{"id":10348,"date":"2018-06-20T20:02:11","date_gmt":"2018-06-20T18:02:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.united-europe.eu\/?p=10348"},"modified":"2019-07-02T11:50:37","modified_gmt":"2019-07-02T09:50:37","slug":"zusammenfassung-unserer-lecture-mit-nobelpreistraeger-jean-tirole-in-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.united-europe.eu\/de\/2018\/06\/zusammenfassung-unserer-lecture-mit-nobelpreistraeger-jean-tirole-in-berlin\/","title":{"rendered":"Zusammenfassung unserer Lecture mit Nobelpreistr\u00e4ger Jean Tirole in Berlin"},"content":{"rendered":"<p>Am 14. Juni 2018 hatten wir die Ehre, <strong>Nobelpreistr\u00e4ger Jean Tirole<\/strong> zu einem Vortrag \u00fcber <strong>&#8222;Europe at the Crossroads: Finding a Path towards the common Good&#8220;<\/strong> in der franz\u00f6sischen Botschaft in Berlin zu begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>In ihrer Begr\u00fc\u00dfungsrede dankte die franz\u00f6sische Botschafterin<strong> S.E. Anne-Marie Desc\u00f4tes<\/strong> United-Europe f\u00fcr die Organisation dieser Debatte und stellte <strong>Jean Tirole<\/strong> vor. Mit Hinweis auf sein j\u00fcngstes Buch \u201eEconomics for the Common Good\u201c unterstrich sie die Bedeutung seiner Arbeit \u00fcber Bereitstellung und Verwaltung globaler Gemeinschaftsg\u00fcter wie nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung, Umwelt, Gesundheit und Bildung. Besonders im Hinblick auf die Eurozone betonte sie, dass &#8222;Verantwortung und Solidarit\u00e4t, wenn sie angemessen gestaltet sind, sich gegenseitig verst\u00e4rken&#8220;. Sie zog auch eine Parallele zwischen Jean Tiroles Arbeiten \u00fcber die angemessene sektorale Regulierung und Marktanreize, &#8222;die die deutsche und europ\u00e4ische Debatte \u00fcber die Zukunft der Sozialen Markwirtschaft widerspiegeln&#8220;.<br \/>\nIn seiner folgenden Lecture besch\u00e4ftigte sich Jean Tirole mit Europas Suche nach dem Gemeinwohl und was \u00d6konomen dazu beitragen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt seines von der Wirtschaftsjournalistin <strong>Ursula Weidenfeld<\/strong> moderierten Vortrags stand die Frage, was nach Jahren der Freiheit und des Friedens schief gelaufen ist in der europ\u00e4ischen Integration. \u201eDa ich aus tiefster \u00dcberzeugung Europ\u00e4er bin, kann ich nicht umhin, mir Sorgen \u00fcber die Zukunft des europ\u00e4ischen Konstrukts zu machen. \u201aAlle gl\u00fccklichen Familien sind gleich, jede ungl\u00fcckliche Familie ist auf ihre Weise ungl\u00fccklich\u2018 zitierte er aus Tolstois \u201eAnna Karenina\u201c. \u201eUnd trotz Anzeichen von Erholung und der laufenden Reformen ist die Europ\u00e4ische Union wirklich eine ungl\u00fcckliche Familie.&#8220; Und er fragte: \u201eWie sind wir an diesen Punkt gekommen? Gibt es eine Zukunft f\u00fcr das europ\u00e4ische Projekt?&#8220;<\/p>\n<p>Egal, ob sie sich f\u00fcr nationale Souver\u00e4nit\u00e4t oder F\u00f6deralismus entscheide, so der Nobelpreistr\u00e4ger, k\u00f6nnen die Europ\u00e4er ihren Kuchen nicht gleichzeitig haben und essen. Er stimmte mit der Botschafterin \u00fcberein, dass sich Verantwortung und Solidarit\u00e4t erg\u00e4nzen. \u201eamit die EU funktionieren kann, m\u00fcssen die L\u00e4nder bereit sein, Risiken zu teilen und mehr Souver\u00e4nit\u00e4t abzugeben, w\u00e4hrend sie gleichzeitig das europ\u00e4ische Ideal wiederherstellen und dadurch vereint bleiben. \u201eWir k\u00f6nnten entweder weitermachen wie bisher, indem wir versuchen, die Maastricht-Regeln anzupassen und funktionsf\u00e4hig zu machen, oder wir k\u00f6nnen jetzt beschlie\u00dfen, mehr Risiken gemeinsam zu tragen, d. h. uns auf eine Union mit mehr Transfers und der Aufgabe von mehr Souver\u00e4nit\u00e4tsrechten zuzubewegen.