{"id":14001,"date":"2019-05-16T22:23:22","date_gmt":"2019-05-16T20:23:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.united-europe.eu\/?p=14001"},"modified":"2019-06-29T19:12:57","modified_gmt":"2019-06-29T17:12:57","slug":"tina-mueller-forwardeurope-ein-europaeischer-weg-in-die-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/2019\/05\/tina-mueller-forwardeurope-ein-europaeischer-weg-in-die-zukunft\/","title":{"rendered":"Tina M\u00fcller: #ForwardEurope \u2013 ein europ\u00e4ischer Weg in die Zukunft"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_13998\" aria-describedby=\"caption-attachment-13998\" style=\"width: 320px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/T_MUELLER_DOUGLAS_Website.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-13998\" src=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/T_MUELLER_DOUGLAS_Website-320x240.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"240\" srcset=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/T_MUELLER_DOUGLAS_Website-320x240.jpg 320w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/T_MUELLER_DOUGLAS_Website-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/T_MUELLER_DOUGLAS_Website-560x420.jpg 560w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/T_MUELLER_DOUGLAS_Website-600x450.jpg 600w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/T_MUELLER_DOUGLAS_Website-640x480.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-13998\" class=\"wp-caption-text\">Tina M\u00fcller, CEO Douglas<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>\u201eEuropa ist eine riesige Chance \u2013 allerdings ist die Gemeinschaft zu selbstverst\u00e4ndlich geworden\u201c, schreibt <strong>Tina M\u00fcller<\/strong>, CEO von <strong>Douglas<\/strong>, in unserer Artikelserie \u201e<strong>Europa kann es besser. Wie unser Kontinent zu neuer St\u00e4rke findet. Ein Weckruf der Wirtschaft<\/strong>\u201c, die vom <strong>Handelsblatt<\/strong> und <strong>United Europe<\/strong> initiiert wurde. \u201eDas europ\u00e4ische \u201eWir-Gef\u00fchl\u201c muss sich wieder bemerkbar machen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>\u201eEin Weckruf f\u00fcr Europa\u201c, vielleicht braucht es sogar ein \u201eAufr\u00fctteln\u201c oder den vielzitierten \u201eRuck\u201c, der durch die EU gehen muss. Es lohnt sich, aufzustehen f\u00fcr Europa. Wir sind alle schon zu einem erheblichen Teil Europ\u00e4er, ohne dass es uns immer bewusst ist.<\/p>\n<p>Viele, gerade die j\u00fcngeren Menschen, haben heute eine europ\u00e4ische Biografie. Auch ich bin schon mit dem europ\u00e4ischen Gedanken aufgewachsen, war eine der ersten, die am Erasmus-Programm teilgenommen haben. Mein franz\u00f6sischer Abschluss ist in Deutschland anerkannt. Das Unternehmen, das ich leite, ist in 21 europ\u00e4ischen Staaten vertreten. Wir bewegen uns ohne Grenzkontrollen durch Europa. Das alles w\u00e4re ohne EU nicht m\u00f6glich. Aber es ist schon selbstverst\u00e4ndlich, vielleicht zu selbstverst\u00e4ndlich. Grenzkontrollen und Wechselkurse sp\u00fcrt man \u2013 wenn sie wegfallen, sp\u00fcrt man sie nicht mehr und der Vorteil ist schnell vergessen.