{"id":15940,"date":"2019-11-29T16:21:24","date_gmt":"2019-11-29T15:21:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.united-europe.eu\/?p=15940"},"modified":"2019-12-20T09:05:45","modified_gmt":"2019-12-20T08:05:45","slug":"erste-eindruecke-unseres-yps-ueber-technologiewende-und-klimawandel-in-paris","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/2019\/11\/erste-eindruecke-unseres-yps-ueber-technologiewende-und-klimawandel-in-paris\/","title":{"rendered":"Zusammenfassung unseres YPS \u00fcber Technologiewende und Klimawandel in Paris"},"content":{"rendered":"<p><strong>KURZZUSAMMENFASSUNG:<\/strong><\/p>\n<p>Am 22. und 23. November 2019 fand in Paris das <strong>17. Young Professionals Semina<\/strong>r von United Europe statt. <strong>21 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 15 europ\u00e4ischen L\u00e4ndern<\/strong> besch\u00e4ftigten sich zwei Tage lang intensiv mit dem Thema Energiewende und Klimawandel und welche Strategien Europa dazu entwickelt. Der Gro\u00dfteil der TeilnehmerInnen kommt aus betroffenen Unternehmen und der Energiebranche und brachte bereits gro\u00dfes professionelles Wissen mit.<br \/>\nGastgeber des Seminars war United Europes Firmenmitglied Enedis, das f\u00fcr die Verwaltung und den Ausbau von 95% des franz\u00f6sischen Stromverteilungsnetzes verantwortlich ist.<\/p>\n<p><strong>Ziel des Seminars<\/strong> war, vier Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen (COP 21), das die Begrenzung der menschengemachten globalen Erw\u00e4rmung auf deutlich unter 2\u00b0C gegen\u00fcber vorindustriellen Werten anstrebt, den aktuellen Stand zu \u00fcberpr\u00fcfen: Welche Ziele des Klimaabkommens wurden bisher erreicht, was tun Unternehmen, um die Auflagen zu erf\u00fcllen, wie ist der Stand in USA, China, Japan?<\/p>\n<p>Keynotes und Impulse kamen von <strong>Laszlo Varro<\/strong> (Chef\u00f6konom Internationale Energie Agentur IEA), <strong>Joel Couse<\/strong> (Senior Advisor IEA), <strong>Prof. Dr. Dr. Dr. h.c.<\/strong> Franz Josef Radermacher (Vorstand Forschungsinstitut f\u00fcr anwendungsorientierte Wissensverarbeitung\/n (FAW\/n)) und <strong>Carine de Boissezon<\/strong> (Head of Sustainability EDF Group).<\/p>\n<p>Ursula von der Leyen hat in ihren Political Guidelines f\u00fcr die Arbeit der EU-Kommission 2019 \u2013 2024 angek\u00fcndigt, Europa im Jahr 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen. Daf\u00fcr m\u00f6chte sie ein europ\u00e4isches Klimagesetz verabschieden mit dem Ziel, dass bis 2050 Klimaneutralit\u00e4t gesetzlich verankert werden muss. Das ist angesichts von 27 politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich vollkommen unterschiedlichen Nationalstaaten eine gro\u00dfe, h\u00f6chst komplizierte Aufgabe f\u00fcr die neue EU-Kommission. Hierbei muss die Ausgangsbasis jedes einzelnen Mitgliedstaates ber\u00fccksichtigt werden, weshalb Polen, das zu 80% vom Energietraeger Kohle abh\u00e4ngt, noch etwas Zeit (und wohl auch Geld) gegeben wird, um sich den Ma\u00dfnahmen anzuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Europa ist derzeit f\u00fcr 9% aller globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich (bei einem Bev\u00f6lkerungsanteil von knapp 10%). Selbst wenn die europ\u00e4ischen Dekarbonisierungsziele bis 2050 erreicht werden sollten, werden diese Bem\u00fchungen weltweit nicht wesentlich viel verbessern, wenn andere Regionen der Welt ihren Kurs nicht \u00e4ndern.<br \/>\nSo ist der signifikante Anstieg der globalen Treibhausgasemissionen in den letzten 20 Jahren nur in geringerem Ma\u00dfe auf das globale Bev\u00f6lkerungswachstum zur\u00fcckzuf\u00fchren, sondern vor allem darauf, dass gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung in Asien in die Mittelschicht aufgestiegen sind und damit auch mehr Energie verbrauchen. 90% aller weltweit gebauten Kohlekraftwerke sind in diesem Zeitraum in Asien entstanden, und diese Anlagen haben potenziell eine Lebensdauer bis zu 50 Jahren.<br \/>\nDie Erreichung der Klimaziele bis 2030 bis hin zur angestrebten Klimaneutralit\u00e4t bis 2050 bedeutet eine dreimal so schnelle Reduzierung der Treibhausgasemissionen in der H\u00e4lfte der Zeit (im Vergleich zu 1990).<\/p>\n<p>In einzelnen <strong>Pr\u00e4sentationen<\/strong> sowie in den Ergebnissen der 4 Gruppen wurde deutlich, dass die Themen Klimaschutz, Nachhaltigkeit, alternative Energien und CO2-Reduzierung mittlerweile eine Schl\u00fcsselstellung in den meisten europ\u00e4ischen Unternehmen eingenommen haben. Keine Branche, sei es Energie, Luftfahrt, Chemie oder Finanzen, die das Thema nicht zu einer vordringlichen Aufgabe gemacht hat und an L\u00f6sungen des Problems arbeitet. Da der Bedarf an nachhaltiger, klimafreundlicher Technologie und ebensolchen Gesch\u00e4ftsmodellen weltweit zunimmt, erwachsen daraus auch Chancen f\u00fcr Wirtschaft und Gesellschaft, um durch Innovationen den Weg in eine klimaneutrale Welt zu unterst\u00fctzen und die Erderw\u00e4rmung zu stoppen. So k\u00f6nnen exportorientierte Industrieunternehmen, Forschungseinrichtungen und Zulieferbetriebe mittel- und langfristig von klugen Investitionen in global wachsende \u201eKlimaschutzm\u00e4rkte\u201c profitieren.<\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Franz Josef Radermacher<\/strong> erkl\u00e4rte in einer Video-Keynote, dass die weltweite Energie- und Klimakrise \u201ewachstumskompatibel und wohlstandsf\u00f6rdernd\u201c durch eine Wasserstoff-\/Methanol\u00f6konomie gel\u00f6st werden k\u00f6nne. Dabei seien drei wesentliche Elemente zu kombinieren: 1. Methanol\u00f6konomie, 2. B\u00f6den als Kohlenstoffspeicher und 3. Entwicklung f\u00f6rdernde CO2-Kompensationsprojekte. Die panischen \u00f6ffentlichen Debatten in Richtung Weltuntergang, Klimaplanwirtschaft und Elektrifizierung des gesamten Mobilit\u00e4tssektors w\u00fcrden der Mehrdimensionalit\u00e4t der Herausforderung \u201ein keiner Weise gerecht\u201c, so Radermacher. Durch den beschriebenen Ansatz k\u00f6nnten jedoch Afrika, Indien und andere Schwellenl\u00e4nder ohne negative Klimawirkung den Entwicklungsweg Chinas einschlagen. Damit seien auch die SDGs bis 2050 umsetzbar.<\/p>\n<p>Eine der Arbeitsgruppen entwickelte w\u00e4hrend des Seminars ein <strong>Kartenspiel f\u00fcr Sch\u00fcler<\/strong>, das die Grundlagen von Klimawandel und seine Auswirkungen auf spielerische und interaktive Weise vermittelt. Das Spiel unterteilt die Verantwortlichen des Klimawandels in die Kategorien 1) Energieerzeugung, 2) Mobilit\u00e4t, 3) Ern\u00e4hrung und 4) Materialverbrauch, wobei die Karte, die eine Aktivit\u00e4t mit niedriger CO2-Emission darstellt, die mit der h\u00f6heren schl\u00e4gt. Jede Karte enth\u00e4lt zudem kurze, detaillierte Erkl\u00e4rungen.