Politik, Sicherheit und Wirtschaft einer Frage nach: Kann Europa seine Ambitionen in echte Stärke bei Energie und Sicherheit verwandeln? Ihre Antwort lautete: Ja, aber nur, wenn Europa deutlich schneller und mutiger handelt als bisher.
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Erfolge in Resilienz verwandeln
In ihrer Begrüßung sagte Manica Hauptman (Leiterin des Politischen Refarats der Vertretung der Europäischen Kommission), Europa habe entschlossen reagiert, als der Krieg die Abhängigkeiten offenbarte. Seitdem seien die Anstrengungen aber zu langsam gewesen. Europa brauch mehr Netze, stärkere Verbindungen und eine tiefere Integration. Klimaziele und Wettbewerbsfähigkeit ließen sich miteinander vereinbaren. Dennoch sei der Binnenmarkt zersplittert, und Forschung und Innovation ließen sich zu oft in Europa nicht skalieren. Initiativen wie der Chips Act, der AI Act, EU Inc und die Bemühungen um Vereinfachung seien wichtige Schritte. Als eines der größten Hindernisse Europas nannte Hauptmann die Risikoscheu. Die Fiskalmarktunion sei der „Elefant im Raum“, denn fast alles hänge vom Haushalt ab, auch eine mögliche Europäische Verteidigungsunion.
Ist Europa geopolitikfähig? Daddy wird es nicht für uns richten!
Sicherheitsexperte Nico Lange stellte eine ernüchterne Diagnose. Europa wachse um etwa 0,3%, die USA, China und Indien dagegen deutlich schneller. Russlands Krieg gegen die Ukraine sei inzwischen im fünften Jahr, und Europa diskutiere noch immer, ob es handeln sollte. Putin gehe es nicht um ein paar Kilometer im Donbass, sondern um die Vorherrschaft über Europa. Da sich die USA als Garant der europäischen Verteidigung zurückziehen, müsse Europa erkennen, dass niemand sonst sein Geschäftsmodell schützen wird. Als Prioritäten nannte Lange eine Führungsrolle bei Dual-Use-Technologien wie KI, Drohnen und Satelliten, die Fähigkeit zu eigenen europäischen Militäreinsätzen, eine Kapitalmarktunion und, wenn nötig, Änderungen der Treaties. Zudem forderte er die Politik auf, mit den Bürgern wie mit Erwachsenen zu sprechen und ihnen die Wahrheit zu sagen.
Energiesicherheit ist europäische Sicherheit: Warum nationale Energiepolitik nicht mehr zeitgemäß ist
Stefan Kapferer, CEO von 50Hertz, zeigte, was europäische Zusammenarbeit leisten kann. Europa hat das baltische Stromnetz integriert und das ukrainische Netz wenige Tage nach der Invasion synchronisiert. Grenzüberschreitende Projekte wie der Offshore-Windhub auf Bornholm kosten deutlich weniger als nationale Alleingänge. Leider blockieren nationale Interessen weiterhin den Fortschritt. Kapferer plädierte für eine Mischung aus stärkerer europäischer Steuerung und regionaler Zusammenarbeit, vor allem in der Nordsee. Die Energiewende sieht er als Chance für die Industrialisierung, nach dem Prinzip: „Made with Europe“ statt Protektionismus und mit Märkten, die für andere Partner unter den Mittelmächten wie Japan, Südkorea und Kanada offen bleiben. Außerdem erklärte er die Aufrechterhaltung des Betriebs und den Schutz kritischer Infrastrukturen zu obersten Prioritäten.
Die Lücke zwischen Alpbach und Allentsteig schließen
Arthur Krön, Gründer von Yourope, verglich zwei Orte in Österreich. Der eine ist Alpbach, wo junge Eliten über Europas globalen Einfluss diskutieren. Der andere ist Allentsteig, Österreichs größter Truppenübungsplatz, wo die Gespräche ganz anders klingen. Die europäische Idee brauche mehr Allentsteig und weniger Alpbach. Pro-Europäer dürften nicht länger die „sugar-coated“ Party sein, sondern müssten die gesamte Bevölkerung ansprechen.

