{"id":2192,"date":"2014-08-25T23:01:30","date_gmt":"2014-08-25T23:01:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.united-europe.eu\/unkategorisiert\/eus-credibility-at-stake-over-south-stream-pipeline-2\/"},"modified":"2014-09-25T23:35:58","modified_gmt":"2014-09-25T23:35:58","slug":"bei-der-south-stream-pipeline-steht-die-glaubwurdigkeit-der-eu-auf-dem-spiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/2014\/08\/bei-der-south-stream-pipeline-steht-die-glaubwurdigkeit-der-eu-auf-dem-spiel\/","title":{"rendered":"Bei der South-Stream-Pipeline steht die Glaubw\u00fcrdigkeit der EU auf dem Spiel"},"content":{"rendered":"<p><em>Russland benutzt sein umstrittenes South-Stream-Pipeline-Projekt, um unter den L\u00e4ndern der EU die Meinungsverschiedenheiten \u00fcber h\u00e4rtere Sanktionen wegen der Ukraine-Krise zu vertiefen. Einige L\u00e4nder haben eher ihren Handel mit Russland im Blick als den breiteren geopolitischen Kontext. Dies steht im Widerspruch zur Energiesicherheitspolitik der EU.<\/em><\/p>\n<h3 id=\"zusammenfassung\">Zusammenfassung:<\/h3>\n<p>Russlands h\u00f6chst umstrittene South-Stream-Pipeline verh\u00e4rtet den geopolitischen Konflikt zwischen der Europ\u00e4ischen Union und Russland. Die Krise in der Ukraine und das Pipeline-Projekt haben die Meinungen innerhalb der EU polarisiert, einige L\u00e4nder widersetzen sich damit den erkl\u00e4rten Zielen der Energiepolitik der EU. Diese zielt darauf ab, die europ\u00e4ischen Gasimporte zu diversifizieren, um die Abh\u00e4ngigkeit vom russischen Gas zu reduzieren, die Energiesicherheit der Ukraine zu st\u00e4rken sowie die allgemeine wirtschaftliche Wettbewerbsf\u00e4higkeit der EU zu vergr\u00f6\u00dfern. Widerspr\u00fcche traten zutage \u2013 \u00fcber die erkl\u00e4rten Ziele der Energiepolitik, \u00fcber die Verh\u00e4ngung h\u00e4rterer Sanktionen gegen Russland und \u00fcber die Verfolgung nationaler oder unternehmerischer Interessen auf Kosten der langfristigen Energieversorgungssicherheit der EU und der Ukraine.<\/p>\n<h3 id=\"report\">Report:<\/h3>\n<p>Russlands South-Stream-Gaspipeline-Projekt ist die umstrittenste Herausforderung der Europ\u00e4ischen Union angesichts des russisch-ukrainischen Konflikts. Es wirkt sich auf die bilateralen Beziehungen mit Russland und auf die Beziehungen der 28 EU-Mitgliedstaaten untereinander aus. In Bulgarien und Russland wurde bereits mit dem Bau der Pipeline begonnen. Der Konflikt um das Projekt unterstreicht die internen strukturellen Schw\u00e4chen und konkurrierenden nationalen Interessen zwischen den 28 Mitgliedstaaten der EU und ihren oftmals kurzfristig definierten strategischen Interessen. Er zeigt auch die Unf\u00e4higkeit der EU, gegen\u00fcber Moskau mit einer Stimme zu sprechen sowie das Unverm\u00f6gen, eine koh\u00e4rente strategische Antwort auf Russlands geopolitisch ausgerichtete Energie- und Au\u00dfenpolitik zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2195\" aria-describedby=\"caption-attachment-2195\" style=\"width: 626px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Map-South-Stream-report.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2195 \" src=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Map-South-Stream-report-477x300.jpg\" alt=\"Map South Stream report\" width=\"626\" height=\"394\" srcset=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Map-South-Stream-report-477x300.jpg 477w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Map-South-Stream-report-800x503.jpg 800w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Map-South-Stream-report-320x201.jpg 320w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Map-South-Stream-report-560x352.jpg 560w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Map-South-Stream-report-159x100.jpg 159w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Map-South-Stream-report-640x403.jpg 640w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Map-South-Stream-report-318x200.jpg 318w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Map-South-Stream-report-633x398.jpg 633w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Map-South-Stream-report-300x188.jpg 300w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Map-South-Stream-report-180x113.jpg 180w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Map-South-Stream-report.