<\/p>\n<p>Ob es \u2013 trotz weiterer positiver Ans\u00e4tze und Entwicklungen \u2013 m\u00f6glich ist, die angestrebten Klimaziele zu erreichen, ist dennoch fraglich. Das zeigt nicht zuletzt die gescheiterte Weltklimakonferenz in Madrid. Verantwortlich daf\u00fcr sind nicht nur die Industrie, sondern auch die Bev\u00f6lkerung. Carine de Boissezon sagte in ihrer Rede, dass sich die meisten Menschen zwar Sorgen wegen der Erderw\u00e4rmung machen und f\u00fcr erneuerbare Energien sind, es allerdings nur wenig Bereitschaft gibt, daf\u00fcr Windr\u00e4der oder Solaranlagen in ihrer N\u00e4he oder gar Einschr\u00e4nkungen des gewohnten Lebensstils zu akzeptieren.<\/p>\n<p>Auch der <strong>wachsende Gebrauch des Internets und die Digitalisierung<\/strong> mit dem damit verbundenen enorm wachsenden Datenverkehr und dem Bedarf an energiefressenden Rechenzentren stellen ein gro\u00dfes Problem bei der angestrebten CO2-Reduzierung dar. Experten sch\u00e4tzen, dass sich der Stromverbrauch durch WLAN, Festnetz und Mobilfunk bis 2030 von 722 Terrawattstunden (TWh) auf 3.725 TWh pro Jahr verf\u00fcnffachen wird. Mittlerweile soll das Internet so viel Emissionen erzeugen wie der Flugverkehr und die Bitcoin-Produktion mehr Ressourcen verbrauchen als D\u00e4nemark (<a href=\"https:\/\/www.fr.de\/wirtschaft\/mit-einem-hurrikan-kann-nicht-verhandeln-12272668.html\">Quelle<\/a>).<br \/>\nDie Arbeitsgruppe, die sich mit der Frage besch\u00e4ftigte, wie Unternehmen mit Energiewende und Klimawandel umgehen und ob es positive Beispiele gibt, hat ein weiteres Dilemma zutage treten lassen: so behaupten viele Unternehmen zwar mittlerweile, klimafreundlich und CO2-frei zu sein und nachhaltig zu produzieren, um damit auch bei den Verbrauchern ein besseres Image zu erhalten. Bei n\u00e4herer Betrachtung stimmt das aber oft nicht, weil zum Beispiel Zulieferer diese Voraussetzungen nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Der \u00dcbergang zur Klimaneutralit\u00e4t erfordert einen tiefgreifenden Wandel in allen Teilen der Wertsch\u00f6pfungs- und Wirtschaftskette. Eine weitreichende CO2-Reduktion kann nur durch eine signifikante Elektrifizierung industrieller Prozesse erreicht werden, was zu einem enormen Anstieg des kohlenstoffarmen Strombedarfs f\u00fchrt. Deshalb stellt f\u00fcr einen erfolgreichen industriellen Wandel die radikale Senkung der Preise f\u00fcr Strom aus erneuerbaren Energien, einschlie\u00dflich staatlicher Zuschl\u00e4ge und Abgaben, eine unverzichtbare Voraussetzung dar. Letztendlich m\u00fcssen wir uns auf einen kohlenstoffarmen EU-Binnenmarkt zubewegen, auf dem sowohl die Nachfrage als auch das Angebot f\u00fcr klima- und umweltfreundliche Produkte vorhanden sind.<br \/>\nUm auf einem globalen Markt wettbewerbsf\u00e4hig zu sein, sollte sich Europa darauf konzentrieren, europ\u00e4ische Champions auf dem Gebiet der erneuerbaren Energieerzeugung und sauberer industrieller und chemischer Prozesse zumindest zuzulassen. Die EU-Kommission sollte daher in ihrem Green Deal pr\u00fcfen, wie kollaborative und innovative Unternehmens\u00f6kosysteme und globale europ\u00e4ische Akteure gef\u00f6rdert werden k\u00f6nnen. Auch die Bewertung potenzieller Hindernisse, die sich beispielsweise aus verbraucherorientierten wettbewerbsrechtlichen Anforderungen ergeben, und die Frage, wie diese Bedenken mit der Notwendigkeit einer konsolidierten europ\u00e4ischen Antwort auf den ausl\u00e4ndischen Wettbewerb in Einklang gebracht werden k\u00f6nnen, k\u00f6nnten geeignete Punkte f\u00fcr den European Green Deal sein.<\/p>\n<p>Die europ\u00e4ische L\u00f6sung f\u00fcr Klimawandel und Energiewende, so die abschlie\u00dfende Einsch\u00e4tzung, m\u00fcsse auf Innovationen und beispielhaften L\u00f6sungen unter Wahrung von Wettbewerbsf\u00e4higkeit und Arbeitspl\u00e4tzen basieren, die auch von anderen L\u00e4ndern auf dem Weg zu CO2-Reduzierung und Klimaneutralit\u00e4t genutzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>DETAILLIERTE ZUSAMMENFASSUNG<\/strong><\/p>\n<p><strong>Freitag, 22. November<\/strong><br \/>\nNach der Begr\u00fc\u00dfung durch <strong>Sabine Sasse<\/strong>, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin von United Europe, bildete ein Vortrag von <strong>Dr. Laszlo Varro<\/strong>, Chef\u00f6konom der Internationalen Energieagentur IEA, den Auftakt des Seminars. Er pr\u00e4sentierte die Highlights des aktuellen World Energy Outlook (WEO) der IEA 2019, gefolgt von Fragen und Antworten der der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.<\/p>\n<p>Varro erkl\u00e4rte, dass die IEA in ihrem WEO <strong>drei Hauptenergieszenarien<\/strong> abbildet:<br \/>\n<strong>1) Das Szenario der aktuellen Politik<\/strong>, in dem sich die Welt gerade befindet und das ein grundlegendes Bild davon vermittelt, wie sich die globalen Energiesysteme entwickeln w\u00fcrden, wenn die Regierungen keine \u00c4nderungen an ihrer bestehenden Politik vornehmen. In diesem Szenario steigt die Energienachfrage bis 2040 j\u00e4hrlich um 1,3%, was zu einem weiterhin starken Wachstum der energiebedingten Emissionen f\u00fchrt.<br \/>\n<strong>2) Das Stated Policies Szenario<\/strong> (fr\u00fcher New Policies Szenario), das neben den bestehenden Ma\u00dfnahmen auch die heutigen politischen Absichten und Ziele ber\u00fccksichtigt. Die in diesem Szenario skizzierte Zukunft ist vom Ziel einer sicheren und nachhaltigen Energiezukunft noch weit entfernt. Sie beschreibt eine Welt im Jahr 2040, in der Hunderte von Millionen Menschen noch immer keinen Zugang zu Strom haben und in der die CO2-Emissionen schwerwiegende Auswirkungen des Klimawandels ausl\u00f6sen. In diesem Szenario steigt der Energiebedarf bis 2040 um 1% pro Jahr. CO2-arme Quellen, angef\u00fchrt von der Solar-Photovoltaik, liefern mehr als die H\u00e4lfte dieses Wachstums; Erdgas macht ein weiteres Drittel aus. Die \u00d6lnachfrage flacht in den 2030er Jahren ab, und die Kohleverbrauchswerte sinken. Varro erkl\u00e4rte, dass die Dynamik hinter sauberer Energie nicht ausreicht, um die Auswirkungen einer expandierenden Weltwirtschaft und einer wachsenden Bev\u00f6lkerung auszugleichen. Der Anstieg der Emissionen verlangsamt sich, erreicht seinen H\u00f6hepunkt aber nicht vor 2040.<br \/>\n<strong>3) Das Szenario f\u00fcr nachhaltige Entwicklung<\/strong>, das angibt, was anders gemacht werden muss, um die Klima- und Energieziele, die sich politische Entscheidungstr\u00e4ger auf der ganzen Welt gesetzt haben, vollst\u00e4ndig zu erreichen. Um dieses Szenario im Einklang mit dem Pariser Abkommen zur Begrenzung des Anstiegs der globalen Temperaturen auf deutlich unter 2\u00b0C zu erreichen, sind schnelle und weitreichende Ver\u00e4nderungen in allen Teilen des Energiesystems erforderlich. Dank vielf\u00e4ltiger Brennstoffe und Technologien, die effiziente und kosteng\u00fcnstige Energiedienstleistungen f\u00fcr alle bieten, werden drastische Emissionssenkungen erreicht. Dazu bedarf es einer starken F\u00fchrung durch die politischen Entscheidungstr\u00e4ger, da die Regierungen eindeutig die Verantwortung f\u00fcr ihr Handeln tragen und den gr\u00f6\u00dften Spielraum f\u00fcr die Gestaltung der Zukunft haben. Um das Szenario f\u00fcr nachhaltige Energie zu erreichen, betonte Varro, bedarf es einer gro\u00dfen Koalition aus Regierungen, Investoren, Unternehmen und allen anderen, die sich f\u00fcr den Klimaschutz einsetzen.