{"id":21680,"date":"2022-04-25T14:13:34","date_gmt":"2022-04-25T12:13:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.united-europe.eu\/?p=21680"},"modified":"2022-04-26T14:33:44","modified_gmt":"2022-04-26T12:33:44","slug":"warum-ist-europa-bezueglich-des-krieges-in-der-ukraine-so-gespalten-ist-billige-energie-einen-ukrainischen-voelkermord-wert-en-artikel-von-anna-romandash","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/2022\/04\/warum-ist-europa-bezueglich-des-krieges-in-der-ukraine-so-gespalten-ist-billige-energie-einen-ukrainischen-voelkermord-wert-en-artikel-von-anna-romandash\/","title":{"rendered":"Warum ist Europa bez\u00fcglich des Krieges in der Ukraine so gespalten? Ist billige Energie einen ukrainischen V\u00f6lkermord wert? Ein Artikel von Anna Romandash"},"content":{"rendered":"<p>Wir sagen &#8222;Nie wieder&#8220;, gedenken wir des Zweiten Weltkriegs.<br \/>\nWir versprechen uns selbst und den k\u00fcnftigen Generationen, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen.<br \/>\nWir wollen den europ\u00e4ischen Frieden wahren und unbedingt verhindern, dass der Krieg einen Konflikt ausl\u00f6st, der die ganze Welt verschlingen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Und doch haben wir versagt.<\/p>\n<p>Es herrscht Krieg in Europa, und er wird so schnell nicht aufh\u00f6ren. Am 24. Februar 2022 startete Russland die gro\u00df angelegte Invasion in der Ukraine. Innerhalb von zwei Monaten t\u00f6teten die Russen Zehntausende von Ukrainern, ver\u00fcbten Massaker, die der Definition eines V\u00f6lkermords entsprechen und zwangen mehr als 10 Millionen Ukrainer zur Flucht aus ihrer Heimat. Die H\u00e4lfte der ukrainischen Kinder wurde vertrieben.<\/p>\n<p>Aber der Krieg hat nicht am 24. Februar begonnen. Er begann im Jahr 2014, als Russland die Krim annektierte und den Donbas, den \u00f6stlichen Teil der Ukraine, besetzte.<\/p>\n<p>Der Krieg hat den Charakter eines V\u00f6lkermordes. Niemand wird hier als Gewinner rausgehen. Russland kann die Ukraine nicht ohne gro\u00dfe Verluste erobern. Die Ukraine kann Russland nicht besiegen, ohne enorme Opfer zu beklagen. Und der Rest Europas kann nicht so tun, als sei alles wie immer. Die Zahlen zeigen es. Nach dem 24. Februar hat die EU die Ukraine mit rund einer Milliarde Euro unterst\u00fctzt. Dieses Geld ist f\u00fcr humanit\u00e4re und milit\u00e4rische Hilfe bestimmt. Im gleichen Zeitraum hat Russland fast 40 Milliarden Euro von der EU erhalten. Das ist die Bezahlung f\u00fcr russisches \u00d6l, Gas und Kohle. Das ist europ\u00e4isches Geld, das den Krieg finanziert.<\/p>\n<p>Die EU befindet sich in einer schwierigen Lage, seit Russland die gro\u00df angelegte Invasion gestartet hat. Einerseits hat sie der Ukraine ihre volle Unterst\u00fctzung zugesagt. Sie hat Sanktionen angek\u00fcndigt und Russland auch verurteilt.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite kauft die EU weiterhin russische Energie und versorgt den Kreml mit Geld f\u00fcr den Krieg. F\u00fcr ein Energie-Embargo gibt es keine Mehrheit. Einige der gro\u00dfen russischen Banken sind nicht von den Sanktionen betroffen. Und es gibt eine st\u00e4ndige Debatte dar\u00fcber, ob der Ukraine schwere Waffen geliefert werden sollen oder nicht. Europa ist hier bereits gespalten.<\/p>\n<p>Zum einen gibt es europ\u00e4ische L\u00e4nder, die auf ein vollst\u00e4ndiges Energie-Embargo dr\u00e4ngen. Dabei handelt es sich vor allem um Osteurop\u00e4er, die die Ukraine unterst\u00fctzen und wegen der anhaltenden russischen Aggression Alarm schlagen.<\/p>\n<p>Dann haben wir eine Reihe von westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern, die unterschiedlich reagieren. Einige sind wegen der wirtschaftlichen Kosten nicht bereit, auf russische Energie zu verzichten. Einige w\u00fcrden es lieber fr\u00fcher als sp\u00e4ter tun, warten aber auf eine gesamteurop\u00e4ische Entscheidung. Und einige wollen Putin nicht noch mehr provozieren. Offenbar ist ein Massaker an ukrainischen Zivilisten kein ausreichendes Argument, um die Einstellung der Finanzierung des Kremls durchzusetzen.<\/p>\n<p>Die Position Deutschlands ist hier besonders interessant. Einerseits ist es ein Land, dessen F\u00fchrung die Ukraine rhetorisch unterst\u00fctzt hat und das sich als Verb\u00fcndeter der Ukraine versteht. Auf der anderen Seite spricht die deutsche Energiepolitik eine andere Sprache. Deutschland lehnt die Kernenergie ab, steigt schrittweise aus der Kohlenutzung aus und erh\u00f6ht seine Versorgung mit erneuerbaren Energien. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Energie \u2013 \u00fcber 70 % \u2013 stammt nach wie vor aus \u00d6l, Gas und Kohle. Russland ist die Hauptquelle f\u00fcr diese drei Energietr\u00e4ger.<\/p>\n<p>Nachdem Russland 2014 die Krim annektiert und Teile des Donbass besetzt hat, unterst\u00fctzte die deutsche Regierung trotzdem Nord Stream 2. Und das, obwohl es in diesen letzten acht Jahren \u2013 wie auch der Rest der EU \u2013 viel Zeit hatte, sich mit der Bedrohung durch die Abh\u00e4ngigkeit von russischer Energie auseinanderzusetzen. In dieser Zeit h\u00e4tten die europ\u00e4ischen Demokratien ihre Energiequellen diversifizieren k\u00f6nnen, ohne sich auf ein Land verlassen zu m\u00fcssen, das von einem r\u00fccksichtslosen Diktator regiert wird. Das ist nicht geschehen.<\/p>\n<p>Jetzt diskutieren die EU-L\u00e4nder \u00fcber ein Energie-Embargo gegen Russland. Ein Schritt, der schon l\u00e4ngst h\u00e4tte passieren k\u00f6nnen, h\u00e4tten die Europ\u00e4er auf die zahlreichen Warnungen der Ukraine und anderer osteurop\u00e4ischer L\u00e4nder geh\u00f6rt, die in der Vergangenheit direkt von der russischen Aggression betroffen waren.<\/p>\n<p>Die deutsche Regierung hat wiederholt die Lieferung schwerer Waffen abgelehnt, hat Nord Stream 2 unterst\u00fctzt und Russland jahrelang beschwichtigt. Sie hat auch das Energie-Embargo als eine der wichtigsten Sanktionen gegen Russland abgelehnt. W\u00fcrde die deutsche Regierung ein Energie-Embargo vorantreiben, w\u00fcrden die Debatte in Europa anders verlaufen.<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4er k\u00f6nnten bis Ende 2022 aufh\u00f6ren, russisches \u00d6l (nicht Gas!) zu kaufen. Aber wir m\u00fcssen uns dar\u00fcber im Klaren sein, dass das Geld, das Europa jetzt zahlt, und noch mindestens bis Dezember zahlen wird, dazu dient, Russlands Krieg zu unterst\u00fctzen. Und je schneller Deutschland und die anderen sich weigern, den V\u00f6lkermord an der ukrainischen Bev\u00f6lkerung zu finanzieren, desto besser w\u00e4re es f\u00fcr Europa als Ganzes.<\/p>\n<p>Es ist wichtig zu verstehen, dass Putin und seine Unterst\u00fctzer so lange k\u00e4mpfen werden, wie sie k\u00f6nnen. Und sie werden den Krieg weiterhin f\u00fchren k\u00f6nnen, wenn europ\u00e4isches Geld ihn finanziert.<\/p>\n<p>F\u00fcr die russische Energie gibt es Alternativen. Studien zeigen, dass es sechs bis neun Monate dauern k\u00f6nnte, russisches \u00d6l volst\u00e4ndig zu ersetzen. Gas mag schwieriger sein, aber es ist realistisch und machbar, LNG-Terminals aufzubauen. Dazu kommen die erneuerbaren Energien, deren Potenzial seit Jahren in Europa diskutiert wird, aber das noch nicht ausgesch\u00f6pft ist.<\/p>\n<p>Die Entscheidung, keine russische Energie mehr zu kaufen, ist eine politische Entscheidung. Wir sprechen hier \u00fcber Milliarden von Euro, die die deutschen Unternehmen wegen des Ausfalls von Nord Stream 2 nicht verdienen werden. Wir sprechen von der Notwendigkeit, sich anzupassen, m\u00f6glicherweise die Preise zu erh\u00f6hen und die W\u00e4hler mit hohen Preisen zu konfrontieren. Dazu kommt eine starke Wirtschaftslobby, die es nicht erwarten kann, zu einem normalen Handel mit Russland zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p>Und wir sprechen auch \u00fcber die kontinuierliche Finanzierung des russischen Krieges. Wir sprechen \u00fcber einen V\u00f6lkermord, der sich live abspielt, \u00fcber niedergebrannte St\u00e4dte, gefolterte Zivilisten und Tausende, wenn nicht Zehntausende Tote. Wir sprechen von einem geteilten Europa, in dem die Demokratien kein Problem damit haben, einen Diktator zu finanzieren.<\/p>\n<p>Europa hatte Jahre Zeit, sich von der russischen Energieabh\u00e4ngigkeit zu befreien. Es hat es nicht getan. Aber es kann \u2013 und muss jetzt handeln \u2013 wenn es zu den Werten steht, die es vertritt.<\/p>\n<p>Vor zwei Monaten ist Russland in die Ukraine einmarschiert. Wir haben gesehen, was die Russen in Butscha, Hostomel, Irpin, Borodyanka und anderen Orten angerichtet haben. Wir sehen die Bilder des zerst\u00f6rten Mariupol. Die Ukrainer k\u00e4mpfen weiter. Sie verteidigen ihr Land und somit auch Europa. Wir bitten nur darum, dass der Rest Europas das T\u00f6ten von Ukrainern nicht finanziert.<\/p>\n<p><em>Anna Romandash, Ukraine, Advocate bei United Europe<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sagen &#8222;Nie wieder&#8220;, gedenken wir des Zweiten Weltkriegs. Wir versprechen uns selbst und den k\u00fcnftigen Generationen, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. 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