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 626px) 100vw, 626px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2195\" class=\"wp-caption-text\">Die Karte zeigt, wie sich die Energie-Nachfrage bis 2035 weltweit ver\u00e4ndern wird<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die South Stream erhielt nie den Priorit\u00e4ts-Status eines Transeurop\u00e4ischen Energie-Netzwerks (TEN-E) daf\u00fcr, ein \u201eProjekt des gemeinsamen europ\u00e4ischen Interesses\u201c (PCI) zu sein \u2013 eine Auflistung von 248 Projekten, die im Jahr 2013 ver\u00f6ffentlicht wurde. Durch eine im Jahr 2010 beschlossene Gasrichtlinie, die nach den beiden russisch-ukrainischen Gaskrisen 2006 und 2009 erarbeitet wurde, erhielt die Europ\u00e4ische Kommission mehr Macht und Einfluss, insbesondere im europ\u00e4ischen Gassektor. Eine Regulierung f\u00fcr einen wettbewerbsf\u00e4higen Gasmarkt ist die einzige Waffe, die die Widerstandsf\u00e4higkeit der EU-Energieversorgungssicherheit st\u00e4rken kann und die dabei die breiteren wirtschaftlichen und \u00f6ffentlichen Interessen ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<h3 id=\"die-ukraine-schien-in-die-aussenpolitische-umlaufbahn-russlands-zurueckzukehren\">Die Ukraine schien in die au\u00dfenpolitische Umlaufbahn Russlands zur\u00fcckzukehren<\/h3>\n<p>Doch die EU-Mitgliedsl\u00e4nder unterst\u00fctzen ihre nationalen Energieriesen eher unkritisch und sie \u00fcberpr\u00fcfen ihre Energieprojekte mit Russland zumeist nicht unter den Gesichtspunkten der breiteren strategischen Folgen f\u00fcr die gesamte nationale wirtschaftliche Wettbewerbsf\u00e4higkeit und des \u00f6ffentlichen Interesses. Die Europ\u00e4ische Kommission scheint oft die einzige Institution zu sein, die die Ansicht vertritt, dass gr\u00f6\u00dfere wirtschaftliche und \u00f6ffentliche Interessen wichtiger und wertvoller sind als einzelne Unternehmensinteressen oder -Projekte.<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Kommission nutzte ihre Autorit\u00e4t, um das South-Stream-Projekt auf Eis zu legen, doch sie kann nicht direkt verbieten oder physisch verhindern, dass die Pipeline gebaut wird. Sie kann nur die Nutzung und die Kapazit\u00e4ten der Pipeline regulieren. F\u00fcr Russland war die South Stream nie nur ein reines Wirtschafts-Projekt. Sie ist vor allem ein geopolitisches Projekt, wie russische Experten bereits \u00f6ffentlich zugegeben haben. Russlands Vereinbarung \u00fcber einen neuen Gasvertrag mit der Ukraine, die unter dem damaligen pro-russischen Pr\u00e4sidenten Viktor Janukowitsch im Dezember 2013 zustande kam, schien dem Westen zu signalisieren, dass Russland kein Interesse mehr an der South Stream habe. Die Ukraine schien in die energiepolitische und au\u00dfenpolitische Umlaufbahn Russlands zur\u00fcckzukehren, so dass eine extrem teure Pipeline unter Umgehung der Ukraine, die zuvor ein unzuverl\u00e4ssiger Gas-Transitstaat war, nicht mehr ben\u00f6tigt werden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Doch russische Energieexperten, Diplomaten und sein Energieriese Gazprom bestanden auf dem Bau der South-Stream-Pipeline als Reaktion auf Russlands geopolitische Interessen in Europa. Das Pipeline-Projekt ist jetzt eine weitere Waffe, um in der EU zu \u201eTeilen und zu herrschen\u201c. Sie wird in der russisch-ukrainischen Krise benutzt, um die Energie-Diversifizierungs-Bem\u00fchungen der EU und ihre gemeinsame Energieau\u00dfenpolitik zu untergraben. Und sie wird zuk\u00fcnftig den Druck auf die Ukraine erh\u00f6hen. Das South-Stream-Projekt ist nicht konform mit der Energieregulierung der EU und seinem \u201eDritten Energiepaket\u201c (TEP).