<\/p>\n<p><strong>Schlussfolgerungen:<\/strong><br \/>\n&#8211; Zwar passt sich die Energiepolitik dem heutigen Druck und den Erfordernissen an, aber die Gesamtreaktion ist noch lange nicht ausreichend, um den Bedrohungen der Energieversorgungssicherheit und der Umwelt zu begegnen, denen die Welt heute ausgesetzt ist.<br \/>\n&#8211; Die \u00d6l- und Gaslandschaft wird durch \u00d6l-Schiefer tiefgreifend umgestaltet, was zu einem intensiven Wettbewerb unter den Lieferanten f\u00fchrt und dem Umdenken bei den Gesch\u00e4ftsmodellen und -strategien der Unternehmen neue Impulse verleiht.<br \/>\n&#8211; Solar-, Wind-, Speicher- und Digitaltechnologien ver\u00e4ndern den Stromsektor, aber ein integrativer und tiefer \u00dcbergang bedeutet auch, Altlasten aus der bestehenden Infrastruktur anzugehen.<br \/>\n&#8211; Energie ist f\u00fcr die Entwicklung Afrikas von entscheidender Bedeutung, und die Energiezukunft Afrikas beeinflusst zunehmend globale Trends, da sie die gr\u00f6\u00dfte Urbanisierung durchl\u00e4uft, die die Welt je erlebt hat.<br \/>\n&#8211; Die Regierungen m\u00fcssen die Rahmenbedingungen \u00fcbernehmen, indem sie das n\u00e4chste Kapitel der Energiegeschichte schreiben und uns auf einen sichereren und nachhaltigeren Kurs f\u00fchren.<\/p>\n<p>Auf Varros Impuls folgte eine kurze <strong>Selbstvorstellung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer<\/strong>. Anschlie\u00dfend gab <strong>Marcus Lippold<\/strong>, Energieexperte und Mitglied von United Europe, eine Einf\u00fchrung in das Thema und einen Ausblick auf das zweit\u00e4gige Seminar.<\/p>\n<p>Die zweite Keynote hielt <strong>Prof. Dr. Franz Josef Radermacher<\/strong>, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Forschungsinstituts f\u00fcr anwendungsorientierte Wissensverarbeitung (FAW\/n) in Ulm. Da er nicht pers\u00f6nlich erscheinen konnte, war er per Skype zugeschaltet.<br \/>\nRadermacher ist Professor f\u00fcr Informatik und unter anderem Experte f\u00fcr globale nachhaltige Entwicklung, Innovation und Globalisierung. Er ist Vorstandsmitglied des Research Institute for Applied Knowledge Processing, Mitbegr\u00fcnder der Global Marshall Plan Initiative und unterst\u00fctzt das Konzept einer globalen \u00f6kosozialen Marktwirtschaft.<br \/>\nRadermacher machte deutlich, dass in der Klimadebatte die Interessen der Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4nder mehr ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcssen, ebenso wie die zuk\u00fcnftige weltweite Entwicklung. Zu ber\u00fccksichtigen sei auch, dass bei einem sofortigen Ausstieg aus der fossilen Energiegewinnung auch hunderttausende von Arbeitnehmern ihren Job verlieren w\u00fcrden \u2013 mit politisch und sozial kaum zu verantwortenden Folgen.<br \/>\nRadermachers L\u00f6sung hei\u00dft das <a href=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/190509-Methanol%C3%B6konomie-und-Bodenverbesserung_final-002-deutsch.pdf\">vierfache Recyclen von Kohlenstoff<\/a>, um die CO2-Emissionen deutlich zu reduzieren, damit bis 2050 die Sustainable Development Goals erreicht und die globale Energie- und Klimakrise gel\u00f6st werden k\u00f6nnen. Das Recyclen k\u00f6nne mit preiswertem Sonnenstrom aus den hei\u00dfen W\u00fcsten der Welt erfolgen. Dort k\u00f6nne per Elektrolyse Wasserstoff erzeugt werden, der mit CO2 zu Methanol verbunden wird. Diese benzinartige, aber weit weniger giftige Fl\u00fcssigkeit k\u00f6nne alle Kraftstoff- und Heiz\u00f6larten substituieren. Europa und Afrika k\u00f6nnten hier in Partnerschaft vorangehen.<br \/>\nRadermacher ist \u00fcberzeugt, dass mit dieser Technik eine Welt in Wohlstand f\u00fcr 10 Milliarden Menschen und der gleichzeitige Schutz von Klima und Umwelt m\u00f6glich ist. Nur mit Wohlstand f\u00fcr alle k\u00f6nne die Gr\u00f6\u00dfe der Weltbev\u00f6lkerung stabilisiert werden. Ansonsten seien soziale Umbr\u00fcche, auch bis hin zum (B\u00fcrger-)Krieg, wahrscheinlich.<br \/>\nRadermacher identifiziert drei Elemente, die kombiniert werden m\u00fcssen, um diese Ziele zu erreichen: Methanolwirtschaft, B\u00f6den als Kohlenstoffspeicher und Klimaschutzprojekte zur F\u00f6rderung der SDG-Umsetzung. Durch die vierfache Wiederverwertung von Kohlenstoff im Rahmen einer Wasserstoff-\/Methanolwirtschaft k\u00f6nnen die CO2-Emissionen von 34 Milliarden Tonnen auf rund 10 Milliarden Tonnen pro Jahr reduziert werden. Dies, kombiniert mit der Nutzung von B\u00f6den als Kohlenstoffspeicher und Kohlenstoffsenken f\u00fcr die restlichen 10 Milliarden Tonnen CO2, werde den Kohlenstoffkreislauf schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Im dritten Beitrag beleuchtete <strong>Joel Couse<\/strong> mehrere Herausforderungen f\u00fcr den \u00d6l- und Gasenergiesektor:<\/p>\n<p><strong>Eine erste Herausforderung<\/strong> ist die Preisvolatilit\u00e4t. Die \u00d6l- und Gasindustrie ist eine zyklische Rohstoffindustrie mit volatilen Preisen und langen Investitionszyklen. Das Aufkommen von kurzzyklischen Investitionsprojekten macht Unternehmen finanziell anf\u00e4llig. Swing-Produzenten sind heute der Schiefer\u00f6l- und Gassektor in den USA, was die Zyklizit\u00e4t versch\u00e4rft. Das Wirtschaftsmodell der \u00d6l- und Gaskonzerne ist jedoch einzigartig. Sie verf\u00fcgen \u00fcber betr\u00e4chtliche finanzielle Ressourcen und Know-how und absorbieren gleichzeitig finanzielle und technische Risiken \u00fcber ein breites Portfolio von Investitionen und Aktivit\u00e4ten. Strategien f\u00fcr Robustheit umfassen antizyklische Investitionen, regionale Diversifizierung und Integration der Wertsch\u00f6pfungskette f\u00fcr \u00d6l, Gas und Strom.<\/p>\n<p><strong>Die zweite Herausforderung<\/strong> ist die Forderung nach Nachhaltigkeit. Die meisten Prognosen zeigen, dass der Weltenergiebedarf bis 2040 durchschnittlich um rund 1% pro Jahr w\u00e4chst. Die Energieintensit\u00e4t oder der Energieverbrauch pro Einheit des BIP sollte kontinuierlich um mehr als 2% pro Jahr sinken. Das ist vergleichbar mit dem Zeitraum von 2000 bis 2018, als er nur um 1,6% pro Jahr zur\u00fcckging. Erneuerbare Energien und Erdgas werden jeweils rund 40% der gesamten Versorgungssteigerung von Energie und \u00d6l von rund 12% ausmachen, vor allem im Transport- und Petrochemiebereich.<br \/>\nDie Entwicklung des Energiemixes wird sich in Richtung eines kohlenstoffarmen Stromunternehmens bewegen. Das spiegelt sich im Kostendruck zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen und in der Notwendigkeit wider, die Effizienz durch Elektrifizierung zu verbessern. Der langfristige Trend geht zu erneuerbaren Energien und Batterien, aber die Entwicklung beg\u00fcnstigt zun\u00e4chst Gas als \u00dcbergangskraftstoff. Dieser rasant wachsende Bedarf an Fl\u00fcssigerdgas (LNG), um neue Gasm\u00e4rkte zu speisen, produziert LNG, um die besten und kosteng\u00fcnstigsten Ressourcen in Russland, den USA, Katar oder Australien mit schnell wachsenden Verbraucherm\u00e4rkten in Asien zu verbinden, erfordert erhebliche finanzielle Ressourcen und technisches Know-how.