{"id":5528,"date":"2016-02-23T19:48:14","date_gmt":"2016-02-23T19:48:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.united-europe.eu\/?p=5528&#038;lang=de"},"modified":"2016-02-29T17:08:07","modified_gmt":"2016-02-29T17:08:07","slug":"juergen-grossmann-bleibt-bei-uns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/2016\/02\/juergen-grossmann-bleibt-bei-uns\/","title":{"rendered":"J\u00fcrgen Gro\u00dfmann: Bleibt bei uns!"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_5524\" aria-describedby=\"caption-attachment-5524\" style=\"width: 212px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5524 size-medium\" src=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Grossmann-212x300.jpg\" alt=\"Grossmann\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Grossmann-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Grossmann-320x452.jpg 320w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Grossmann-560x791.jpg 560w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Grossmann-71x100.jpg 71w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Grossmann-640x904.jpg 640w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Grossmann-142x200.jpg 142w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Grossmann-633x894.jpg 633w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Grossmann-85x120.jpg 85w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Grossmann.jpg 708w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5524\" class=\"wp-caption-text\">J\u00fcrgen Grossmann, Schatzmeister von United Europe<\/figcaption><\/figure>\n<p>Es bleiben kaum mehr als hundert Tage, um die Briten von unserer gemeinsamen Zukunft in Europa zu \u00fcberzeugen. Angesichts der schlechten Stimmung in Gro\u00dfbritannien wird die Zeit knapp. Den Umfragen zufolge sind die EU-Gegner inzwischen in der \u00dcberzahl. Nur noch jeder F\u00fcnfte hat sich noch nicht entschieden.<\/p>\n<p>In beiden gro\u00dfen politischen Parteien ist die Stimmung durchwachsen, wenn es um Europa geht. Labour wird von einem ehemaligen Euro-Skeptiker angef\u00fchrt; die regierenden Konservativen sind gespalten. In der Partei hat sich der popul\u00e4re B\u00fcrgermeister von London, Boris Johnson, an die Spitze der Europa-Gegner gestellt.<\/p>\n<p>Auch die meisten Zeitungen verbreiten ein sehr negatives Europa-Bild. Ob Premierminister David Cameron unter diesen Umst\u00e4nden sein Versprechen einl\u00f6sen kann, \u201emit ganzem Herzen und ganzer Seele\u201c f\u00fcr ein Ja zu Europa zu k\u00e4mpfen, ist fraglich.<\/p>\n<h2 id=\"mit-leidenschaft-fuer-europa-eintreten\">Mit Leidenschaft f\u00fcr Europa eintreten<\/h2>\n<p>So liegt es durchaus im Bereich des M\u00f6glichen, dass das f\u00fcr den 23. Juni angesetzte EU-Referendum damit endet, dass Gro\u00dfbritannien nach \u00fcber vier Jahrzehnten wieder aus der EU austritt. Bei United Europe ist das f\u00fcr uns alle eine schreckliche Vorstellung. Eine solche Entscheidung w\u00e4re verheerend f\u00fcr Gro\u00dfbritannien genauso wie f\u00fcr das \u00fcbrige Europa.<\/p>\n<p>Ich bin davon \u00fcberzeugt, dass wir den Brexit am besten verhindern k\u00f6nnen, indem wir unsere Ziele f\u00fcr Europa klar beschreiben. Wenn wir deutlich machen, wohin wir wollen, m\u00fcssen sich andere deswegen noch nicht f\u00fcr unseren Weg entscheiden. Sie stolpern dann aber nicht aus Achtlosigkeit oder mangelnder Sachkenntnis in die falsche Richtung.