<\/p>\n<h3 id=\"putin-warnte-vor-einer-politisierung-der-pipeline\">Putin warnte vor einer Politisierung der Pipeline<\/h3>\n<p>Die Pipeline widerspricht auch den im M\u00e4rz neu deklarierten Zielen der EU-Energiepolitik:<\/p>\n<ul>\n<li>Diversifizierung der Gasimporte: Der Europ\u00e4ische Rat vereinbarte im M\u00e4rz 2014, die Gasimport-Diversifikations-M\u00f6glichkeiten zu st\u00e4rken, um die Energieabh\u00e4ngigkeit der EU von Russland nach der russischen Annexion der Krim zu reduzieren.<\/li>\n<li>St\u00e4rkung der Energiesicherheit der Ukraine: Die EU stimmte zu, die Ukraine bei deren eigener Diversifikationsstrategie zur Verringerung ihrer Gasabh\u00e4ngigkeit von Russland und bei der St\u00e4rkung ihrer heimischen Energiereformen zu unterst\u00fctzen.<\/li>\n<li>Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Wettbewerbsf\u00e4higkeit: Die EU verfolgt Ma\u00dfnahmen, die die Gaspreise verringern oder zumindest gleich halten sollen, um die wirtschaftlich-industrielle Wettbewerbsf\u00e4higkeit gegen\u00fcber den USA zu st\u00e4rken. Die europ\u00e4ischen Gaspreise sind zwei oder drei Mal h\u00f6her als in Amerika. Dieses seit 2013 bestehende Ziel ist nicht nur eine Reaktion auf die US-Schiefergasrevolution, sondern es spiegelt auch die Abh\u00e4ngigkeit Europas von teuren langfristigen Gasliefervertr\u00e4gen mit Russlands Monopol-Gasexporteur Gazprom wider. Diese Vertr\u00e4ge basieren auf \u00f6lindizierten Gaspreisen sowie auf den veralteten und problematischen Pay-or-take- und Ziel-Klauseln Gazproms.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Europ\u00e4ische Kommission intervenierte gegen die unterzeichneten Regierungsabkommen (IGAs) mit Gazprom und sie erhielt von den EU-Staaten ein Mandat, um direkt mit Russland \u00fcber eine L\u00f6sung zu verhandeln. Eine neu gegr\u00fcndete gemeinsame Arbeitsgruppe der Europ\u00e4ischen Kommission und der russischen Regierung erzielte im Januar 2014 keine Fortschritte aufgrund konkurrierender strategischer und geopolitischer Interessen. Das South-Stream-Konsortium hat bisher offiziell keine Ausnahmen vom dritten EU-Energiepaket (TEP) beantragt. Es ist noch unklar, wie das South-Stream-Konsortium die durch das TEP auferlegten Kapazit\u00e4tsbeschr\u00e4nkungen vermeiden will. Die South Stream k\u00f6nnte auf die Nutzung nur der H\u00e4lfte ihrer Pipeline-Kapazit\u00e4ten begrenzt werden, falls sie nicht den Status eines Projekts des gemeinsamen europ\u00e4ischen Interesses (PCI) und eine Befreiung von den TEP-Auflagen erhalten sollte.<\/p>\n<p>Gazprom und Bulgarien haben argumentiert, dass der Unterwasser-Abschnitt durch das Schwarze Meer, der f\u00fcr November 2014 geplant war, nicht durch das dritte Energiepaket abgedeckt wird, wie es bei anderen Offshore-Pipelines wie der \u201eGreen Stream\u201c, der \u201eMaghreb-Europa-Pipeline\u201c, der \u201eTransmed-Pipeline\u201c oder der geplanten Galsi-Pipeline von Algerien nach Italien der Fall ist. Die Europ\u00e4ische Kommission setzte die Treffen der bilateralen Arbeitsgruppe am 10. M\u00e4rz 2014 aus, legte die South-Stream-Pipeline auf Eis und zwang Bulgarien Anfang Juni, s\u00e4mtliche South-Stream-Aktivit\u00e4ten zu unterbrechen. Die russische Regierung bestreitet, dass die South Stream nicht mit den EU-Gesetzen und -Vorschriften im Einklang stehe. Der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin hat die europ\u00e4ischen Unternehmen davor gewarnt, dass Pipeline-Projekt \u201ezu politisieren\u201c, da dies ein \u201egesamteurop\u00e4isches Projekt\u201c sei, von dem Russland und die EU profitierten.