<\/p>\n<p><strong>Die dritte Herausforderung<\/strong> ist der Klimawandel. \u00d6l- und Gasunternehmen nehmen den Klimawandel ernst und unterst\u00fctzen die Ziele des Pariser Abkommens. Die 13 Mitglieder der Oil and Gas Climate Initiative (OGCI) decken 30% der weltweiten \u00d6l- und Gasproduktion ab. Die Unternehmen sind bestrebt, die Energieeffizienz zu verbessern, weniger CO2 auszusto\u00dfen, die Gasabfackelung auf nahezu Null zu reduzieren und die Methanemissionen sowohl vor- als auch nachgeschaltet zu eliminieren. Einige Unternehmen haben numerische Ziele f\u00fcr Energieeffizienzgewinne zur Verringerung der Treibhausgasintensit\u00e4t ihrer Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit und haben Governance-Mechanismen einschlie\u00dflich Verg\u00fctungen eingef\u00fchrt, um zur Erreichung dieser Ziele beizutragen. Da der zuk\u00fcnftige Energiemarkt mehr kohlenstoffarme Energie nutzen wird, entwickeln einige Unternehmen kohlenstoffarme Energiegesch\u00e4fte, einschlie\u00dflich Energieeffizienz und Investitionen in Kohlenstoffsenken und nat\u00fcrliche Senken wie W\u00e4lder.<\/p>\n<p><strong>Danach stellten 5 Seminarteilnehmer in kurzen Pr\u00e4sentationen f\u00fcnf verschiedene, seminarrelevante Themen vor:<\/strong><\/p>\n<p><strong>1. Shradha Abt<\/strong>, Senior Specialist Energie und Klimapolitik bei BASF, zeigte auf, wie BASF sich auf Klimawandel, CO2-Reduzierung und die industrielle Transformation einstellt.<br \/>\n<strong>2. Elif Dilmen<\/strong>, Senior Risikoberaterin bei Marsh in der T\u00fcrkei, erkl\u00e4rte, wie Emissionsreduzierung im Luftverkehr funktioniert.<br \/>\n<strong>3. Paula Amiama<\/strong>, Management-Trainee in Digitalisierung &amp; Innovation bei DB Schenker, erkl\u00e4rte die Kreislaufwirtschaft als Modell zur Eind\u00e4mmung des Klimawandels.<br \/>\n4. Nejra <strong>Durakovic,<\/strong> Senior Energieberaterin bei der Alfa Energy Group Bosnien-Herzegowina, zeigte die Modelle Adaption and Mitigation in Europa auf, was die Pl\u00e4ne sind und was bisher geschehen ist.<br \/>\n<strong>5. Samuel Zewdie<\/strong>, Kundenvorstand im Bereich Handelskredite &amp; politisches Risiko bei Marsh \u00d6sterreich, legte dar, wie Finanzm\u00e4rkte und ihre regulatorischen Anforderungen zu einer besseren Preisgestaltung im Klimarisiko beitragen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nach dem Mittagessen hielt <strong>Carine de Boissezon<\/strong>, Head of Sustainability bei der EDF Group, einen Vortrag \u00fcber die Rolle der Finanzen und der sozialen Aspekte des Klimawandels. EDF ist ein b\u00f6rsennotiertes, zu 84% staatliches franz\u00f6sisches Elektrizit\u00e4tsunternehmen und der zweitgr\u00f6\u00dfte Stromerzeuger der Welt.<br \/>\nIm ersten Teil ihrer Rede konzentrierte sich Carine de Boissezon auf die Finanzm\u00e4rkte, die erst k\u00fcrzlich den Kampf gegen die Auswirkungen des Klimawandels auf den Finanzsektor intensiviert haben. Ausl\u00f6ser daf\u00fcr war der Gouverneur der Bank of England, Mark Carney, als er 2015 erkl\u00e4rte, dass das System einem systemischen Risiko ausgesetzt sein k\u00f6nnte, wenn die Finanzen nicht \u00fcber das mit dem Klima verbundene systemische Risiko nachdenken. Er sch\u00e4rfte das Bewusstsein und das Gef\u00fchl der Dringlichkeit innerhalb des Finanzsektors und erreichte, dass das Klima auf die Tagesordnung gesetzt wurde.<\/p>\n<p>Zuletzt hat die kommende EU-Kommission mit dem Green Deal eine starke F\u00fchrungsrolle \u00fcbernommen, und die Europ\u00e4ische Investitionsbank k\u00fcndigte Mitte November an, dass sie bis Ende 2021 die Finanzierung von Projekten f\u00fcr fossile Brennstoffe einschlie\u00dflich Gas einstellen wird, mit dem Ziel, die Klimabank Europas zu werden.<\/p>\n<p>Laut Carine beweist der Green Deal der EU die Klimaf\u00fchrerschaft Europas. Doch die EU allein wird nicht ausreichen, um den Kampf gegen CO2 zu l\u00f6sen. Das Problem ist, wie man die anderen dazu bringt, sich zu engagieren. Als Schwellenl\u00e4nder erzeugen China und Indien in absoluten Zahlen eine betr\u00e4chtliche Menge an CO2, aber sie werden kritisieren, dass ihr Pro-Kopf-Verbrauch nicht so gro\u00df sei wie der von Industriel\u00e4ndern. Der Handelskrieg zwischen den USA und China macht es noch komplizierter, einen neuen Impuls f\u00fcr das Klima zu setzen.<br \/>\nCarine verwies auch auf die aktuelle Klimakonferenz in Madrid (COP25) und erw\u00e4hnte, dass sich viele Beobachter fragen, ob dieses Format noch funktioniert: viele Diskussionen und Verhandlungen mit vielen Beteiligten, aber nicht viele Aktionen.<\/p>\n<p>Wenn wir bis 2050 \u00fcberleben wollen, m\u00fcssen wir den Temperaturanstieg stoppen, indem wir Ma\u00dfnahmen ergreifen und die Agenda in Bezug auf die Verpflichtungen vorantreiben. Ein zweiter wichtiger Aspekt ist der soziale Aspekt. Wir m\u00fcssen sicherstellen, dass durch den Energiewandel keine \u201egestrandeten Arbeiter&#8220; entstehen.<br \/>\nL\u00e4nder wie Polen, Ungarn und die Tschechische Republik haben ihre Verpflichtungen zur Klimaneutralit\u00e4t bis 2050 noch nicht unterzeichnet. F\u00fcr einige L\u00e4nder ist es ein gro\u00dfes Problem, wie sie den \u00dcbergang bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen.<br \/>\nDer Finanzbereich spielt dabei eine Schl\u00fcsselrolle. In der Vergangenheit hat er sich nicht wirklich mit sozialen Aspekten besch\u00e4ftigt. Aber jetzt erkennt er, dass die Energietransformation nicht ohne Ber\u00fccksichtigung der sozialen Aspekte stattfinden wird.<\/p>\n<p>Die Schlie\u00dfung von thermischen oder zuk\u00fcnftigen nuklearen Anlagen muss antizipiert und ordnungsgem\u00e4\u00df verwaltet werden. Die Arbeitsperspektive ist entscheidend, da das richtige Ma\u00df an Kompetenz sichergestellt werden muss, was eine erhebliche Investition in die Ausbildung der Mitarbeiter bedeutet. EDF hat mit NGOs, Gewerkschaften und lokalen Regionen \u00f6kologische \u00dcbergangsvertr\u00e4ge unterzeichnet, um die Transformation zu planen und sicherzustellen, dass die sozialen Auswirkungen des Energiewandels positiv sind.<br \/>\n90% der in Europa installierten Solarmodule werden in China oder Indien produziert. In Europa sind die meisten Solarunternehmen in den letzten 10 Jahren konkurs gegangen. Deshalb m\u00fcssen europ\u00e4ische Champions geschaffen werden, so de Boissezon. Die Industrie m\u00fcsse verteidigt werden. Wir m\u00fcssen das laut und deutlich der Europ\u00e4ischen Union vermitteln, um sicherzustellen, dass dieser Energiewandel einen Mehrwert in Europa schafft, betonte de Bossezon.