{"id":16206,"date":"2019-12-20T13:44:00","date_gmt":"2019-12-20T12:44:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.united-europe.eu\/?p=16206"},"modified":"2019-12-20T13:44:00","modified_gmt":"2019-12-20T12:44:00","slug":"juergen-grossmann-kommentar-zum-brexit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/2019\/12\/juergen-grossmann-kommentar-zum-brexit\/","title":{"rendered":"J\u00fcrgen Gro\u00dfmann: Kommentar zum Brexit"},"content":{"rendered":"<p>Der Ausgang der Unterhaus-Wahlen macht den Brexit zur beschlossenen Sache \u2013 das bedauere ich zutiefst. Es war ein Erdrutschsieg f\u00fcr Boris Johnson, zumindest was die Anzahl der Abgeordneten betrifft. Wenn man allerdings die Stimmen der proeurop\u00e4ischen oder zumindest der Unentschiedenen (Labour!) Parteien addiert, h\u00e4tten sie eine knappe Mehrheit von 52 %.<br \/>\nAber das britische Wahlsystem bevorzugt die gro\u00dfen Parteien, und so war von vornherein klar, dass Tories und Labour die Wahl untereinander ausmachen \u2013 bei allem Achtungserfolgen von SNP, Lib Dems, etc.<\/p>\n<p>Einen gewissen \u00c4rger \u00fcber die Kurzsichtigkeit der Menschen kann ich nicht verhehlen. Andererseits bin ich froh, dass es nun zumindest Klarheit gibt und die politischen Possen der letzten dreieinhalb Jahre endlich ein Ende haben.<\/p>\n<p>Von einem seit vielen Jahren befreundeten, wohlbekannten britischen Fernseh-\u201eAnchorman\u201c habe ich die folgenden Kommentare erhalten: Den alten und neuen Premierminister nannte er einen \u201eproven bull-shitter and a chancer\u201c, Corbyn hingegen sei bitter, humorlos und erinnere ihn an seinen alten Chemielehrer. Dieser Fernsehmann fuhr fort und sagte, es sei einfach eine schreckliche Wahl \u2013 sozusagen zwischen Pest und Cholera \u2013 gewesen. Seine Brieftasche atme nunmehr auf, w\u00e4hrend sein Gewissen sich sch\u00e4me.<\/p>\n<p>Er f\u00fcgte hinzu \u2013 da er vor Jahrzehnten eine \u201ebritisch-europ\u00e4ische\u201c Mischehe eingegangen sei \u2013 h\u00e4tten seine Kinder mittlerweile die europ\u00e4ische Staatsb\u00fcrgerschaft beantragt, sozusagen als Schwimmweste.<\/p>\n<p>Offenbar verstehen wir die Briten ebenso wenig wie wir diejenigen verstehen, die AfD w\u00e4hlen. Nach all dem Tumult und lauten Rufen nach einem 2. Referendum auf der Insel schien f\u00fcr uns klar, dass das Voting f\u00fcr den Brexit nur ein zeitpunktbezogener Irrtum gewesen sei. Und, dass einfach nur zu wenig von den \u201eRichtigen&#8220; zur Wahl gegangen sind, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer.<\/p>\n<p>Doch jetzt gab es lange Schlangen vor den Wahllokalen, niemand hat diese Wahl verschlafen. Das Ergebnis zeigt, dass jetzt sogar noch ein paar mehr Briten den Brexit wollen, trotz aller prognostizierten Nachteile und wirtschaftliche Unsicherheit. Und es zeigt, wie tief gespalten Gro\u00dfbritannien ist.<\/p>\n<p>Man kann nur hoffen, dass der Brexit wenigstens dazu f\u00fchrt, dass die verbleibenden Mitgliedstaaten in Zukunft besser miteinander umgehen. Die britische Kritik an der Br\u00fcsseler Regelungswut ist in Teilen berechtigt. EU-Recht muss von allen als solches anerkannt werden und nicht nur als Vorschlag. Insbesondere in S\u00fcdeuropa muss das zur Selbstverst\u00e4ndlichkeit werden.<\/p>\n<p>Aber: Auch wenn Gro\u00dfbritannien nun mit wehenden Fahnen die ungeliebte EU verl\u00e4sst, wird es weiterhin innerhalb der Nato und des Weltsicherheitsrats eine wichtige Rolle spielen. Auch der Finanzplatz London wird erhalten bleiben und aus dem Brexit vielleicht sogar Kapital schlagen. Dass Gro\u00dfbritannien geographisch zu Europa geh\u00f6rt, steht unverr\u00fcckbar fest.<\/p>\n<p>So ist die Schweiz auch nicht Mitglied der EU, aber die Union hat im Laufe der Jahre eine sehr praktikable und enge Zusammenarbeit entwickelt. Wir k\u00f6nnen nur hoffen, dass hier das Gleiche auch mit Gro\u00dfbritannien geschehen wird \u2013 im wohlverstandenen beiderseitigen Interesse. Revanche-Fouls m\u00fcssen wir vermeiden.<\/p>\n<p>Ein positiver Effekt ist, dass Europa mit vielen Projekten fortfahren kann, die Gro\u00dfbritannien nicht besonders unterst\u00fctzt, teilweise sogar offen behindert hat.<\/p>\n<p>Also schauen wir nach vorn und passen uns den Gegebenheiten an. Eine andere Wahl haben wir nicht. Aber: halten wir engen Kontakt zu allen Briten \u2013 nicht nur zu den pro-europ\u00e4ischen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Ausgang der Unterhaus-Wahlen macht den Brexit zur beschlossenen Sache \u2013 das bedauere ich zutiefst. 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