{"id":13823,"date":"2019-05-13T08:35:55","date_gmt":"2019-05-13T06:35:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.united-europe.eu\/?p=13823"},"modified":"2019-06-29T11:56:08","modified_gmt":"2019-06-29T09:56:08","slug":"wir-muessen-die-stromversorgung-viel-enger-europaeisch-vernetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/2019\/05\/wir-muessen-die-stromversorgung-viel-enger-europaeisch-vernetzen\/","title":{"rendered":"Rolf Martin Schmitz: Wir m\u00fcssen die Stromversorgung viel enger europ\u00e4isch vernetzen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_13820\" aria-describedby=\"caption-attachment-13820\" style=\"width: 320px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/TIC01-rolf-martin-schmitz.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-13820\" src=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/TIC01-rolf-martin-schmitz-320x240.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"240\" srcset=\"https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/TIC01-rolf-martin-schmitz-320x240.jpg 320w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/TIC01-rolf-martin-schmitz-560x420.jpg 560w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/TIC01-rolf-martin-schmitz-640x480.jpg 640w, https:\/\/www.united-europe.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/TIC01-rolf-martin-schmitz-1120x840.jpg 1120w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-13820\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Rolf Martin Schmitz, CEO RWE AG<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>\u201eDie europ\u00e4ische liberale Gesellschaft steht auf dem Spiel\u201c, schreibt <strong>Dr. Rolf Martin Schmitz<\/strong>, <strong>CEO RWE AG<\/strong>, in seinem Essay zu unserer Artikelserie \u201e<strong>Europa kann es besser. Wie unser Kontinent zu neuer St\u00e4rke findet. Ein Weckruf der Wirtschaft<\/strong>\u201c, die vom <strong>Handelsblatt<\/strong> und <strong>United Europe<\/strong> initiiert wurde: \u201eNur eine vereinte und starke EU kann eine sichere Zukunft f\u00fcr ihre Wirtschaft garantieren.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Mein Herz schl\u00e4gt f\u00fcr die Europ\u00e4ische Union. Sie war und ist die richtige Antwort auf Krieg und Zerst\u00f6rung. Dass die meisten Europ\u00e4er 74 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg Frieden und Wohlstand f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich erachten, ist ihre gr\u00f6\u00dfte Errungenschaft. Was f\u00fcr mich ebenso bedeutend ist: Die EU ist auch und vor allem die richtige Antwort auf die in der Zukunft liegenden Herausforderungen.<\/p>\n<p>Am besten gelingt Europa immer dort, wo es viele \u00dcberschneidungen gibt, wo Menschen gemeinsam agieren oder eng zusammenarbeiten. Bei RWE, dem Unternehmen, das ich f\u00fchre, ist das gut zu beobachten. RWE ist bislang vor allem in Deutschland, Gro\u00dfbritannien und den Niederlanden aktiv. F\u00fcr die Zeit ab 2020 \u2013 wenn wir das Gesch\u00e4ft mit den erneuerbaren Energien von E.ON und innogy unter unserem Dach vereinen \u2013 ist das eine gute Basis, um mit internationalen Partnern in anderen Teilen der Welt noch st\u00e4rker Handel zu treiben. Mir ist davor nicht bange. Im Gegenteil: Unsere internationalen Teams arbeiten hervorragend zusammen. Unterschiede m\u00fcssen nicht trennen \u2013 sie k\u00f6nnen sich sehr gut erg\u00e4nzen. Daraus entsteht weit mehr als gute Arbeit: Menschen interessieren sich f\u00fcreinander, sie lernen sich kennen und sch\u00e4tzen. Das schafft Gemeinsamkeit, Respekt und Verst\u00e4ndnis f\u00fcr manch l\u00e4nderspezifische Besonderheit. Das geht oft weit \u00fcber das Berufliche hinaus. Und es ist ein gutes Mittel gegen Intoleranz.