<\/p>\n<p><strong>Geschwindigkeit, die \u00fcberfordert<br \/>\n<\/strong>Zweifellos steht Europa unter Druck. Digitalisierung und Globalisierung stellen den gesellschaftlichen Zusammenhalt vor Herausforderungen. Die viel zitierte disruptive Entwicklung hei\u00dft im praktischen Leben, dass, wer vor zwanzig Jahren eine Buchhandlung er\u00f6ffnet hat, nun davon vermutlich kaum mehr leben kann. Es bedeutet, dass wir bald nicht nur den Komfort selbstfahrender Autos genie\u00dfen k\u00f6nnen, sondern auch, dass der Beruf des Taxi- oder LKW-Fahrers zur Disposition steht. L\u00e4ngst sind es nicht nur einfache T\u00e4tigkeiten, in denen die Maschine dem Menschen \u00fcberlegen ist. K\u00fcnstliche Intelligenz kann inzwischen juristische, finanzanalytische Aufgaben, ja sogar medizinische Diagnostik \u00fcbernehmen. Das ist alles segensreich, weil es unser Leben einfacher und effizienter macht, nicht aber unbedingt unsere Lebensplanung. Disruptiv bedeutet, dass wir am Anfang unseres Berufslebens nicht wissen, ob es ihn an dessen Ende \u00fcberhaupt noch gibt.<\/p>\n<p>Unternehmen oder eine Gesellschaftsordnung lassen sich modernisieren. Mit Biografien ist das schwieriger. Die Wucht und die Geschwindigkeit, mit der Globalisierung und Digitalisierung unser Leben ver\u00e4ndern, kann Empfindungen von Ohnmacht hervorrufen. Die Bef\u00e4higung, das eigene Leben zu steuern und zu gestalten, ist aber ein unverzichtbarer Motivator. Ihr Verlust f\u00fchrt zu Resignation und Frust. Ohnmacht ist f\u00fcr viele \u2013 f\u00fcr zu viele \u2013 Menschen das Grundgef\u00fchl unserer Zeit. Der Rechtspopulismus mit seiner R\u00fcckbesinnung auf die Vergangenheit ist nicht zuletzt eine Reaktion darauf. Er offeriert die \u00dcberschaubarkeit eines beherrschbaren Lebenslaufes und suggeriert die Wiedererlangung traditionell nationalstaatlicher Souver\u00e4nit\u00e4t.<\/p>\n<p><strong>\u201eMein Land zuerst\u201c ist keine Option<br \/>\n<\/strong>Es gibt un\u00fcbersehbar ein Bed\u00fcrfnis nach Repolitisierung und F\u00fchrung, nach Alternativen zur Alternativlosigkeit. Die Rechtspopulisten mobilisieren die Frustrierten, bedienen den Bedarf nach Halt und Orientierung. Die EU seht auf der anderen Seite, sie ist Teil eines kulturellen Gro\u00dfkonflikts geworden \u2013 Globalisierung gegen Abschottung, Gender gegen klassische Rollenbilder, multikulturelle Gesellschaft gegen ethnische Homogenit\u00e4t, weltoffene Eliten der Metropolen gegen abgeh\u00e4ngte l\u00e4ndliche R\u00e4ume und eben Europa gegen Nationalstaat.<\/p>\n<p>Br\u00fcssel mit seinen Richtlinien zur Bananenkr\u00fcmmung und M\u00fclltonnengr\u00f6\u00dfe, mit seiner zuweilen doch etwas expansiven Deutung des Subsidiarit\u00e4tsprinzips, wird als Fremdbestimmung empfunden. Der Rechtspopulismus n\u00e4hrt dieses Gef\u00fchl. Doch die Versuche, aus dem Ressentiment Politik zu machen, sind kl\u00e4glich. Purer Trotz ist kein Politikkonzept. Wenn wir \u00fcber den Atlantik blicken, ist der Weg, sich aus der multilateralen Verantwortung heraus und zur\u00fcck auf den Nationalstaat zu ziehen, nicht gerade vielversprechend. Das Brexit-Chaos in Gro\u00dfbritannien motiviert auch nicht zur Nachahmung. \u201eMein Land zuerst\u201c ist keine Option.