{"id":26393,"date":"2026-07-07T10:36:16","date_gmt":"2026-07-07T08:36:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.united-europe.eu\/?p=26393"},"modified":"2026-07-07T13:14:13","modified_gmt":"2026-07-07T11:14:13","slug":"rueckblick-auf-den-united-europe-members-talk-mit-guenther-h-oettinger-europe-quo-vadis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/2026\/07\/rueckblick-auf-den-united-europe-members-talk-mit-guenther-h-oettinger-europe-quo-vadis\/","title":{"rendered":"R\u00fcckblick auf den United Europe Members Talk mit G\u00fcnther H. Oettinger: Europe, Quo Vadis?"},"content":{"rendered":"<p>Am 26. Juni begr\u00fc\u00dfte United Europe mehr als 40 Mitglieder und geladene G\u00e4ste im <strong>Drivers &amp; Business Club<\/strong> zu einer weiteren Ausgabe der Veranstaltungsreihe &#8222;Members Talk &amp; Political Stammtisch&#8220;. Im Mittelpunkt der Veranstaltung, die von 17:00 bis 22:00 Uhr stattfand, stand die aktuelle und zugleich provokante Frage: &#8222;Europe, Quo Vadis?&#8220; Vor dem Hintergrund geopolitischer Umbr\u00fcche, wirtschaftlicher Transformation und eines zunehmenden globalen Wettbewerbs diskutierten die Teilnehmenden intensiv \u00fcber die Zukunft Europas, seine strategischen Priorit\u00e4ten und die Rolle, die der Kontinent in einer immer komplexeren internationalen Ordnung einnehmen muss.<\/p>\n<p><strong>Europas gr\u00f6\u00dfte Herausforderungen<br \/>\n<\/strong><br \/>\nF\u00fcr <strong>G\u00fcnther H. Oettinger<\/strong> sind zwei zentrale Herausforderungen entscheidend f\u00fcr Europas Zukunft. <strong>Sicherheit<\/strong> und <strong>Wettbewerbsf\u00e4higkeit<\/strong>.<\/p>\n<p>Sicherheit umfasst heute weit mehr als milit\u00e4rische Verteidigungsf\u00e4higkeit. Sie beinhaltet ebenso Cybersicherheit, technologische Souver\u00e4nit\u00e4t, Energiesicherheit sowie die F\u00e4higkeit Europas, seine Interessen in einer zunehmend instabilen geopolitischen Lage wirksam zu vertreten. Ebenso entscheidend sie es, Europas Wettbewerbsf\u00e4higkeit wiederherzustellen und nachhaltiges Wirtschaftswachstum in den Schl\u00fcsselindustrien zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Europa war \u00fcber Jahrzehnte weltweit f\u00fchrend in Branchen wie der Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrt, Chemie, Pharma, dem Maschinenbau und der industriellen Fertigung. Heute w\u00e4chst jedoch die Sorge, dass Europa in vielen Zukunftsfeldern zunehmend an Boden verliert. Innovation, Digitalisierung und industrielle Wettbewerbsf\u00e4higkeit entwickeln sich in anderen Weltregionen deutlich dynamischer und werfen grundlegende Fragen zur wirtschaftlichen Zukunft Europas auf.<\/p>\n<p>Auch aktuelle geopolitische Entwicklungen verdeutlichen den schwindenden Einfluss Europas. Der milit\u00e4rische Angriff der USA gegen den Iran, der ohne vorherigen Konsultation der europ\u00e4ischen Partner erfolgte, habe eine unbequeme, aber notwendige Frage aufgeworfen: Gestaltet Europa die Weltpolitik noch aktiv mit oder wird es zunehmend zum Zuschauer?<\/p>\n<p>Oettinger warnte eindringlich davor, dass Europa Gefahr laufe, zu einem &#8222;Freilichtmuseum&#8220; zu werden &#8211; bewundert f\u00fcr deine Geschichte, Kultur und Traditionan, aber ohne entscheidenden politischen oder wirtschaftlichen Einfluss.<\/p>\n<p><strong>Souver\u00e4nit\u00e4t durch wirtschaftliche St\u00e4rke<\/strong><\/p>\n<p>Nach Oettingers Auffassung beginnt echte Souver\u00e4nit\u00e4t mit wirtschaftlicher St\u00e4rke. Europa m\u00fcsse seine Innovationskraft zur\u00fcckgewinnen, Investitionen f\u00f6rdern und seine globale Wettbewerbsf\u00e4higkeit ausbauen, um auch k\u00fcnftig politisch handlungsf\u00e4hig zu bleiben.