<br \/>\nAm Ende ihrer Rede machte sie auf die Notwendigkeit von Koordinierung und Dialog aufmerksam. Die meisten Projekte, die nicht zum Erfolg f\u00fchren, l\u00e4gen nicht an der mangelnden Finanzierung, sondern an der Akzeptanz in der Bev\u00f6lkerung. Sie sei besorgt \u00fcber den Klimawandel und wolle erneuerbaren Strom \u2013 aber sie verweigern gleichzeitig Windkraftanlagen in ihrer N\u00e4he (NIMBY-Effekt, Not in My Backyard). Das k\u00f6nnte die n\u00e4chste Herausforderung f\u00fcr die Solarbranche sein, wenn es sich um einen massiven Einsatz handelt, da sie viel Land ben\u00f6tigt.<br \/>\nFazit: Wir m\u00fcssen etwas tun, und wir m\u00fcssen es schnell tun. Harte Entscheidungen und Ver\u00e4nderungen stehen bevor. Wir m\u00fcssen versuchen, beides zu erreichen: die globale Erw\u00e4rmung zu stoppen und gleichzeitig unsere Industrie, unsere Arbeitspl\u00e4tze und damit unseren Wohlstand zu erhalten. Aber nicht nur Politik und Wirtschaft sind daf\u00fcr verantwortlich. Die Bev\u00f6lkerung m\u00fcsse sich bewusst sein, dass die globale Erw\u00e4rmung nur besiegt werden kann, wenn sie zu Ver\u00e4nderungen in ihrem eigenen Lebensbereich bereit ist.<\/p>\n<p>Nach einer kurzen Frage- und Antwortrunde begannen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, in <strong>vier Arbeitsgruppen<\/strong> zu arbeiten.<\/p>\n<p>Gruppe 1:<br \/>\n<strong>Die europ\u00e4ischen Ziele 20\/20\/20 und der Energiewende in der EU, wo stehen wir heute?<\/strong><\/p>\n<p>Gruppe 2:<br \/>\n<strong>Eine ganzheitliche Sicht auf die globale Erw\u00e4rmung: die Verursacher (Strom, W\u00e4rme, Mobilit\u00e4t) und die Ausgleichselemente (Wolken, Ozeane, Vegetation).<\/strong><\/p>\n<p>Gruppe 3:<br \/>\n<strong>Wie reagieren Unternehmen auf die Herausforderungen? Wie sind sie bisher betroffen? Welche Unternehmen haben bereits Ma\u00dfnahmen ergriffen? Gibt es Idealbeispiele?<\/strong><\/p>\n<p>Gruppe 4:<br \/>\n<strong>Die j\u00fcngsten Energietransformationen auf der ganzen Welt: USA, China und Japan<\/strong><\/p>\n<p><strong>Samstag, 23. November<\/strong><\/p>\n<p>Der zweite Tag war der <strong>Arbeit an den Themen<\/strong> gewidmet. Nach einem kreativen, arbeitsreichen Tag pr\u00e4sentierten die einzelnen Gruppen ihre Ergebnisse und diskutierten sie mit den anderen:<\/p>\n<p><strong>GRUPPE 1: DIE EUROP\u00c4ISCHEN ZIELE 20\/20\/20UND DER ENERGIEWANDEL DER EU<\/strong><br \/>\n<strong>Marcin Markowski, Karl Wagner, Shradha Abt, Nejra Durakovic, Nico Gorgas<\/strong><\/p>\n<p>Seit mehr als einem Jahrhundert nutzen und verbrauchen die Menschen die Energieressourcen sorglos, als w\u00e4ren sie endlos. Im Jahr 2020 k\u00f6nnte sich die Welt in einer Sackgasse befinden. Aus diesem Grund haben sich die Staats- und Regierungschefs der EU im Jahr 2008 auf ein gemeinsames Ziel festgelegt, n\u00e4mlich die Umwandlung Europas in eine hoch energieeffiziente, CO2-arme Wirtschaft. Damals hat die Europ\u00e4ische Union das erste Paket der Klima- und Energiema\u00dfnahmen f\u00fcr 2020 vorgelegt:<br \/>\n&#8211; 20% weniger Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990,<br \/>\n&#8211; 20% der Energie, bezogen auf den Verbrauch, aus erneuerbaren Energien, im Vergleich zu 1990 und<br \/>\n&#8211; 20% Steigerung der Energieeffizienz im Vergleich zu 1990.<\/p>\n<p><strong>Aktueller Stand<\/strong><br \/>\n&#8211; Gut auf Kurs: Reduzierung der Treibhausgase um 23% (2018) bei einem Anstieg des BIP um 61%.<br \/>\n&#8211; Nicht auf Kurs: Nur 17,5% der Energie wird aus erneuerbarer Energie gewonnen (2018). Niederlande haben die schlechtesten Werte<br \/>\n&#8211; Nicht auf Kurs: Die Energieeffizienz liegt nur bei 17% (2018), das Ziel k\u00f6nnte jedoch je nach Energieverbrauch in der kommenden Periode erreicht werden.<\/p>\n<p><strong>Branchenspezifischer Ansatz<\/strong><br \/>\nDie Erreichung der Ziele basiert auf dem Minderungspotenzial, daher haben wir uns die f\u00fcnf Sektoren mit den h\u00f6chsten Emissionen angesehen und untersucht, wie diese Sektoren zur Erreichung der EU-Ziele beigetragen haben: Beitrag zu den Differenzzielen, was waren die Hauptthemen und was waren die Treiber f\u00fcr den I) Energiesektor, II) die Industrie, III) den Verkehr, IV) den Wohnungsbau und V) die Landwirtschaft.<\/p>\n<p><strong>I. Energiesektor<\/strong><br \/>\nDer R\u00fcckgang der Emissionen wurde haupts\u00e4chlich durch den Energiesektor verursacht. Dank des fortschreitenden Kohleabbaus und der zunehmenden Integration erneuerbarer Energiequellen (32,3% der EU-Stromerzeugung im Jahr 2018) konnten die Treibhausgasemissionen zwischen 2005 und 2016 um 26% reduziert werden. Der Ausstieg aus Steinkohle und Braunkohle schreitet EU-weit voran, wird aber in einigen Regionen aus politischen und sozio\u00f6konomischen Gr\u00fcnden behindert. In Polen zum Beispiel waren im Jahr 2015 \u00fcber 96.000 Menschen im Bergbau (Kohle und Braunkohle) besch\u00e4ftigt, das Land ist zu 80% von Kohle abh\u00e4ngig und kann sich die geforderten \u201eGreen Deal\u201c-Ma\u00dfnahmen noch nicht sofort anschlie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>II. Haupttreiber bei der Senkung der Treibhausgasemissionen f\u00fcr den Industriesektor sind:<\/strong><\/p>\n<p>1. ETS (einschlie\u00dflich kostenloser Zertifikate):<br \/>\nDas Ausbalancieren der richtigen CO2-Besteuerung und der richtigen Emissionsgrenzwerte unter Verwendung anderer spezifizierter Parameter in Abh\u00e4ngigkeit von der Branche und der produzierten Menge an Treibhausgasen k\u00f6nnte dazu f\u00fchren, dass drastischere Messungen der Industrie erforderlich werden, um Freizertifikatsnormen zu erreichen.<\/p>\n<p>2. Verbesserte Effizienz:<br \/>\nEnergieeffizienz senkt nicht nur die Treibhausgasemissionen, sondern auch die Produktionskosten und ist gleichzeitig eine Marketingma\u00dfnahme.<\/p>\n<p>3. Ver\u00e4nderungen in der Lieferkette:<br \/>\nVerbindung zwischen allen Beteiligten f\u00fcr einen ganzheitlichen Ansatz entlang der gesamten Lieferkette. Alternative Produkte und Versorgungswege k\u00f6nnen eine wichtige Rolle bei der endg\u00fcltigen Umweltbilanz spielen.<\/p>\n<p><strong>III. Verkehrssektor<\/strong><br \/>\nNach einem R\u00fcckgang der Emissionen zwischen 2007 und 2013 sind die verkehrsbedingten Emissionen in den letzten f\u00fcnf Jahren wieder gestiegen und liegen nun nur noch 3% unter denen von 2005. Gegen 2030 erwarten die Mitgliedstaaten eine leichte Reduzierung (7% gegen\u00fcber 2005). Bei der Umsetzung der geplanten Ma\u00dfnahmen werden die Verkehrsemissionen bis 2030 voraussichtlich um 18% gegen\u00fcber 2005 reduziert.<\/p>\n<p>Haupttreiber und langfristige Strategieoptionen, die zur Verringerung der CO2-Emissionen im Verkehrssektor beitragen k\u00f6nnten, sind:<br \/>\n&#8211; CO2-Emissionsnormen f\u00fcr Neuwagen, Lieferwagen und schwere Nutzfahrzeuge<br \/>\n&#8211; schnellere Elektrifizierung f\u00fcr alle Transportmodelle<br \/>\n&#8211; Ausbau der Eisenbahnstruktur: Verlagerung des Verkehrs von der Stra\u00dfe auf die Schiene<br \/>\n&#8211; Wasserstoff: H2-Entwicklung f\u00fcr HDV&#8217;s und einige f\u00fcr LDV&#8217;s<br \/>\n&#8211; Power-to-X: Einsatz von E-Kraftstoffen f\u00fcr alle Modelle (dieses Szenario geht von einer<br \/>\nintensiven Nutzung von E-Kraftstoffen aus, d.h. synthetischen Kraftstoffen aus erneuerbaren<br \/>\nEnergien, so dass eine gro\u00dfe Menge an Strom erzeugt werden m\u00fcsste, z.B. im<br \/>\nLuftfahrtsektor).