{"id":18424,"date":"2020-06-25T11:32:22","date_gmt":"2020-06-25T09:32:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.united-europe.eu\/?p=18424"},"modified":"2020-06-25T11:51:29","modified_gmt":"2020-06-25T09:51:29","slug":"coronavirus-vs-newsroom-koennen-wir-diesen-kampf-gewinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/2020\/06\/coronavirus-vs-newsroom-koennen-wir-diesen-kampf-gewinnen\/","title":{"rendered":"Coronavirus vs. Newsroom: K\u00f6nnen wir diesen Kampf gewinnen?"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Von Anna Romandash<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Nach einem Monat Quarant\u00e4ne f\u00fchren die ukrainischen Medien einen harten Kampf. Die freie Presse wurde vom Virus ausgesprochen hart getroffen und muss sehen, wie sie jetzt \u00fcber die Runden kommt. Sogar finanziell stabile Plattformen haben Schwierigkeiten, sich mit besseren Inhalten und gr\u00f6\u00dferer Publikumsbeteiligung der neuen Realit\u00e4t anzupassen. Was steht also f\u00fcr die Nachrichtenredaktionen in der Ukraine auf dem Spiel, und gibt es einen digitalen Impfstoff f\u00fcr sie?<\/p>\n<p><strong>Der Medienmarkt: David vs. Goliath<br \/>\n<\/strong>In der Ukraine, einem Land mit rund 40 Millionen Einwohnern, ist Fernsehen alles, na ja, fast alles. Fast drei Viertel aller Ukrainer beziehen ihre Nachrichten aus den Fernsehmedien, und etwa 40 % vertrauen darauf. Etwa einem Drittel der Bev\u00f6lkerung des Landes dienen digitale Medien als Informationsquelle. Die Verbreitung des Internets nimmt zu, wobei etwa zwei Drittel der Ukrainer Zugang zum Web haben. Online-Plattformen sind dem Fernsehen allerdings noch nicht gewachsen und erleben durch die sozialen Medien eine starke Konkurrenz.<\/p>\n<p>Auch die Zahl der Fernsehzuschauer in der Ukraine w\u00e4chst, und die f\u00fcnf wichtigsten TV-Kan\u00e4le geh\u00f6ren verschiedenen Oligarchen, die sich in die Berichterstattung einmischen. Eine unsichere Situation f\u00fcr die Nachrichtenkonsumenten, da sie einerseits aus einer Vielzahl von Quellen w\u00e4hlen k\u00f6nnen, andererseits aber der Inhalt oft stark manipuliert wird. Gegenw\u00e4rtig herrscht in der Ukraine ein relativ freies Medienumfeld, aber viele Journalisten \u2013 insbesondere investigative Journalisten \u2013sehen sich diversen Bedrohungen ausgesetzt, die oft unbemerkt und ungestraft bleiben.<\/p>\n<p>Angesichts der Situation ist es keine \u00dcberraschung, dass es nur wenigen digitalen Medien gelungen ist, unabh\u00e4ngig zu \u00fcberleben, ohne sich auf Eigent\u00fcmer oder Zusch\u00fcsse zu verlassen. Es gibt jedoch Erfolgsgeschichten, und bis zum Ausbruch der Pandemie nahm die Zahl der digitalen Medien zu. Einige wenige digitale Plattformen versuchten, sich \u00fcber Paywalls zu finanzieren, andere f\u00fchrten Crowdfunding-Kampagnen durch. Das bisher erfolgreichste Modell beruht auf der Diversifizierung der Medienfonds, so dass die Nachrichtenredaktionen gleichzeitig auf verschiedene Quellen zur\u00fcckgreifen und sich dadurch tragf\u00e4higer machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Doch Schwierigkeiten gab es bereits vor der Pandemie. Die einzigen Plattformen, die relativ stabil erschienen, waren die gr\u00f6\u00dften Fernsehsender, und das nur, weil die Oligarcheneigent\u00fcmer bereit waren, alle Schulden im Tausch gegen Nachrichteneinfluss zu \u00fcbernehmen. Es ist schwierig, eine unabh\u00e4ngige Plattform zu betreiben. Obwohl es heute viele unabh\u00e4ngige Plattformen gibt, sind sie im Vergleich zu Goliath, dem Fernsehen, immer noch recht klein.