{"id":8368,"date":"2017-10-18T14:29:24","date_gmt":"2017-10-18T12:29:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.united-europe.eu\/?p=8368"},"modified":"2019-05-17T13:53:40","modified_gmt":"2019-05-17T11:53:40","slug":"olaf-scholz-und-kai-diekmann-ueber-populismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/2017\/10\/olaf-scholz-und-kai-diekmann-ueber-populismus\/","title":{"rendered":"Olaf Scholz und Kai Diekmann \u00fcber Populismus"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_8382\" aria-describedby=\"caption-attachment-8382\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Scholz-Diekmann-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8382 size-medium\" src=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Scholz-Diekmann-2-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Scholz-Diekmann-2-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Scholz-Diekmann-2-320x240.jpg 320w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Scholz-Diekmann-2-800x600.jpg 800w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Scholz-Diekmann-2-560x420.jpg 560w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Scholz-Diekmann-2-640x480.jpg 640w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Scholz-Diekmann-2-267x200.jpg 267w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Scholz-Diekmann-2-400x300.jpg 400w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Scholz-Diekmann-2-633x475.jpg 633w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Scholz-Diekmann-2-133x100.jpg 133w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Scholz-Diekmann-2-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Scholz-Diekmann-2.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-8382\" class=\"wp-caption-text\">Olaf Scholz and Kai Diekmann<\/figcaption><\/figure>\n<p>Warum breitet sich der Populismus in den Gesellschaften Europas, der Vereinigten Staaten und Japans aus? Zu Beginn der Er\u00f6ffnungsdebatte des Young Professional Seminars \u00fcber &#8222;The Populist Challenge&#8220; vom 6. bis 8. Oktober in Hamburg wies Olaf Scholz auf wohlhabende L\u00e4nder wie D\u00e4nemark, \u00d6sterreich, die Niederlande oder Deutschland hin, die derzeit keine gro\u00dfen sozialen oder wirtschaftlichen Probleme haben. Doch in vielen Haushalten der Mittelschicht stagniere das Einkommen. Das n\u00e4hrt laut einer Studie der Consulting-Firma McKinsey Populismus. \u201eIn unseren industrialisierten Gesellschaften geschieht etwas, das wir zur Kenntnis nehmen m\u00fcssen\u201c, sagte Scholz.<\/p>\n<p>Selbst erfolgreiche Unternehmen verlangten von ihren Besch\u00e4ftigten, dass sie Lohnsenkungen hinnehmen, sagte Scholz. Er zitierte den ehemaligen US-Vizepr\u00e4sidenten Joe Biden, der 2016 auf dem World Economic Forum in Davos vor der Gefahr eines Zusammenbruchs der liberalen internationalen Weltordnung warnte, weil die Mittelschicht in den westlichen Gesellschaften schrumpft.<\/p>\n<p>Um die europ\u00e4ische Integration zu sichern, f\u00fcgte Scholz hinzu, sei es absolut notwendig, nicht nur den Gewinnern der Globalisierung eine gute Zukunft zu sichern, sondern auch den Menschen, deren F\u00e4higkeiten durch die Digitalisierung bedroht seien. Es sei wichtig, eine optimistische Perspektive zu haben und den Leuten Hoffnung zu geben. \u201eWir brauchen eine Partei, die Liberalismus und soziale Wohlfahrt verbindet\u201c, sagte der Erste B\u00fcrgermeister von Hamburg.<\/p>\n<p>\u201eUnsere gro\u00dfe Aufgabe ist es, eine Antwort auch f\u00fcr diejenigen zu finden, die nicht qualifiziert sind&#8220;, sagte Scholz. Ansonsten w\u00fcrden sich die Menschen politischen Parteien zuwenden, die mittels einer R\u00fcckkehr in die Vergangenheit einfache L\u00f6sungen versprechen. \u201eIn Hamburg sind wir sehr f\u00fcr selbstfahrende Autos&#8220;, erkl\u00e4rte er, \u201eaber wir m\u00fcssen auch daran denken, was das aus der Sicht eines LKW-Fahrers bedeutet.