<br \/>\n&#8211; Energieeffizienz: Erh\u00f6hung der Verkehrsverlagerung<br \/>\n&#8211; Zirkul\u00e4re \u00d6konomie: Mobilit\u00e4t als Dienstleistung<\/p>\n<p><strong>IV. Wohnungssektor<\/strong><br \/>\nDer Wohnungssektor war in den Jahren 2005 bis 2018 f\u00fcr 50% der CO2-Emissionsreduktion verantwortlich. Hauptprobleme sind hier die mangelnde Renovierung von Wohnungen, die zwangsl\u00e4ufig Finanzierungsfragen aufwirft; die Heiz- und K\u00fchlsysteme in Geb\u00e4uden, die nicht effizient und in vielen F\u00e4llen veraltet sind. Und der fragmentierte Bausektor \u2013 wo f\u00fcr alle Wohnarbeiten viele verschiedene Parteien besch\u00e4ftigt werden, um die Arbeit zu erledigen. Die wichtigsten regulatorischen Treiber f\u00fcr den Wohnungssektor w\u00e4ren: EPBD &#8211; Energy Performance of Buildings Directive, Energy Efficiency Directive &#8211; EED und andere Normen.<\/p>\n<p><strong>V. Landwirtschaft<\/strong><br \/>\nIm Zeitraum 2008 &#8211; 2015 gab es lediglich eine Reduzierung der Treibhausgase um 1,07%<br \/>\nDie Einf\u00fchrung von Ma\u00dfnahmen wie Steuern kann das Einkommen von Landwirten erheblich verringern und f\u00fcr Unruhe sorgen. Aus diesem Grund sollten Ma\u00dfnahmen einen lohnenden statt eines strafenden Charaktesr haben.<br \/>\n<strong>Die Erhaltung der Bev\u00f6lkerung im l\u00e4ndlichen Raum ist ebenfalls ein wichtiger Faktor.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Haupttreiber, die zur Senkung der CO2-Emissionen im Agrarsektor beitragen k\u00f6nnten, sind:<\/strong><br \/>\n1. Gutes Landmanagement mit sorgf\u00e4ltiger Planung und Landkrisenmanagement<br \/>\n2. Steigerung der Energie- und Kraftstoffeffizienz<br \/>\n3. Verbesserte Bew\u00e4sserung und D\u00fcngung<br \/>\n4. Gemeinsame Agrarpolitik (GAP), um die innovativen landwirtschaftlichen und l\u00e4ndlichen Praktiken konsequent zu unterst\u00fctzen.<br \/>\n5. LULUCF: Konsultation zum Gr\u00fcnbuch und das Engagement f\u00fcr die Reduzierung von Treibhausgasen mit den Mitgliedstaaten, die ihre Unterst\u00fctzungsma\u00dfnahmen durch die Landnutzung, Landnutzungs\u00e4nderung und Forstwirtschaft (LULUCF) nachweisen.<\/p>\n<p><strong>GRUPPE 2: EINE GANZHEITLICHE SICHT AUF DIE GLOBALE ERW\u00c4RMUNG<\/strong><br \/>\n<strong>Paula Amiama, Solomon Elliott, Tim Cholibois, C\u00e9cile Boucher, Karl Toomet, Mihkel Kaevats<\/strong><br \/>\nDer schnelle und unumkehrbare Klimawandel stellt eine der gr\u00f6\u00dften Bedrohungen f\u00fcr zuk\u00fcnftige Generationen dar. Um die \u00d6ffentlichkeit ganzheitlich zu sensibilisieren, entwickelte die Gruppe ein Kartenspiel f\u00fcr Sch\u00fcler, das die Grundlagen der Klimawissenschaften auf spielerische und interaktive Weise vermittelt. \u201eCarbon Clash\u201c unterteilt unsere Auswirkungen auf den Planeten in vier Kategorien: Energieerzeugung, Mobilit\u00e4t, Ern\u00e4hrung und Materialverbrauch. Die Karten innerhalb jeder Kategorie werden in einer hierarchischen Reihenfolge nach Aktivit\u00e4ten geordnet, die die geringsten Auswirkungen auf die Aktivit\u00e4ten haben, die in Bezug auf die CO2-Emissionen am wirkungsvollsten sind. Jede Karte \u2013 z.B. \u201eKohle verbrennen\u201c bei der Energieerzeugung oder \u201eZugfahrt\u201c bei Mobilit\u00e4t \u2013 enth\u00e4lt eine kurze, aber umfassende Erkl\u00e4rungen und ist f\u00fcr weitere Details mit einem Online-Wiki \/ einem physischen Handbuch verbunden. Das Ergebnis ist eine spannende Lernerfahrung f\u00fcr Sch\u00fcler, um ihre klimawissenschaftliche Kompetenz auf unterhaltsame Weise zu verbessern. Das Team entwickelt derzeit einen ersten Prototyp von Carbon Clash, um ihn mit verschiedenen Zielgruppen in ganz Europa zu testen. Das ist nicht zuletzt deshalb interessant, weil sich immer mehr Schulen mit dem Thema Klimawandel auseinandersetzen und Italien es sogar zum Schulfach machen will.<\/p>\n<p><strong>GRUPPE 3: WIE REAGIEREN UNTERNEHMEN AUF DIE HERAUSFORDERUNGEN?<\/strong><br \/>\n<strong>Isabel Schulze-Berndt, Hanna Ritari, Dimitrios Vouropoulos, Elif Dilmen, Anna Chashchyna, Kalina Trendafilova<\/strong><\/p>\n<p>Unternehmen sind einer Reihe von klimabedingten Herausforderungen in Form von physischen, finanziellen und \u00dcbergangsrisiken ausgesetzt. Die Risiken sind vielf\u00e4ltig und umfassen beispielsweise Betriebsst\u00f6rungen aufgrund extremer Wetterereignisse, die sich auf die Produktions- und Lieferkette auswirken, Preisschwankungen bei Rohstoffen, gestiegene Kosten aufgrund sich \u00e4ndernder Gesetze oder Reputationsrisiken aufgrund der Unf\u00e4higkeit, auf sich \u00e4ndernde Gesch\u00e4ftsanforderungen zu reagieren. Der Klimawandel stellt eine immer gr\u00f6\u00dfere Herausforderung f\u00fcr Unternehmen dar. So sind beispielsweise die wirtschaftlichen Auswirkungen von Naturkatastrophen von USD 200 Mrd. im Zeitraum 1970-1979 auf USD 1.400 Mrd. im Zeitraum 2010-2017 explodiert (Marsh, 2018).<br \/>\nF\u00fchrende Unternehmen wenden den Kampf gegen den Klimawandel jedoch zu ihrem Vorteil an, und viele Unternehmen sehen Klimaschutz als Motor f\u00fcr Wachstum, Wettbewerbsvorteil und Innovation. Die Kreislaufwirtschaft ist ein gutes Beispiel daf\u00fcr, dass Klimaschutz und Gesch\u00e4ftsm\u00f6glichkeiten kombiniert, neue Gesch\u00e4ftsmodelle erm\u00f6glicht und neue M\u00e4rkte im In- und Ausland erschlossen werden. Laut der Ellen-MacArthur-Stiftung k\u00f6nnte eine Umstellung auf eine Kreislaufwirtschaft die Netto-Ressourcenausgaben in der EU bis 2030 um j\u00e4hrlich EUR 600 Mrd. senken, was nach Ber\u00fccksichtigung von Multiplikatoreffekten zu einem Gesamtnutzen von EUR 1,8 Billionen pro Jahr f\u00fchrt. Die Kreislaufwirtschaft kann besonders starke Auswirkungen auf die Lebensmittelindustrie in der EU haben, wo 20% der j\u00e4hrlich produzierten Lebensmittel verloren gehen oder verschwendet werden. Es gibt bereits eine Reihe von Unternehmen, die dieses verlorene Potenzial durch dynamische Preisgestaltung f\u00fcr verderbliche Lebensmittel nutzen, wie zum Beispiel das niederl\u00e4ndische Unternehmen Wasteless, oder und durch die Schaffung von Marktpl\u00e4tzen f\u00fcr nicht verbrauchte Lebensmittel von Restaurants, wie das mittlerweile europaweit t\u00e4tige d\u00e4nische Unternehmen Too Good to Go.<br \/>\nNeben der Nutzung dieser v\u00f6llig neuen Gesch\u00e4ftsm\u00f6glichkeiten engagieren sich viele Unternehmen auch f\u00fcr die Reduzierung der Treibhausgasemissionen in ihrem bestehenden Gesch\u00e4ft. Die H\u00e4lfte der Fortune-500-Unternehmen hat bereits Emissionsminderungs- oder Ziele f\u00fcr saubere Energien, und fast 700 Unternehmen haben sich verpflichtet, ein wissenschaftlich fundiertes Emissionsminderungsziel im Einklang mit dem Pariser Abkommen festzulegen. Viele Unternehmen streben auch danach, ihren Wasserverbrauch zu senken und k\u00fcndigen zus\u00e4tzliche Investitionen in die Entwicklung kohlenstoffarmer Technologien an.