{"id":4486,"date":"2015-07-22T11:48:39","date_gmt":"2015-07-22T11:48:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.united-europe.eu\/?p=4486"},"modified":"2015-08-11T14:32:06","modified_gmt":"2015-08-11T14:32:06","slug":"die-eu-ohne-grossbritannien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/2015\/07\/die-eu-ohne-grossbritannien\/","title":{"rendered":"Die EU ohne Grossbritannien"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_4474\" aria-describedby=\"caption-attachment-4474\" style=\"width: 204px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/EXTRA_LARGE_AUTHOR1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"  wp-image-4474\" src=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/EXTRA_LARGE_AUTHOR1-250x300.jpg\" alt=\"EXTRA_LARGE_AUTHOR\" width=\"204\" height=\"245\" srcset=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/EXTRA_LARGE_AUTHOR1.jpg 250w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/EXTRA_LARGE_AUTHOR1-83x100.jpg 83w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/EXTRA_LARGE_AUTHOR1-167x200.jpg 167w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/EXTRA_LARGE_AUTHOR1-100x120.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 204px) 100vw, 204px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4474\" class=\"wp-caption-text\">Report von Professor Dr. Michael Wohlgemuth<\/figcaption><\/figure>\n<h4 id=\"mit-ihren-augen-auf-griechenland-fixiert-ignorieren-europas-politiker-und-die-medien-eine-weit-gewichtigere-wirtschaftliche-und-geopolitische-bedrohung-den-brexit-grossbri\">Mit ihren Augen auf Griechenland fixiert ignorieren Europas Politiker und die Medien eine weit gewichtigere wirtschaftliche und geopolitische Bedrohung \u2013 den \u2018Brexit\u2019. Grossbritannien ist die zweitgr\u00f6sste Volkswirtschaft in der Europ\u00e4ischen Union und ein milit\u00e4risches wie politisches Schwergewicht. Auch ist es die \u00e4lteste parlamentarische Demokratie der Welt und ein begeisterter Verfechter von freien M\u00e4rkten und Dezentralisierung. Wie w\u00fcrde die EU ohne Grossbritannien aussehen? Wer w\u00fcrde wirtschaftlich und politisch am Meisten verlieren?<\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 id=\"zusammenfassung\">Zusammenfassung<\/h3>\n<p>W\u00e4hrend die wirtschaftlichen Konsequenzen f\u00fcr England im Falle des Verlassens der EU schwer vorherzusagen sind, ist der Einfluss auf den Rest Europas gleichermassen unkalkulierbar. Die Effekte w\u00e4ren sicherlich weitaus dramatischer und negativer denn die, die aus einem \u2018Grexit\u2019 erwachsen w\u00fcrden. Der Status der EU als ein wettbewerbsf\u00e4higer und verl\u00e4sslicher globaler Akteur k\u00f6nnte gef\u00e4hrdet sein, da der Kontinent wirtschaftlicher und politischer Sklerose erliegt. Die gr\u00f6ssten Verlierer k\u00f6nnten Irland, Grossbritanniens n\u00e4chstgelegener Nachbar, und Deutschland, sein wichtigster Verb\u00fcndeter und Handelspartner in Europa, sein.<\/p>\n<p>Nach den Wahlen in Griechenland im Fr\u00fchjahr 2015 hat sich die Finanzkrise in diesem Land versch\u00e4rft, was die M\u00f6glichkeit, dass Griechenland die Eurozone verl\u00e4sst in den Mittelpunkt der Notfallplanung in Br\u00fcssel und Frankfurt gebracht hat. \u00dcber Jahre hinweg hat die Europ\u00e4ische Union alles in ihrer Macht stehende getan, &#8211; inklusive Schritte, die vormals als unm\u00f6glich galten oder den rechtlichen Rahmen gesprengt haben &#8211; um das Gespenst eines \u2018Grexit\u2019 abzuwenden. Ansonsten, wie uns die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und andere wissen liessen, \u2018w\u00e4re Europa gescheitert\u2019.