{"id":26298,"date":"2026-05-28T16:47:10","date_gmt":"2026-05-28T14:47:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.united-europe.eu\/?p=26298"},"modified":"2026-06-16T10:46:15","modified_gmt":"2026-06-16T08:46:15","slug":"rueckblick-virtuelles-briefing-i-europas-position-in-globalen-energiemaerkten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/2026\/05\/rueckblick-virtuelles-briefing-i-europas-position-in-globalen-energiemaerkten\/","title":{"rendered":"R\u00fcckblick: Virtuelles Briefing I Europa\u2019s Position in globalen Energiem\u00e4rkten"},"content":{"rendered":"<p>Beim vergangenen virtuellen Mitgliederbriefing von United Europe am 19.Mai setzte G\u00fcnther H. Oettinger gleich zu Beginn einen klaren Akzent und formulierte eine deutliche Kritik an der aktuellen Ausrichtung der europ\u00e4ischen Energiepolitik: &#8222;Wir brauchen einen realistischen und pragmatischen Ansatz!&#8220; Selbst wenn sich geopolitische Spannungen morgen entspannen w\u00fcrden, so betonte er, w\u00fcrden sich die Energiem\u00e4rkte nicht innerhalb weniger Wochen normalisieren. Importstrukturen, Lieferketten und globale Energiefl\u00fcsse blieben hochgradid unsicher, w\u00e4hrend Europa weiterhin erhebliche Schw\u00e4chen bei der Versorgungssicherheit aufweise.<\/p>\n<p>Seine zentrale Kritik richtete sich gegen das Ungleichgewicht der europ\u00e4ischen Energiepolitik der vergangenen Jahre. W\u00e4hrend der Green Deal zur dominierenden politischen Priorit\u00e4t geworden sei, seien Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit zunehmend in den Hintergrund geraten. Dieses Ungleichgewicht habe Europas Wettbewerbsf\u00e4higkeit geschw\u00e4cht und gef\u00e4hrliche strategische Abh\u00e4ngigkeiten geschaffen. Oettinger pl\u00e4dierte daher f\u00fcr die R\u00fcckkehr zu einem echten &#8222;Energy Triangle&#8220;, in dem Nachhaltigkeit, Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit gleichwertig behandelt werden &#8211; und nicht ideologisch priorisiert.<\/p>\n<p>Zugleich machte Oettinger deutlich, dass Europas Energiebedarf in den kommenden Jahren massiv steigen werde. Elektrifizierung, Elektromobilit\u00e4t, KI, Cloud-Dienste, Gigafactories, Rechenzentren und die industrielle Transformation w\u00fcrden deutlich mehr Strom ben\u00f6tigen als heute. Europa braucht deshalb dringend eine koordinierte Infrastrukturstrategie &#8211; von europ\u00e4ischen Supergrids und Pipelines bis hin zu Wasserstoffkorridoren und Speicherl\u00f6sungen &#8211; anstelle fragmentierter nationaler Ans\u00e4tze.<\/p>\n<p>Ein weiterer zentraler Punkt war die Forderung nach technologischer Offenheit und Realismus. Oettinger kritisierte ideologische Scheuklappen in der europ\u00e4ischen Energiedebatte. \u00d6l, Gas, LNG, Wasserstoff, erneuerbare Energien, Kernkraft und Zukunftstechnologien wie Fusion m\u00fcssten Teil\u00a0 einer offenen Diskussion bleiben. Er betonte mehrfach, dass Diversifizierung entscheidend sei &#8211; nicht nur bei Lieferanten, sondern auch bei Technologien und Infrastruktur.<\/p>\n<p>Besonders deutlich zeigten sich Europas Spannungen in der Debatte um Kernenergie. W\u00e4hrend einige Mitgliedstaaten diese weiterhin strikt ablehnen, investieren andere massiv in Kernkraft und Fusionsforschung. Kann Europa es sich leisten, solche Technologien auszublenden, w\u00e4hrend globale Wettbewerber mit hoher Geschwindigkeit voranschreiten?<\/p>\n<p><strong>FAZIT: Europa muss sich von einer Energiepolitik l\u00f6sen, die zu stark von Idealismus und Ideologie gepr\u00e4gt ist, und zu einem pragmatischen, strategischen und wettbewerbsorientierten Ansatz zur\u00fcckkehren.