<\/p>\n<p>Erinnern Sie sich an das Schottland-Referendum 2014. Wie leidenschaftlich der Wahlkampf damals gef\u00fchrt wurde! Wir brauchen diese Leidenschaft, um das EU-Referendum zu gewinnen \u2013 nicht nur in Gro\u00dfbritannien, sondern auch auf dem Kontinent, wo zum Teil bittere Entt\u00e4uschung \u00fcber die Briten herrscht. Wir m\u00fcssen uns und andere davon \u00fcberzeugen, dass Europa und Gro\u00dfbritannien f\u00fcreinander unverzichtbar sind.<\/p>\n<h2 id=\"kranker-mann-europas\">Kranker Mann Europas<\/h2>\n<p>Lassen Sie uns zun\u00e4chst die wirtschaftliche Dimension betrachten. Warum brauchen wir Gro\u00dfbritannien in der EU?<\/p>\n<p>Eine Antwort gibt eine historische Analyse des Centre for Economic Policy Research in London. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es den Briten zun\u00e4chst deutlich besser als den Menschen auf dem Kontinent. Noch 1950, dem Jahr, in dem London entschied, der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft f\u00fcr Kohle und Stahl fern zu bleiben, lag das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner in Gro\u00dfbritannien um etwa ein Drittel h\u00f6her als in den sechs Gr\u00fcndungsstaaten.<\/p>\n<p>Doch durch Wiederaufbau und Zusammenschluss wurde die Wirtschaft auf dem Kontinent dynamischer. Aus dem Aufholprozess wurde ein \u00dcberholen. Als die Briten 1973 schlie\u00dflich der EU beitraten, lag ihre Wirtschaftsleistung je Einwohner um zehn Prozent hinter der der sechs Gr\u00fcndungsstaaten zur\u00fcck. So schlecht war die Situation auf der Insel, dass Gro\u00dfbritannien als kranker Mann Europas galt.<\/p>\n<h2 id=\"wo-cameron-recht-hat\">Wo Cameron Recht hat<\/h2>\n<p>Mit dem Beitritt zur Europ\u00e4ischen Gemeinschaft wendete sich die Lage. Vom n\u00e4chsten Aufschwung profitierte Gro\u00dfbritannien genauso stark wie die Kontinental-Europ\u00e4er. Zwar ist die britische Wirtschaftsleistung je Einwohner auch heute noch geringer als die der sechs Gr\u00fcndungsmitglieder, aber der Abstand hat sich nicht mehr vergr\u00f6\u00dfert. Die EU ist gut f\u00fcr Gro\u00dfbritannien.<\/p>\n<p>Ihrerseits haben die Briten einen ganzen Schatz von Erfahrungen und \u00dcberzeugungen in die EU eingebracht. Gro\u00dfbritannien ist das Land, das den Freihandel und die Marktwirtschaft erfand. Hier gibt es die l\u00e4ngste demokratische Tradition, das genaueste Gesp\u00fcr f\u00fcr Gewaltenteilung und einen \u00f6ffentlichen Dienst, der zu den besten der Welt geh\u00f6rt. Dies ist ein Land der guten Manieren und der praktischen Vernunft.<\/p>\n<p>David Cameron hat Recht: Europa braucht mehr Wettbewerb und mehr Wachstum. Wir m\u00fcssen den Binnenmarkt vollenden, TTIP abschlie\u00dfen \u2013 das ist gut f\u00fcr Europa. Aber ohne Gro\u00dfbritannien wird die EU das nicht schaffen. Sie st\u00fcnde dann deutlich st\u00e4rker unter dem Einfluss von Franzosen, Italienern und Spaniern, deren viel gr\u00f6\u00dferer Staatsglauben stattdessen zu noch mehr Br\u00fcsseler B\u00fcrokratie f\u00fchren d\u00fcrfte.