{"id":15702,"date":"2019-10-29T19:33:59","date_gmt":"2019-10-29T18:33:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.united-europe.eu\/?p=15702"},"modified":"2019-10-29T19:34:44","modified_gmt":"2019-10-29T18:34:44","slug":"es-kommt-auf-die-groesse-und-auch-auf-die-geographie-an-der-unglueckliche-fall-der-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/2019\/10\/es-kommt-auf-die-groesse-und-auch-auf-die-geographie-an-der-unglueckliche-fall-der-ukraine\/","title":{"rendered":"Es kommt auf die Gr\u00f6\u00dfe und auch auf die Geographie an: der (un)gl\u00fcckliche Fall der Ukraine"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>W\u00e4hrend des letzten Young Professionals Seminars von United Europe in Lissabon hat Anna Romandash, Mitglied unserer Young Professionals Advisor-Gruppe, an vielen Diskussionen \u00fcber Sicherheit, NATO und die EU sowie die Rolle der Ukraine teilgenommen. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Ukraine f\u00fcr viele ein umstrittenes, zum Teil auch schmerzhaftes Thema ist. Hier ist ihr Text:<\/em><\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_15700\" aria-describedby=\"caption-attachment-15700\" style=\"width: 320px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Anna_Romandash2-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-15700\" src=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Anna_Romandash2-1-320x240.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"240\" srcset=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Anna_Romandash2-1-320x240.jpg 320w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Anna_Romandash2-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Anna_Romandash2-1-560x420.jpg 560w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Anna_Romandash2-1-600x450.jpg 600w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Anna_Romandash2-1-640x480.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15700\" class=\"wp-caption-text\">Anna Romandash<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Frage der Sicherheit Europas ist eine Frage der Sicherheit der Ukraine: Das ist in meinem Heimatland ein verbreiteter Gedanke. Lange Zeit dachte ich, das w\u00fcrde auch von anderen europ\u00e4ischen Verb\u00fcndeten geteilt, die sich bei verschiedenen Gelegenheiten zur Unterst\u00fctzung der Ukraine bereit erkl\u00e4rten. Dies ist jedoch nicht der Fall. Die Ukraine hat derzeit keine Priorit\u00e4t in der EU, und es fehlt an einer klaren Strategie gegen\u00fcber dem Land. Wei\u00df die EU, was sie mit der Ukraine machen soll? Nein, das tut sie nicht, zumindest scheint es so. Ist das schlecht? Ja, aber auch nein, und hier ist der Grund.<\/p>\n<p>Die Ukraine wurde immer als einer der vielen postsowjetischen Staaten im russischen Interessengebiet wahrgenommen. Auch die Ukraine hat diese Rolle einige Zeit lang perfekt gespielt. Unentschlossene Regierungen haben sich nie ganz zu Russland bekannt und gleichzeitig ihr Interesse an guten Beziehungen zu Ost und West bekundet. In der Praxis bedeutete das eine starke Abh\u00e4ngigkeit vom Einfluss Russlands, eine schleppende, wenn auch kontinuierliche Kommunikation mit der EU sowie jahrelange Stabilit\u00e4t und eine langsame Entwicklung. Als sich die Ukraine nach der Orangenen Revolution im Jahr 2004 offen f\u00fcr einen proeurop\u00e4ischen Kurs aussprach, brachte das keine gro\u00dfen Ver\u00e4nderungen. Obwohl das Interesse vorhanden war, schienen die westlichen Partner damals nicht bereit zu sein, die Ukraine aufzunehmen.<\/p>\n<p>Nach der Wahl des pro-russischen Pr\u00e4sidenten Viktor Janukowitsch im Jahr 2010 verschlechterte sich die Situation. Ironischerweise hatte die Ukraine w\u00e4hrend seiner Pr\u00e4sidentschaft die Chance, ein Assoziierungsabkommen mit der EU zu unterzeichnen \u2013 etwas, das sie w\u00e4hrend der Pr\u00e4sidentschaft des pro-westlichen Wiktor Juschtschenko nicht tun konnte. Die M\u00f6glichkeit, die Ukraine zu \u201everlieren\u201c, h\u00e4tte schon dadurch verhindert werden k\u00f6nnen, indem die Ukraine das Assoziierungsabkommen unterzeichnet und sich zu seiner Umsetzung verpflichtet h\u00e4tte. Im letzten Moment weigerte sich Janukowitsch, und der Rest ist Geschichte. Was jetzt in der Ukraine geschieht, ist das direkte Ergebnis der letzten Jahrzehnte, in denen die Politiker zu vorsichtig waren, um sich von Russland abzuwenden und ihr Interesse an der Wiederherstellung der nationalen Identit\u00e4t und der pro-westlichen Bestrebungen zu bekunden. Der darauffolgende Krieg mit Russland und die innere Instabilit\u00e4t sind ein Ausdruck der ungesunden Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine und der schwachen Beziehungen zwischen der EU und der Ukraine.