<\/p>\n<p>Aber wie verh\u00e4lt es sich mit Grossbritannien, welches schon viel l\u00e4nger mit dem Gedanken eines Lebens ausserhalb der EU spielt? Nur wenige Menschen ausserhalb des Landes scheinen sich \u00fcberhaupt \u00fcber ein Verlassen der EU Gedanken zu machen. Aber nach dem \u00dcberraschungswahlsieg von Premierminister David Camerons Konservativen ist es klar, dass es zum ja oder nein zur EU eine Volksabstimmung noch vor 2017 geben\u00a0wird. Ob die Briten daf\u00fcr stimmen werden in der EU zu verbleiben ist ungewiss.<\/p>\n<h3 id=\"massive-konsequenzen\">Massive Konsequenzen<\/h3>\n<p>Es ist nicht nur, dass die Gefahr eines \u2018Brexit\u2019 real ist. Seine Konsequenzen \u00fcbertreffen die eines \u2018Grexit\u2019 gewaltig. Grossbritannien steht f\u00fcr 15 Prozent der Wirtschaftsleistung der EU, was es mit deutlichem Abstand zu Frankreich zur zweitgr\u00f6ssten Volkswirtschaft des Blocks macht. Wenn der g\u00fcnstige demografische Trend anh\u00e4lt, k\u00f6nnte Grossbritannien innerhalb von 30 Jahren Deutschland als Europas gr\u00f6sste Volkswirtschaft \u00fcberholen. Im Gegensatz dazu liegt Griechenlands Anteil am BIP der EU bei gerade mal 1,3 Prozent.<\/p>\n<p>Die rein wirtschaftlichen Folgen eines \u2018Brexit\u2019 sind schwer zu kalkulieren, sowohl f\u00fcr England als auch f\u00fcr seine Handelspartner aus der EU. Sie h\u00e4ngen massgeblich davon ab, welche Nach-\u2018Brexit\u2019 Vereinbarungen eine neue Regierung in Grossbritannien, die dann h\u00f6chstwahrscheinlich nicht mehr von David Cameron gef\u00fchrt wird, mit Br\u00fcssel zu verhandeln in der Lage sein wird. In unserem fr\u00fcheren Report \u201eOhne Ver\u00e4nderung der EU keine Mitgliedschaft Grossbritanniens\u201c, vom 17. Juni 2015 bezogen wir uns auf eine umfassende Studie des Think Tanks Open Europe, in welchem versucht wurde, den Nettoeffekt f\u00fcr Grossbritannien im Fall eines Verlassens der EU abzusch\u00e4tzen. Unter der Annahme eines \u2018politisch realistischen\u2019 Szenarios, in dem bilaterale Handelsvereinbarungen zwischen Grossbritannien und der EU getroffen werden, und in Abh\u00e4ngigkeit von der Bereitschaft der britischen Regierung ihre neue Souver\u00e4nit\u00e4t f\u00fcr pro-Markt-Reformen zu nutzen, k\u00f6nnte Grossbritannien bis 2030 einen \u2018dauerhaften Verlust\u2019 in einer Gr\u00f6ssenordnung von 0,8 Prozent des BIP erleiden oder einen Zuwachs in einer Gr\u00f6ssenordnung von 0,6 Prozent des BIP verbuchen. Im schlimmsten Fall, unter der Annahme, dass keine neuen Handelsabkommen getroffen werden und einer daraus sich ergebenden wirtschaftlichen Isolation, w\u00fcrde der komplette Output in Grossbritannien um 2,2 Prozent sinken.<\/p>\n<h3 id=\"wachstumsverzicht\">Wachstumsverzicht<\/h3>\n<p>Was w\u00fcrde dies f\u00fcr Grossbritanniens europ\u00e4ische Handelspartner bedeuten? Nat\u00fcrlich ist der internationale Handel kein Null-Summen-Spiel in dem andere europ\u00e4ische Volkswirtschaften das hinzugewinnen, was Grossbritannien verliert. Im Gegenteil, Handel ist ein Positivsummenspiel und neue k\u00fcnstliche Handelsbarrieren w\u00fcrden beide Seiten treffen.