\u201c<\/p>\n<p>Kai Diekmann begann mit einer Allegorie \u00fcber das Wetter: Die reale Temperatur unterscheide sich oft von der vom Menschen gef\u00fchlten. Populismus, sagte er, habe keine offensichtlichen \u00f6konomischen Ursachen. Stattdessen gehe es mehr um Identit\u00e4t und Erwartungen. \u201eEs ist wichtig, den Menschen L\u00f6sungen anzubieten, wie man in der Globalisierung und Digitalisierung besteht. Man muss ihnen positive Zukunftsperspektiven bieten \u2013 nicht eine R\u00fcckkehr in die Vergangenheit&#8220;, erkl\u00e4rte Diekmann.<\/p>\n<p>In jedem Land haben Menschen andere Gr\u00fcnde, f\u00fcr Rechtsparteien zu stimmen, sagte Diekmann. Ungarn, Polen, \u00d6sterreich und das Vereinigte K\u00f6nigreich seien alle sehr unterschiedlich, auch wegen der F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten der jeweiligen Parteien, die eine gro\u00dfe Rolle spiele. In Bezug auf Deutschland sei er daher optimistisch, da die Alternative f\u00fcr Deutschland (AFD) keine charismatischen Anf\u00fchrer habe.<\/p>\n<p>Ein weiterer Faktor sei die Sorge, die Kontrolle \u00fcber die Einwanderung verloren zu haben, sagte Diekmann. In Deutschland funktioniere schon die Integration der t\u00fcrkischen Einwanderer seit mehreren Jahrzehnte nicht. Bundeskanzlerin Angela Merkels Motto in der Fl\u00fcchtlingskrise von 2015, \u201eWir schaffen das\u201c, sei deswegen nicht sehr glaubw\u00fcrdig gewesen. Diekmann bekannte, dass die BILD Zeitung unter seiner Leitung damals die Situation ebenfalls falsch interpretiert habe. Ihre Kampagne \u201eWir helfen\u201c sei den Empfindungen der Menschen nicht gerecht worden.<\/p>\n<p>Mit Blick auf die au\u00dfergew\u00f6hnliche Situation 2015 r\u00e4umte Scholz ein, es sei ungl\u00fccklich gewesen, die Kontrolle \u00fcber die Einreise nach Deutschland zu verlieren. Dennoch gebe es Fortschritte bei der Integration von Migranten. In Hamburg beende jedes dritte Kind mit Migrationshintergrund die Schule mit dem Abitur.<\/p>\n<p>Insgesamt seien die Ursachen und Probleme des Populismus vielf\u00e4ltig und abh\u00e4ngig von den Regionen, der Bildung, der Identit\u00e4t, den Erwartungen sowie den Positionen der etablierten demokratischen Parteien. In Polen beispielsweise sei Jaroslaw Kaczynski stark, weil die Opposition schwach sei, sagte Diekmann. Der gemeinsame Feind aller Populisten seien die Eliten, das politische Establishment und die Technologie. Die Populisten seien vereint in der Sehnsucht nach einer glorreichen, sch\u00f6nen Vergangenheit, die es nie gegeben habe.<\/p>\n<p>Auch die Medien spielen eine wichtige Rolle beim Aufbau rechtsgerichteter Parteien wie der AfD in Deutschland, indem sie sie d\u00e4monisieren, wie Diekmann ausf\u00fchrte. Aber es sei nicht die Aufgabe von Journalisten, Populisten anzugreifen; das m\u00fcssten andere Politiker leisten. Die Medien sollten Parteien wie die AfD am besten so normal wie m\u00f6glich behandeln und sie inhaltlich herausfordern. Ansonsten w\u00fcrden Journalisten es Populisten zu einfach machen, die Eliten und die Medien \u00fcber einen Kamm zu scheren und sie als Feinde zu bezeichnen.<\/p>\n<p>Nach \u00fcber einer Stunde und einer sehr lebhaften Debatte war eine der letzten Fragen an Scholz gerichtet: Ob er \u00fcberhaupt etwas Positives am Populismus sehe? \u201eNein\u201c, antwortete der Sozialdemokrat. \u201eEinfache Antworten auf die komplexen Herausforderungen unserer modernen Welt funktionieren nie, und Populismus hat nichts mit popul\u00e4r zu tun.\u201c<\/p>\n<p><em>Der Text ist die Zusammenfassung der Er\u00f6ffnungsdebatte \u201cWas ist Populismus\u201d mit Olaf Scholz, Erster B\u00fcrgermeister der Freien Hansestadt Hamburg, und Kai Diekmann, ehemaliger Herausgeber und Chefredakteur BILD-Gruppe, des Young Professional Seminars von United Europe vom 6. bis 8. Oktober 2017 in Hamburg.<br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum breitet sich der Populismus in den Gesellschaften Europas, der Vereinigten Staaten und Japans aus? 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