<\/p>\n<p>Interessant ist, wie die EU die Ukraine jetzt wahrnimmt. Es scheint, dass trotz jahrelanger K\u00e4mpfe, Erkl\u00e4rungen auf beiden Seiten und verst\u00e4rkter Zusammenarbeit noch immer kein klarer Ansatz gegen\u00fcber der Ukraine besteht, und es fehlt eine produktive Strategie gegen\u00fcber dem Land. F\u00fcr viele Europ\u00e4er bleibt die Ukraine eine Terra incognita im russischen Dunstkreis, so dass wichtige politische Entscheidungen unter Ber\u00fccksichtigung wirtschaftlicher Interessen getroffen werden \u2013 und diese Interessen schlie\u00dfen in der Regel Russland mit ein. Die Lage der Ukraine als sicherer Hafen, der die EU vor Russland sch\u00fctzt, oder als Puffer zwischen Ost und West, zwischen Demokratie und deren Abwesenheit, ist im Hinblick auf die Ukraine eine weitere Verzerrung. Schlie\u00dflich gibt es noch die Frage der Gr\u00f6\u00dfe, denn die Integration eines so gro\u00dfen Landes in die EU \u2013 auch wenn wir \u00fcber eine ferne Zukunft sprechen \u2013 erscheint angesichts der aktuellen internen Probleme zwischen den Mitgliedstaaten bestenfalls schwierig.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend diese Aspekte von Nachteil sein k\u00f6nnen, hat die Ukraine aber auch die M\u00f6glichkeit, sie zu ihrem Vorteil zu nutzen. An der Ostgrenze zur EU gibt es eine sehr gro\u00dfe Bev\u00f6lkerungszahl, die ein gro\u00dfes Interesse an einer st\u00e4rkeren Zusammenarbeit mit dem Westen und alles in allem eine europ\u00e4ische Kultur hat. Die Gr\u00f6\u00dfe kann von gro\u00dfem Vorteil sein, wenn die Reformen in der Ukraine greifen und die gew\u00fcnschten Ergebnisse zu erzielen und die Wirtschaft in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00df wieder in Gang kommt. Dar\u00fcber hinaus ist die proaktive Rolle der Ukraine ebenso notwendig wie eine proaktive EU, wenn beide Seiten \u00fcber eine partnerschaftliche Zusammenarbeit diskutieren.<\/p>\n<p>Was die Ukraine dringend braucht, ist eine gute PR-Kampagne, so dass die westlichen Verb\u00fcndeten \u2013 sowohl die EU-Beamten als auch die normalen B\u00fcrger \u2013 die Ukraine als ein europ\u00e4isches Land sehen, das nach Europa zur\u00fcckkehrt, und nicht als Neuling, den sie lieber opfern w\u00fcrden, um Russland zu gefallen.<\/p>\n<p><em>Anna Romandash ist eine 26-j\u00e4hrige Journalistin aus Lwiw, Ukraine. Sie leitet die Kommunikation bei der NGO \u201eDigital Communication Network\u201c, arbeitet mit osteurop\u00e4ischen Journalisten zusammen und sucht nach M\u00f6glichkeiten, diese Arbeit f\u00fcr alle Europ\u00e4er attraktiver zu gestalten und zu verstehen, wie die EU mit einigen medienbezogenen Politiken umgeht. Derzeit arbeitet sie als Korrespondentin f\u00fcr Radio Free Europe in Barcelona.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend des letzten Young Professionals Seminars von United Europe in Lissabon hat Anna Romandash, Mitglied unserer Young Professionals Advisor-Gruppe, an vielen Diskussionen \u00fcber Sicherheit, NATO und die EU sowie die&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":16,"featured_media":15696,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[585,681],"tags":[1114,466,1578,861,867,1577,462,236,1151,1110],"powerkit_post_featured":[],"class_list":{"0":"post-15702","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ue-advocacy-programm","8":"category-advocacy-voices-de","9":"tag-anna-romandash-de","10":"tag-eastern-partnership-de","11":"tag-eu-beitritt","12":"tag-europaeische-identitaet","13":"tag-europaeische-integration","14":"tag-krimkrise","15":"tag-ostliche-partnerschaft","16":"tag-russland","17":"tag-united-europe-de-2","18":"tag-united-europe-de"},"acf":[],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15702","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/16"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15702"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15702\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15704,"href":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15702\/revisions\/15704"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15696"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15702"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15702"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15702"},{"taxonomy":"powerkit_post_featured","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/powerkit_post_featured?post=15702"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}