<\/p>\n<p>Die deutsche Bertelsmann Stiftung sch\u00e4tzt, dass die EU (ohne Grossbritannien) zwischen 0,1 und 0,36 Prozent an realem BIP pro Kopf, aufgrund des Verzichts auf Wachstum im Aussenhandel, verlieren w\u00fcrde. Abh\u00e4ngig von dem Ausmass der Isolation Grossbritanniens, w\u00fcrde Deutschlands reales BIP pro Kopf um zwischen 0,1 und 0,3 Prozent, allein durch Handelseffekte, bis 2030 schrumpfen.<\/p>\n<p>Die einzelnen Industrien w\u00fcrden in unterschiedlicher H\u00f6he unter dem Verlust an Exportgesch\u00e4ft mit Grossbritannien leiden. Am meisten w\u00e4re die deutsche Automobilindustrie betroffen, deren Gesamtverkauf um bis zu zwei Prozent zur\u00fcckgehen w\u00fcrde. Die Elektronik-, Metall- und Nahrungsmittelindustrie w\u00fcrde ebenfalls negative Auswirkungen erleben.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4475\" aria-describedby=\"caption-attachment-4475\" style=\"width: 1003px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/London-Financial-District.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4475 size-full\" src=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/London-Financial-District.jpg\" alt=\"London Financial District\" width=\"1003\" height=\"679\" srcset=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/London-Financial-District.jpg 1003w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/London-Financial-District-800x542.jpg 800w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/London-Financial-District-320x217.jpg 320w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/London-Financial-District-560x379.jpg 560w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/London-Financial-District-148x100.jpg 148w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/London-Financial-District-640x433.jpg 640w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/London-Financial-District-295x200.jpg 295w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/London-Financial-District-443x300.jpg 443w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/London-Financial-District-633x429.jpg 633w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/London-Financial-District-300x203.jpg 300w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/London-Financial-District-177x120.jpg 177w\" sizes=\"auto, (max-width: 1003px) 100vw, 1003px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4475\" class=\"wp-caption-text\">Einige bef\u00fcrchten, dass Finanzunternehmen ihre Zelte in Londons Financial District abbrechen werden, wenn es zum &#8218;Brexit&#8216; kommt (Foto: dpa)<\/figcaption><\/figure>\n<h3 id=\"weniger-innovation\">Weniger Innovation<\/h3>\n<p>Diese Zahlen stellen nur den statischen Effekt erh\u00f6hter Handelsbarrieren und Transaktionskosten dar. Unter einem dynamischen Blickwinkel betrachtet k\u00f6nnten die Kosten eines \u2018Brexit\u2019 f\u00fcr alle Beteiligten viel h\u00f6her sein. Diese k\u00f6nnten weniger Wettbewerb, weniger Innovation und eine weniger effiziente Verteilung von Arbeit mit einbeziehen. Ihre potentiellen Kosten hinsichtlich eines geringeren Wirtschaftswachstums sind sogar noch schwieriger im Voraus zu berechnen als im Fall der statischen Effekte.<\/p>\n<p>Die Vorst\u00e4nde grosser deutscher Firmen, die in Grossbritannien t\u00e4tig sind, waren in der Betonung ihrer Sorgen bei einem m\u00f6glichen \u2018Brexit\u2019 nicht zur\u00fcckhaltend. Ca. 2\u2019500 deutsche Firmen, im wesentlichen aus den Bereichen Energie, Fertigung, Transport und Finanzen, besch\u00e4ftigen 500\u2019000 Menschen in Grossbritannien. Unter diesen Investoren sind so f\u00fchrende globale Marken wie BASF, BMW, DHL, ThyssenKrupp und Volkswagen zu finden.