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Mitgliederinterventionen<\/strong><br \/>\nDie Wortbeitr\u00e4ge der Mitglieder spiegelten sowohl Frustration als auch wachsende Sorgen \u00fcber Europas aktuellen Kurs wider. Mehrere Teilnehmer kritisierten, dass der regulatorische Ansatz der EU wirtschaftliche und industrielle Realit\u00e4ten h\u00e4ufig nicht ausreichend ber\u00fccksichtige. Zwar seien Richtlinien und Zielvorgaben stark auf Dekarbonisierung und Energieeffizienz ausgerichtet, zugleich stelle sich jedoch die Frage, ob sie den enormen zuk\u00fcnftigen Energiebedarf durch KI, Rechenzentren, Elektrifizierung und industrielle Produktion realistisch abbildeten.<\/p>\n<p>Ein wiederkehrender Kritikpunkt war die Gefahr, dass Europa seine eigene industrielle Basis zunehmend schw\u00e4che. Mitglieder verwiesen auf die wachsenden Energiepreisnachteile gegen\u00fcber den USA und China und warnten davor, dass Unternehmen bereits Produktionskapazit\u00e4ten au\u00dferhalb Europas verlagerten. <strong>BASF<\/strong>, <strong>Covestro<\/strong>, <strong>Bayer<\/strong> und andere Industrieunternehmen wurden mehrfach als Beispiele genannt. Einige Teilnehmer formulierten zugespitzt, Europa reguliere sich &#8222;langsam aus der Wettbewerbsf\u00e4higkeit heraus&#8220;.<\/p>\n<p>Gleichzeitig wurde betont, dass die Debatte nicht auf einen einfachen Gegensatz zwischen Klimaschutz und Wettbewerbsf\u00e4higkeit reduziert werden d\u00fcrfe. Das Beispiel der BASF -Anlagen in China, die weitgehend mit erneuerbarem Strom betrieben werden, wurde angef\u00fchrt, um zu zeigen, dass industrielle Wettbewerbsf\u00e4higkeit und saubere Energie durchaus vereinbar sein k\u00f6nnen &#8211; sofern die infrastrukturellen und regulatorischen Rahmenbedingungen stimmen. Die eigentliche Frage sei daher, ob Europa die Voraussetzungen schaffe, um solche Modelle selbst erfolgreich zu skalieren.<\/p>\n<p>Besonders kontrovers verlief die Diskussion \u00fcber Kernenergie. Mehrere Teilnehmer verwiesen auf Widerspr\u00fcche in der deutschen Debatte: W\u00e4hrend Deutschland aus der Kernenergie ausgestiegen sei, bauten Nachbarl\u00e4nder weiterhin neue Reaktoren und exportierten Strom nach Deutschland. Manche Teilnehmer argumentierten, Deutschland nutze faktisch weiterhin Kernenergie \u2013 nur indirekt und verbunden mit strategischer Inkonsistenz.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Zudem wurde Frustration \u00fcber Europas Schwierigkeiten ge\u00e4u\u00dfert, Innovationen im eigenen Markt zu skalieren. Teilnehmer verwiesen auf Technologien, die zwar in Europa entwickelt, sp\u00e4ter jedoch vor allem in China oder den USA kommerzialisiert wurden. Es wurde die Frage aufgeworfen, warum Europa bei Fusion, KI und Quantentechnologien h\u00e4ufig z\u00f6gere, w\u00e4hrend andere Staaten deutlich entschlossener agierten.<\/p>\n<p>Mehrere Mitglieder warnten au\u00dferdem davor, die Dringlichkeit der aktuellen Lage zu untersch\u00e4tzen. Sorgen \u00fcber industrielle Schrumpfung, Arbeitsplatzverluste, Versorgungsrisiken und die Gefahr einer weiteren Energiekrise wurden deutlich artikuliert. Einige Teilnehmer kritisierten, Europa reagiere weiterhin zu langsam, w\u00e4hrend geopolitische Wettbewerber mit deutlich gr\u00f6\u00dferer strategischer Klarheit vorgingen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim vergangenen virtuellen Mitgliederbriefing von United Europe am 19.Mai setzte G\u00fcnther H. 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