<\/p>\n<h3 id=\"gruendung-eines-neuen-gastransit-netzbetreibers\">Gr\u00fcndung eines neuen Gastransit-Netzbetreibers<\/h3>\n<p>Russland forderte die Welthandelsorganisation (WTO) am 30. April 2014 auf, sich einzumischen, und es behauptete, das \u201eDritte Energiepaket\u201c sei unvereinbar mit den WTO-Handelsregeln. F\u00fcr den Kreml und Gazprom w\u00fcrde die South-Stream-Pipeline es erm\u00f6glichen, dass die russischen Gaslieferungen die Ukraine umgehen k\u00f6nnen und dass Russlands geopolitische Position als Europas dominierender Gasversorger, insbesondere in Mittel- und S\u00fcdosteuropa, konsolidiert und ausgebaut w\u00fcrde. Sie w\u00fcrde unterm Strich alternative Projekte in der Region in einem bereits stagnierenden, wenn nicht schrumpfenden, europ\u00e4ischen Gasmarkt blockieren.<\/p>\n<p>Neue Gasliefervertr\u00e4ge mit europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, in die das South-Stream-Projekt involviert w\u00e4re, die auf einem \u00d6l-indexierten Preissystem basieren, w\u00fcrden alternative nicht-russische Gasversorgungsm\u00f6glichkeiten auf dem eingeschr\u00e4nkten europ\u00e4ischen Gasmarkt wirtschaftlich unrealistisch werden lassen. Das Projekt wird auch Russlands Einfluss auf die europ\u00e4ische Energiepolitik erh\u00f6hen und eine Au\u00dfenpolitik verst\u00e4rken, die dem zuwiderl\u00e4uft, was die EU gerade auf dem Papier vereinbart hat. Russland sieht die South-Stream-Pipeline zudem als eine M\u00f6glichkeit an, um Kontrolle \u00fcber das ukrainische Gastransitnetz zu erlangen. Seit den 1990-er Jahren versucht es, das ukrainische Gasnetz aufzukaufen und zu kontrollieren.<\/p>\n<p>Russland zwang die Ukraine, die h\u00f6chsten Gaspreise in Europa zu bezahlen, und bot dann niedrigere Gaspreise im Austausch daf\u00fcr an, dass die Ukraine ihre nationale Gasinfrastruktur an Russland verkauft. Auf die gleiche Art und Weise erwarb es das wei\u00dfrussische Leitungsnetz. Anfang Juni 2014 pr\u00e4sentierte die neue Regierung der Ukraine dem Parlament einen Gesetzentwurf, der der Regierung die Gr\u00fcndung eines neuen Gastransit-Netzbetreibers erlauben w\u00fcrde. 49 Prozent der Unternehmensanteile d\u00fcrften nur an Investoren aus der EU, den USA und der Europ\u00e4ischen Energiegemeinschaft angeboten werden. Der Gesetzentwurf schlie\u00dft Gazprom oder andere russische Investoren vom Kauf einer Beteiligung an dem Gastransit-Netzbetreiber aus. Der neue Betreiber wird ein Mitglied des \u201eEurop\u00e4ischen Netzes der \u00dcbertragungsnetzbetreiber von Gas\u201c (ENTSO-Gas) sein.<\/p>\n<p>Nach Ansicht Russlands g\u00e4be es, wenn die South Stream im Jahr 2018 fertig gestellt ist und sie vom EU-TEP und dessen Regelung des Zugangs Dritter ausgenommen sein wird, keine Notwendigkeit mehr, dass die russischen Gaslieferungen die Ukraine durchqueren \u2013 und damit h\u00e4tte das ukrainische Gasleitungsnetz auch keine strategische Bedeutung mehr f\u00fcr die EU. Durch eine Umgehung der Ukraine w\u00fcrde deutlich weniger russisches Gas durch die Ukraine flie\u00dfen und Moskau w\u00e4re in der Lage, seinen politischen Druck auf zuk\u00fcnftige ukrainische Regierungen zu maximieren, solange Kiew von russischen Gaslieferungen abh\u00e4ngig bleibt. Dies wird Kiew in zuk\u00fcnftigen Gasverhandlungen mit Russland deutlich schw\u00e4chen.<\/p>\n<h3 id=\"bestehende-spaltungen-innerhalb-der-eu-vertieft\">Bestehende Spaltungen innerhalb der EU vertieft<\/h3>\n<p>Die europ\u00e4ischen Land-Abschnitte der South Stream werden mehr als 16 Milliarden Euro und der Unterwasser-Abschnitt nochmals 16 Milliarden Euro kosten. Die gesamten realen Kosten, einschlie\u00dflich der Investitionen in neue Pipelines, Gaskompressoren und andere Gasinfrastruktur-Elemente f\u00fcr Russlands S\u00fcd-Korridor, sind auf 65 Milliarden Euro gesch\u00e4tzt worden. Russlands eigenes Gastransportsystem wird in seinem s\u00fcdlichen Korridor durch den Bau einer zus\u00e4tzlichen 2.446 km (1.520 Meilen) langen Pipeline und 10 Verdichterstationen mit einer Kapazit\u00e4t von 1.473 MW erh\u00f6ht werden. Dies soll in zwei Phasen noch vor Dezember 2019 umgesetzt werden.