<\/p>\n<p>Waren- und Kommunikationsstr\u00f6me verlaufen l\u00e4ngst grenz\u00fcberschreitend. Die Erh\u00f6hung der Einfuhrz\u00f6lle durch Donald Trump hat den Handel \u00fcber Europa schon ansteigen lassen, ein willkommenes Konjunkturprogramm f\u00fcr die europ\u00e4ische Wirtschaft. Protektionismus will das Rad der Geschichte zur\u00fcckdrehen. Das hat es immer wieder gegeben. Aber nie war er dauerhaft erfolgreich. Es ist in den letzten Jahrzehnten gelungen, eines der wichtigsten humanit\u00e4ren Ziele zu erreichen: die Anzahl der in extremer Armut lebenden Menschen zu halbieren. Das hat keine Entwicklungspolitik geschafft. Kein Budget der Welt h\u00e4tte daf\u00fcr ausgereicht. Es ist der Handel zwischen den Entwicklungs- und den Industriel\u00e4ndern gewesen, der das erm\u00f6glicht hat.<\/p>\n<p><strong>Europ\u00e4ische Union zwischen Gestaltungsinstrument und Ohnmachtsgef\u00fchl<br \/>\n<\/strong>Es wird nicht der Nationalstaat sein, der die Alternativlosigkeit \u00fcberwindet. Und auch nicht der Feldzug gegen den Liberalismus. Wir brauchen die supranationale Kooperation dringend, weil die gro\u00dfen Herausforderungen der Gegenwart nicht an Grenzen halt machen. Die Europ\u00e4ische Union ist unser Gestaltungsinstrument, unser Hebel und unser Machtmittel in einer globalisierten Welt. Von zu vielen wird sie aber derzeit als zus\u00e4tzlicher Faktor der Fremdbestimmung, des Verlustes an Souver\u00e4nit\u00e4t, empfunden. Das hat sie zum S\u00fcndenbock werden lassen, zur willkommenen Projektionsfl\u00e4che der Abgrenzung und St\u00e4rkung nationaler Identit\u00e4ten. Aus diesem Konflikt muss Europa raus. Das ist nicht einfach, aber es lohnt jede M\u00fche. Am Beispiel des Brexit manifestiert sich, dass nichts weniger als der Zusammenhalt der EU daran h\u00e4ngt.<\/p>\n<p><strong>Raus aus der Sackgasse<br \/>\n<\/strong>Nach der zweifellos emotionalen \u2013 um nicht zu sagen irrationalen \u2013 Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen, ist der Brexit nun das Exempel, an dem die Folgen der populistischen Europhobie statuiert werden. Der Brexit soll weh tun. An ihm l\u00e4sst sich demonstrieren, was wir an Europa haben, sp\u00fcrbar machen, was allzu selbstverst\u00e4ndlich geworden ist. Diese Haltung der EU-Verhandler ist nachvollziehbar. Aber ist sie auch richtig? Der Ausgang des Votums war denkbar knapp. Bislang sind alle Versuche, es umzusetzen, ohne erforderliche parlamentarische Unterst\u00fctzung geblieben. Die Situation ist festgefahren. Bei allem Respekt vor dem Ergebnis einer demokratischen Abstimmung, die EU sollte Gro\u00dfbritannien darin unterst\u00fctzen, auch umkehren zu k\u00f6nnen, statt st\u00e4ndig weiter gegen die Wand zu laufen. In der Euro-Krise hat die EU mit dem \u00fcberschuldeten Griechenland auch Langmut bewiesen. Wir sollten nichts unversucht lassen, auch Gro\u00dfbritannien zu halten. Oder zumindest einen pragmatischen Brexit unterst\u00fctzen, statt ausschlie\u00dflich auf den Lerneffekt eines schmerzhaften Austritts aus der EU zu setzen.