<\/p>\n<p>Paul Kahn, Leiter der britischen Unternehmenseinheit des europ\u00e4ischen Luft- und Raumfahrtkonzerns Airbus, warnte k\u00fcrzlich vor dem \u2018gewaltigen\u2019 Risiko einer wirtschaftlichen Disruption, ausgel\u00f6st durch einen m\u00f6glichen R\u00fcckzug aus der EU. Alles was Airbus in Grossbritannien herstellt, zusammen mit Investitionen, Research und Arbeitspl\u00e4tzen f\u00fcr 16\u2019000 \u00f6rtliche Arbeitnehmer und viele mehr bei den Lieferanten des Unternehmens, h\u00e4ngt von einer industriellen Organisation und Integration auf Grundlage einer europaweiten Zusammenarbeit ab, sagte Kahn.<\/p>\n<p>Die Steuerzahler der EU Mitgliedsstaaten sollten ebenfalls besorgt sein. Grossbritannien ist der zweitgr\u00f6sste Nettoeinzahler, nach Deutschland, f\u00fcr das Budget der EU. In 2013 haben die Steuerzahler Grossbritanniens, gem\u00e4ss einem Bericht der britischen Zeitung The Telegraph, 10,8 Milliarden Euro mehr in die EU einbezahlt, als sie dem EU-Topf entnommen haben. Gem\u00e4ss einer Studie der Bertelsmann Stiftung m\u00fcssten, um die fehlenden Einnahmen im Budget der EU im Fall eines britischen Exits auszugleichen, die deutschen Steuerzahler jedes Jahr 2,5 Milliarden Euro mehr f\u00fcr das EU Budget aufbringen. J\u00e4hrlich w\u00e4ren f\u00fcr die franz\u00f6sischen Steuerzahler 1,9 Milliarden Euro f\u00e4llig, Spanien m\u00fcsste nahezu 1 Milliarde Euro mehr einzahlen.<\/p>\n<h3 id=\"irlands-probleme\">Irlands Probleme<\/h3>\n<p>Keine Frage,- das Land, das bei einem \u2018Brexit\u2019 am schwersten getroffen w\u00fcrde, ist Irland. Wie ein k\u00fcrzlich verfasster Report von Open Europe zeigt, w\u00fcrde sich das Wachstum Irlands, sollte Grossbritannien die EU verlassen, um zwischen 1,1 und 3,1 Prozent im Zeitraum bis 2030 verlangsamen.<\/p>\n<p>Grossbritannien ist Irlands gr\u00f6sster einzelner Handelspartner. Eine Milliarde Euro an Waren und Dienstleistungen werden zwischen den beiden L\u00e4ndern, deren Lieferketten eng miteinander verflochten sind, jede Woche gehandelt. Irland importiert eine gr\u00f6ssere Menge an \u00d6l und Gas aus Grossbritannien als die Ukraine aus Russland.<\/p>\n<p>Irland ist auch ein bedeutender Agrarexporteur und ein noch bedeutenderer Importeur britischer Gebrauchsg\u00fcter. Obwohl viele in Grossbritannien damit argumentieren, dass ein Verlassen der EU dem Land erlauben w\u00fcrde, sich mehr auf Exporte in die BRICS L\u00e4nder zu konzentrieren, bleibt die Wahrheit, dass Grossbritannien im letzten Jahr mehr<\/p>\n<p>nach Irland denn nach China exportiert hat. Diese Verk\u00e4ufe beliefen sich auf 30 Milliarden US$ im Jahr 2014 und machten somit das doppelte aller Exporte Grossbritanniens nach Russland, Indien, Brasilien und S\u00fcdafrika zusammen aus.<\/p>\n<p>Einige behaupten, es k\u00f6nnte einen signifikanten Anstieg an ausl\u00e4ndischen Direktinvestitionen (FDI) in Irland geben, da multinationale Unternehmen und Finanzdienstleister mit Sitz in Grossbritannien nach Dublin auswandern, um innerhalb des EU Binnenmarktes zu bleiben. Diese Auswirkung ist ziemlich unwahrscheinlich. Alle daraus resultierenden ausl\u00e4ndischen Direktinvestitionen k\u00f6nnten in der Tat Spannungen innerhalb der Republik verst\u00e4rken, da sie Dublins Wirtschaft aufrecht erhalten, w\u00e4hrend die auf Britannien fokussierten Exporteure in den \u00e4rmeren n\u00f6rdlichen und nordwestlichen Regionen bestraft w\u00fcrden.