<\/p>\n<h2 id=\"kopf-nicht-herz\">Kopf, nicht Herz<\/h2>\n<p>Die politische Dimension ist schwieriger. Die Briten sehen Europa durch eine ganz andere Brille als wir Kontinentaleurop\u00e4er. Zwar ist die Erinnerung an die beiden Weltkriege, die Europa im 20. Jahrhundert verw\u00fcsteten, in Gro\u00dfbritannien genauso lebendig wie bei uns. Aber als Begr\u00fcndungslogik der europ\u00e4ischen Einigung hat die Erfahrung von Krieg und Frieden die Briten nie \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>In seinen Reden zu Europa beschreibt Premierminister Cameron seine Einstellung zur EU-Mitgliedschaft bemerkenswert offen. \u201eWie die meisten Briten ist meine Haltung in dieser Frage eine praktische, keine emotionale,\u201c sagte er k\u00fcrzlich. \u201eVom Kopf, nicht vom Herzen (\u2026) Wir sehen die EU als ein Mittel zum Zweck, nicht als Ziel an sich.\u201c<\/p>\n<p>In Kontinentaleuropa schrieben Helmut Kohl und Francois Mitterrand Geschichte, als sie sich \u00fcber den Gr\u00e4bern von Verdun die H\u00e4nde gaben. Ihre beiden L\u00e4nder pr\u00e4gten die europ\u00e4ische Einigung gerade weil ihre Beziehungen f\u00fcr Vers\u00f6hnung standen. F\u00fcr die meisten Kontinental-Europ\u00e4er ist die europ\u00e4ische Einigung ein Wert an sich \u2013 auch wenn sich ihre Regierungen ebenfalls viel zu oft engstirnig, selbsts\u00fcchtig und kurzsichtig verhalten.<\/p>\n<h2 id=\"bleibt-bei-uns\">Bleibt bei uns!<\/h2>\n<p>\u00dcber die Notwendigkeit einer neuen europ\u00e4ischen Erz\u00e4hlung, die eine neue Begr\u00fcndung f\u00fcr Europa liefern k\u00f6nnte, ist viel gesagt worden. Aber stimmt das \u00fcberhaupt? Schauen Sie nur auf die vielen Menschen, in deren Augen Europa f\u00fcr Frieden, Stabilit\u00e4t und Wohlstand steht. Millionen Menschen setzen in dieser Zeit ihr Leben aufs Spiel, um zu uns zu fl\u00fcchten. F\u00fcr sie hat die alte europ\u00e4ische Erz\u00e4hlung nichts an \u00dcberzeugungskraft verloren.<\/p>\n<p>Wichtiger als ein neuer Begr\u00fcndungszusammenhang ist es, Europa in der globalen Perspektive zu sehen. Wir sind ein kleiner Kontinent, dessen Anteil an der Weltbev\u00f6lkerung rapide schrumpft. Aber wir sind immer noch zu gro\u00df, um als neutrale Schweiz bestehen zu k\u00f6nnen. Die terroristischen Anschl\u00e4ge in Paris und anderswo zeigen, dass wir die Augen vor den Ereignissen in der Welt nicht verschlie\u00dfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wenn wir Europ\u00e4er aber die globale Zukunft mitgestalten wollen, m\u00fcssen wir wissen, wer wir sind. Wir brauchen Vertrauen in unsere Werte, in die Kraft von Menschenrechten und Demokratie und in die \u00dcberlegenheit des laizistischen und toleranten Rechtsstaats. Einzeln sind wir zu schwach, um uns Geh\u00f6r zu verschaffen; das gilt f\u00fcr Gro\u00dfbritannien genauso wie f\u00fcr jedes andere EU-Land. Um unsere Interessen in der Welt und Zuhause wirksam vertreten zu k\u00f6nnen, sollten wir als eine wehrhafte Gemeinschaft zusammenstehen. In diesem Europa ist Gro\u00dfbritannien unverzichtbar.<\/p>\n<p><strong><em>J\u00fcrgen Grossmann ist Gesellschafter der Stahlgruppe Georgsmarienh\u00fctte und Mitbegr\u00fcnder und Schatzmeister von United Europe.<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es bleiben kaum mehr als hundert Tage, um die Briten von unserer gemeinsamen Zukunft in Europa zu \u00fcberzeugen. 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