<\/p>\n<p><strong>Europa muss unmittelbar erlebbar sein<br \/>\n<\/strong>Die Spannungslinien in der Gesellschaft verlaufen zwischen Modernisierungsgewinnern und Verlierern von Globalisierung und Digitalisierung, zwischen Fortschrittsoptimisten und -skeptikern. Die EU wird in diesem Konflikt ganz klar auf der Seite der Gewinner verortet. Es gibt ein europ\u00e4isches Wir-Gef\u00fchl. Es ist tendenziell st\u00e4dtisch, gebildet und verdient gut. Es muss auch die anderen erreichen. Europa ist nicht einfach ein Lieblingsprojekt der Eliten, beweihr\u00e4uchert in staatstragenden Reden, immer wieder beschworen als Jahrhundertprojekt und Friedensgarant. Selbstreferentielles Pathos gen\u00fcgt nicht. Die EU muss als Chance und Schutzinstanz erlebbar sein, im Miteinander mit den Nationalstaaten und ihren spezifischen Identit\u00e4ten.<\/p>\n<p><em>Die Artikelreihe \u201e<strong>Europa kann es besser<\/strong>\u201c erscheint bis zur Europawahl im <strong>Handelsblatt<\/strong> auf Deutsch und in Deutsch und Englisch auf <strong>Handelsblatt Online<\/strong> und der Website von United <strong>Europe.<\/strong> Die Texte sind auch in einem <strong>Buch<\/strong> zusammengefasst, das am 15. April 2019 im <strong>Herder-Verlag<\/strong> erschienen ist. Weitere Informationen \u00fcber das Buch finden Sie <a href=\"https:\/\/www.herder.de\/geschichte-politik-shop\/europa-kann-es-besser-gebundene-ausgabe\/c-34\/p-15322\/\">hier<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><strong>\u00dcber Tina M\u00fcller<\/strong><br \/>\nTina M\u00fcller, Jahrgang 1968 und geboren in Bad Neuenahr-Ahrweiler, ist seit November 2017 Vorsitzende der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung (CEO) der Douglas GmbH, dem f\u00fchrenden Beauty-H\u00e4ndler in Europa mit Sitz in D\u00fcsseldorf. Zuvor verantwortete sie von 2013 bis 2017 als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Marketing und Chief Marketing Officer (CMO) der Opel Automobile GmbH die gesamte strategische Marken- und Produktf\u00fchrung des Automobilherstellers. Unter ihrer Leitung startete das Unternehmen die preisgekr\u00f6nte Kampagne \u201eUmparken im Kopf\u201c.<br \/>\nNach ihrem Studium der BWL und VWL an den Universit\u00e4ten Trier und Lyon, begann Tina M\u00fcller 1993 ihre Karriere in der Kosmetikbranche beim Kosmetikkonzerns L&#8217;Or\u00e9al. Ein Jahr sp\u00e4ter wechselte sie zur Wella AG nach Darmstadt, bevor sie 1995 beim Konsumg\u00fcterhersteller Henkel KGaA einstieg.\u00a0 Dort war sie 17 Jahre lang im Bereich Beauty Care t\u00e4tig &#8211; unter anderem als Global Chief Marketing Officer (CMO) und zuletzt als Corporate Senior Vice President f\u00fcr die Region Westeuropa von 2012 bis 2013. Sie war unter anderem an der internationalen Entwicklung der Marke Schwarzkopf und an der Einf\u00fchrung der damals neuen Haarkosmetikmarke Syoss beteiligt. Berufsbegleitend schloss sie Kurse an der Harvard Business School sowie sp\u00e4ter an der Stanford University ab.<br \/>\n2017 wurde Tina M\u00fcller vom Handelsblatt als Aufsteiger des Jahres ausgezeichnet und 2018 in die Liste der 100 einflussreichsten Managerinnen aufgenommen, die das Manager Magazin j\u00e4hrlich ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEuropa ist eine riesige Chance \u2013 allerdings ist die Gemeinschaft zu selbstverst\u00e4ndlich geworden\u201c, schreibt Tina M\u00fcller, CEO von Douglas, in unserer Artikelserie \u201eEuropa kann es besser. 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