{"id":12836,"date":"2019-01-08T19:09:25","date_gmt":"2019-01-08T18:09:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.united-europe.eu\/?p=12836"},"modified":"2019-01-08T19:12:59","modified_gmt":"2019-01-08T18:12:59","slug":"die-nicht-euro-staaten-in-der-eu-nach-dem-brexit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/2019\/01\/die-nicht-euro-staaten-in-der-eu-nach-dem-brexit\/","title":{"rendered":"Die Nicht-Euro-Staaten in der EU nach dem Brexit"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zwischen Angst vor politischem Einflussverlust und Euro-Beitritt.<\/strong><br \/>\nObwohl das Vereinigte K\u00f6nigreich den Euro nicht eingef\u00fchrt hat, wird der bevorste\u00adhende Brexit neben den Folgen f\u00fcr die gesamte Europ\u00e4ische Union auch Konsequen\u00adzen f\u00fcr die W\u00e4hrungsintegration haben, schreiben <strong>Pawe\u0142 Tokarski und Serafina Funk*<\/strong> in einem Essay f\u00fcr die <strong>Stiftung Wissenschaft und Politik<\/strong>. Der Austritt Gro\u00dfbritanniens aus der EU wird bei den \u00bbEuro-outs\u00ab, also den acht Mitgliedstaaten, die den Euro nicht eingef\u00fchrt haben, die Bef\u00fcrchtung verst\u00e4rken, dass sich ihr Einfluss auf den Willensbildungsprozess in der Union in Zukunft verringert. Diese Sorge hat zur Bildung einer neuen Koalition von Staaten gef\u00fchrt, die die Interessen der n\u00f6rdlichen Euro-Mitglieder und einiger L\u00e4nder au\u00dferhalb der Eurozone vereint. Zwar ist die Debatte \u00fcber eine Erwei\u00adterung der Eurozone gegenw\u00e4rtig abgeflaut. Der \u00bbBrexit-Moment\u00ab k\u00f6nnte jedoch Aus\u00adl\u00f6ser einer neuen Dynamik und Treiber sein f\u00fcr eine Ausdehnung der Eurozone oder eine St\u00e4rkung der Verbindung einiger Nicht-Euro-Staaten mit der Bankenunion.<\/p>\n<p>Die acht Euro-outs (Bulgarien, D\u00e4nemark, Kroatien, Polen, Rum\u00e4nien, Schweden, Tschechien, Ungarn) sind eine heterogene Gruppe von Staaten, die sehr unterschied\u00adlichen Wirtschaftsmodellen folgen und auf verschiedenen Stufen der \u00f6konomischen Entwicklung stehen. So ist beispielsweise das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf in D\u00e4nemark sieben Mal h\u00f6her als das in Bulgarien. Eine erhebliche Disparit\u00e4t ist auch in puncto Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Nicht-Euro-Staaten zu beobachten. Dem Global Competitiveness Report 2018 zufolge ge\u00adh\u00f6ren Schweden und D\u00e4nemark, beide Euro-outs, zu den weltweit wettbewerbs\u00adf\u00e4higsten Staaten. Sie belegen den 9. und 10. Platz im Ranking. Die anderen Nicht-Euro-Staaten, die von politischer Instabilit\u00e4t und institutioneller Schw\u00e4che gekennzeich\u00adnet sind, st\u00fctzen ihre Wettbewerbsf\u00e4higkeit immer noch auf niedrige L\u00f6hne. Auch bei der Gr\u00f6\u00dfe und Bedeutung des Finanzsektors f\u00fcr die Wirtschaft tun sich innerhalb der Gruppe gro\u00dfe Unterschiede auf. Der Anteil der Verm\u00f6genswerte des Bankensektors am BIP ist in D\u00e4nemark drei Mal h\u00f6her als in Polen. W\u00e4hrend der globalen Finanzkrise standen die mittel- und osteurop\u00e4ischen L\u00e4nder vor immensen Herausforderungen, da sich ihr Bankensektor zu gro\u00dfen Teilen im Besitz ausl\u00e4ndischer Bankengruppen befindet. Dies bedeutete f\u00fcr die nationalen Bankenaufsichtsbeh\u00f6rden, dass sie ihren Kontrollaufgaben nur in begrenztem Um\u00adfang nachkommen konnten. All diese un\u00adgleichen Voraussetzungen f\u00fchren dazu, dass die Nicht-Euro-Staaten im Hinblick auf die europ\u00e4ische finanzpolitische Gesetz\u00adgebung ganz individuelle Priorit\u00e4ten setzen.