<\/p>\n<p><strong>Ein Virus, der uns alle kontrolliert<br \/>\n<\/strong>Bis zur Quarant\u00e4ne lebte die Ukraine in einem Zustand der Coronavirus-Verweigerung, was auch f\u00fcr die Medien galt. Die Redaktionen waren nicht auf die Ver\u00e4nderungen vorbereitet, die die Pandemie f\u00fcr ihre Arbeit mit sich brachte, und die Schwierigkeiten wurden immer gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p>Zuerst brach der Werbemarkt zusammen. Es ist zu fr\u00fch, Vorhersagen zu treffen, aber eine Reihe unabh\u00e4ngiger Plattformen wurden bereits geschlossen, einfach weil sie ihre Haupteinnahmequelle, die Werbung, verloren haben. Fast jede zehnte Nachrichtenredaktion musste w\u00e4hrend der Quarant\u00e4ne den Betrieb einstellen, und es ist nicht sicher, ob sie nach der Pandemie wieder zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Mehr als 80% der Medien haben ihre Werbekunden verloren, und auch andere Einnahmequellen sind r\u00fcckl\u00e4ufig.<\/p>\n<p>Am schlimmsten ist die Lage bei den unabh\u00e4ngigen Regionalmedien, die in der Regel als erste von dem Marktr\u00fcckgang betroffen sind. Da die meisten lokalen Unternehmen wegen der Quarant\u00e4ne geschlossen haben, haben sie ihre Werbung in den regionalen Medien eingestellt. Die H\u00e4lfte der Nachrichtenredaktionen musste neue Projekte aufschieben, und fast ein Viertel aller Journalisten sieht sich mit finanziellen Schwierigkeiten konfrontiert. Einige Nachrichtenredaktionen gingen zu drastischen Ma\u00dfnahmen \u00fcber, indem sie entweder Mitarbeiter entlie\u00dfen oder Gehaltszahlungen hinausz\u00f6gerten.<\/p>\n<p>Andere Einnahmequellen sind ebenfalls betroffen. Die Nachrichtenredaktionen k\u00f6nnen keine Offline-Veranstaltungen mehr organisieren, und viele \u00f6ffneten ihre Paywalls, um die Menschen mit wichtigen Informationen \u00fcber die Pandemie zu versorgen. Einige Nachrichtenredaktionen starteten Crowdfunding-Kampagnen und begannen, sich um Zusch\u00fcsse zu bem\u00fchen.<\/p>\n<p>Es gibt aber auch Gewinner. Unter Quarant\u00e4ne gestellte Ukrainer verbringen ihre Zeit damit, mehr fernzusehen, so dass es den TV-Sendern gelang, w\u00e4hrend der Pandemie mehr Werbung zu bekommen. Indem sie attraktive Rabatte versprachen, behielten sie die meisten der bisherigen Anzeigenkunden und erh\u00f6hten sogar ihre Zahl auf ihren Kan\u00e4len.<\/p>\n<p>Es sieht so aus, als ob die meisten Medien von dem Virus eingeholt wurden, wobei die unabh\u00e4ngigen Medien am st\u00e4rksten betroffen sind \u2013 vor allem, weil es schwierig ist, mit Stories \u00fcber die Pandemie Geld zu verdienen. Die Nachrichtenredaktionen versuchen, so viele Menschen wie m\u00f6glich zu informieren und zu erreichen, aber das belastet die ohnehin schwachen Finanzmodelle. Da die meisten Einnahmequellen stark zur\u00fcckgegangen sind, gibt es nur noch wenige M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die freie Presse.<\/p>\n<p><strong>\u00dcberleben w\u00e4hrend der Corona-Pandemie:<br \/>\nAlleinstellungsmerkmale erarbeiten<br \/>\n<\/strong>Die Lage ist d\u00fcster, und daf\u00fcr gibt es gute Gr\u00fcnde. Das Medienumfeld war schon vor der Krise nicht gerade engagiert, dennoch kamen viele unabh\u00e4ngige Nachrichtenredaktionen recht gut zurecht. Der Virus schafft neue Herausforderungen, was bedeutet, dass viel Widerstandskraft erforderlich ist.