<br \/>\nBasierend auf einer Umfrage von Bain &amp; Company aus dem Jahr 2016 erreichen oder \u00fcbertreffen jedoch nur 2% der Nachhaltigkeitsprogramme von Unternehmen die Erwartungen und \u00fcber 80% f\u00fchren zu mittelm\u00e4\u00dfigen oder unklaren Leistungen. Dies zeichnet ein etwas beunruhigendes Bild von den Nachhaltigkeitsinitiativen der Unternehmen. Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung daf\u00fcr ist, dass Nachhaltigkeitsziele und -ma\u00dfnahmen heute schwer messbar zu sein scheinen. Ein Hinweis darauf liefert eine Studie der MIT Sloan School of Management, in der die Ergebnisse von f\u00fcnf gro\u00dfen ESG (Environmental, Social, Governance) Rating-Anbietern verglichen wurden. Die Ratings unterschieden sich f\u00fcr ein einzelnes Unternehmen dramatisch, wobei das Korrelationsspektrum von 0,42 bis 0,73 im Vergleich zu 0,99 f\u00fcr Moody&#8217;s und Standard &amp; Poor&#8217;s Ratings lag (Berg et al., 2019). Es scheint, dass das Sprichwort \u201eMan kann nicht managen, was man nicht messen kann\u201c vor allem bei Nachhaltigkeitsinitiativen zu gelten scheint.<br \/>\nEine m\u00f6gliche L\u00f6sung, die die Unternehmen zu noch energischeren Handlungen zur Bek\u00e4mpfung des Klimawandels anregen k\u00f6nnte, liegt in politischen Ma\u00dfnahmen. Paul Polman, CEO von Unilever, wies treffend darauf hin, dass \u201edie Wirtschaft drei Dinge von der Politik braucht: Klarheit, Vertrauen und vor allem Mut\u201c (UN Global Compact, We Mean Business, WRI, 2018). Klare und ehrgeizige Regulierungen und langfristige Signale f\u00fcr die M\u00e4rkte k\u00f6nnen sowohl Investoren als auch Unternehmen dazu veranlassen, ihre Klimaschutzma\u00dfnahmen zu beschleunigen und letztlich dazu beitragen, die L\u00fccke zwischen Unternehmenszielen und -ma\u00dfnahmen zu schlie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>GRUPPE 4: AKTUELLE ENERGIETRANSITIONEN AUF DER GANZEN WELT: USA, CHINA UND JAPAN<\/strong><br \/>\n<strong>Dinand Drankier, Julien Hoez, Vera Mitteregger, Nevena Milutinovic, Samuel Zewdie<\/strong><\/p>\n<p>Obwohl wir wissen, was in Europa passiert, ist die EU nicht der Hauptbeitragszahler, wenn es um den Klimawandel geht. Ihre Ma\u00dfnahmen zur Reduzierung ihrer Emissionen haben eine relative Erfolgsquote. Wir k\u00f6nnen jedoch aus der Situation in Bezug auf China und die USA, zwei der gr\u00f6\u00dften globalen Umweltverschmutzer, und aus Japan, einem gro\u00dfen Industriestaat, lernen.<\/p>\n<p><strong>USA<\/strong><br \/>\nNachdem US-Pr\u00e4sident Obama das Pariser Abkommen 2015 ratifiziert hatte, k\u00fcndigte sein Nachfolger Donald Trump an, es zur\u00fcckzuziehen.<br \/>\nDa die Treibhausgasemissionen im Jahr 2017 im Vergleich zu 2005 nur auf -13% reduziert wurden, sind die USA nicht auf dem richtigen Weg, um ihren von der Obama-Regierung festgelegten NDC zu erreichen, der bis 2025 eine Reduzierung um 26 \u2013 28% erfordert.<br \/>\nEine wichtige Besonderheit der Vereinigten Staaten ist die gro\u00dfe politische Autorit\u00e4t, die die einzelnen Staaten im Energiebereich haben. In Ermangelung einer ehrgeizigen f\u00f6deralen Politik im Bereich der erneuerbaren Energien oder der Reduzierung der Treibhausgasemissionen haben sich die Staaten ihre eigenen Politiken und Ambitionen im Hinblick auf die Dekarbonisierung ausgedacht.<br \/>\nDerzeit haben 29 Staaten, der F\u00f6deralbezirk Washington, D.C. und drei Territorien verbindliche Standards, so genannte Renewable Portfolio Standards (RPSs), verabschiedet, die die Stromversorgungsunternehmen verpflichten, sicherzustellen, dass ein bestimmter Prozentsatz ihres Stroms aus erneuerbaren oder sauberen Quellen stammt. Neben verbindlichen Standards haben sich weitere acht Staaten und ein Gebiet Ziele f\u00fcr erneuerbare Energien gesetzt. In Bezug auf die Ambitionen haben sich 10 Staaten, der District of Columbia und das Territorium von Puerto Rico verpflichtet, ihre Stromversorgung bis 2050 vollst\u00e4ndig zu dekarbonisieren.<br \/>\nUm die Erzeugung erneuerbarer Energien und den Einsatz von emissionsfreien Fahrzeugen (ZEVs) zu f\u00f6rdern, haben mehrere Staaten Steuergutschriften oder -erleichterungen eingef\u00fchrt. Neun nord\u00f6stliche Staaten haben sich zudem zu einem regionalen Cap-and-Trade-System zusammengeschlossen, um die Emissionen aus dem Energiesektor zu reduzieren. Um auch die Emissionen aus der Produktion zu reduzieren, hat der Staat Kalifornien ein Cap-and-Trade-System eingef\u00fchrt, das auch diesen Sektor abdeckt.<br \/>\nObwohl viele dieser Ma\u00dfnahmen auf dem derzeitigen Niveau ihrer Ambitionen liegen oder ihr aktueller Abdeckungsgrad nicht ausreicht, um die USA auf den Weg in eine Welt weit unter 2\u00b0C zu bringen, geben die stetige Weiterentwicklung der Ambitionen und die Abdeckung der Politik auf staatlicher Ebene sowie das stetige Wachstum der erneuerbaren Energiewirtschaft in den Vereinigten Staaten auf der Grundlage ihrer eigenen Wertsch\u00f6pfung und Wettbewerbsf\u00e4higkeit Anlass zu Optimismus.<\/p>\n<p><strong>China<\/strong><br \/>\nChina tr\u00e4gt das 18. Jahr in Folge am st\u00e4rksten zum Wachstum des globalen Energieverbrauchs bei. Auf sie entfallen 24% des weltweiten Energieverbrauchs und 34% des globalen Energieverbrauchswachstums im Jahr 2018. Der Energieverbrauch stieg 2018 um 4,3%, von 3,3% im Jahr 2017 und einem 10-Jahres-Durchschnitt von 3,9% und wird voraussichtlich weiterhin steigen.<br \/>\nDas Energiesystem zeichnet sich durch eine geringe Energieeffizienz aus, die den Industriesektor mit hohem Energieverbrauch stark dominiert. Heute verbraucht der Industriesektor fast 60% des gesamten Energieverbrauchs, ein weitaus h\u00f6herer Anteil als in anderen L\u00e4ndern. Auf die Importe entfallen 70% des \u00d6lverbrauchs und 45% des Gasverbrauchs.<br \/>\nChina steht unter dem Druck der CO2-Reduktion: CO2-Emissionen und Energieintensit\u00e4t werden reduziert. Die Stromerzeugung aus thermischen Kraftwerken stieg um 6,7% und der Energieverbrauch der Sekund\u00e4rindustrie um 7,6% \u2192 Die Wirtschaftsleistung wuchs st\u00e4rker als die Kohlenstoffemissionen und der Energieverbrauch.<br \/>\nChina muss andere Energiequellen ausbauen und den Kohleeinsatz in wichtigen Regionen einschr\u00e4nken. Obwohl die Rohkohleproduktion um 4,5% gestiegen ist, sank ihr Anteil am gesamten Prim\u00e4renergieverbrauch 2018 erstmals unter 60%.<br \/>\nZusammenfassung<br \/>\n1. \u00c4nderung der chinesischen Wirtschaftsstruktur<br \/>\nTransformation des Industriesektors von der Schwerindustrie mit hohem Energieverbrauch zu einer leichteren Industrie und Dienstleistung mit geringerer Abh\u00e4ngigkeit von Energie als Input.<br \/>\n2. Digitalisierung<br \/>\nEntwicklung des Internet der Dinge, Elektrifizierung des Verkehrssektors und Nutzung gro\u00dfer Datenmengen als integrierter Bestandteil des Industrie- und Dienstleistungssektors. Diese Entwicklung erfordert Strom, nicht fossile Brennstoffe, als Input.