<\/p>\n<p>Gazprom und die russische Regierung m\u00fcssen die gesamten Infrastrukturinvestitionen der South Stream in die neu unterzeichneten Gasvertr\u00e4ge mit ihren europ\u00e4ischen Kunden zu einem Zeitpunkt einpreisen, an dem sich Russland bereits einer prek\u00e4ren wirtschaftlich-finanziellen Situation gegen\u00fcbersieht. Russland hat bis zu 100 Milliarden US-Dollar f\u00fcr subventionierte Investitionen in die \u00d6l- und Gasproduktion in der entlegenen Jamal-Region im Nordwesten Sibiriens aufgebracht und weitere 50 Milliarden US-Dollar f\u00fcr die Subventionierung der Olympischen Spiele in Sotschi ausgegeben. Russlands Gaslieferungen nach Europa werden die teuerste Option sein im Vergleich zu den rum\u00e4nischen und bulgarischen Offshore-Gasprojekten, den Offshore-Ressourcen Kroatiens in der Adria und den israelischen und zyprischen Optionen im \u00f6stlichen Mittelmeerraum \u2013 obwohl Russland einige vor\u00fcbergehend niedrigere Gaspreise anbietet.<\/p>\n<p>Diese Versorgungsm\u00f6glichkeiten liegen viel n\u00e4her und reduzieren die Transportkosten wesentlich im Vergleich zu Russlands Anbindungen an die weiter entfernten Gasfelder mit ihren h\u00f6heren Produktionskosten. Selbst Russlands Energieministerium warnte Gazprom im Jahr 2013, dass seine Gasexporte nach Europa ab 2016-2018 nicht mehr mit den LNG-Exporten der USA und anderer L\u00e4nder nach Europa ausreichend wettbewerbsf\u00e4hig sein werden. Die Unterzeichnung neuer Gasliefervertr\u00e4ge mit Russland \u2013 insbesondere solcher, die mit dem South-Stream-Projekt verkn\u00fcpft sind \u2013, st\u00fcnde im Widerspruch zu der erkl\u00e4rten EU-Politik, die Gaspreise zu senken oder zumindest einzufrieren, um so die gesamte Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Industrie der EU zu st\u00e4rken \u2013 insbesondere f\u00fcr energieintensive Industrien mit umfangreichen und teuren Gaslieferungen.<\/p>\n<p>Die Krise in der Ukraine und der Konflikt der EU mit Moskau um die South-Stream-Pipeline haben bestehende Spaltungen innerhalb der EU vertieft und die Russland-Politik der EU sowie die Energiebeziehungen gesch\u00e4digt. Die Europ\u00e4ische Kommission hat die Bereitschaft demonstriert, ihre eigenen Vorschriften durchzusetzen und Russlands geplante Gaspipeline durch Bulgarien und die Balkanstaaten nach Westeuropa zu stoppen. Ob sie in der Lage ist, dies gegen eine starke russische Opposition und die europ\u00e4ischen Gesch\u00e4ftsinteressen mit Russland durchzusetzen, bleibt unklar und h\u00e4ngt letztlich von der Unterst\u00fctzung aller 28 Regierungen ab. Diese Unterst\u00fctzung hat w\u00e4hrend des eskalierenden Ukraine-Konflikts gefehlt.<\/p>\n<h3 id=\"russland-droht-bulgarien-mit-dem-plan-b\">Russland droht Bulgarien mit dem \u201ePlan B\u201c<\/h3>\n<p>Die South-Stream-Pipeline hebt verschiedene Widerspr\u00fcche hervor. Diese treten zwischen den erkl\u00e4rten Zielen der Energiepolitik, der Verh\u00e4ngung von Sanktionen und einer Politik der Verfolgung nationaler oder Unternehmensinteressen auf Kosten der Sicherheit der Energieversorgung der EU und der Ukraine zutage. Niedrigere Gaspreise w\u00fcrde auch die gesamtwirtschaftliche Wettbewerbsf\u00e4higkeit st\u00e4rken. Verschiedene europ\u00e4ische Gasunternehmen haben neue, teure, langfristige Gas- und \u00d6lvertr\u00e4ge mit Gazprom unterzeichnet. Sie k\u00f6nnten ihre Gasabh\u00e4ngigkeit von Russland steigern und sich selbst zu einer Geisel der teuersten Gas-Option machen.