<\/p>\n<p>Genau das ist der europ\u00e4ische Gedanke: Miteinander statt Gegeneinander, Respekt statt Abneigung. F\u00fcr dieses freie, weltoffene und geeinte Europa trete ich ein. Wir alle, die ihre Stimme f\u00fcr Europa erheben k\u00f6nnen, sind jetzt gefordert. Schwarzmaler und Populisten haben derzeit Konjunktur. Sie bek\u00e4mpfen das gemeinsame Bewusstsein f\u00fcr Europa und predigen nationale Abschottung. Leider in Teilen erfolgreich. Der Brexit zeigt, wie schnell sich Mehrheiten gegen den europ\u00e4ischen Gedanken bilden k\u00f6nnen. Er ist das un\u00fcbersehbare Symptom des wiederkehrenden nationalen Denkens. Es ver\u00e4ndert unsere Welt in eine falsche Richtung.<\/p>\n<p>Ein Beispiel zeigt das sehr deutlich: Wer \u00fcber Handelskriege liest, blickt wieder in Tageszeitungen statt in Geschichtsb\u00fccher. Das erschreckt mich, weil unser Modell der liberalen Gesellschaft und des freien Handels auf dem Spiel steht. Deutschland ist auf sich allein gestellt zu klein, um unsere Sicht auf Recht und Freiheit gegen China, die USA oder Russland zu behaupten. Das gelingt nur im europ\u00e4ischen Verbund, wenn 500 Millionen Europ\u00e4er zusammenstehen. Daf\u00fcr garantiert einzig die Europ\u00e4ische Union. Sie zu st\u00e4rken ist oberste Pflicht.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hat die EU auch ihre Schw\u00e4chen \u2013 keine Frage. Auch mir ist sie oft zu beh\u00e4big und b\u00fcrokratisch. Manch eine Regelung schie\u00dft \u00fcber das Ziel hinaus, und nicht alle auf EU-Ebene gefundenen Kompromisse l\u00f6sen bei mir spontane Begeisterung aus. Und dennoch: F\u00fcr mich ist die EU das beste System, das ich mir f\u00fcr Europa vorstellen kann. Wo wir sie verbessern k\u00f6nnen, sollten wir das tun \u2013 verantwortungsvoll und von innen heraus.<\/p>\n<p>Wo immer es m\u00f6glich und sinnvoll ist, muss Europa weiter zusammenwachsen. Potenzial ist ausreichend vorhanden. Energie ist hierf\u00fcr ein gutes Beispiel. Wir h\u00e4tten viele M\u00f6glichkeiten, die Stromversorgung noch viel enger europ\u00e4isch zu vernetzen. Sicher, bezahlbar und mit m\u00f6glichst wenig CO2. Von einem solchen Verbundnetz ist Europa noch ein ganzes St\u00fcck entfernt. Beim Energiemix denken die meisten EU-Staaten leider immer noch eher national. Frankreich setzt weiter auf Kernkraft, Polen baut auf Kohle, und Deutschland richtet seinen Fokus vor allem auf die Erneuerbaren. Auch unser Leitungsnetz orientiert sich meist noch an nationalen Grenzen. Wo es ein gut eingespieltes Orchester geben sollte, sind unabgestimmte Soli an der Tagesordnung. Dass das dissonant statt harmonisch, teuer statt effizient ist, liegt auf der Hand.<\/p>\n<p>Dabei w\u00fcrde gerade der Energiewirtschaft eine viel st\u00e4rkere europ\u00e4ische Ausrichtung guttun. \u00dcber 50 gro\u00dfe Verb\u00e4nde sowie Energieunternehmen aus ganz Europa haben deshalb bereits die \u201eVision of the European Electricity Industry\u201c unterzeichnet. Sie bekennen sich darin im Lichte des Pariser Klimaabkommens zum Ziel einer wettbewerbsf\u00e4higen, verl\u00e4sslichen und bis zur Mitte des Jahrhunderts weitgehend CO2-neutralen europ\u00e4ischen Energieversorgung. Das ist ein guter Anfang, der f\u00fcr die Politik Ansporn sein sollte, die europ\u00e4ische Einigung auch im Energiesektor weiter voranzutreiben.