\u201c<\/p>\n<p>Die Frage ist, ob das politisch machbar ist und wer erreichen m\u00f6chte, dass Europa mehr ist als eine Gruppe von Nationalstaatendarstellt. Ohne ein Europa \u00e0 la carte zu unterst\u00fctzen, in dem die L\u00e4nder nur das ausw\u00e4hlen w\u00fcrden, was ihnen zugutekommt und sich weigern, etwas beizutragen, empfiehlt Tirole, dass diejenigen, die diese Entwicklung vorantreiben wollen, vorangehen, und die anderen nach und nach folgen. \u201eGeht Schritt f\u00fcr Schritt vor und schaut, welche Souver\u00e4nit\u00e4tsrechte und \u00dcbertragungsm\u00f6glichkeiten umgesetzt werden k\u00f6nnen.\u201c<br \/>\nEs g\u00e4be Modelle, die in sich selbst \u00fcberzeugen, bis sie in die H\u00e4nde von Politikern fallen, so Tirole. Und er stellte fest, dass das, was \u00d6konomen f\u00fcr vern\u00fcnftig und rational halten, oft weit davon entfernt ist, was Politiker am Ende wollen und auf der Grundlage von Regeln umsetzen. Jean Tiroles Vortrag war ein starkes Pl\u00e4doyer f\u00fcr ein regelbasiertes Europa. Regelbasiert bedeutet aber vor allem, dass Regeln nicht nur formal \u00fcberall gleich sein m\u00fcssen, sondern diese Regeln auch \u00fcberall gleich verstanden werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Er stellte fest, dass wir uns nicht l\u00e4nger hinter dem Schleier der Unwissenheit verstecken k\u00f6nnen und bezog sich damit auf die Notwendigkeit der Mitgliedsstaaten, Transferzahlungen zu akzeptieren. Aber er argumentierte auch, dass Europa, unabh\u00e4ngig davon, ob die Nationalstaaten bereit sind, diese Transfers zu \u00fcbernehmen, so bald wie m\u00f6glich seine Bankenunion durch eine gemeinsame Einlagensicherung (m\u00f6glicherweise in Verbindung mit der Kanalisierung von notleidenden Altlasten in sogenannten Bad Banks) vollenden sollte, da die L\u00e4nder ihre Souver\u00e4nit\u00e4t in Sachen Bankenaufsicht aufgegeben haben.<\/p>\n<p>Um Superm\u00e4chten wie den USA, China oder Russland zu begegnen, m\u00fcssen sich Europa und die EU wieder st\u00e4rker auf ihre eigenen Kr\u00e4fte und auf sich selbst konzentrieren. Das gescheiterte G7-Treffen m\u00fcsse ein Weckruf sein. &#8222;Wir brauchen Europa mehr denn je, da seine Nationalstaaten allein wenig Gewicht in Handel, Klima, Geopolitik oder anderen Verhandlungen haben&#8220;, betonte Tirole. &#8222;Europa muss auch mehr Solidarit\u00e4t und ein besseres L\u00e4ndermanagement f\u00f6rdern. Dazu m\u00fcssen wir Europ\u00e4er den Verlust der Souver\u00e4nit\u00e4t akzeptieren, der mit dem Leben unter einem Dach einhergeht. Und dazu m\u00fcssen wir uns wieder zusammenfinden und gemeinsam f\u00fcr das europ\u00e4ische Ideal eintreten, was heutzutage keine leichte Aufgabe ist.&#8220;<\/p>\n<p><em>Jean Tirole ist Vorsitzender der Stiftung Jean Jacques-Laffont\/ Toulouse School of Economics (TSE) und des Institute for Advanced Study in Toulouse (IAST), Gastprofessor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und Mitglied der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales (EHESS). Der 1953 geborene franz\u00f6sische \u00d6konom erhielt 2014 &#8222;f\u00fcr seine Analyse von Marktmacht und Regulierung&#8220; den Nobelpreis f\u00fcr Wirtschaftswissenschaften<\/em>.<\/p>\n<p>Wir danken I.E. Anne-Marie Desc\u00f4tes, Botschafterin von Frankreich, f\u00fcr ihre gro\u00dfz\u00fcgige Gastfreundschaft!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 14. 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