<\/p>\n<p>Russland hat immer argumentiert, dass die Ukraine ein unzuverl\u00e4ssiger Gas-Partner w\u00e4re und aus diesem Grund eine weitere gro\u00dfe Umgehungsleitung erforderlich sei. Doch Russland hat nun die Krim annektiert und die Ukraine destabilisiert. Es wird mit der aktuellen politischen Instabilit\u00e4t der Ukraine als Begr\u00fcndung die South-Stream-Pipeline als Umgehung bauen, nachdem es das Problem selbst geschaffen hat. Russische Energieexperten und Diplomaten sagen: Falls es der EU gelingt, ihren Gasverbrauch wie geplant zu reduzieren, und Russland die South Stream baut, w\u00fcrde das ukrainische Gastransitnetz bedeutungslos werden. Dies w\u00fcrde es Russland erlauben, mehr Druck auf die Ukraine auszu\u00fcben und deren politische Schlagkraft in den Beziehungen zu Moskau zu mindern.<\/p>\n<p>Die South Stream ist nicht nur ein Unternehmensprojekt oder ein Energiesicherheitsproblem. Sie ist der Kern der andauernden \u201eukrainischen Frage\u201c und des geopolitischen Konflikts zwischen Moskau, der EU und Kiew. Der ukrainische Erdgas-Transitstatus wird ihre zuk\u00fcnftige Entwicklung mit der EU und Russland beeinflussen. Wenn sich die EU aufgrund des South-Stream-Projekts kompromittiert, wird dies den k\u00fcnftigen demokratischen Weg der Ukraine und die Reform ihres Energiesektors untergraben. Dies w\u00fcrde unterm Strich Russlands Druck auf die Ukraine unterst\u00fctzen. Der South-Stream-Konflikt zwischen der EU und Russland ist letztlich ein geopolitischer Konflikt der konkurrierenden regionalen Ordnungen. Experten sagen, die EU muss deutlich machen, dass Russland eine strategische Wahl treffen muss: Entweder es lehnt weiterhin freie und liberalisierte Energiem\u00e4rkte in der EU ab oder es steht vor einer Zukunft, in der die Rolle von Gas im europ\u00e4ischen Energiemix begrenzt ist, um das Risiko zu reduzieren.<\/p>\n<p>Russland m\u00fcsste auch sein eigenes Export- und Investitionsregime liberalisieren, inklusive einer \u00d6ffnung des Zugangs zu seinen Pipelines f\u00fcr ausl\u00e4ndische Investoren, und es m\u00fcsste akzeptieren, dass Europa seinen Energie-Mix sowie seine Gasimporte diversifiziert. Bulgariens neue \u00dcbergangsregierung, die seit dem 6. August im Amt ist, setzte alle Auftr\u00e4ge und Vertr\u00e4ge f\u00fcr den Bau der South-Stream-Pipeline im Land aus. Russland reagierte mit der Drohung, Bulgarien durch einen \u201ePlan B\u201c zu ersetzen und eine alternative Pipeline-Route durch die T\u00fcrkei und Griechenland nach Italien zu verfolgen. Russlands alternativer \u201ePlan B\u201c ist nicht glaubw\u00fcrdig, da er Russlands weiteren wirtschaftlichen und geopolitischen Interessen in S\u00fcdosteuropa und in der EU widerspricht \u2013 und er w\u00fcrde die regulatorischen Konflikte mit der Europ\u00e4ischen Kommission nicht l\u00f6sen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2189\" aria-describedby=\"caption-attachment-2189\" style=\"width: 89px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Dr.-Frank-Umbach.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2189 \" src=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Dr.-Frank-Umbach-206x300.jpg\" alt=\"Dr. Frank Umbach\" width=\"89\" height=\"129\" srcset=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Dr.-Frank-Umbach-206x300.jpg 206w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Dr.-Frank-Umbach-69x100.jpg 69w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Dr.-Frank-Umbach.jpg 275w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Dr.-Frank-Umbach-138x200.jpg 138w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Dr.