<br \/>\n3. Verbesserung neuer Technologien f\u00fcr die Energieversorgung<br \/>\nDie Wind- und Stromversorgung hat sich zu einer technisch stabilen und wirtschaftlich tragf\u00e4higen alternativen Energiequelle entwickelt.<\/p>\n<p><strong>Japan<\/strong><br \/>\n\u25cfJapans Energielandschaft wurde von zwei gro\u00dfen Ereignissen in der Geschichte des Landes gepr\u00e4gt:<br \/>\n\u25cb den \u00d6lschocks in den 1970er Jahren (die ihre Abh\u00e4ngigkeit von anderen L\u00e4ndern verdeutlichte)<br \/>\n\u25cb Die Nuklearkatastrophe von Fukushima am 11. M\u00e4rz 2011<br \/>\n\u25cf Vor Fukushima: Japan ist nach den USA und Frankreich der drittgr\u00f6\u00dfte Atomstromerzeuger der Welt.<br \/>\n\u25cf Nach Fukushima (2013) \u2013 \u00c4nderung der Energiegewinnung in Gas, \u00d6l und Kohle<br \/>\n\u25cb Gas 42%<br \/>\n\u25cb \u00d6l 15%<br \/>\n\u25cb Kohle 31%<\/p>\n<p>PLAN: Verdoppelung der Menge an erneuerbaren Energien in der Stromversorgung bis 2023 auf 20%.<\/p>\n<p><strong>FAZIT:<\/strong><br \/>\nUnter Ber\u00fccksichtigung dieser Beobachtungen stellt sich die Frage, welche Lehren Europa aus den Entwicklungen in den Vereinigten Staaten, China und Japan ziehen kann. Ein erster Punkt aus dem obigen Vergleich ist, dass jedes Land aufgrund von Unterschieden in z.B. nat\u00fcrlichen Ressourcen, wirtschaftlicher Situation und politischem Kontext ein einzigartiges Energiesystem hat. Ans\u00e4tze zur Energiewende, die in einem Land funktionieren, lassen sich daher nicht ohne weiteres auf andere Staaten \u00fcbertragen. Der chinesische Top-Down-Ansatz bei der Gestaltung und Umsetzung des Energiewandels w\u00e4re f\u00fcr Europa kaum realisierbar, da hier Beteiligung und Konsultation der \u00d6ffentlichkeit, Stakeholder-Management und konsensuale Politik als zentrale Voraussetzungen f\u00fcr einen effektiven Energiewandel angesehen werden.<br \/>\nEin zweiter Punkt, der in diesem Vergleich hervorgehoben wurde, ist, dass Europa nicht der einzige Ort in der Welt ist, an dem ein Energiewandel stattfindet. Auch wenn die Energiewende in den Vereinigten Staaten, China und Japan in Bezug auf Ambitionen und Schwerpunkte einen anderen Ansatz verfolgt, lassen sich \u00dcberschneidungen und gemeinsames Interesse feststellen, wie z.B. die Wasserstoffwirtschaft, Offshore-Wind und die Optimierung der (Bio-) Ressourcennutzung. Klimadiplomatie, Austausch bew\u00e4hrter Praktiken, politische Verbindungen mit der Innovations- und Industriepolitik und internationale Zusammenarbeit k\u00f6nnen f\u00fcr Europa ein fruchtbarer Weg sein, um eine aktivere Klimapolitik zu f\u00f6rdern und die Einf\u00fchrung kohlenstoffarmer Technologien im Ausland zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Ausgehend von den einzelnen Lektionen, die aus den drei untersuchten L\u00e4ndern gezogen wurden, fallen zwei auf: Zun\u00e4chst ist es wichtig zu beachten, dass es beim Energiewandel auch um Ver\u00e4nderungen in der industriellen Aktivit\u00e4t und verschiedene Formen der Wertsch\u00f6pfung geht. W\u00e4hrend fossile Industrien im Laufe der Zeit an Wert verlieren werden, werden innovative klimaneutrale Technologien zu den Treibern der Zukunftswirtschaft. Die Kombination von Energiepolitik und Industriepolitik ist daher von gro\u00dfer Bedeutung. Unternehmen aus China und Japan haben einen gro\u00dfen Marktanteil bei der Herstellung von Hardware f\u00fcr erneuerbare Energien, wie beispielsweise der Photovoltaik, und machen gro\u00dfe Fortschritte bei Technologien f\u00fcr erneuerbare Energien wie Wasserstoff.<br \/>\nUm auf einem globalen Markt wettbewerbsf\u00e4hig zu sein, sollte sich Europa mehr darauf konzentrieren, europ\u00e4ische Champions auf dem Gebiet der erneuerbaren Energieerzeugung und sauberer industrieller und chemischer Prozesse zu schaffen. Die EU-Kommission sollte daher in ihrem Green Deal pr\u00fcfen, wie kollaborative und innovative Unternehmens\u00f6kosysteme und globale europ\u00e4ische Akteure gef\u00f6rdert werden k\u00f6nnen. Auch die Bewertung potenzieller Hindernisse, die sich beispielsweise aus verbraucherorientierten wettbewerbsrechtlichen Anforderungen ergeben, und die Frage, wie diese Bedenken mit der Notwendigkeit einer konsolidierten europ\u00e4ischen Antwort auf den ausl\u00e4ndischen Wettbewerb in Einklang gebracht werden k\u00f6nnen, k\u00f6nnten geeignete Punkte sein, die in den European Green Deal aufgenommen werden sollten.<br \/>\nZweitens ist, wie die Erfahrungen in den Vereinigten Staaten gezeigt haben, nicht nur eine Zentralregierung der einzige Akteur, der einen Energiewandel vorantreiben kann: Auch subnationale Regierungen und Unternehmen spielen dabei eine gro\u00dfe Rolle.<br \/>\nAuch im europ\u00e4ischen Kontext ist der Energiewandel ein Ph\u00e4nomen auf mehreren Ebenen, bei dem die EU, die nationalen Regierungen, die Regional- und die lokalen Regierungen ihre Rolle spielen.<br \/>\nHier besteht ein klarer Zusammenhang zum Beispiel mit dem von United Europe im Oktober 2018 in Budapest organisierten Seminar &#8222;Europa der Regionen&#8220;. Die Konzentration auf integrierte regionale Ans\u00e4tze f\u00fcr den Energiewandel und die Rolle der Regionen kann wichtige Lehren und Vorlagen liefern. Die regionale Entscheidung dar\u00fcber, wie der Energiewandel gestaltet werden soll und wie der Energiewandel in die regionale Landschaft integriert werden soll, kann unter Ber\u00fccksichtigung regionaler Besonderheiten ein guter Weg sein, um den \u00dcbergang zu erleichtern.<br \/>\nSie muss daher \u00fcberaus gut koordiniert sein, und zwar \u00fcber alle relevanten Akteure, einschlie\u00dflich der Gesellschaft insgesamt. Dar\u00fcber hinaus sollten die Regulierungsbeh\u00f6rden und Regierungen in dieser Phase des gro\u00dfen \u00dcbergangs zur vollst\u00e4ndigen Dekarbonisierung bis 2050 sehr aufgeschlossen bleiben, was Technologien und Anwendungen betrifft, die in Zukunft einen Unterschied machen werden, einschlie\u00dflich derjenigen, die m\u00f6glicherweise noch nicht existieren, mit denen sich F+E besch\u00e4ftigt. Wie die IEA in ihrer j\u00fcngsten WEO hervorgehoben hat, werden alle Technologien und die meisten Kraftstoffe und Energieformen noch in der Zukunft ben\u00f6tigt, so dass es falsch w\u00e4re, bereits jetzt &#8222;Gewinner&#8220; auszuw\u00e4hlen, mit dem Risiko, sich auf Technologien der fr\u00fchen Generation zu konzentrieren, die nur teilweise effizient sind. Dies gilt f\u00fcr einige EU-Mitgliedsstaaten bereits heute.<br \/>\nZusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass die europ\u00e4ische Antwort auf den Energiewandel auf dem beruhen sollte, worin Europa am besten ist: wettbewerbsf\u00e4hig und vielf\u00e4ltig zu sein.<\/p>\n<p><em>Wir danken <strong>Enedis<\/strong> f\u00fcr die gro\u00dfz\u00fcgige Unterst\u00fctzung!<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>KURZZUSAMMENFASSUNG: Am 22. und 23. November 2019 fand in Paris das 17. 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