<\/p>\n<p>Es ist wichtig, sowohl dem Publikum als auch den Werbekunden die richtigen Botschaften zu vermitteln. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck tasten sich die Nachrichtenredaktionen an das Modell der Crowdfinanzierung heran. Das ist zwar nicht die ertragreichste L\u00f6sung, aber diese Option hat sich in der Ukraine als wirksam erwiesen und konnte in der Anfangsphase der Pandemie jeder angeschlagenen Nachrichtenredaktion helfen. Auch Zusch\u00fcsse helfen den Nachrichtenredaktionen, da sie die Arbeit der Medien w\u00e4hrend der Zeit der Umschichtung ihrer Einnahmequellen und der Optimierung ihrer Ausgaben unterst\u00fctzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Quarant\u00e4ne reduzierten zum Beispiel einige Nachrichtenredaktionen die Produktion von gedruckten Zeitungen, da weniger Menschen auf der Stra\u00dfe weniger Zeitungsk\u00e4ufer bedeuten. Wenn diese Einnahmen verloren gehen, ist die Umstellung auf ein digitales Format der richtige Weg. Beispielsweise werden Podcasts immer beliebter, und auch Nischen-Newsletter behalten ihre Leserschaft. Die Redaktionen richten sich auch an neue Werbekunden und schlagen ihnen optimierte Pl\u00e4ne vor. Schlie\u00dflich geht es einigen Unternehmen w\u00e4hrend der Pandemie besser, deshalb ist es wichtig, sie zu erreichen.<\/p>\n<p>Die Nachrichtenredaktionen m\u00fcssen auch ihr Verh\u00e4ltnis zu ihren Inhalten neu bewerten. Der Einsatz von Paywalls st\u00f6\u00dft in der Regel auf Misstrauen, vor allem auf lokaler Ebene. Wenn diese Option nicht funktioniert, gibt es andere M\u00f6glichkeiten, Inhalte zu vermarkten. Die Medien verkaufen einige Materialien oder den Zugang zu bestimmten Informationen auf ihren Websites, wie z.B. Stellenm\u00e4rkte oder Fallstudien. Die Medien versuchen, Inhalte anzubieten, die sich von denen der Konkurrenz unterscheiden und die wahrscheinlich nicht mit der Pandemie in Zusammenhang stehen. Zwar bereitet den Ukrainern \u2013 wie den meisten Europ\u00e4ern \u2013 COVID-19 Sorgen, aber sie werden auch der hohen Konzentration der Nachrichten zu diesem Thema \u00fcberdr\u00fcssig. Die Medien, denen es gelingen sollte, die Corona-bedingte Informationsl\u00fccke zu schlie\u00dfen, werden langfristig gewinnen.<\/p>\n<p>In der gegenw\u00e4rtigen Krise geht es im Wesentlichen darum, das Publikum besser zu kennen und zu verstehen, was es von ihnen will, was durch den j\u00fcngsten Anstieg der Popularit\u00e4t von Podcasts unterstrichen werden kann. Da die Ukrainer nach mehr digitalen Inhalten verlangen, ist es m\u00f6glich, Interessantes, Eing\u00e4ngiges und Popul\u00e4res zu liefern \u2013 und es auch profitabel zu machen. Solvente Werbetreibende m\u00fcssen angesprochen, neue Sponsoringmodelle und das Angebot von kostenpflichtigen Inhalten f\u00fcr Leser, H\u00f6rer und Zuschauer angeboten werden. Die Journalisten haben es z. B. schnell geschafft, sich auf die Nutzung von Online-Interviews einzustellen, so dass sie sich jetzt nur noch an das neue Gesch\u00e4ftsmodell anpassen m\u00fcssen.<\/p>\n<p><em>Der Text wurde erstmals am 14. Juni 2020 im <\/em><a href=\"https:\/\/medium.com\/@DigiComNet\/coronavirus-vs-newsrooms-are-we-going-to-win-this-battle-79c58d1d4ca1\"><em>Digital Communication Network<\/em><\/a><em> ver\u00f6ffentlicht.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Anna Romandash Nach einem Monat Quarant\u00e4ne f\u00fchren die ukrainischen Medien einen harten Kampf. 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