<\/p>\n<p>Mit dem Europ\u00e4ischen Emissionshandel, kurz ETS, ist grenz\u00fcberschreitend schon ein Leuchtturm gesetzt worden. Das System ist einfach \u2013 und gut: Wer in Europa zur Stromerzeugung CO2 ausst\u00f6\u00dft, muss daf\u00fcr Zertifikate erwerben. Diese sind begrenzt, und jedes Jahr kommen weniger auf den Markt. Das f\u00fchrt automatisch dazu, dass die Energiewirtschaft immer weniger Treibhausgase ausst\u00f6\u00dft und die Emissionen in den Sektoren, die unter den Emissionshandel fallen, bis zum Jahr 2050 um ca. 87 Prozent zur\u00fcckgehen werden. Den Preis f\u00fcr die Zertifikate regelt dabei der Markt, so dass durchg\u00e4ngig Anreize f\u00fcr innovative L\u00f6sungen gesetzt werden. Ein System f\u00fcr alle Mitgliedsl\u00e4nder der europ\u00e4ischen Union.<\/p>\n<p>Um weniger Zertifikate erwerben zu m\u00fcssen, ist der Einfallsreichtum der Unternehmen gefragt. Im Jahr 2017 haben allein bei RWE 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterschiedlicher Herkunft an \u00fcber 320 Forschungs- und Entwicklungsprojekten gearbeitet. 76 Erfindungen wurden zum Patent angemeldet. Von der Stromerzeugung bis zur modernen Speichertechnik erforschen sie so ziemlich alles, was im Energiesektor denkbar ist. Aus Ideen entstehen Pilotanlagen \u2013 und am Ende international wettbewerbsf\u00e4hige Spitzentechnologien.<\/p>\n<p>So arbeiten Unternehmen wie RWE an Technologien, \u00fcbersch\u00fcssigen Windstrom in Gas umzuwandeln und zu speichern, um es zum Beispiel sp\u00e4ter wetterunabh\u00e4ngig wieder verstromen zu k\u00f6nnen. Zusammen mit anderen Unternehmen hat RWE auch ein Verfahren zur CO2-Abtrennung entscheidend weiterentwickelt. Hierdurch werden 30 Prozent weniger Energie ben\u00f6tigt, als das bei bisherigen Technologien der Fall war, um hochreines Kohlendioxid aus Rauchgas abzutrennen. Besonders bedeutsam, weil u. a. das UN-Klimab\u00fcro die CO2-Abscheidung f\u00fcr eine weltweite Klimaneutralit\u00e4t als wichtigen Baustein ansieht. Dabei kann das abgetrennte Kohlendioxid als Rohstoff in der chemischen Industrie verwendet oder gespeichert werden. Klima, Verbraucher und Energiewirtschaft profitieren so am Ende gleicherma\u00dfen.<\/p>\n<p>Viele Menschen au\u00dferhalb der Mitgliedstaaten beneiden uns um die Europ\u00e4ische Union. Wegen ihrer wirtschaftlichen St\u00e4rke, der Rechtssicherheit, der sozialen Standards und auch wegen der F\u00e4higkeit, Kompromisse zu schlie\u00dfen; auch wenn das, zugegeben, manchmal sehr m\u00fchsam und z\u00e4h wirken kann. Ich w\u00fcnsche mir, dass eine zus\u00e4tzliche Komponente hinzukommt: Europa muss wieder Technologief\u00fchrer in Zukunftsm\u00e4rkten werden. Besonders im Zuge der Digitalisierung hat Europa gegen\u00fcber Mitbewerbern aus Fernost und Amerika Federn gelassen. Das ist problematisch, weil die europ\u00e4ischen Unternehmen in einem globalen Wettbewerb stehen. Entschlossen und geschlossen f\u00fcr Forschung und Entwicklung \u2013 diese Haltung sollte daher innerhalb der EU einen neuen, einen h\u00f6heren Stellenwert bekommen. Warum? F\u00fcr mich sind drei Gr\u00fcnde entscheidend:<\/p>\n<p>Erstens: So entsteht der technologische Vorsprung, den wir f\u00fcr unsere Produkte auf den globalen M\u00e4rkten brauchen. Innovative und zukunftsf\u00e4hige, global wettbewerbsf\u00e4hige Unternehmen sind f\u00fcr unseren Wohlstand unabdingbar.