<\/p>\n<h3 id=\"wiederauflebende-konflikte\">Wiederauflebende Konflikte<\/h3>\n<blockquote><p>Ohne Grossbritannien w\u00fcrden Deutschland und sein schwindender Kreis an Verb\u00fcndeten, die offene M\u00e4rkte, Freihandel und Deregulierung bevorzugen, ihre Veto-Macht bei Abstimmungen mit qualifizierter Mehrheit verlieren.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein \u2018Brexit\u2019 w\u00e4re besonders schmerzhaft f\u00fcr Nordirland. Mit der Wiedereinf\u00fchrung von Grenzkontrollen und Z\u00f6llen,\u00a0die den von Grossbritannien und der Irischen Republik kontrollierten Bezirk Ulster trennen w\u00fcrde, w\u00fcrde sich die Region mit einem \u00fcberproportionalen R\u00fcckgang in Handel und Besch\u00e4ftigung konfrontiert sehen, was m\u00f6glicherweise den Weg f\u00fcr ein Aufleben alter politischer Konflikte ebnen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>In der Tat, es sind mehr die politischen, denn die wirtschaftlichen Kosten eines \u2018Brexit\u2019, welche viele EU Mitglieder f\u00fcr David Camerons Reformagenda empf\u00e4nglich machen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Wie w\u00fcrde sich das interne Machtgleichgewicht in der EU ohne Grossbritannien verschieben? Die wichtigste Einrichtung ist der Rat der Europ\u00e4ischen Union, oder der Ministerrat, wo die Regierungen Europas sich treffen, um die Politik der EU zu diskutieren und festzulegen.<\/p>\n<p>Bis jetzt gab es im Rat ein ausgeglichenes Verh\u00e4ltnis zwischen den Vertretern von L\u00e4ndern, die f\u00fcr freie M\u00e4rkte eintreten und Vertretern protektionistischer und interventionistischer Nationen. Jedes Lager verf\u00fcgte \u00fcber etwas mehr als 35 Prozent der Stimmen, die f\u00fcr ein qualifiziertes Veto ben\u00f6tigt wurden. Die anderen Mitgliedsl\u00e4nder agierten in der Wirtschaftspolitik als Wechselw\u00e4hler.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4476\" aria-describedby=\"caption-attachment-4476\" style=\"width: 306px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Merkel-Cameron.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4476\" src=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Merkel-Cameron.jpg\" alt=\"German Chancellor Angela Merkel strolls down the welcome carpet with UK Prime Minister David Cameron (photo: dpa)\" width=\"306\" height=\"193\" srcset=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Merkel-Cameron.jpg 230w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Merkel-Cameron-159x100.jpg 159w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Merkel-Cameron-180x113.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 306px) 100vw, 306px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4476\" class=\"wp-caption-text\">Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel geht mit dem britischen Premierminister David Cameron den roten Teppich hinunter (Foto: dpa)<\/figcaption><\/figure>\n<h3 id=\"merkel-weiss\">Merkel weiss<\/h3>\n<p>Ohne Grossbritannien w\u00fcrden Deutschland und sein schwindender Kreis an Verb\u00fcndeten (inklusive Irland, den Niederlanden und den Baltischen Staaten), die offene M\u00e4rkte, Freihandel und Deregulierung bevorzugen, ihre Veto-Macht bei Abstimmungen mit qualifizierter Mehrheit verlieren.<\/p>\n<p>Der ewige Richtungsstreit in der EU zwischen der deutschen \u2018Ordnungspolitik\u2019 und der franz\u00f6sischen \u2018Planungspolitik\u2019 w\u00e4re erledigt. Deutschland w\u00fcrde auf ganzer Linie schlecht wegkommen.