<\/p>\n<p>Deutschland trage dabei gemeinsam mit seinen europ\u00e4ischen Partnern eine besondere Verantwortung. Gleichzeitig m\u00fcsse Europa seine strategische Partnerschaften \u00fcber das traditionelle transatlantische B\u00fcndnis hinaus erweitern. Die sogenannten &#8222;Middle Power&#8220; L\u00e4nder wie Kanada, S\u00fcdkorea, Australien, Indien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Brasilien teilten viele europ\u00e4ische Interessen und k\u00f6nnten k\u00fcnftig wichtige Partner in Handel, Technologie und Innovation werden.<\/p>\n<p>Der Ausbau dieser Beziehungen k\u00f6nne dazu beitragen, dass Europa nicht zwischen den konkurrierenden Interessen der USA und Chinas aufgerieben werde.<\/p>\n<p><strong>Europa braucht eine neue Orientierung<\/strong><\/p>\n<p>Neben wirtschaftlichen Fragen sprach United Europe Mitglied <strong>Thomas Firnkorn<\/strong> \u00fcber zunehmende Orientierungslosigkeit innerhalb Europas. Ebenso wichtig wie wirtschaftliche St\u00e4rke sei die R\u00fcckbesinnung auf Europas Identit\u00e4t und Werte: &#8222;Ich habe keine Angst vor einem starken Islam. ich habe Angst vor einem schwachen Christentum.&#8220; Dabei gehe es nicht um Religion an sich, sondern um das Selbstverst\u00e4ndnis Europas und das Vertrauen in die eigenen kulturellen und demokratischen Grundlagen. Europa m\u00fcsse seine Identit\u00e4t, seine Werte und seinen gesellschaftlichen Auftrag wieder klarer definieren, um international selbstbewusst auftreten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Zahlen l\u00fcgen nicht\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Noch vor wenigen Jahrzehnten war Europas Wirtschaftsleistung mit derjenigen der Vereinigten Staaten vergleichbar. Heute hat sich das Bild grundlegend ver\u00e4ndert. W\u00e4hrend die USA ihre wirtschaftliche St\u00e4rke weiter ausgebaut und China ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Wachstum verzeichnet hat, ist Europa deutlich zur\u00fcckgefallen. Oettingers Fazit: <strong>&#8222;Zahlen l\u00fcgen nicht. Europa verliert.&#8220;\u00a0<\/strong>Diese Entwicklung sei nicht allein auf \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse zur\u00fcckzuf\u00fchren, sondern auch auf politische Entscheidungen innerhalb Europas. Initiativen wie die Lissabon Strategie, umfangreiche Verbraucherschutzregelungen oder der Green Deal verfolgen zwar berechtigte Ziele, dennoch m\u00fcssten diese stets mit Innovation, Investition und wirtschaftlicher Wettbewerbsf\u00e4higkeit in Einklang gebracht werden.<\/p>\n<p>Klimapolitik bleibe unverzichtbar. Allerdings verursache Europa im weltweiten Vergleich nur einen vergleichsweise kleinen Anteil der Treibhausgasemissionen gegen\u00fcber China und den USA. Klimaschutz m\u00fcsse daher Europas industrielle Basis st\u00e4rken und nicht schw\u00e4chen. Nachhaltigkeit und Wettbewerbsf\u00e4higkeit d\u00fcrfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.<\/p>\n<p><strong>Demokratie beginnt mit gesellschaftlichem Engagement<\/strong><\/p>\n<p>Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die Bedeutung des b\u00fcrgerlichen Engagements. Gute Politik beginne nicht in Br\u00fcssel, Stra\u00dfburg oder Berlin, sondern innerhalb der Gesellschaft.<\/p>\n<p>Ob im Gemeinderat, im Elternbeirat, in der Kirchengemeinde, im Sportverein oder in kulturellen Organisationen &#8211; ehrenamtliches Engagement bilde das Fundament einer lebendigen Demokratie.<\/p>\n<p>Oettinger \u00e4u\u00dferte die Sorge, dass insbesondere F\u00fchrungskr\u00e4fte nach ihrer beruflichen Laufbahn zunehmend aus dem gesellschaftlichen Engagement ausscheiden. Europas Zukunft h\u00e4nge jedoch nicht allein von politischen Entscheidungstr\u00e4gern ab, sondern ebenso von B\u00fcrgern, die Verantwortung in ihren Gemeinden \u00fcbernehmen. Oettinger betonte: <strong>&#8222;Wir m\u00fcssen bei uns selbst und in unserer Gesellschaft anfangen.