-Frank-Umbach-83x120.jpg 83w\" sizes=\"auto, (max-width: 89px) 100vw, 89px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2189\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Frank Umbach<\/figcaption><\/figure>\n<p>Dieser Bericht wurde von\u00a0\u00a0<a href=\"http:\/\/www.geopolitical-info.com\/de\/expert\/dr-frank-umbach\" target=\"_blank\">Dr. Frank Umbach<\/a> verfa\u00dft und wird unseren Mitgliedern mit freundlicher Genehmigung von \u00a9\u00a0 Geopolitical Information Service AG, Vaduz zur Verf\u00fcgung gestellt: <a href=\"http:\/\/www.geopolitical-info.com\/en\/\" target=\"_blank\">www.geopolitical-info.com<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weitere Reports:<\/p>\n<p>\u2022 <a href=\"http:\/\/www.geopolitical-info.com\/de\/article\/1408961554033436800\" target=\"_blank\">Russlands South-Stream-Pipeline vergr\u00f6\u00dfert die Spaltung innerhalb der EU<\/a><br \/>\n\u2022 <a href=\"http:\/\/www.geopolitical-info.com\/de\/article\/1403500231961653000\" target=\"_blank\">Russlands Krim-Abenteuer k\u00f6nnte ihm umfangreiche Energie-Reserven und einen Macht-Zuwachs bescheren<\/a><br \/>\n\u2022 <a href=\"http:\/\/www.geopolitical-info.com\/de\/article\/1402898395743909700\" target=\"_blank\">Ein Stopp der Gasversorgung? Die EU muss sich vor den Drohungen Russlands nicht f\u00fcrchten<\/a><br \/>\n\u2022 <a href=\"http:\/\/www.geopolitical-info.com\/de\/article\/1400042399098804700\" target=\"_blank\">Japans LNG-Dilemma und seine Herausforderungen bei der Energieversorgung<\/a><br \/>\n\u2022 <a href=\"http:\/\/www.geopolitical-info.com\/de\/article\/1399008437086631900\" target=\"_blank\">Auf den globalen LNG-M\u00e4rkten sieht sich Europa mit Ver\u00e4nderungen und Wettbewerb konfrontiert<\/a><\/p>\n<p>\u00a9\u00a0Geopolitical Information Service AG, Vaduz<a href=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/GIS-logo-claim-final.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-2159\" src=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/GIS-logo-claim-final.png\" alt=\"GIS-logo-claim-final\" width=\"160\" height=\"58\" srcset=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/GIS-logo-claim-final.png 320w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/GIS-logo-claim-final-300x108.png 300w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/GIS-logo-claim-final-180x65.png 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 160px) 100vw, 160px\" \/><\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.geopolitical-info.com\/\" target=\"_blank\">www.geopolitical-info.com<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Russland benutzt sein umstrittenes South-Stream-Pipeline-Projekt, um unter den L\u00e4ndern der EU die Meinungsverschiedenheiten \u00fcber h\u00e4rtere Sanktionen wegen der Ukraine-Krise zu vertiefen. Einige L\u00e4nder haben eher ihren Handel mit Russland im&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":16,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[620],"tags":[235,232,236,233,234],"powerkit_post_featured":[],"class_list":{"0":"post-2192","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","6":"category-news-de","7":"tag-pipeline-de","8":"tag-russia-de","9":"tag-russland","10":"tag-south-stream-en-de","11":"tag-ukraine-de"},"acf":[],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2192","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/16"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2192"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2192\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2201,"href":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2192\/revisions\/2201"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2192"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2192"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2192"},{"taxonomy":"powerkit_post_featured","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/powerkit_post_featured?post=2192"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}