<\/p>\n<p>Zweitens: Aus Technologief\u00fchrerschaft w\u00e4chst Wirtschaftskraft. Eine starke europ\u00e4ische Wirtschaft ist die Basis, freien und offenen Welthandel unter fairen Bedingungen zu betreiben. Ein starkes und geeintes Europa kann Mindeststandards bei der Herstellung von G\u00fctern f\u00fcr den europ\u00e4ischen Markt oder Arbeitnehmerrechte in den Produktionsl\u00e4ndern durchsetzen. Ein schwaches Europa wird hier scheitern.<\/p>\n<p>Drittens: Eine nachhaltige Fokussierung der EU auf Forschung und Entwicklung stabilisiert und st\u00e4rkt die EU im Innern. Vor allem junge Europ\u00e4er im S\u00fcden Europas sind heute von Arbeitslosigkeit betroffen. Forschung, Entwicklung und die damit verbundenen Investitionen k\u00f6nnen dazu beitragen, dass hieraus Zukunftsprodukte, neue Arbeitspl\u00e4tze und Wohlstand entstehen \u2013 statt Hoffnungslosigkeit.<\/p>\n<p>Mut und Zuversicht st\u00fcnden so (endlich) wieder im Vordergrund europ\u00e4ischer Debatten. Selbstvertrauen und die Freude auf Zukunft w\u00e4ren die Folgen des Aufschwungs. Es w\u00fcrde dem Geist Europas guttun, neben den gro\u00dfen praktischen Vorz\u00fcgen wie einheitliche W\u00e4hrung und Reisen ohne Grenzen eine wirtschaftliche Dimension hinzuzubekommen.<\/p>\n<p>Ob es so kommt, haben wir B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger der Europ\u00e4ischen Union selbst in der Hand. Nat\u00fcrlich werde ich daher bei der Wahl zum Europ\u00e4ischen Parlament mein Kreuz machen. Weil ich als B\u00fcrger zu Europa, zur EU stehe. Und weil ich m\u00f6chte, dass unsere Kinder und Enkel auf einem geeinten Kontinent gro\u00df werden. Deshalb w\u00e4hle ich die Zukunft \u2013 und die ist proeurop\u00e4isch.<\/p>\n<p><em>Die Artikelreihe \u201e<strong>Europa kann es besser<\/strong>\u201c erscheint bis zur <strong>Europawahl<\/strong> im <strong>Handelsblatt<\/strong> auf Deutsch und in Deutsch und Englisch auf <strong>Handelsblatt Online<\/strong> und der Website von <strong>United Europe<\/strong>. Die Texte sind auch in einem <strong>Buch<\/strong> zusammengefasst, das am 15. April 2019 im Herder-Verlag erschienen ist. Weitere Informationen \u00fcber das Buch finden Sie <a href=\"https:\/\/www.herder.de\/geschichte-politik-shop\/europa-kann-es-besser-gebundene-ausgabe\/c-34\/p-15322\/\">hier<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><strong>\u00dcber Dr. Rolf Martin Schmitz:<\/strong><br \/>\nDr. Rolf Martin Schmitz, geboren 1957 in M\u00f6nchengladbach, studierte an der RWTH Aachen Ingenieurswissenschaften. Nach seiner Promotion zum Dr.-Ing. im Jahr 1985 arbeitete er bei der Steag AG und der VEBA AG. Von 1998 bis 2001 war Dr. Rolf Martin Schmitz als Mitglied des Vorstands f\u00fcr die rhenag Rheinische Energie AG t\u00e4tig. Es folgten Vorstandst\u00e4tigkeiten f\u00fcr die Th\u00fcga AG und die \u00dcbernahme des Postens als Vorsitzender der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der E:ON Kraftwerke GmbH. 2006 wechselte Schmitz zur RheinEnergie AG und wurde dort Vorsitzender des Vorstandes. Seit 2009 arbeitet Dr. Rolf Martin Schmitz f\u00fcr die RWE AG. Dort \u00fcbernahm er verschiedene Aufgaben, zun\u00e4chst als Chief Operating Officer, ab 2010 als Vorstand Operative Steuerung und ab 2012 als stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Seit Oktober 2016 ist Dr. Rolf Martin Schmitz Vorstandsvorsitzender der RWE AG.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDie europ\u00e4ische liberale Gesellschaft steht auf dem Spiel\u201c, schreibt Dr. Rolf Martin Schmitz, CEO RWE AG, in seinem Essay zu unserer Artikelserie \u201eEuropa kann es besser. 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