<\/p>\n<p>Man kann sich sicher sein, dass Angela Merkel dies weiss.<\/p>\n<p>Wenn Camerons Vorschl\u00e4ge an die EU komplett zur\u00fcckgewiesen werden und ein \u2018Brexit\u2019 folgt, hat die EU gezeigt, dass sie nicht f\u00e4hig zu Reformen ist. Die unvermeidliche Folge wird eine weitergehende Verk\u00fcmmerung des Handelsblocks hin zu einer zentralisierten Transfer- und Regulierungsmaschine sein, deren harmonisierte Steuer- und Sozialsysteme weiterhin Europas Wettbewerbsf\u00e4higkeit und seine demokratische Verantwortung aush\u00f6hlen.<\/p>\n<p><span class=\"Apple-style-span\">Dieser Bericht wurde von<\/span>\u00a0<a href=\"http:\/\/www.geopolitical-info.com\/de\/expert\/professor-dr-michael-wohlgemuth\" target=\"_blank\"><span class=\"Apple-style-span\">Professor Dr. Michael Wohlgemuth<\/span><\/a><span class=\"Apple-style-span\">\u00a0verfa\u00dft und wird unseren Mitgliedern mit freundlicher Genehmigung von \u00a9\u00a0 Geopolitical Information Service AG, Vaduz zur Verf\u00fcgung gestellt:<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span class=\"Apple-style-span\"><a href=\"http:\/\/www.geopolitical-info.com\/de\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.geopolitical-info.com\/de\/<\/a><\/span><\/p>\n<h3 id=\"verwandte-artikel\">Verwandte Artikel:<\/h3>\n<ul>\n<li><span class=\"Apple-style-span\"><a href=\"http:\/\/www.geopolitical-info.com\/de\/article\/1437032780791736100\" target=\"_blank\">Der Morgen danach \u2013 Wo stehen Griechenland und Europa nach dem Referendum?<\/a><\/span><\/li>\n<li><span class=\"Apple-style-span\"><a href=\"http:\/\/www.geopolitical-info.com\/de\/article\/1434639408791044700\" target=\"_blank\">Ohne Ver\u00e4nderung der EU keine Mitgliedschaft Grossbritanniens<\/a><\/span><\/li>\n<li><span class=\"Apple-style-span\"><a href=\"http:\/\/www.geopolitical-info.com\/de\/article\/1433918370780857800\" target=\"_blank\">Camerons Herausforderungen nach dem Wahlsieg &#8211; Europa, Schottland und die globale Rolle Grossbritanniens<\/a><\/span><\/li>\n<li><span class=\"Apple-style-span\"><a href=\"http:\/\/www.geopolitical-info.com\/de\/article\/1369406101132339100\" target=\"_blank\">Deutschland braucht Gro\u00dfbritannien f\u00fcr eine funktionierende EU-Wirtschaft<\/a><\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p align=\"LEFT\"><a href=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/GIS-logo-claim-final.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-2159\" src=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/GIS-logo-claim-final-300x108.png\" alt=\"GIS-logo-claim-final\" width=\"111\" height=\"40\" srcset=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/GIS-logo-claim-final-300x108.png 300w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/GIS-logo-claim-final.png 320w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/GIS-logo-claim-final-180x65.png 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 111px) 100vw, 111px\" \/><\/a><\/p>\n<div>\u00a0\u00a9\u00a0Geopolitical Information Service AG, Vaduz<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.geopolitical-info.com\" target=\"_blank\">www.geopolitical-info.com<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit ihren Augen auf Griechenland fixiert ignorieren Europas Politiker und die Medien eine weit gewichtigere wirtschaftliche und geopolitische Bedrohung \u2013 den \u2018Brexit\u2019. 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