&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Herausforderung China<\/strong><\/p>\n<p>China wurde als Beispiel f\u00fcr langfristiges strategisches Denken angef\u00fchrt. Mit Blick auf das Jahr 2049 &#8211; den 100. Jahrestag der Gr\u00fcndung der Volksrepublik &#8211; verfolgt China klare Ziele: milit\u00e4rische F\u00fchrungsmacht, technologische Spitzenposition, Innovationsf\u00fchrer und gr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft der Welt zu werden.<br \/>\nZusammen mit der F\u00fchrungsrolle der USA in den Bereichen Software, KI und digitale Plattformen drohe Europa zwischen den beiden globalen Superm\u00e4chten in eine strategische Zange zu geraten.<\/p>\n<p>Nach Oettingers Einsch\u00e4tzung fehlt es Europa h\u00e4ufig an Ehrgeiz und Geschwindigkeit, Regulierung bleibe wichtig, doch ohne Investitionen, Innovationen und mehr Flexibilit\u00e4t auf den Arbeitsm\u00e4rkten drohe ein weiterer industrieller Niedergang.<\/p>\n<p>Als Beispiele nannte er die tiefgreifenden Restrukturierungen und den Stellenabbau bei deutschen Automobilzulieferern und Industrieunternehmen wie <strong>Mahle<\/strong>, <strong>Bosch<\/strong>, <strong>ZF<\/strong> und <strong>BMW<\/strong>, die den erheblichen strukturellen Anpassungsdruck der europ\u00e4ischen Industrie verdeutlichten.<\/p>\n<p><strong>Drei S\u00e4ulen f\u00fcr Europas Zukunft\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Otto Schell formulierte drei strategische Priorit\u00e4ten f\u00fcr die Zukunft Europas.<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Zeit ist die neue W\u00e4hrung.<\/strong> Europa muss Entscheidungen schneller treffen und konsequenter umsetzen. Geschwindigkeit ist zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil geworden.<\/li>\n<li><strong>Transformation bestehender Industrien.<\/strong> Europas traditionalle St\u00e4rken m\u00fcssen erfolgreich in eine digitale, KI-gest\u00fctzte und nachhaltige Wirtschaft \u00fcberf\u00fchrt werden.<\/li>\n<li><strong>Bildung und Talente.<\/strong> Investitionen in Bildung, Innovation und die F\u00f6rderung k\u00fcnftiger Generationen sind die Grundlage langfristiger Wettbewerbsf\u00e4higkeit.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Ein Appell an F\u00fchrung und Zuversicht<\/p>\n<p>Zum Abschluss richtete G\u00fcnther H. Oettinger einen Appell an alles Anwesenden. Europa brauche Menschen, die Verantwortung \u00fcbernehmen und als Vorbilder in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft und Zivilgesellschaft vorangehen. F\u00fchrung k\u00f6nne nicht allein von Regierungen ausgehen. Jeder Einzelne k\u00f6nne einen Beitrag zur Erneuerung Europas leisten.<\/p>\n<p>Europe verf\u00fcge weiterhin \u00fcber gro\u00dfe St\u00e4rken: die soziale Marktwirtschaft, stabile demokratische Institutionen, wissenschaftliche Exzellenz, unternehmerisches Potenzial und eine lange Tradition der Zusammenarbeit.<\/p>\n<p>Die entscheidende Frage sei daher nicht, ob Europa \u00fcber das notwendige Potenzial verf\u00fcge, sondern ob es dieses mit gen\u00fcgend Entschlossenheit, Selbstvertrauen und Ambition mobilisieren k\u00f6nne.<\/p>\n<p>So endet die Diskussion mit der Frage, mit der sie begonnen hatte: &#8222;Europa, Quo Vadis?&#8220;<\/p>\n<p>Die Antwort werde nicht allein in Br\u00fcssel oder den nationalen Regierungen gefunden. Sie h\u00e4nge ma\u00dfgeblich von den Europ\u00e4ern selbst ab &#8211; von ihrer Bereitschaft, Selbstvertrauen und Identit\u00e4t neu zu entdecken, in Bildung und Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu investieren, die gemeinsamen Werte zu verteidigen und Europas Zukunft aktiv mitzugestalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 26. Juni begr\u00fc\u00dfte United Europe mehr als 40 Mitglieder und geladene G\u00e4ste im Drivers &amp; Business Club zu einer weiteren Ausgabe der Veranstaltungsreihe &#8222;Members Talk &amp; Political Stammtisch&#8220;. 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