<\/p>\n<p>Der Umstand, dass die Euro-outs in unter\u00adschiedlichen Stadien der \u00f6konomischen Entwicklung stecken, wirkt sich auf die Dynamik des Wirtschaftswachstums dieser L\u00e4nder aus. Die weniger entwickelten unter ihnen erzielen aufgrund des Aufholeffekts h\u00e4ufig h\u00f6here Wachstumsraten. Abgesehen von Schweden und D\u00e4nemark, deren Wirt\u00adschaftswachstum 2017 leicht unter dem Durchschnitt des Euroraums (2,4%) lag, wuchsen deshalb die Volkswirtschaften jener EU-Mitglieder au\u00dferhalb des Euro-W\u00e4hrungsgebiets, die wirtschaftlich weni\u00adger entwickelt sind, erheblich schneller.<\/p>\n<p>Ihr Verh\u00e4ltnis zum Euro und zur Eurozone gestalten die Euro-outs ebenfalls unterschiedlich. Die meisten von ihnen verfolgen eine unabh\u00e4ngige Geldpolitik. D\u00e4nemark ist seit 1999 Mitglied des Wech\u00adsel\u00adkursmechanismus 2 (Exchange Rate Mechanism 2, ERM 2). Die d\u00e4nische Krone ist dadurch an den Euro gekoppelt. Schon zuvor war sie, ab 1982, an die D-Mark ge\u00adbun\u00adden. Nach dem Brexit wird D\u00e4nemark der einzige Staat sein, der eine Opt-out-Klausel f\u00fcr die W\u00e4hrungsintegration hat. Alle anderen EU-L\u00e4nder sind vertraglich verpflichtet, den Euro einzuf\u00fchren, sobald sie die Konvergenzkriterien erf\u00fcllen. Im Fall D\u00e4nemarks wurde die Ausstiegsklausel vereinbart, nachdem dort die Volksabstim\u00admung \u00fcber den Vertrag von Maastricht im Jahr 1992 gescheitert und in einem weite\u00adren Referendum im Jahr 2000 auch die Ein\u00adf\u00fchrung des Euro abgelehnt worden war.<\/p>\n<p>Der bulgarische Lew ist im Rahmen einer Currency-Board-Regelung mit einem festen Kurs an den Euro gekoppelt. Rum\u00e4nien und Kroatien unterhalten Wechselkursregime mit einem kontrollierten variablen Wechsel\u00adkurs gegen\u00fcber dem Euro. Sehr speziell ist vor allem Kroatiens Verh\u00e4ltnis zur Gemein\u00adschaftsw\u00e4hrung. Die Wirtschaft des Landes ist weitgehend \u00bbeuroisiert\u00ab. So laufen etwa 75 Prozent der Anlagen und 67 Prozent der Verbindlichkeiten auf Euro.<\/p>\n<p>Alle L\u00e4nder der Gruppe sind offene Volks\u00adwirtschaften, die Interesse an der Vertiefung des Binnenmarkts haben. Au\u00dferdem for\u00addern diese Staaten, dass der Euroraum neuen Mitgliedern offenstehen solle. Zugleich ist ihnen an der Integrit\u00e4t des Euro-W\u00e4hrungs\u00adgebiets gelegen, auch wenn sie die daf\u00fcr notwendigen Stabilisierungskosten nicht tragen wollen. Die ungleichen \u00f6konomi\u00adschen Bedingungen in den Nicht-Euro-Staa\u00adten und ihre unterschiedlichen Bezie\u00adhun\u00adgen zum Euro und zur Eurozone machen es den Euro-outs schwer, innerhalb der EU politisch miteinander zu kooperieren. F\u00fcr diese Unionsmitglieder erh\u00f6ht sich damit das Risiko, nach einem Brexit an Einfluss inner\u00adhalb der Gemeinschaft einzub\u00fc\u00dfen.n<\/p>\n<p>Den gesamten Text <a href=\"https:\/\/www.swp-berlin.org\/publikation\/die-nicht-euro-staaten-in-der-eu-nach-dem-brexit\/\">finden Sie hier<\/a>.<\/p>\n<p><em>* Dr. Pawe\u0142 Tokarski ist Wissenschaftler in der Forschungsgruppe EU\/Europa. Serafina Funk arbeitete als Praktikantin in der Forschungsgruppe EU\/Europa. Derzeit ist sie Stipendiatin bei der franz\u00f6sischen Nationalversammlung.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a9 Stiftung Wissenschaft und Politik, 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen Angst vor politischem Einflussverlust und Euro-Beitritt. 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