{"id":19313,"date":"2020-11-10T13:07:48","date_gmt":"2020-11-10T12:07:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.united-europe.eu\/?p=19313"},"modified":"2020-11-18T12:55:58","modified_gmt":"2020-11-18T11:55:58","slug":"lecture-mit-prof-key-pousttchi-das-ende-einer-falsch-verstandenen-digitalisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/2020\/11\/lecture-mit-prof-key-pousttchi-das-ende-einer-falsch-verstandenen-digitalisierung\/","title":{"rendered":"Lecture mit Prof. Key Pousttchi: Das Ende einer falsch verstandenen Digitalisierung"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDie Digitalisierung ist ein wichtiger Teil unseres t\u00e4glichen Lebens und unserer industriellen Wettbewerbsf\u00e4higkeit.\u201c <strong>G\u00fcnther H. Oettinger<\/strong>, Pr\u00e4sident von United Europe, betonte in der Einleitung der Lecture von <strong>Prof. Dr. Pousttchi<\/strong>, dass der europ\u00e4ische digitale Binnenmarkt und die europ\u00e4ische Souver\u00e4nit\u00e4t entscheidend sind. \u201eDie Digitalisierung von Gesellschaften und Industrien muss eine europ\u00e4ische Dynamik entwickeln.\u201c<\/p>\n<p>Dr. Pousttchi vergleicht die Digitalisierung mit einem Dreieck, dessen drei Seiten f\u00fcr <strong>Technologie<\/strong>, die <strong>Wirtschaft<\/strong> und f\u00fcr menschliches Verhalten und <strong>Gesellschaft<\/strong> stehen. Er betonte hier, dass diese drei Seiten dabei nicht voneinander getrennt seien, vielmehr sind sie voneinander abh\u00e4ngig. Der entscheidende Unterschied zwischen der realen und einer falsch verstandenen Form der Digitalisierung liege darin, ihre Wechselwirkungen zu verstehen. Das erfordert ein profundes Wissen aus allen drei Bereichen. Andernfalls ist es nicht einmal m\u00f6glich, die richtigen Fragen zu stellen, geschweige denn, die richtigen Antworten zu erhalten. Gro\u00dfe Firmen wie Google, Apple, Amazon oder Facebook sind nicht daran interessiert, die Wahrheit \u00fcber die Auswirkungen ihres Handelns zu verbreiten.<\/p>\n<p>Forschungen zeigen, welchen Einfluss die Tech-Riesen auf die Old Economy haben und wie neueste <strong>Technologie, Big Data und k\u00fcnstliche Intelligenz<\/strong> es ihnen erm\u00f6glichen, die Kontrolle zu \u00fcbernehmen und zwischen der Old Economy und ihren Kunden zu interagieren. Dies erlaubt eine Monopolisierung der Schnittstelle zwischen dem End-Benutzer und Kunden und \u00fcbernimmt den kompletten Spielraum der Old Economy \u2013 das zuk\u00fcnftige Gesch\u00e4ftsmodell der Tech-Riesen. User, Unternehmen oder sogar Regierungen wollen von dieser Wahrheit nichts wissen. Es ist be\u00e4ngstigend, wozu Apple oder Google mit Mobiltelefonen in der Lage sind. Das Ergebnis: Milliarden von Euro werden aus Steuergeldern investiert, um die L\u00fccken in den Mobilfunknetzen zu schlie\u00dfen, anstatt die Verteilung von Frequenzen neu zu organisieren.<\/p>\n<p>In Unternehmen werden digitale Projekte so gesteuert und entwickelt, dass sie die Kernfunktionalit\u00e4t des Unternehmens nicht st\u00f6ren. Von au\u00dfen sieht es digital aus, aber im Inneren werden die traditionellen Arbeitsprozesse bewahrt: Die Fassade wird digitalisiert, es entstehen digitale Potemkinsche D\u00f6rfer. Bereits die Studie \u201eManagement in the 1990s\u201c des Massachusetts Institute of Technology ergab, dass f\u00fcr optimalen IT-Einsatz Technikkenntnisse notwendig sind, aber nicht hinreichend &#8211; sondern dass der entscheidende Schritt ist, die Gesch\u00e4ftsprozesse neu zu denken. Dies gilt f\u00fcr moderne digitale Technologien uneingeschr\u00e4nkt weiter.<\/p>\n<p>Was muss in Europa getan werden? Der Bildungsbereich muss reformiert werden: <strong>Junge Menschen sind nicht nur \u201eDigital Natives\u201c, sondern auch \u201eDigital Naives\u201c<\/strong>. Das Bildungssystem hat sie im Stich gelassen, da Informatik nach 30 Jahren immer noch kein Pflichtfach an den Schulen ist. Milliarden von Euro werden in die Schulen investiert, um Wi-Fi und Internetzugang aufzubauen und Endger\u00e4te anzuschaffen, anstelle den gesamten Weg des Lernens neu zu \u00fcberdenken und neu zu definieren. Bildung ist die erste Aufgabe, die unmittelbar angegangen werden muss.<\/p>\n<p>Kleine und mittlere Unternehmen m\u00fcssen in der Lage sein, die digitale Welt f\u00fcr sich zu erobern und die Bereiche Wertsch\u00f6pfung, Wertversprechung und Kundeninteraktion neu zu definieren. Unternehmen m\u00fcssen ihre Arbeitsprozesse mit der neuen Technologie neu \u00fcberdenken. Europa braucht innovative Produkte und neue Gesch\u00e4ftsmodelle. Vor allem: Europa kann nicht alle Probleme durch Regulierung l\u00f6sen. Europa braucht Innovationen, um wieder wettbewerbsf\u00e4hig zu werden.<\/p>\n<p>Betrachtet man den Erfolg der gro\u00dfen Unternehmen aus dem Silicon Valley, liegt der in ihrem technischen Know-how, nicht aber in ihrer Agilit\u00e4t auf der strategischen Ebene begr\u00fcndet. Ist der technische Aspekt erst einmal komplett verstanden worden, ist die Hauptaufgabe keine technische mehr: Es wird darum gehen, Gesch\u00e4ftsprozesse, Ertragsmodelle und Kundeninteraktion neu zu gestalten und am Ende eine neue Version des traditionellen Wirtschaftsmodells zu erarbeiten. Denn die Old Economy schafft Arbeitspl\u00e4tze, w\u00e4hrend die New Economy nur Aktienwerte schafft.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten<strong>: Um die Zukunft der europ\u00e4ischen Unternehmen zu sichern, muss Europa sie einerseits digital umgestalten<\/strong> und andererseits die Regeln zielgerichtet \u00e4ndern, damit die Unternehmen im Wettbewerb bestehen und zum Nutzen der Gesellschaft erfolgreich sein k\u00f6nnen. Und: Europa braucht F\u00fchrungskr\u00e4fte, die ausgebildet und bereit sind, diese Arbeit zu leisten.<\/p>\n<p><em>Professor <a href=\"https:\/\/pousttchi.de\/\">Key Pousttchi<\/a> ist Experte f\u00fcr Digitalisierung und digitale Transformation, Autor von elf B\u00fcchern und professioneller Redner. Von 2015 bis 2020 hatte er den SAP-Stiftungslehrstuhl f\u00fcr Wirtschaftsinformatik und Digitalisierung an der Universit\u00e4t Potsdam inne. W\u00e4hrend der Corona-Krise schrieb er zwei neue B\u00fccher, die im Herbst 2020 erscheinen werden: \u201eDigitalisierung f\u00fcr Manager \u2013 Den digitalen Wandel systematisch verstehen, um das Unternehmen voranzubringen\u201c und \u201eDie verblendete Gesellschaft \u2013 Warum uns keiner die Wahrheit \u00fcber die Digitalisierung sagt\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Bitte h\u00f6ren Sie den Podcast (in Englisch) <a href=\"https:\/\/drive.google.com\/file\/d\/1MjHYxjmYYQkWVz8UYqKLQihgqUNE2IVD\/view\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDie Digitalisierung ist ein wichtiger Teil unseres t\u00e4glichen Lebens und unserer industriellen Wettbewerbsf\u00e4higkeit.\u201c G\u00fcnther H. 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